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3 Agrarstruktur

3.6 Agrarstrukturen in der EU

Bedeutung der Landwirtschaft
Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung lag 2017 in der EU 28 bei 1,6 Prozent. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, steuert die Landwirtschaft etwa 0,9 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. Deutlich höher ist dieser Anteil mit 1,7 bzw. 2,1 Prozent in Frankreich und Italien. Am größten ist der Anteil der Landwirtschaft in Rumänien und Bulgarien (4,8 bzw. 4,7 Prozent), gefolgt von Ungarn (4,4 Prozent). 
 
Deutschland zweitgrößter Agrarproduzent in der EU
 
Größter Agrarproduzent der EU-28 ist Frankreich mit einem Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion von 72,6 Milliarden Euro (2017). Damit erwirtschaftet Frankreich 16,8 Prozent der europäischen Agrarproduktion. Mit deutlichem Abstand folgen dann Deutschland mit einem Produktionswert von 56,2 Milliarden Euro und Italien mit 55,1 Milliarden Euro. Ihre Anteile an der europäischen Agrarproduktion betragen 13,0 bzw. 12,7 Prozent. 
 
Deutschland: Größter Milch- und Schweineproduzent der EU
 
Im Vergleich der europäischen Länder gehören die deutschen Landwirte bei acht wichtigen Agrarprodukten zum Spitzentrio. Bei Milch, Schweinefleisch und Kartoffeln ist Deutschland sogar der größte europäische Produzent. Bei Getreide, Raps, Zucker, Rindfleisch und Eiern produzieren die französischen Landwirte die größte Menge. Ein Fünftel bis ein Viertel der gesamten europäischen Milch- und Schweineerzeugung wird von deutschen Landwirten erzeugt. Bei einer ganzen Reihe von Agrarprodukten übersteigt die Produktion zudem den Inlandsbedarf. Diese Mengen werden in andere europäische Länder oder am Weltmarkt abgesetzt. Anders bei Obst und Gemüse, wo die deutsche Erzeugung geringe Marktanteile erreicht.
 
Bei vielen Erzeugnissen Marktanteile gewonnen 
Im Zehnjahresvergleich hat Deutschland seine Marktanteile bei wichtigen Produkten ausbauen können. Der rückläufige deutsche Anteil an der EU-Rapserzeugung steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Biodieselerzeugung auf Rapsbasis in anderen EU-Mitgliedstaaten.
 
Bedeutung der Landwirtschaft am Arbeitsmarkt sehr unterschiedlich

In den Ländern Süd- und Mittelosteuropas ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil vergleichsweise hoch. Er fällt in Rumänien (24 Prozent) und Bulgarien (19 Prozent) sowie auch in Griechenland und Polen (11 bzw. 10 Prozent) besonders hoch aus. Relativ niedrig ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil dagegen im Vereinigten Königreich, Belgien und Deutschland mit gut 1 Prozent. 
 
Starker landwirtschaftlicher Strukturwandel
2016 gab es in der EU-28 10,2 Millionen landwirtschaftliche Betriebe und eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 173,0 Millionen Hektar. Gegenüber 2007 verringerte sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 26 Prozent. Bei nahezu unveränderter landwirtschaftlicher Fläche stieg die durchschnittliche Betriebsgröße eines Betriebes in der EU zwischen 2007 und 2016 von 12 auf 17 Hektar. Auch beim Arbeitseinsatz macht sich der Strukturwandel in der EU-Landwirtschaft deutlich bemerkbar. Im Zehnjahreszeitraum von 2007 bis 2017 sind ein Fünftel der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft weggefallen. Fast drei Viertel der Arbeitsplätze entfallen auf nicht entlohnte Familien-Arbeitskräfte.

Große Strukturunterschiede in der EU-Landwirtschaft

28 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU werden von Frauen geführt. In Deutschland liegt dieser Anteil mit knapp 10 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Die von juristischen Personen geführten Betriebe machen EU-weit zwar nur knapp 3 Prozent aller Betriebe aus. Sie bewirtschaften aber 22 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in der EU-28. Besonders von Ländern im Süden und Osten Europas wird die Agrarstruktur von relativ kleinen Betrieben dominiert. Insgesamt sind in der EU-28 6,7 Millionen landwirtschaftliche Betriebe (65 Prozent aller Betriebe) kleiner als 5 Hektar. 4,2 Millionen Betriebe (41 Prozent aller Betriebe), davon knapp 3 Millionen Betriebe in Rumänien, verwenden mindestens die Hälfte ihrer Erzeugung für den Eigenverbrauch.

Mehr als jeder zweite Hektar in Betrieben mit 100 Hektar und mehr
 
Zwar bewirtschaften nur gut 3 Prozent der Betriebe in der EU 100 Hektar LF und mehr. Die von diesen Betrieben bewirtschaftete Fläche aber macht 53 Prozent der EU-Agrarfläche aus. Deutschland liegt im Jahr 2016 mit entsprechend fast 14 Prozent der Betriebe und 59 Prozent der Fläche über dem EU-Durchschnitt.

Ein Drittel der Betriebsleiter in der EU ist älter als 65 Jahre
In den meisten Ländern der Europäischen Union werden die Betriebe erst relativ spät an die Nachfolgegeneration übergeben. 32 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsleiter in der EU waren 2016 65 Jahre und älter. Nur rund 11 Prozent sind jünger als 40 Jahre. Spitzenreiter bei den Junglandwirten sind Österreich und Polen, wo etwa 22 bzw. 20 Prozent der Betriebsleiter jünger als 40 Jahre sind. Die relativ günstige Altersstruktur der Betriebsinhaber in Deutschland ist unter anderem Folge der deutschen Alterssicherung der Landwirte, die bislang an die Betriebsaufgabe geknüpft war.
 
43 Prozent der Flächen in der EU sind Pachtflächen
Etwa 43 Prozent der Agrarflächen in der EU sind nach zuletzt für 2013 vorliegenden Angaben gepachtet. Besonders hoch sind die Pachtflächenanteile in der Slowakei und Frankreich mit nahezu 80 Prozent. Aber auch in Deutschland liegt der Pachtflächenanteil (60 Prozent) deutlich über dem EU-Durchschnitt. In den letzten Jahren ist der Pachtflächenanteil in vielen Ländern weiter angestiegen.
 
Boden- und Pachtpreise ziehen EU-weit an
 
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in fast allen anderen EU-Ländern sind sowohl die Kauf- als auch die Pachtpreise für Landwirtschaftsflächen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Am höchsten sind die Bodenpreise in den Niederlanden, am niedrigsten in den baltischen und einigen anderen osteuropäischen Ländern. Hinter den nationalen Durchschnittswerten stecken allerdings große regionale Unterschiede. Auch ist die statistische Vergleichbarkeit häufig nur bedingt gegeben.