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5 Fakten zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft

5.1 Konjunkturentwicklung

Unsicherheiten dämpfen die Konjunktur
Nach einem überraschend guten Start in das Jahr 2014 hat die deutsche Konjunktur einen deutlichen Dämpfer erhalten. Hierfür dürften die geopolitischen Risiken ebenso eine Rolle gespielt haben wie die ungünstige Entwicklung im Euro-Raum. Relativ positiv entwickelten sich Beschäftigung und privater Konsum in Deutschland. Für das Jahr 2014 erwartet der Sachverständigenrat der Bundesregierung in seinem Herbstgutachten vom November 2014 eine Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,2 Prozent, für das Jahr 2015 von 1,0 Prozent.
 
Euro-Raum mit verhaltener wirtschaftlicher Entwicklung
Die Weltkonjunktur dürfte im Jahr 2015 weiterhin zweigeteilt sein: Die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich verzeichnen unter den Industriestaaten das höchste Wachstum. Für den Euro-Raum zeichnet sich eine verhaltene Entwicklung mit einer erwarteten Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent und einer Inflationsrate von 0,7 Prozent ab.
 
Ähnliche Konjunkturverläufe in Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft
In den vergangenen Jahren zeigte sich ein weitgehender Gleichlauf der Trends in der Landwirtschaft und der Gesamtwirtschaft. Dies zeigt ein Vergleich des Konjunkturbarometer Agrar mit dem ifo Geschäftsklimaindex. Häufig ist die Konjunktureinschätzung der Landwirte zeitlich etwas nachlaufend zur Gesamtwirtschaft. Dies zeigt die enge Anbindung der Land- und Agrarwirtschaft an die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten.
 
Verhaltene Investitionsbereitschaft
Der Sachverständigenrat sieht Anhaltspunkte für eine Schwäche bei den öffentlichen Investitionen, nicht aber bei den privaten Investitionen. Dort kommen aber trotz niedriger Zinsen die Investitionen nicht in Schwung. Ungünstige Preis- und Marktentwicklungen auf den meisten Märkten führen auch im Agrarbereich zu einer Investitionszurückhaltung. Das zeigen die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar aus September 2014.
Die wirtschaftspolitische Empfehlung des Sachverständigenrates lautet, die Rahmenbedingungen für private Investitionen und Innovationen zu verbessern.
 
Sinkende Investitionsvolumina in der Landwirtschaft
Nach den Ergebnissen des Konjunkturbarometers Agrar vom September 2014 ist die Investitionsneigung unter den Landwirten deutlich zurückgegangen. Nur 34 Prozent der Landwirte wollen im nächsten halben Jahr investieren; vor einem Jahr waren es noch 39 Prozent. Das geplante Investitionsvolumen fällt von 5,9 auf 5,5 Milliarden Euro. Dominierend sind vor allem Investitionen in Ställe und Stalltechnik mit geplanten 3,5 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr minus 0,4 Milliarden Euro). Mit 1,0 Milliarden Euro sind ferner die Maschineninvestitionen rückläufig (minus 0,2 Milliarden Euro). Auch die Investitionen in erneuerbare Energien wie Biogas, Fotovoltaik, Windkraft fallen mit 0,7 Milliarden Euro deutlich unter den Vorjahresstand (minus  0,2 Milliarden Euro), während die außerlandwirtschaftlichen Investitionen mit 0,4 Milliarden Euro zunehmen.
 
Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft stabil
Ebenso wie in der Gesamtwirtschaft hat die Zahl der Erwerbstätigen auch in der Land- und Forstwirtschaft in 2014 gegenüber Vorjahr leicht zugenommen. Über die letzten 10 Jahre hat sich die Zahl der landwirtschaftlichen Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft relativ stabil gehalten.
 
Nahrungsmittelpreise als Inflationsbremse
Die Inflationsrate in Deutschland fällt 2014 im Jahresdurchschnitt voraussichtlich auf 1,0 Prozent und wird vom Sachverständigenrat für 2015 leicht höher eingeschätzt (+1,3 Prozent). Preisdämpfend wirken wieder die Nahrungsmittel, nachdem sie in den Jahren zuvor stärker angestiegen waren als die allgemeinen Lebenshaltungskosten.
 
Stimmungslage der deutschen Landwirte deutlich verschlechtert
Nach den Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar für den Monat September 2014 bewerten die deutschen Landwirte ihre aktuelle wirtschaftliche Lage deutlich schlechter als in den Vormonaten. Auch die Einschätzungen zur künftigen wirtschaftlichen Entwicklung haben sich drastisch verschlechtert. Hauptursache für diesen Stimmungseinbruch sind gravierende Erzeugerpreisrückgänge bei Schlachtschweinen, Getreide, Milch, Rindern und weiteren wichtigen Agrarerzeugnissen. Aber auch die europäische und nationale Agrarpolitik trägt zur pessimistischen Stimmungslage bei. Der Index des Konjunkturbarometer Agrar ist im September 2014 gegenüber der vorangegangenen Erhebung im Juni 2014 von 30,7 auf 19,2 Punkte stark eingeknickt.
 
In allen Betriebsformen sind die Zukunftserwartungen getrübt
Im Durchschnitt der Befragten wird im September 2014 bei der aktuellen Lage ein Wert von 2,76 auf einer Notenskala von 1 bis 5 erzielt. Ähnlich niedrig war der Wert zuletzt im September 2011. Mit einem Wert von 3,29 werden die wirtschaftlichen Aussichten in kommenden 2 bis 3 Jahren noch skeptischer beurteilt. Zuletzt wurde ein solcher Abschwung in der Zeit der internationalen Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahre 2008/09 registriert. Damals kam es zu einem drastischen Einbruch der globalen Agrarpreise.
 
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind wichtig
Die nationale Umsetzung der aktuellen Agrarreform trägt den Befragungsergebnissen zufolge zur Verunsicherung der Landwirte bei. Zuletzt wurden die nationale und die EU-Agrarpolitik in den Krisenjahren 2008 und 2009 so negativ beurteilt wie heute. Positiv auf die wirtschaftliche Stimmungslage der Landwirte wirken sich dagegen die Entwicklungen auf den Futtermittel- und Energiemärkten aus. Als mit Abstand größter Belastungsfaktor wird die Pachtpreisentwicklung gesehen, besonders im Norden Deutschlands.
 
 
 
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