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5 Fakten zur wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft

5.1 Konjunkturentwicklung

Aufschwungphase verliert etwas an Fahrt
Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich in einer der längsten Aufschwungphasen seit 1945. Für Deutschland rechnet der Sachverständigenrat in seiner Schätzung von November 2018 mit einer Abschwächung der Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent im Jahr 2018 auf 1,5 Prozent im Jahr 2019, nach jeweils + 2,2 Prozent in den beiden Vorjahren. Das Wachstum der Weltwirtschaft dürfte sich ebenfalls verlangsamen. Für den Euro-Raum werden in den Jahren 2018 und 2019 Zuwachsraten des BIP von 2,0 Prozent beziehungsweise 1,7 Prozent prognostiziert. Es bestehen Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung durch eine Eskalation von Handelskonflikten, einen ungeordneten Brexit oder ein Wiederaufflammen der Euro-Krise. 
 
Gleichlauf von Agrarkonjunktur und gesamtwirtschaftlicher Entwicklung
 
Abgesehen von den Jahren 2015 und 2016 (Milchkrise) zeigt sich ein weitgehender Gleichlauf der Trends in der Landwirtschaft und der Gesamtwirtschaft. Dies ergibt ein Vergleich des Konjunkturbarometer Agrar mit dem ifo Geschäftsklimaindex. 
 
Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft rückläufig
Nach Schätzung des Sachverständigenrates nimmt die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft in den Jahren 2018 und 2019 um 587.000 bzw. 407.000 Personen zu. Demgegenüber bleibt die Zahl der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft in 2018 gegenüber dem Vorjahr mit 616.000 unverändert.
 
Etwas stärkerer Anstieg der Verbraucherpreise 
 
Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen am Verbraucherpreisindex, wird nach voraussichtlich 1,9 Prozent im Jahr 2018 auf 2,1 Prozent im Jahr 2019 nur leicht ansteigen. Die Preise für Nahrungsmittel steigen in 2018 mit voraussichtlich plus 2,4 Prozent etwas stärker an als die allgemeine Inflationsrate.
 
Zurückhaltung bei den Investitionen
 
Höhere Investitionen sind neben vermehrten Konsumausgaben die Treiber der aktuellen wirtschaftlichen Konjunkturentwicklung. In der Landwirtschaft haben ungünstige Preis- und Marktentwicklungen bei wichtigen Agrarerzeugnissen in 2015 und 2016 allerdings zu einer starken Investitionszurückhaltung geführt. Erst gegen Ende des Jahres 2016 begann die Investitionsneigung in der Landwirtschaft wieder zu erstarken. Sie vermag damit aber nicht an das Niveau weiter zurückliegender Jahre anzuknüpfen. Ein wesentlicher Grund dafür sind aus Sicht der Landwirte unsichere Rahmenbedingungen für Investitionen besonders in die Tierhaltung. Das zeigen die Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar.
 
Investitionstätigkeit der Landwirte bleibt eher verhalten
Laut Konjunkturbarometer Agrar vom September 2018 bleibt die Investitionstätigkeit der Landwirte eher verhalten. Nur 31 Prozent der Landwirte wollen in den folgenden sechs Monaten investieren; ein Jahr zuvor waren es mit 32 Prozent kaum mehr. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 4,7 Milliarden Euro um 0,5 Milliarden Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Das ist gegenüber dem relativ hohen Niveau der Jahre 2013 und 2014 mit geplanten halbjährlichen Investitionsvolumina von gut 6 Milliarden Euro erheblich weniger. Investitionen in eine leistungsfähige Landwirtschaft sichern auch viele Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen.
Von den geplanten Investitionen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro entfallen auf den Bereich Ställe und Stalltechnik 2,3 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein deutliches Minus von 0,8 Milliarden Euro. Auch Landkäufe gehen stark zurück. Mit 1,0 Milliarden Euro fallen die vorgesehenen Maschineninvestitionen im Jahresvergleich dagegen um 0,1 Milliarden Euro höher aus. Investitionsvorhaben im Bereich Erneuerbare Energien bleiben mit 1,0 Milliarden Euro stabil. Zulegen werden Investitionen in nichtlandwirtschaftliche Zwecke wie für Wohngebäude.
 
Konjunkturbarometer Agrar – Repräsentative Befragung zur wirtschaftlichen Lage und zur Investitionsbereitschaft 
 
Das Investitions- und Konjunkturbarometer Agrar untersucht, wie Landwirte ihre wirtschaftliche Situation und die Rahmenbedingungen einschätzen und welche Investitionen sie planen. Dazu führt das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes, der Landwirtschaftlichen Rentenbank, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und des Bundesverbandes Lohnunternehmen viermal im Jahr eine repräsentative Befragung bei mindestens rund 1.000 Landwirten und Lohnunternehmern durch. In der Dezember-Erhebung gibt es jeweils 2.100 Befragte. Berechnung des Konjunkturbarometer-Index:
  • In den Index des Konjunkturbarometer Agrar gehen die Antworten auf zwei Fragen an die landwirtschaftlichen Betriebs leiter ein.
                      − Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage des Betriebes?   
                      − Wie sind die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre? 
  • Zur Berechnung des Index wird jeweils der Saldo der prozentualen positiven und negativen Antworten auf die beiden oben genannten Fragen gebildet. Die beiden Salden der wirtschaftlichen Lage und der Zukunftserwartungen werden zu einem Indexwert zusammengefasst.
  • Der Indexwert 0 entspricht dem langjährigen Mittel der Jahre 2000 bis 2006.  
 Quelle: Deutscher Bauernverband
 
Stimmungslage der deutschen Landwirte von Zweckoptimismus geprägt 
 
Das Konjunkturbarometer Agrar von September 2018 zeigt deutliche Spuren der wirtschaftlichen Auswirkungen der Dürre und der schwierigen Situation auf wichtigen Agrarmärkten. Eine deutlich schlechtere Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Lage lässt viele Betriebsleiter erwarten, dass diese mit Blick auf die Zukunft nur besser werden kann. Der Index des Konjunkturbarometers Agrar lag im September 2018 bei 23,4 Punkten, nach 21,1 Punkten im Juni. Damit liegt der Indexwert von September 2018 um 3,2 Punkte niedriger als vor einem Jahr und erheblich unter den relativ hohen Werten aus der Zeit von 2011 bis 2014. In der Spitze wurden seinerzeit 37,2 Punkte erreicht. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen.
 
Betriebe haben hohe Zukunftserwartungen
 
Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die künftige wirtschaftliche Entwicklung im Durchschnitt der Betriebe mit 2,95 etwas besser beurteilt als die aktuelle wirtschaftliche Situation mit einem Wert von 3,08. Gegenüber Juni fällt die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation in allen Betriebsformen schlechter aus, besonders aber in den Veredlungsbetrieben. Die Zukunftserwartungen sind dagegen zwischen Juni und September in allen Betriebsformen deutlich gestiegen. 
 
Entwicklungen auf den Märkten und die Auswirkungen der Dürre prägen die Stimmungslage im September 2018
 
 
 
 
 
Die Agrarpreisentwicklung ist der mit Abstand wichtigste Einflussfaktor für die Beurteilung der wirtschaftlichen Situation in den Betrieben. Hinzu kommen die vielfach enttäuschenden Ernteergebnisse 2018 infolge von extremen Witterungslagen. Im Einzelnen sind niedrigere Schweine- und Rinderpreise sowie gestiegene Energie-, Dünge- und Futtermittelpreise Ursache für die verschlechterte wirtschaftliche Lage in den Betrieben. Positiv auf die Stimmungslage in den Betrieben wirkten sich dagegen gestiegene Getreidepreise sowie die Preissituation auf dem Milchmarkt aus. Ein besonders belastender Einfluss geht unverändert von den Pachtpreisen aus. Relativ positiv werden hingegen die Kapitalmarktzinsen und Leasing-Konditionen beurteilt. Mit Ausnahme des Getreidesektors werden im Jahresvergleich mit September 2017 in allen Bereichen von den Landwirten niedrigere Erzeugerpreise und höhere Betriebsmittelpreise genannt.
 
Angespanntere Liquiditätslage
 
Die Liquiditätslage der Betriebe hat sich im Juni und September 2018 weiter verschlechtert. Der Anteil der Landwirte, der die aktuelle betriebliche Liquidität als angespannt bewertet, ist im Osten Deutschlands mit 25 Prozent als Folge der dort stark ausgeprägten Dürreschäden besonders hoch. Im Vergleich der Betriebsformen ist die Liquidität vor allem in den Veredlungsbetrieben auf Grund gefallener Erzeugerpreise und höherer Futterkosten angespannt. Gut ein Fünftel der Veredlungsbetriebe beklagt eine angespannte Liquiditätssituation.