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3 Agrarstruktur

3.7 Strukturentwicklung in der EU und in Deutschland

Bedeutung der Landwirtschaft
Der Beitrag der Landwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung lag 2011 in der EU 27 bei 1,7 Prozent. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, steuert die Landwirtschaft etwa 0,9 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. In Frankreich (1,8 Prozent), Italien (1,9 Prozent) und Spanien (2,7 Prozent) ist der Beitrag der Landwirtschaft zur jeweiligen Bruttowertschöpfung deutlich höher. Am größten ist dieser Anteil in Rumänien (6,7 Prozent), Bulgarien (5,3 Prozent), Lettland (4,1 Prozent), der Slowakei (3,9 Prozent) und Polen, Ungarn, Estland (jeweils 3,5 Prozent).


Deutschland zweitgrößter Agrarproduzent in der EU
Größter Agrarproduzent in der EU 27 blieb 2011 Frankreich mit einem Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion von 70,4 Milliarden Euro. Damit erwirtschaftet Frankreich 18,0 Prozent der europäischen Agrarproduktion. Mit deutlichem Abstand folgen dann Deutschland mit einem Produktionswert von 52,3 Milliarden Euro und Italien mit 47,8 Milliarden Euro. Ihre Anteile an der europäischen Agrarproduktion betragen 13,6 bzw. 12,3 Prozent.


Deutschland: Größter Milch- und Schweineproduzent der EU
Im Vergleich der europäischen Länder gehören die deutschen Landwirte bei acht Agrarprodukten zum Spitzentrio. In den Produktbereichen Milch, Schweinefleisch, Raps und Kartoffeln ist Deutschland sogar der größte europäische Produzent. Bei Getreide, Zucker, Rind- und Geflügelfleisch produzieren die französischen Landwirte die größte Menge. Jeweils gut ein Fünftel der gesamten europäischen Milch- und Schweineerzeugung wird von deutschen Landwirten erzeugt. Bei einer ganzen Reihe von Agrarprodukten übersteigt die Produktion zudem den Inlandsbedarf. Diese Mengen werden in andere europäische Länder oder am Weltmarkt abgesetzt.

 
Bei vielen Erzeugnissen Marktanteile gewonnen
Im Zehnjahresvergleich hat Deutschland seine Marktanteile bei vielen Produkten ausbauen können. Deutlich rückläufige Marktanteile sind jedoch bei Eiern als Folge des vorzeitigen Verbots der Käfighennenhaltung sowie bei Rindfleisch als Folge der BSE-Krise verzeichnen. Der rückläufige deutsche Anteil an der EU-Getreideerzeugung steht im Zusammenhang mit der zunehmenden Nutzung der Ackerflächen für Energiepflanzen.


Bedeutung der Landwirtschaft regional sehr unterschiedlich
Unterschiedlich hoch ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil. Er fällt in Rumänien (29 Prozent) sowie auch in Polen (13 Prozent), Griechenland (12 Prozent) sowie Portugal (10 Prozent) besonders hoch aus. Relativ niedrig ist der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil dagegen in Deutschland (knapp 2 Prozent).


Starker landwirtschaftlicher Strukturwandel
2010 gab es in der EU-27 12,0 Millionen landwirtschaftliche Betriebe und eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von 172 Millionen Hektar. Gegenüber 2003 verringerte sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 20 Prozent. Bei nahezu unveränderter landwirtschaftlicher Fläche stieg die durchschnittliche Betriebsgröße eines Betriebes in der EU-27 zwischen 2003 und 2010 von 12 auf 14 Hektar.


34 Prozent der Landwirte in der EU sind älter als 65 Jahre
In der Europäischen Union werden die Betriebe häufig erst spät an die Nachfolgegeneration übergeben. 34 Prozent der Betriebsinhaber der EU sind nach zuletzt für 2007 vorliegenden Angaben 65 Jahre und älter. Nur 6 Prozent sind jünger als 35 Jahre. Spitzenreiter bei den Junglandwirten ist Polen, wo 13 Prozent der Betriebsinhaber jünger als 35 Jahre sind. Die relativ günstige Altersstruktur der Betriebsinhaber in Deutschland ist unter anderem Folge der deutschen Alterssicherung der Landwirte, die an die Betriebsaufgabe geknüpft ist.


Fast jeder zweite Hektar in Betrieben mit 100 Hektar und mehr
Zwar bewirtschaften nur gut 2 Prozent der Betriebe in der EU 100 Hektar LF und mehr. Die von diesen Betrieben bewirtschaftete Fläche aber macht 47 Prozent der EU-Agrarfläche aus. Deutschland liegt mit entsprechend 11 Prozent der Betriebe und 55 Prozent der Fläche deutlich über dem EU-Durchschnitt.
 
 
42 Prozent der Flächen in der EU sind Pachtflächen
Etwa 42 Prozent der Agrarflächen in der EU sind zugepachtet. Besonders hoch sind die Pachtflächenanteile in der Slowakei (88 Prozent), Tschechien (78 Prozent) und Frankreich (75 Prozent). Aber auch in Deutschland liegt der Pachtflächenanteil (60 Prozent) deutlich über dem EU-Durchschnitt. Im Rahmen des Strukturwandels steigt der Pachtflächenanteil in vielen Ländern weiter an.


Große Strukturunterschiede in der Rinder- und Milchviehhaltung
Von den im Jahr 2010 gehaltenen 87,4 Millionen Rindern in der EU-27 wurden 61 Prozent in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten. In Deutschland liegt der entsprechende Anteil bei 68 Prozent. Dagegen sind es den Ländern wie Österreich und Polen nur 12 bis 13 Prozent der Tiere. Ähnliche Unterschiede bestehen in der Struktur der Milchviehhalter. In Ländern wie Dänemark, Tschechien und dem Vereinigten Königreich standen 2010 mehr als vier Fünftel der Tiere in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen.


Auch in der Schweinehaltung sehr unterschiedliche Strukturen
Die Struktur der Schweinehaltung ist in den Mitgliedstaaten der EU-27 sehr unterschiedlich: Relativ groß sind die durchschnittlichen Bestände  in Dänemark, den Niederlanden und Belgien. In Dänemark, Italien und der Tschechien werden über 75 Prozent der Schweine in Beständen von mindestens 1.000 Tieren gehalten. In Deutschland waren es nach den Viehzählungsergebnissen aus Mai 2012 entsprechend 71 Prozent.


Strukturwandel in der Sauenhaltung
Die auf die Ferkelerzeugung spezialisierten Betriebe haben in den letzten Jahren einen besonders starken Strukturwandel vollzogen. In Dänemark und den Niederlanden liegt der durchschnittliche Bestand bei 518 bzw. 380 Sauen pro Betrieb. Über die Hälfte aller dänischen Sauen werden in Bestandsgrößen von über 500 Tieren gehalten. In Deutschland liegt dieser Anteil nach den Viehzählungsergebnissen aus Mai 2012 bei 34 Prozent.
 
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Herausgegeben vom Deutschen Bauernverband mit Unterst�tzung von: