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3 Agrarstruktur

3.6 Forstwirtschaft

Knapp ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald
Der Wald übernimmt wichtige Funktionen. Er reinigt die Luft, produziert Sauerstoff, sorgt für Trinkwasser und ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. Im dicht besiedelten Deutschland bietet er Raum für Erholung und Naturerlebnis. Nicht zuletzt liefert der Wald den bedeutendsten nachwachsenden Rohstoff: Holz. Er leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum.
Rund 11,4 Millionen Hektar, 32 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, sind mit Wald bedeckt. Regional schwankt der Bewaldungsanteil stark, zwischen 3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 64 Prozent im Landkreis Regen (Bayern).
 
Waldfläche hat sich zuletzt nur wenig verändert
Die Waldfläche in Deutschland hat sich nach Ergebnissen der Bundeswaldinventur zwischen 2002 und 2012 nur wenig verändert. Einem Waldverlust von 58.000 Hektar stehen 108.000 Hektar neuer Wald gegenüber. In der Summe hat die Waldfläche um 0,4 Prozent oder 50.000 Hektar zugenommen.
 
Knapp die Hälfte des deutschen Waldes ist Privatwald
Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 48 Prozent Privatwald. 29 Prozent des Waldes sind im Eigentum der Länder, 19 Prozent im Eigentum von Körperschaften und 4 Prozent im Eigentum des Bundes. Dabei bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Der Anteil des Privatwaldes reicht von 24 Prozent in Hessen bis 67 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Er überwiegt häufig in den dünner besiedelten ländlichen Regionen. Der Staatswaldanteil liegt zwischen 17 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 50 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Der Körperschaftswald hat in Rheinland-Pfalz einen Anteil von 46 Prozent, in Brandenburg etwa 7 Prozent, in Niedersachen und Sachsen-Anhalt rund 9 Prozent.
 
2 Millionen Kommunal- und Privatwaldbesitzer
Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend kleinstrukturiert, teilweise zersplittert. Die Zahl der körperschaftlichen und privaten Waldeigentümer in Deutschland wird auf 2 Millionen geschätzt. Die Eigentümer kleiner Waldflächen sind oftmals wegen räumlicher Distanzen, urbaner Lebensweise oder ihrer beruflicher Tätigkeiten kaum noch mit den Erfordernissen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung vertraut. Zudem sind die finanziellen Erträge aus der Waldbewirtschaftung an den Gesamteinkünften des Eigentümers oftmals gering. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche teilen sich Betriebe mit weniger als 20 Hektar. Nur 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben mit einer Größe über 1.000 Hektar.
 
Kleinwaldbesitz mit besonderen Herausforderungen
Auf Grund der in der Summe großen Fläche der Klein- und Kleinstprivatwaldeigentümer unterstützen forstwirtschaftliche Beratung und Betreuung durch staatliche Forsteinrichtungen und private Forstbetriebsgemeinschaften als Selbsthilfeeinrichtungen den Kleinwaldbesitz. In Deutschland gibt es etwa 4.560 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse mit 383.000 Waldbesitzern, die zusammen ca. 3,8 Millionen Hektar Wald betreuen.
 
Landwirte bewirtschaften 1,3 Millionen Hektar Wald
Nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2013 entfallen auf die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland rund 1,3 Millionen Hektar Wald. Von den 5,5 Millionen Hektar Privatwald bewirtschaften die deutschen Bauern damit nahezu jeden vierten Hektar (24 Prozent). Von den 153.100 landwirtschaftlichen Betrieben mit Wald – das ist mehr als jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb – haben 28.000 mindestens 10 Hektar Wald in der Bewirtschaftung.
 
Große Baumartenvielfalt
Die häufigsten Baumarten sind Fichte (25 Prozent) und Kiefer (22 Prozent), gefolgt von Buche (16 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Diese vier Baumarten nehmen zusammen fast drei Viertel (73 Prozent) der Waldfläche ein. Auf Birke, Esche, Erle, Lärche und Douglasie und Berghorn entfallen zusammen weitere 17 Prozent der Waldfläche. Insgesamt wachsen in den deutschen Wäldern 76 unterschiedliche Baumarten.
Fremdländische Waldbaumarten wie Douglasie, Japanlärche, Roteiche, Robinie, Sitkafichte, Schwarzkiefer, Weymouthkiefer, Küstentanne und andere haben zusammen einen Flächenanteil von knapp 5 Prozent. Der Anbau dieser Baumarten eröffnet zusätzliche waldbauliche Alternativen zu der durch die Eiszeiten stark verminderten Zahl mitteleuropäischer Baumarten.
 
Immer mehr Laubbäume
Der Flächenanteil von Laubbäumen beträgt 44 Prozent, derjenige von Nadelbäumen rund 56 Prozent. Der Nadelbaumanteil, insbesondere der der Fichte, nimmt seit einigen Jahren ab, der Laub- und Mischwaldanteil nimmt dagegen zu. Dieser Waldumbau steht im Gegensatz zur Nachfrage nach Holz, die aus Gründen der technischen Nutzbarkeit nach wie vor in hohem Umfang auf Nadelholz ausgerichtet ist.
 
Immer mehr Waldflächen mit alten Bäumen
Der Wald ist nach der aktuellen Bundeswaldinventur im Durchschnitt heute 77 Jahre alt und gegenüber 2002 damit um viereinhalb Jahre älter. Im Durchschnitt am ältesten sind Eichen mit 102, Buchen mit 100 und Tannen mit 96 Jahren. Die Douglasie ist mit im Mittel 45 Jahren die „jüngste“ Baumart. Knapp ein Viertel des Waldes (24 Prozent) ist älter als 100 Jahre, 14 Prozent sogar älter als 120 Jahre. Die Fläche der Altbestände über 100 Jahre ist gegenüber 2002 um fast 400.000 Hektar gestiegen. Die Altersstruktur des Waldes in Deutschland ist durch die umfangreichen Wiederaufforstungen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt.
 
Mehr naturnahe Waldwirtschaft, mehr Totholz
Je weiter sich die vorhandene Baumarten-Zusammensetzung von der, die sich natürlich einstellen würde, entfernt, umso geringer wird die Naturnähe eingestuft. Nach der Bundeswaldinventur 2012 zählen 36 Prozent der Waldbestände als „naturnah“ oder „sehr naturnah“. Weitere 41 Prozent sind als bedingt naturnah eingestuft. Gegenüber der vorangegangenen Bundeswaldinventur in 2002 sind die Anteile naturnaher Waldbewirtschaftung deutlich angestiegen. Ähnliches gilt für die Totholzmasse. Diese hat im Zeitraum 2002-2012 deutlich zugenommen, und zwar um fast ein Fünftel auf 224 Millionen Kubikmeter. 17 Prozent des deutschen Waldes befinden sich in Fauna-Flora-Habitat-Gebieten.
Auf knapp 600.000 Hektar, also 5 Prozent der Waldfläche, befinden sich geschützte Biotope. Invasive Pflanzen, die heimische Baumarten in ihrem Wachstum behindern können, haben nach Ergebnissen der aktuellen Bundeswaldinventur nur eine geringe Bedeutung.
 
Vorrat weiter angestiegen
Der Holzvorrat hat eine Höhe erreicht wie seit Jahrhunderten nicht mehr. Innerhalb von zehn Jahren ist er um weitere 7 Prozent angestiegen. Mit einem Vorrat von 336 Kubikmeter pro Hektar liegt Deutschland nach der Schweiz und Österreich an der Spitze der europäischen Länder. Mit 3,7 Milliarden Kubikmeter Gesamtvorrat steht im deutschen Wald mehr Holz als in jedem anderen Land der Europäischen Union. An dieser Vorratserhöhung sind alle Eigentumsarten beteiligt. Die größten Hektarvorräte befinden sich mit 352 Kubikmeter pro Hektar im Privatwald. Mit Ausnahme der Fichte sind die Vorräte der einzelnen Baumarten angestiegen.
 
Holzzuwachs auf hohem Niveau
Der Holzzuwachs ist mit 11,2 m3 je Hektar und Jahr oder 121,6 Millionen m³ pro Jahr weiterhin auf einem hohen Niveau. Allerdings hat sich die in den 1990er Jahren beobachtete Beschleunigung des Wachstums nicht fortgesetzt. Von den weit verbreiteten Baumarten wächst die Fichte mit 15,3 m3 pro Jahr und Hektar am schnellsten. Mit 10,3 m3 pro Jahr und Hektar folgt die Buche. Den größten Zuwachs haben jedoch Douglasien mit 18,9 m3 pro Jahr und Hektar und Tannen mit 16,3 m3 pro Jahr und Hektar. Diese machen zusammen aber kaum 4 Prozent der Waldfläche aus.
 
76 Millionen Kubikmeter Rohholz werden jährlich genutzt
Im Zeitraum von 2002 bis 2012 sind in Deutschland durchschnittlich 76 Millionen Kubikmeter Rohholz (Erntefestmeter ohne Rinde) pro Jahr genutzt worden. Insbesondere die Privatwaldeigentümer konnten ihren Holzeinschlag steigern und nutzten den Wald durchschnittlich mit derselben Intensität wie staatliche Forstbetriebe den Landeswald. Im Landeswald ist der Holzeinschlag unverändert bei 98 Prozent des Zuwachses. Vor allem im Kleinprivatwald bis 20 Hektar Größe, also immerhin auf der Hälfte der Privatwaldfläche Deutschlands, wird weniger intensiv genutzt als in den übrigen Größenklassen. Die anderen Privatwälder werden intensiver genutzt als der Landeswald.
 
Zuwachs größer als Nutzung
Es wird weniger Holz genutzt als nachwächst. Holznutzung und natürliches Absterben von Bäumen erreichen insgesamt 87 Prozent des Zuwachses. Die restlichen 13 Prozent gehen in den Vorratsaufbau. Bei den meisten Baumarten beträgt dieses Verhältnis zwischen 55 Prozent und 80 Prozent. Bei der Fichte liegen Holznutzung und natürliches Absterben dagegen um 15 Prozent über dem Zuwachs. Ihr Vorrat wurde damit reduziert. Weil der Zuwachs größer als die Nutzung ist, erweist sich der Wald auch als Kohlenstoffsenke. Pro Jahr werden 53 Millionen Tonnen CO2 mehr aufgenommen als abgegeben (6 Prozent der Emissionen in Deutschland).
 
 
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