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7 Internationale Agrarentwicklung

7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte

Wirtschaftsjahr 2017/18: Betriebsmittelpreise stärker gestiegen als die Erzeuger-preise
 
Die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte sind im Wirtschaftsjahr 2017/18 (Juli 2017 bis Juni 2018) durchschnittlich um 0,4 Prozent (Vorjahr + 5,6 Prozent) gestiegen. Landwirtschaftliche Betriebsmittel waren im gleichen Zeitraum um 2,1 Prozent teurer (Vorjahr - 0,4 Prozent). Auf der Erzeugerpreisseite sind vor allem die Preise für Obst, Milch und Eier kräftig gestiegen. Aber auch die Erzeugerpreise für Rinder, Schafe und Getreide übertrafen den Vorjahresstand mehr oder minder deutlich. Deutliche Preiseinbußen gab es dagegen bei Kartoffeln, Schweinen und Raps. Etwas unter Vorjahresniveau blieben die Preise für Gemüse. Auf der Betriebsmittelseite stiegen vor allem die Preise für Energie- und Schmierstoffe sowie für Maschinen und Bauten. 
 
Wirtschaftsjahr 2018/19 beginnt mit auseinanderklaffender Preis-/Kostenschere
Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2018/19 sind die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise insgesamt deutlich zurückgegangen, insbesondere die Preise für Kartoffeln, Schweine und Milch. Jungbullenpreise blieben etwas hinter dem Vorjahresstand zurück. Deutlich über Vorjahresniveau lagen dagegen die Preise für Getreide, Obst und Gemüse. Auch bei Geflügel und Eiern war die Preisentwicklung positiv. Insgesamt verfehlte das landwirtschaftliche Erzeugerpreisniveau im 3. Quartal 2018 den entsprechenden Vorjahresstand um 3,1 Prozent. Weil die Betriebsmittel um 4,5 Prozent teurer waren, hat sich die landwirtschaftliche Preis-/Kostenschere deutlich geöffnet.Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2018/19 sind die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise insgesamt deutlich zurückgegangen, insbesondere die Preise für Kartoffeln, Schweine und Milch. Jungbullenpreise blieben etwas hinter dem Vorjahresstand zurück. Deutlich über Vorjahresniveau lagen dagegen die Preise für Getreide, Obst und Gemüse. Auch bei Geflügel und Eiern war die Preisentwicklung positiv. Insgesamt verfehlte das landwirtschaftliche Erzeugerpreisniveau im 3. Quartal 2018 den entsprechenden Vorjahresstand um 3,1 Prozent. Weil die Betriebsmittel um 4,5 Prozent teurer waren, hat sich die landwirtschaftliche Preis-/Kostenschere deutlich geöffnet.
 
AMI-Agrarrohstoff-Index zuletzt etwas gefallen
 
Der Agrarrohstoff-Index der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) für die 13 wichtigsten in Deutschland erzeugten Agrarprodukte zeigte von April bis September 2018 eine deutliche Aufwärtsentwicklung. Im Oktober und November 2018 aber war der Höhenflug vorbei. Mit 133,1 Punkten lag der Index im November 2018 um 1,6 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. 
 
Preistendenz für wichtige Agrarrohstoffe uneinheitlich
 
Der FAO-Preisindex für die wichtigsten weltweit gehandelten
Agrarrohstoffe erreichte im Oktober 2018 einen Stand, der um 7 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert lag. Unterschiedlich sind die Entwicklungen nach Produktbereichen. Der FAO-Getreidepreisindex lag im Oktober 2018 um gut 9 Prozent über dem vergleichbaren Vorjahresstand. Die internationalen Fleischpreise stehen unter Druck und erreichten im Oktober 2018 ein Preisniveau, das das Vorjahresniveau um knapp 7 Prozent verfehlte. Die globalen Preise für Pflanzenöle haben sich im Jahresverlauf 2018 nahezu kontinuierlich verbilligt und im Oktober 2018 ein Niveau erreicht, das im Jahresvergleich um gut ein Fünftel niedriger war. Auch Milch (- 15 Prozent) und Zucker (- 14 Prozent) haben binnen eines Jahres überdurchschnittlich an Wert verloren.
 
Prognostiziert werden nominal leicht ansteigende Agrarpreise 
 
FAO und OECD gehen in ihrer Landwirtschaftsprognose bis zum Jahr 2027 davon aus, dass ein Wachstum in der pflanzlichen Erzeugung vor allem durch steigende Erträge und in der Fleisch- und Milchproduktion sowohl über höhere Tierbestände als auch über verbesserte Tierleistungen stattfinden wird. Weiter gehen FAO und OECD in ihren Projektionen davon aus, dass das globale Agrarpreisniveau leicht ansteigen wird, aber unter Berücksichtigung der Inflation (real) leicht sinken wird. 
 
Starker Nachfragezuwachs in aufstrebenden Volkswirtschaften
 
Mit steigenden Einkommen in den aufstrebenden Volkswirtschaften geht ein starker Nachfragezuwachs von Fleisch, Fisch und Geflügel, aber auch von Obst, Gemüse und Zucker einher. Um diesen decken zu können, werden steigende Mengen an Futtermitteln, insbesondere grobkörnigem Getreide und proteinhaltigen Nahrungsstoffen benötigt.   
 
Gute Welt-Konjunkturlage verspricht steigende Rohstoffpreise
 
Die globalen Preise landwirtschaftlicher Rohstoffe hängen neben der Konjunkturentwicklung vom Wetter ab. Rekord- oder Missernten fallen hier relativ stark ins Gewicht. Gemeinsam aber ist allen Rohstoffen allerdings, dass ihr Verbrauch an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist, wenn auch bei Erzen und mineralischen Rohstoffen stärker als bei Nahrungsmitteln. Außerdem besteht auch ein Zusammenhang zwischen den globalen Energie- und Nahrungsmittelpreisen, nicht nur bei Bioenergie, sondern auch durch die energieabhängige Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte. Angesichts der in letzten Jahren wieder deutlich verbesserten Welt-Konjunktur erwarten Analysten tendenziell steigende Rohstoff- und Energiepreise. Nach der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) von Oktober 2018 wächst die Weltwirtschaft in 2018 und 2019 um jeweils 3,7 Prozent. Damit geht es der Weltwirtschaft aus IWF-Sicht so gut geht wie seit der globalen Wirtschaftskrise 2008/2009 nicht mehr. Die Prognose würde nach IWF-Einschätzung ohne die globalen Handelskonflikte um jeweils 0,2 Prozentpunkte höher ausfallen.  
 
Volatilere Agrarpreise in der EU 
 
Seit dem Abbau der EU-Agrarpreisstützung werden die heimischen Erzeugerpreise von der Situation auf den internationalen Agrarmärkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Vor diesem Hintergrund gewinnen Preisabsicherungsinstrumente wie Warenterminmärkte für Anbieter und Nachfrager von Agrarrohstoffen an Bedeutung. Landwirte sichern sich dabei vor allem über Vorkontrakte ab, denen Warenterminge-schäfte des Handels zugrunde liegen. 
 
Einfluss der Finanzmärkte auf die Agrarmärkte
 
Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenbanken in vielen Industrie- ländern, die die Konjunktur ankurbeln soll. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, können spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Börsenplätzen keine ausreichende Markttransparenz gegeben ist. Bislang konnten derartige Marktverzerrungen an den Agrarterminmärkten nicht nachgewiesen werden.  
 
Preisabsicherung durch Vorkontrakte

Bei der Vermarktung von Getreide und Raps nutzen immer mehr Landwirte Vorkontrakte zur Preisabsicherung. Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar gaben im März 2018 51 Prozent der Getreideanbauer an, Lieferverträge über ihre anstehende Ernte oder Teile davon abgeschlossen zu haben oder zu planen. Der entsprechende Wert für die Raps anbauenden Betriebe liegt bei 67 Prozent.
 
Steigender Dollarkurs beflügelt EU-Agrarexport in Drittländer
Der globale Handel mit Agrarprodukten wird nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse. Der internationale Agrarrohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar-Basis abgewickelt. Eine Euro-Schwäche ge-genüber dem US-Dollar wirkt sich auf die deutschen Exportgeschäfte positiv aus, da die Unternehmen günstiger auf dem Weltmarkt anbieten können. Die Importe von Rohstoffen und Gütern verteuern sich dagegen, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt. Seit Anfang 2017 ist der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder deutlich erstarkt. Der Kursanstieg erreichte in den ersten Monaten des Jahres 2018 mit einem Kurs von 1,22 bis 1,24 US-Dollar/Euro seinen Höhepunkt. Seitdem hat der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder deutlich an Wert verloren und erzielte Mitte November nur noch einen Gegenwert von 1,14 US-Dollar. Damit werden Exporte in den US-Dollarraum wettbewerbsfähiger, Importe dagegen teurer. 
 
Zusammenhang zwischen Energie- und Agrarpreisen 
Die Entwicklung der Getreide-, Ölsaaten- und Zuckerpreise steht in einer Wechselbeziehung zu der kaufkräftigen Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Nachfrage nach Bioenergie, die wiederum vor allem vom Rohölpreis abhängt. Hohe Energiepreise stützen also die Weltagrarpreise, besonders bei Getreide, anderen pflanzlichen Rohstoffen und auch bei Holz. Niedrige Energiepreise führen tendenziell zu einem Druck auf die Agrarpreise.
Der Ausbau der Bioenergie bzw. der nachwachsenden Rohstoffe bietet den Landwirten Chancen für eine alternative Vermarktung ihrer Erzeugnisse. Die Preise am Energiemarkt bilden grundsätzlich die Preisuntergrenze für landwirtschaftliche Produkte. Durch die Koppelproduktion, z.B. bei Raps für Biodiesel und für Rapsschrot-Futtermittel, wird die Anfälligkeit der Verarbeitungskette gegen Preisschwankungen gemindert.
 
5 Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe
 
Von der gesamten weltweiten Landfläche sind 1,5 Milliarden Hektar Ackerland. 5 Prozent davon oder rund 80 Millionen Hektar wurden nach FAO-Schätzungen in 2018 für den Anbau von Energiepflanzen wie Getreide, Ölpflanzen und Zuckerrohr/Zuckerrüben genutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Biokraftstofferzeugung zu einem hohen Anteil pflanzliche Nebenprodukte (Getreide: circa 40 Prozent Schlempe; Raps: circa 60 Prozent Schrot) anfallen, die als Futtermittel Verwendung finden und damit die Netto-Inanspruchnahme von Flächen für Energiezwecke etwa um die Hälfte kleiner ausfallen lassen. Nach Einschätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) werden im Wirtschaftsjahr 2018/19 9,3 Prozent der Weltgetreideernte (ohne Reis) für die Erzeugung von Ethanol und 6,6 Prozent zur Erzeugung von Stärke genutzt. 45,3 Prozent der Weltgetreideernte werden zu Futterzwecken eingesetzt. 
 
„Spekulation“ verantwortlich für Hunger in der Welt?
 
Wissenschaftliche Analysen kommen zu dem Schluss, dass „Spekulation“ nicht den oft behaupteten Einfluss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt hat. Analysten sehen die fundamentalen Nachfrage- und Angebotstrends bei Agrarrohstoffen als entscheidend an. Hunger und Armut sind häufig Folge von schlechter Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriegen, Wetterextremen, staatlicher Markteinflussnahme und unzureichenden Eigentums- und Nutzungsrechten. Verstärkt wird der Hunger durch die Folgen des Klimawandels. Die Agrarmärkte in den ärmeren Ländern sind oft wenig funktionsfähig. Dazu gehören vor allem schlechte Infrastrukturen und abgeschottete Märkte. So ist zum Beispiel in Afrika nur 15 Prozent des Handels innerafrikanisch. Zum Vergleich: In Europa werden 70 Prozent der Waren innerhalb der EU gehandelt.  
 
Zahl der Hungernden angestiegen
Nach einem Bericht der FAO von September 2018 hungern auf der Welt etwa 821 Millionen Menschen. Das sind gegenüber dem Vorjahr 17 Millionen Menschen mehr. Damit leiden 11 Prozent der Weltbevölkerung unter Hunger, rund 75 Prozent davon in ländlichen Gebieten. In 2017 entfielen 515 Millionen der Betroffenen auf Länder in Asien, 257 Millionen auf Afrika und 39 Millionen auf Südamerika und die Karibik. Hunger gibt es nach FAO-Angaben vor allem dort auf der Welt, wo kriegerische Konflikte ausgetragen werden. So leben in solchen Gebieten insgesamt 60 Prozent aller weltweit Hungernden. Der Sicherung von Frieden kommt nach Einschätzung der FAO bei der Bekämpfung von Nahrungsmittelunterversorgung eine eminent wichtige Rolle zu. Hinzu kommen die Auswirkungen des Klimawandels.
821 Millionen unterernährten Menschen stehen 1,9 Milliarden Menschen gegenüber, die als übergewichtig gelten, davon 672 Millionen fettleibig. Rund zwei Milliarden Menschen auf der Welt sind von Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamin A, Zink oder Eisen betroffen.
 
Hungerbekämpfung durch höhere Produktivität der Landwirtschaft 
 
Zur Verbesserung der Welternährungssituation hält die FAO eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft und einen wachsenden Handel mit Agrarprodukten für notwendig. Das Wachstum der Weltwirtschaft habe dazu geführt, dass sich die Menschen mehr Lebensmittel leisten und Landwirte mehr Geld in moderne Agrartechnik investieren können. Um mehr Nahrungsmittel bei geringerem Ressourcenverbrauch zu produzieren, wird eine weitere Modernisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern gefordert. Gleichzeitig geht es darum, die massiven Nachernteverluste zu reduzieren und vor allem in eine bessere Lagerhaltung zu investieren. Nicht zuletzt setzt eine erfolgreiche Landwirtschaft Bodeneigentum, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln ebenso voraus wie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu organisieren.
 
GAP hat kaum noch Auswirkungen auf Entwicklungsländer
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union hat nach Einschätzung von Wissenschaftlern nur relativ geringe negative wirtschaftliche Auswirkungen auf Entwicklungsländer. Dazu gehören nach Feststellung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) fast nur noch die produktionsgekoppelten Direktzahlungen (10 Prozent aller Direktzahlungen), die es in Deutschland nicht mehr gibt. Die meisten Unterstützungsformen der GAP wie etwa die von der Produktion entkoppelten Direktzahlungen oder spezielle Unterstützungsmaßnahmen für benachteiligte Gebiete würden Landwirten nach Auffassung der Wissenschaftler zwar zusätzliche Liquidität sichern, hätten allerdings kaum Auswirkungen auf die Höhe der Produktionsmenge. Die Erzeugung werde im Gegenteil durch  Agrarumweltmaßnahmen eher noch gesenkt. EU-Ausfuhrbeihilfen sind seit Dezember 2015 abgeschafft. 
 
Europa bleibt ein global wichtiger Versorger mit Agrarrohstoffen 
 
Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an der Weltagrarerzeugung und am Weltagrarhandel wird nach FAO-Einschätzung künftig weiter wachsen. Für die Industrieländer wie die Länder der EU wird ebenso eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Agrarerzeugung erwartet. Mit ihrer hohen Produktivität und Effizienz werden sie nach Prognosen der FAO weiter bedeutende Versorger der Weltagrarmärkte bleiben. Angesichts stagnierender Bevölkerung und weitgehend gesättigter Nahrungsmittelmärkte in Europa entstehen Marktpotentiale der europäischen Landwirtschaft beim Export und bei der Versorgung mit Energie und nachwachsenden Rohstoffen für Industrie und Gewerbe. 
 
Weltweiter Agrarhandel kann Wasserstress mindern

Durch den globalen Handel mit Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion lassen sich große Mengen Wasser einsparen. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Wichtig für die Auswirkungen auf Knappheit ist danach vor allem die Herkunft des Wassers. In der deutschen Landwirtschaft wird zu 99 Prozent Regenwasser genutzt. Dagegen wird in vielen südlichen Ländern hauptsächlich auf die Bewässerung bzw. Brunnenwasser zurückgegriffen.
 
Bis 2050 Produktionssteigerung von 50 Prozent erforderlich
 
Eine FAO-Studie von Anfang 2017 kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2050 gegenüber dem Ausgangsjahr 2012 50 Prozent mehr Nahrungsmittel, Futtermittel und andere Agrarrohstoffe erzeugt werden müssen, um den Anforderungen einer zunehmenden Weltbevölkerung und ihren wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Für das Subsahara-Afrika und Südasien wird eine Verdopplung der Agrarerzeugung, für den Rest der Welt eine Produktionssteigerung um ein Drittel für erforderlich gehalten.
 
Notwendig sind weitere Produktivitätssteigerungen
 
Da die produktiven landwirtschaftlichen Flächen kaum zunehmen werden, sind weitere Produktivitätssteigerungen erforderlich. Diese aber haben nach Analysen der FAO in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Gleichzeitig ist eine effizientere Nutzung der knapper werdenden Ressource Wasser angezeigt. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen diese Knappheit.
 
Effiziente Nutzung der Ressource Wasser 
 
Fast alles Wasser der Erde ist Salzwasser. Nur 2,5 Prozent oder 35 Millionen km3 sind Süßwasser. Die größte Menge davon ist unerreichbar: Drei Viertel sind als Eis und Schnee gebunden und weitere fast 24 Prozent als fossiles Grundwasser in tiefen Gesteinsschichten eingeschlossen. Nur etwa 0,3 Prozent des Süßwasservorkommens (ca. 100.000 km3) sind zugängliche erneuerbare Süßwasserressourcen in Flüssen, Feuchtgebieten, Seen, Böden und der Atmosphäre. Weltweit werden jährlich rund 4.000 km³ Frischwasser entnommen. Die Süßwasserressourcen auf der Erde sind räumlich wie zeitlich nicht gleichmäßig verteilt. In vielen Regionen der Welt ist das nutzbare Wasser schon heute limitierend für die Entwicklung der Wirtschaft, gerade auch der Landwirtschaft. Besonders verschärft sich der Wassermangel in den heutigen Trockenregionen. Weitere Regionen stehen vor der Herausforderung zunehmender Wasserknappheit.
 
„Wasserstress“ nimmt zu
 
Fast die Hälfte der Weltbevölkerung (3,6 Milliarden Menschen) lebt nach dem UN-Weltwasserbericht 2018 in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr von Wassermangel bedroht sind. 2050 werden es Prognosen zufolge bis zu 5,7 Milliarden Menschen sein. Fast ein Drittel der Weltbevölkerung hat nach UN-Angaben kein zuverlässig sauberes Trinkwasser. Das sind 2,1 Milliarden Menschen. Bei Abwasser ist die Situation noch prekärer. Nur ein Viertel der Menschen (1,9 Milliarden) hat Toiletten mit Anschluss zur Kanalisation und Abwasseraufbereitung. 
 
Deutschland bei „virtuellem Wasser“ im Standortvorteil
 
Der Handel mit Agrarprodukten ist indirekt auch ein Handel mit virtuellem Wasser. Das ist jenes Wasser, das während der Produktion eingesetzt wird. Der Wasserbedarf landwirtschaftlicher Produkte variiert von Region zu Region teilweise sehr stark. Um ein Kilo Getreide in Marokko anzubauen, müssen etwa 2.700 Liter Wasser aufgewendet werden. Die gleiche Menge kann in Deutschland mit nur 520 Litern Wasser hergestellt werden, wie Wissenschaftler des PIK vorrechnen. Es zeigt sich, dass nicht die Menge des verbrauchten Wassers, sondern dessen Herkunft entscheidend ist. In Indien oder im Mittleren Osten lässt sich durch den Import von Agrarprodukten Wasserknappheit verringern. In Ländern Südeuropas hingegen verstärkt der Export bei einer Reihe von Produkten den Mangel an dieser Ressource
 
Kann die Ernährung der Weltbevölkerung sichergestellt werden?
 
Inwieweit die Versorgung mit der globalen Nachfrage Schritt halten kann, hängt insbesondere mit dem globalen Bevölkerungswachstum zusammen. Nach Projektionen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung von derzeit 7,6 (2017) auf 9,8 Milliarden Menschen in 2050 ansteigen. Jährlich nimmt die Weltbevölkerung um mehr als 80 Millionen zu, was in etwa der Bevölkerung Deutschlands entspricht. Die globale Nachfrage wird ebenso durch eine höhere Kaufkraft und geänderte Ernährungsgewohnheiten geprägt. In den Schwellenländern ist mit einem weiter steigenden Konsum von höherwertigen Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse zu rechnen. Hinzu kommt die wachsende Verwendung von Agrarrohstoffen für energetische und industrielle Zwecke. 
  
Bislang hielt Getreideproduktion mit Bevölkerungswachstum Schritt
 
Die Weltgetreideproduktion (ohne Reis) ist in den letzten Jahrzehnten in etwa so stark gewachsen wie die Weltbevölkerung. Allerdings schwanken die Ernten von Jahr zu Jahr. Während sich die Anbaufläche für Weizen und Futtergetreide in den letzten 30 Jahren insgesamt nur wenig verändert hat, sind die Hektarerträge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Nach wissenschaftlichen Berechnungen kommt etwa die Hälfte der Weltproduktion an pflanzlichen Erzeugnissen durch den gezielten Einsatz von Mineraldüngern zustande.