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6 Erzeugung und Märkte

6.3 Betriebsmittel/Futtermittel

Betriebsmittel haben sich kräftig verteuert
 
Die Landwirte in Deutschland haben für Betriebsmittel und Dienstleistungen im Juli 2018 so viel gezahlt wie seit fünf Jahren nicht mehr. Vor allem Energie und Treibstoffe sowie – als Folge der Dürre – auch Futtermittel haben sich kräftig verteuert. Deutliche Preiserhöhungen waren zudem für Saatgut zu verzeichnen. Dagegen war der Preisanstieg für Düngemittel bis zur Jahresmitte noch relativ moderat und schlägt erst im zweiten Halbjahr 2018 stärker durch. Der kräftige Zuschlag bei den Veterinärleistungen beruht auf einer Anpassung der Honorarsätze. Ebenfalls nach oben gingen die Kosten für Instandhaltung und Bauten (Investitionen) sowie für Maschinen und Fahrzeuge. Insbesondere vor dem Hintergrund steigender Energiepreise gehen Experten der AMI von einem weiteren deutlichen Kostenanstieg aus. 
 
Energiepreisabhängigkeit der Landwirtschaft
 
Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen weitere energieintensive Betriebsmittel wie Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Steigende Erdölpreise verteuern die landwirtschaftliche Produktion indirekt. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich bis Anfang Oktober 2018 auf über 85 US-Dollar je Barrel. Seitdem fielen die Erdölpreise auf unter 70 US-Dollar je Barrel (Stand Mitte November 2018). Die Rohölsorte WTI rutschte im November sogar unter die Marke von 60 US-Dollar je Barrel. Analysten gehen dennoch davon aus, dass die Erdölpreise auch im Jahr 2019 relativ hoch bleiben werden. 
 
Preise für Stickstoff-Dünger stark angestiegen
Die Preise für Stickstoffdüngemittel sind im Laufe des Jahres 2018 kräftig gestiegen. Diammonphosphat zum Beispiel kostete im Oktober 2018 mit 446 Euro je Tonne 82 Euro je Tonne mehr als im Oktober 2017. Die Harnstoffpreise entwickelten sich im Jahresrückblick deutlich volatiler, doch seit Juli 2018 haben auch sie kräftig zugelegt und wurden im Oktober 2018 mit 316 Euro je Tonne bewertet. Das sind gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat 44 Euro mehr. Marktteilnehmer begründen den Preisauftrieb beim Harnstoff mit höheren Kosten für die Düngerproduktion, da sich die Preise für Erdgas seit 2016 mehr als verdoppelt haben. Während die Herstellung von Stickstoffdüngemitteln von Erdgas abhängt (Haber-Bosch-Verfahren), werden Kali und Phosphor aus Lagerstätten gewonnen. Ein weiterer Grund für die starken Preissteigerungen ist der deutliche Rückgang der chinesischen Harnstoffexporte. Jahrelang war das Reich der Mitte führender Harnstoffanbieter am Weltmarkt, doch das hat sich geändert. Exportierten die Chinesen im Jahr 2015 noch 14 Millionen Tonnen des Grunddüngers, waren es im Jahr 2018 bis einschließlich Oktober weniger als eine Million Tonnen. 
 
Phosphatpreise trotz geringer Nachfrage fester
 
Seit September 2017 haben sich auch die Preise für Phosphordüngemittel nahezu durchgängig erhöht, doch insbesondere seit Juli 2018 haben sie kräftig zugelegt. Demgegenüber sind die Preise für Kali-Düngemittel im Jahresvergleich unverändert geblieben. Angetrieben von international festen Düngerpreisen legen auch die Forderungen am hiesigen Markt zu, obwohl dieser eher mit einer schwachen Nachfrage konfrontiert ist. 
 
Einsatz von Handelsdüngern stark zurückgegangen
 
Der Absatz von Mineraldüngern in Deutschland hat sich in der Saison 2017/18 gegenüber dem Vorjahr deutlich verringert. Der Stickstoff- und Phosphatdüngerabsatz ist gegenüber dem Vorjahr jeweils um fast 10 Prozent kleiner ausgefallen, die Kalieinkäufe sind um knapp 9 Prozent gesunken. Besonders Harnstoff wurde von den Landwirten weniger eingesetzt. Hier ging der Absatz um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Bei den Kali- und Phosphatdüngemitteln ist die Nachfrage nach PK-Düngermischungen sogar um rund 50 Prozent eingebrochen. Einzige Ausnahme stellt Kalk dar. Mit 2,9 Millionen Tonnen hat sich der Verkauf 2017/18 gegenüber dem vorangegangenen Wirtschaftsjahr um fast 10 Prozent erhöht. Mit der neuen Düngeverordnung wird der Düngemitteleinsatz in Deutschland strenger reglementiert, zudem begrenzen die Folgen der extremen Sommertrockenheit und einer schlechten Ernte den Bedarf im laufenden Wirtschaftsjahr 2018/19. 
 
Pflanzenschutzmittelabsatz angestiegen
 
Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist 2017 gegenüber dem Vorjahr vor allem auf Grund des nassen Sommers 2017 um 3 Prozent auf rund 48.300 Tonnen Wirkstoff angestiegen. Herbizide, Fungizide und Insektizide wurden mehr eingesetzt. Der Einsatz von „sonstigen“ Pflanzenschutzmitteln hat dagegen deutlich abgenommen. Dazu gehören inerte Gase, die in Lagerhallen und Silos der Agrar- und Ernährungswirtschaft zum Schutz des Lagergutes vor Schädlingen verwendet werden. Sie machen 75 Prozent der „sonstigen“ Pflanzenschutzmittel aus. Dazu zählen auch Wachstumsregulatoren (8 Prozent).
Der Umsatz im Direktgeschäft zwischen Industrie und Pflanzenschutzmittelhandel ist 2017 gegenüber dem Vorjahr um gut 2 Prozent auf 1,385 Milliarden Euro zurückgegangen.
 
Futtermittel so teuer wie schon lange nicht mehr
 
Die prekäre Versorgung mit Raufutter und das knappe Getreideangebot bestimmten den Futtermittelmarkt in Deutschland in der zweiten Jahreshälfte 2018. Die Preise zogen stark an. So kostete Milchleistungsfutter im Oktober 2018 gut 15 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. Die Futternachfrage ist lebhaft, denn Landwirte müssen im Wirtschaftsjahr 2018/19 zum Teil deutlich mehr Futtermittel zukaufen, um ihren Bedarf zu decken. 
 
Eiweiß im Getreide teurer
Der Futtermittelmarkt wird zu einem erheblichen Teil von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Das Wirtschaftsjahr 2018/19 startete mit ungewöhnlichen Preisentwicklungen bei eiweißhaltigen Futtermitteln. Wiesen die Preise für Futterweizen, Raps- und Sojaschrot bis Mai 2018 noch einen einheitlich festen Trend auf, führten die unterschiedlichen Ernteerwartungen und -ergebnisse in den Folgemonaten zu einem uneinheitlichen Preisverlauf. So machte die relativ kleine Getreideernte 2018 das Protein im Futterweizen ungewöhnlich teuer. Gleichzeitig führte die sich in Übersee abzeichnende Rekord-Sojaernte zu sinkenden Sojaschrotnotierungen. Rapsschrot verteuerte sich aufgrund der kleinen Rapsernte in Deutschland nach der Ernte ebenfalls kräftig, war aber bereits in den Vormonaten aufgrund des sehr knappen Angebots relativ hochpreisig bewertet worden.   
 
Trockenheit dezimiert Raufutter- und Maissilageernte
In vielen Regionen Deutschlands ist die Raufutterernte 2018 regelrecht vertrocknet. Vereinzelt gab es sogar Totalausfälle. Grundfutter wie Stroh und Heu, aber auch Maissilage verteuerten sich kräftig. Die Heupreise zum Beispiel erreichten im Oktober 2018 mit 150 Euro je Tonne ein Sechsjahres-Hoch. Bei Mais bremste die langanhaltende Trockenheit den Aufwuchs und verhinderte häufig den Kolbenansatz. Viele Körnermaisflächen, die Schätzung liegt bei 94.000 Hektar, wurden vor allem im Norden und in Nordostdeutschland zur Raufutterversorgung bereits frühzeitig gehäckselt.
 
8,8 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung
 
Von den 11,8 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 4,4 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais entfällt. Daneben werden weitere 4,4 Millionen Hektar Dauergrünland (Wiesen und Weiden) als Futterflächen genutzt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere zu 92 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung (Wirtschaftsjahr 2016/17) decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 74 Prozent gedeckt. 
 
 Rund 74 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung
 
Für die Eiweißversorgung der Nutztiere sind in Deutschland pro Jahr 8,6 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich (Wirtschaftsjahr 2016/17). 6,4 Millionen Tonnen davon decken heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen. Der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja konnte sich im Zuge der Ökologische Vorrangflächen im Rahmen des Greenings auf 191.700 Hektar (2018) nahezu verdoppeln.
 
Das Futtermenü der Nutztiere
 
Deutschlands Nutztiere fressen jährlich rund 82 Millionen Tonnen Futter – gemessen in Getreideeinheiten (eine Getreideeinheit entspricht 100 Kilogramm Getreide). Die Tiernahrung setzt sich dabei zusammen aus 54 Prozent Grünlandaufwuchs (Gras, Grasprodukte einschließlich Silagen) und 46 Prozent sind Mischfutter und hofeigenes Getreide. 92 Prozent dieser gesamten Menge stammen aus Deutschland. Der Importanteil von vor allem Ölkuchen und -schroten (insbesondere Sojaprodukte) und kleineren Mengen von Getreide beträgt rund 8 Prozent.