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6 Erzeugung und Märkte

6.2 Betriebsmittel/Futtermittel

Betriebsmittelpreise auf Rekordniveau
Der Gesamtindex der Preise für landwirtschaftliche Betriebsmittel (2010=100) ist nach den Daten des Statistischen Bundesamtes seit 1982 von 70 auf 118 Punkte im Jahr 2013 (plus 70 Prozent) angestiegen. Das entspricht einer Kostensteigerung von jährlich rund 2,3 Prozent. Demgegenüber sind die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise jährlich nur um 0,1 Prozent angestiegen. Kostentreiber sind vor allem Verteuerungen bei Energie und Schmierstoffen (plus 102 Prozent) und Düngemitteln (plus 85 Prozent).
 
Energieabhängigkeit der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen, auch energieabhängige Betriebsmittel wie insbesondere Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Ein Blick auf die Erdölpreise zeigt, dass diese im Oktober auf ein Niveau von etwa 81 US-Dollar je Barrel (WTI) bzw. 85 US-Dollar je Barrel (Brent) gefallen sind. In der ersten Jahreshälfte 2014 lagen die Kurse noch bei durchschnittlich 101 bzw. 106 US-Dollar je Barrel.
 
Düngemittelpreise vergleichsweise niedrig
Die weltweiten Preise für Düngemittel zeigen seit 2012 eine Tendenz nach unten. Das gilt insbesondere für Stickstoff- und Kali-Düngemittel. Aber auch die Preise für Phosphordünger, die Ende 2013 einen Tiefpunkt erreichten, dann aber wieder deutlich noch oben schnellten, sind seit August 2014 wieder rückläufig. Ein Grund für die Preisentwicklungen sind erheblich gestiegene Düngeexporte Chinas. Auf den deutschen Düngermarkt haben sich die globalen Entwicklungen nur in begrenztem Umfang niedergeschlagen.
 
Einsatz von Düngemitteln angestiegen
Der Absatz von Mineraldüngern in Deutschland ist in der Saison 2013/14 gegenüber dem Wirtschaftsjahr 2012/13 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um 8,1 Prozent auf 5,29 Millionen Tonnen Nährstoff angestiegen. Hauptgrund für den Anstieg ist der vermehrte Einsatz von Kalkdüngern, die hauptsächlich zur Verbesserung der Bodenstruktur eingesetzt werden (+ 13 Prozent). Aber auch der Einsatz von Kali-Düngern nahm überdurchschnittlich zu (+ 9 Prozent), während der Absatz von Stickstoff- und Phosphatdüngern gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben ist.
 
Weniger Pflanzenschutzmittel abgesetzt
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um knapp 4 Prozent auf rund 43.800 Tonnen Wirkstoff zurückgegangen. Insbesondere der Absatz von Herbiziden verminderte sich, und zwar um 2.000 Tonnen oder 10 Prozent. Grund dafür waren insbesondere geringere Anbauflächen bei Rüben und Mais sowie eine geringere Anwendungsintensität.
 
Mischfutterpreise erreichen Vierjahrestief
Die Preisentwicklung bei Grundfutter und Mischfuttermitteln folgt der Entwicklung auf den Getreide- und Ölsaatenmärkten. Das vergleichsweise niedrige Preisniveau für Mischfutter und Endmastfutter nutzten im Herbst 2014 viele Landwirte, um Kontrakte abzuschließen. Aufgrund der umfangreichen Getreidemengen und der niedrigen Preise kommen mehr eigenes Getreide und damit mehr Hofmischungen zum Einsatz.
 
Eiweißkomponenten ebenfalls günstiger
Der Futtermittelmarkt wird vor allem auch von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Ähnlich wie die Getreidepreisentwicklungen haben auch die Kurse für Soja- und Rapsschrote im Jahresverlauf 2014 nachgegeben.
 
Raufutterpreise
Die Raufutterpreise zeigten im Laufe des Jahres 2014 eine relativ geringe Veränderung. Dabei ist der Preisabstand zwischen Heu und Stroh nahezu unverändert geblieben. Auf Grund der gegenüber dem Vorjahr um 26 Prozent höheren Silomaisernte sind die Silagepreise im Spätherbst 2014 deutlich gefallen. Das Preisniveau ist aber immer noch relativ hoch.
 
10 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung
Von den 11,9 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 5,5 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais entfällt. Daneben werden 4,6 Millionen Hektar Dauergrünland (Wiesen und Weiden) als Futterflächen genutzt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere zu fast 90 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 70 Prozent gedeckt.
 
Heimische Futtermittel decken weitgehend den Bedarf
Die deutschen Landwirte verfüttern jährlich 80 Millionen Tonnen Futter in Getreideeinheiten, davon sind über 70 Millionen Tonnen auf den Feldern und Wiesen in Deutschland gewachsen. Eine Getreideeinheit entspricht dem Nährstoffgehalt von 100 Kilogramm Getreide. Über 42 Millionen Tonnen des gesamten Viehfutters (53 Prozent) kommen aus selbst erzeugtem Grundfutter (Rau- und Grünfutter, Stroh, Hackfrüchte). Heimisches Futtergetreide liefert weitere 24 Millionen Tonnen (31 Prozent). Dazu kommt zugekauftes Misch- und Ergänzungsfutter.
 
Über 70 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung
Für die Eiweißversorgung der Nutztiere sind derzeit in Deutschland pro Jahr 8,4 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich. 5,8 Millionen Tonnen davon decken heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen (Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen), die vor allem wegen ihrer geringen Ertragssicherheit bislang nur auf 92.000 Hektar (2014) angebaut werden.
 
 
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