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3 Agrarstruktur

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

269.800 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland
In Deutschland gab es 2017 269.800 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 21.600 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschafteten 2017 rund 16,7 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2017 61,9 Hektar LF. Nach vorläufigen Ergebnissen für 2018 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe auf rund 267.700 zurückgegangen. Das wären gegenüber dem Vorjahr gut 1 Prozent weniger.
 
Strukturwandel geht weiter
 
 
 
 
 
Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2017 um 51.800 auf 269.800 Betriebe ab. Das sind 16,1 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von 1,7 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um gut die Hälfte zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland bei 2,5 Prozent.
 
Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben
 
Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2017 bundesweit um 5.300 auf 37.100 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 60 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede.
 
Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen
Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.
 
67 Prozent aller Betriebe halten Vieh
 
Nach den Ergebnissen der zuletzt in 2016 durchgeführten Agrarstrukturerhebung (Stichtag 1. März 2016) wurden in 185.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 67,2 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,0 Millionen Schweine, 173,6 Millionen Stück Geflügel, 442.000 Pferde und Esel, 1,8 Millionen Schafe sowie 139.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 53.200 Betriebe oder gut 22 Prozent (jährlich minus 2,8 Prozent). Der Anteil viehloser Betriebe ist deutlich angewachsen, von 27,7 Prozent in 2010 auf 30,1 Prozent in 2013 und dann auf 32,8 Prozent in 2016.
 
Starker Strukturwandel unter den viehhaltenden Betrieben
 
Zwischen 2010 und 2016 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt um rund 8 Prozent zurück. Die sich darunter befindenden viehhaltenden Betriebe gingen nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebungen prozentual fast doppelt so stark zurück (- 14 Prozent). Von 216.100 in 2010 fiel die Zahl der viehhaltenden Betriebe auf 185.200 in 2016. Die Zahl der gehaltenen Rinder ist zwischen 2010 und 2016 nur leicht zurückgegangen, während die Zahl der gehaltenen Schweine etwas zugenommen hat (+ 4 Prozent). Die Zahl der Rinder haltenden Betriebe ging in diesem Vergleichszeitraum um 16 Prozent auf 121.000 zurück, die der Schweine haltenden Betriebe sogar um 33 Prozent auf 40.300. Hinter diesen durchschnittlichen Entwicklungen für das Bundesgebiet stecken große regionale Unterschiede. Anders als bei den jährlichen Viehzählungen werden in Rahmen der Agrarstrukturerhebungen auch Betriebe unterhalb der Tiererfassungsgrenzen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören.
 
Treiber der Strukturentwicklung
  • Schwache Marktstellung – Internationaler Wettbewerb
  • Technischer und züchterischer Fortschritt
  • Wirtschaftliche Größenvorteile
  • Gesetzlicher Regelungsdruck
  • Wachsende Kundenanforderungen
  • Kritische öffentliche Diskussion über Landwirtschaft
Auch in 2018 deutlicher Rückgang der Rinderhalter
 
Nach den Ergebnissen der jährlich durchgeführten Viehzählungen lag die Zahl der in Deutschland gehaltenen Rinder im Mai 2018 bei etwa 12,1 Millionen Stück. Damit ist der deutsche Rinderbestand gegenüber Mai 2017 weiter zurückgegangen (- 2,1 Prozent). Die Zahl der Rinderhalter verringerte sich auf 140.600 (- 2,2 Prozent).
 
75 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern
 
Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei 26 Prozent, sie halten aber drei Viertel aller Tiere (75 Prozent). Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den östlichen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent liegt, werden in Süddeutschland nur etwa drei Fünftel der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.
 
Zahl der Milchviehhalter seit 2008 um gut ein Drittel verringert
In 2018 ist die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter stark zurückgegangen. Im Mai 2018 wurden noch 64.000 Milchviehhalter und damit im Jahresvergleich 5,0 Prozent weniger gezählt. Bereits im Vorjahr war die Zahl der Milchviehhalter stark geschrumpft (- 5,6 Prozent). Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 10 Jahren um gut ein Drittel verringert. Die Zahl der Milchkühe reduzierte sich gegenüber Mai 2017 leicht um 1,1 Prozent auf 4,17 Millionen Tiere. Auch im 10 Jahresvergleich liegt das Tierbestandsminus bei gut einem Prozent.
 
Durchschnittlicher Bestand bei 65 Milchkühen
Im Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehhalter 65 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die größten Herden befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg Vorpommern mit Durchschnittsgrößen von 230 bzw. 236 Kühen. Relativ klein sind die durchschnittlichen Milchviehbestände in Bayern (40 Kühe), Baden Württemberg (50 Kühe) oder Hessen (51 Kühe).
 
53 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen
 
In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen – das sind 17 Prozent aller Milchviehhaltungen – standen im Mai 2018 rund 53 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehhaltungen mit über 500 Milchkühen stieg 2018 auf 548. Deren Milchviehherden machen mit 449.200 Tieren 11 Prozent des deutschen Milchviehbestandes aus.
 
Etwas weniger Ammen- und Mutterkühe
 
Im Mai 2018 wurden in Deutschland 663.200 Ammen- und Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Ammen- und Mutterkühen im Jahresvergleich um 1,1 Prozent zurückgegangen. Die Zahl ihrer Halter ist weiter leicht rückläufig (gegenüber 2017 - 0,3 Prozent). Die insgesamt 49.900 Ammen- und Mutterkuhhalter hielten zuletzt im Durchschnitt 13 Ammen- und Mutterkühe. Der Schwerpunkt dieser Rinderhaltung liegt in Ostdeutschland, wo 41 Prozent aller deutschen Ammen- und Mutterkühe gehalten werden. Die meisten Ammen- und Mutterkühe werden mit rund 90.500 Tieren in Brandenburg gehalten. Der Durchschnittsbestand liegt dort bei 34 Ammen- und Mutterkühen.
 
Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen
 
Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „HolsteinSchwarzbunt“ mit rund 4,96 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,35 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgen Kreuzungstiere aus verschiedenen Fleischrinderrassen und die Milchnutzungsrasse „Holstein-Rotbunt“ mit 0,66 bzw. 0,58 Millionen Tieren. Bei der Viehzählung werden auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2018 8.700 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.
 
Starker Strukturwandel in der deutschen Schweinehaltung
 
Nach den amtlichen Angaben der Agrarstatistik hat die Schweinehaltung in Deutschland offensichtlich ihren Zenit überschritten. Bei der Viehzählung im Mai 2018 standen weniger als 27 Millionen Schweine in den Ställen. Im Vergleich zu den Boomjahren 2012 bis 2015 fallen die Bestände um etwa 4 Prozent niedriger aus. Damit ist etwa wieder das Niveau von vor zehn Jahren erreicht. Der Rückgang in der gesamten Schweinehaltung ist jedoch moderat im Vergleich zur Sauenhaltung. Die deutschen Bestände sind in den letzten 10 Jahren um rund ein Fünftel auf weniger als 1,9 Millionen Tiere geschrumpft. Nach einer Befragung aus August 2018 denkt mehr als die Hälfte der Sauenhalter über eine Betriebsaufgabe nach. Grund sind unsichere gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Ferkelkastration, das Kupieren von Ferkelschwänzen sowie die Haltung der Sauen in Kastenständen betreffen. Nutznießer dieser Verunsicherung in Deutschland sind Halter im benachbarten Ausland, insbesondere in den Niederlanden und Dänemark. Die deutschen Importe an Ferkeln sind von 6,1 Millionen in 2008 auf geschätzte 11,7 Millionen in 2018 gestiegen.
 
Deutsche Schweinehaltung hat den Zenit überschritten
Zum Stichtag 3. Mai 2018 wurden in Deutschland rund 26,89 Millionen Schweine gehalten. Im Jahresvergleich waren das etwas weniger Schweine (- 1,0 Prozent). Gleichzeitig ging die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um 3,8 Prozent auf 22.900 Betriebe zurück. Bereits im Vorjahr schrumpfte die Zahl der Schweinehalter deutlich (- 2,9 Prozent). In der Viehzählung werden seit 2010 nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten. Seit 2010 sind die so definierten Schweinehalter um 31 Prozent zurückgegangen, während der Schweinebestand um 3 Prozent angestiegen ist. Die Entwicklung zu größeren Beständen schreitet auch in der Schweinehaltung weiter voran. 77 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine standen im Mai 2018 in Beständen mit 1.000 und mehr Schweinen. 
 
Zahl der Sauenhalter stark geschrumpft
 
Mit rund 1,86 Millionen Tieren wurden im Mai 2018 bundesweit deutlich weniger Zuchtsauen gezählt als ein Jahr zuvor (- 2,5 Prozent). Die Zahl ihrer Halter ging besonders stark zurück, und zwar um rund 400 oder 4,7 Prozent auf 8.100. Bereits im Vorjahr sank die Zahl der Sauenhalter erheblich (- 5,6 Prozent). Seit 2010 und damit binnen 8 Jahren hat jeder zweite Sauenhalter seine Ferkelerzeugung eingestellt. Die Zahl der gehaltenen Sauen hat sich im gleichen Zeitraum um 17 Prozent vermindert. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich weiter erhöht, und zwar auf durchschnittlich 229 Zuchtschweine. 67 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Sauen stehen in Ställen mit 250 und mehr Zuchtsauen.
 
Relativ stabile Schafbestände
Die Schafbestände werden von der amtlichen Statistik nur einmal im Jahr erfasst, und zwar im November. Im November 2017 wurden insgesamt 1,58 Millionen Schafe gezählt und damit in etwa genauso viele Tiere wie ein Jahr zuvor (+ 0,4 Prozent). Die Anzahl der Schafhalter stieg im Jahresvergleich um 2,1 Prozent auf 9.900 an. Seit 2011 sind Schafhalter und Schafbestände jeweils um knapp 5 Prozent zurückgegangen. Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfielen im November 2017 52 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. In der jährlichen Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten.
Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Nach der Agrarstrukturerhebung 2016 gab es 19.600 Schafhalter mit 1,83 Millionen Schafen.
 
Tierhaltung mit regional unterschiedlichen Intensitäten
Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche relativ hoch. Die neuen Bundesländer dagegen kennzeichnet eine eher geringe Tierhaltungsdichte. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 58 Prozent aller Schweine gehalten. Auch die Geflügelhaltung ist mit 53 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat Bayern bei der Rinderhaltung den höchsten Anteil. Rund 25 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 42 Prozent aller Rinder.