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1 Landwirtschaft und Gesamtwirtschaft

1.4 Ernährungswirtschaft

Die Ernährungsindustrie ist ein starker Zweig der deutschen Wirtschaft
Die deutsche Ernährungsindustrie, die die landwirtschaftlichen Erzeugnisse be- und verarbeitet, erreichte 2011 einen Umsatz von 163,3 Milliarden Euro (plus 7,6 Prozent gegenüber 2010). Wachstumstreiber war das Exportgeschäft. Die Ernährungsindustrie ist der viertgrößte deutsche Gewerbezweig nach der Automobilindustrie, dem Maschinenbau und der chemischen Industrie. 2011 waren in 5.960 Betrieben der Ernährungsindustrie 550.000 Menschen beschäftigt.
 


Umsatz der deutschen Ernährungsindustrie wächst besonders im Ausland
Im ersten Halbjahr 2012 konnte die Ernährungsindustrie ihren Umsatz gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 4 Prozent auf 83 Milliarden Euro steigern. Das Auslandsgeschäft der deutschen Ernährungsindustrie hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt und trägt heute (2011) rund 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei. 10 Jahre zuvor waren es noch entsprechend rund 19 Prozent. 77 Prozent der deutschen Lebensmittelexporte werden im europäischen Binnenmarkt abgesetzt. Besonders gefragt sind deutsche Süß-, Backwaren, Fleisch- und Milchprodukte.
 


Ernährungsindustrie ist trotz Konzentrationsprozessen mittelständisch strukturiert
Angesichts der dominanten Marktposition des Lebensmittelhandels kann die Ernährungsindustrie gestiegene Kosten nur schwer auf Verkaufspreise überwälzen. Die Konzentration der Unternehmen der Ernährungsindustrie hat zwar weiter zugenommen, ist aber im Vergleich zum Lebensmitteleinzelhandel oder zu anderen Wirtschaftsbereichen weiterhin relativ gering. Die deutsche Ernährungsindustrie ist traditionell mittelständisch geprägt – mit einem Umsatzdurchschnitt je Betrieb von rund 27,6 Millionen Euro. Die 10 größten Unternehmen vereinigen nur 14,5 Prozent des Branchenumsatzes auf sich.
 


Außer-Haus-Markt zweitwichtigster Absatzkanal
Der Außer-Haus-Markt ist in Deutschland neben dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal für die Ernährungsindustrie. Dieser Markt umfasst vier Teilbereiche: die klassische Bedienungsgastronomie, Imbisse und Schnellrestaurants, Arbeits- und Ausbildungsplatzverpflegung sowie die Erlebnisgastronomie. 2011 wurde beim Außer-Haus-Markt ein Umsatz von 66,4 Milliarden Euro erzielt (ohne Verpflegung im Gesundheitssektor). Gegenüber dem Vorjahr sind das 3,4 Prozent mehr.


Strukturwandel bei den Raiffeisen-Genossenschaften
Die Raiffeisen-Genossenschaften sind mit ihren 80.000 Beschäftigten Marktpartner von Landwirtschaft, Ernährungsindustrie und Lebensmittelhandel. Ihre Zahl ist über die Jahre deutlich rückläufig. Die verbliebenen 2.531 Raiffeisen-Genossenschaften erzielten 2011 einen Umsatz von 48,2 Mrd. Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund 13 Prozent mehr. Umsatzstärkste Sparten sind mit 23,0 Milliarden Euro die Warenwirtschaft, die  Milchwirtschaft mit 13,4 Milliarden Euro und die Vieh- und Fleischwirtschaft mit 4,9 Milliarden Euro.
Ausgehend von rund 300.000 landwirtschaftlichen Betrieben (ab 5 ha LF) in Deutschland und rund 550.000 Mitgliedschaften von Landwirten, Winzern und Gärtnern ist statistisch betrachtet jeder landwirtschaftliche Betrieb in nahezu zwei Genossenschaften beteiligt.


Fleischbranche mit einem Umsatz von 37,6 Milliarden Euro
Der Umsatz der Fleischbranche mit ihren 84.000 Beschäftigten betrug in 2011 37,6 Milliarden Euro, davon 10,0 Milliarden Euro oder 27 Prozent im Auslandsgeschäft, das in den letzten Jahren deutlich angestiegen ist.
 


Immer weniger Schlachtunternehmen beliefern den Markt
Die Konzentration in der Fleischbranche schreitet weiter fort. Die drei größten Schlachtunternehmen – Tönnies, Vion und Westfleisch – schlachten mittlerweile gut die Hälfte (55 Prozent) aller Schweine in Deutschland. Das Gesamt-Ranking der Fleisch- und Fleischwarenunternehmen führt mit 4,6 Milliarden Euro (2011) nach wie vor die Tönnies-Gruppe an. An zweiter Stelle rangiert die Vion-Gruppe mit 3,9 Milliarden Euro. Auf den weiteren Plätzen folgen die PHW-Gruppe und die Westfleisch mit jeweils 2,2 Milliarden Euro.

Handelsketten mit Fleischwerken
Die Konzentration kommt auch darin zum Ausdruck, dass viele Schlachtunternehmen durchgehende Verarbeitungsketten vom Lebendtier bis zum verpackten Frischfleisch oder zur Wurst aufgebaut haben. Viele Handelsketten haben auch eigene Fleischwerke errichtet, wie Kaufland/Lidl, Brandenburg/Rewe, Bauerngut, Edeka Südwest Fleisch, Rasting, Nordfrische Center, Birkenhof, Südbayerische Fleischwaren, Franken-Gut oder Hessengut.


Molkereibranche ist im Umbruch
Die Fusion der beiden niederländischen Molkereien Friesland und Campina hat zum weltweit fünftgrößten europäischen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 9,7 Milliarden Euro geführt. Die beiden größten deutschen Molkereiunternehmen Nordmilch und Humana sind nach ihrer in 2011 erfolgten Fusion zum Deutschen Milchkontor (DMK) mit einem Umsatz von 4,6 Milliarden Euro und einer verarbeiteten Milchmenge von 6,9 Millionen Tonnen zum größten deutschen Milchverarbeiter aufgestiegen. Im weltweiten Ranking liegt DMK auf Platz 13. Größtes Molkereiunternehmen weltweit ist Nestlé, gefolgt von den beiden französischen Unternehmen Danone und Lactalis sowie Fonterra aus Neuseeland.


Milchindustrie kurbelt Exporte an
Die deutsche Milchindustrie ist mit einem Umsatz von 26,0 Milliarden Euro und rund 35.000 Beschäftigten (2011) die zweitgrößte Sparte der deutschen Ernährungsindustrie. 31 Prozent ihrer Umsätze erwirtschafteten die deutschen Molkereien 2011 über den Export, Tendenz steigend. Mehr als die Hälfte der Milch wird von genossenschaftlichen Unternehmen verarbeitet. Die Zahl der Milch verarbeitenden Unternehmen in Deutschland hat im Zeitverlauf stark abgenommen. Mitte 2011 gab es  noch 185 Milch verarbeitende Unternehmen. Täglich werden von den deutschen Molkereien zusammen rund 82.000 Tonnen Milch zu hochwertigen Lebensmitteln verarbeitet.


Deutsche Zuckerwirtschaft wird von vier Unternehmen bestimmt
Von 61 Unternehmen der Zuckerindustrie in den Jahren 1950/51 existieren nur noch vier mit insgesamt 20 Fabriken und rund 5.000 Beschäftigten. Die Südzucker AG in Mannheim, die Nordzucker AG in Braunschweig, Pfeifer & Langen KG in Köln und die niederländische Suiker Unie GmbH mit der Zuckerfabrik in Anklam teilen sich den deutschen Markt. Auch in Europa sind die drei verbliebenen deutschen Unternehmen führend und produzieren fast die Hälfte des EU-Zuckers. Marktführer in der EU ist die Südzuckergruppe mit einem Produktionsanteil von etwa einem Viertel.
Etwa 84 Prozent der deutschen Zuckererzeugung geht an die Zucker verarbeitende Industrie, das Handwerk und die chemische Industrie. 16 Prozent werden als Haushaltszucker in Form von Raffinade, Puderzucker, Würfelzucker, Kandis und anderen Sorten über den Lebensmitteleinzelhandel verkauft.


Mühlenbranche mit rasantem Strukturwandel
Mit rund 6.000 Beschäftigten erwirtschaftete die Mühlenbranche im Wirtschaftsjahr 2010/11 einen Jahresumsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro. Der Trend zu größeren Einheiten hält an. 1950/51 gab es in Deutschland 18.935 Mühlen, heute sind es noch 550 Mühlen, davon 261 Mühlen, die mindestens 500 Tonnen vermahlen. 43 große Mühlen mit einer Jahresvermahlung von 50.000 Tonnen und mehr haben einen Anteil an der Gesamtvermarktung von 77 Prozent. Mit rund 8,4 Millionen Tonnen Getreide (2010/11) werden etwa ein Drittel der Weizen- und Roggenernte von deutschen Mühlen zu Mehl veredelt.
Nur 5 Prozent der Mahlerzeugnisse werden an den privaten Endverbraucher abgesetzt, 90 Prozent des Inlandsabsatzes deutscher Mühlen gehen an Backbetriebe, die restlichen 5 Prozent an Stärke- und Teigwarenhersteller.
 


Brauereien klein strukturiert
Drei Viertel aller Braustätten in der EU liegen in Deutschland. Die 1.341 Braustätten in Deutschland brauen mit ihren 27.000 Beschäftigten rund 5.000 Biere. Im weltweiten Vergleich sind die deutschen Brauereien relativ klein. Die größte deutsche Brauerei, die Radeberger-Gruppe, rangiert in der Weltrangliste erst auf Platz 23.
Der Bierausstoß in Deutschland liegt bei 95,5 Mio. Hektolitern (2011), der Umsatz bei 7,9 Milliarden Euro. 16 Prozent der deutschen Bierproduktion werden exportiert. Der Pro-Kopf-Verbrauch bei Bier ist in den letzten Jahren zurückgegangen und lag 2011 nur noch bei 107,2 Litern pro Person.
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Herausgegeben vom Deutschen Bauernverband mit Unterst�tzung von: