Pressemeldungen  | 27.12.2018

Landwirtschaft in schwierigen Zeiten

Marktdaten zum Jahreswechsel 2018/19

Der Deutsche Bauernverband (DBV) fasst zum Jahresende einige Marktdaten wichtiger Agrarmärkte des vergangenen Jahres zusammen und gibt einen Ausblick auf das laufende Wirtschaftsjahr.

 

Getreidemarkt:

Die deutsche Getreideernte 2018 hat mit 38 Millionen Tonnen den mehrjährigen Durchschnitt um 10 Millionen Tonnen verfehlt. Auch in der EU-28 wurden mit 288 Millionen Tonnen rund 22 Millionen Tonnen weniger Getreide eingefahren als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Angesichts der deutlich geringeren Versorgung sind die Erzeugerpreise zu Beginn des Wirtschaftsjahres 2018/19 deutlich gestiegen.

So lag der Brotweizenpreis im August 2018 im Bundesdurchschnitt bei 188 Euro pro Tonne (August 2017: 150 Euro pro Tonne). Seither halten sich die Brotweizenpreise auf diesem Niveau. Auch die Preise für Futtergerste liegen in dieser Größenordnung und übertreffen damit das Preisniveau zum Jahreswechsel 2017/18 um 48 Euro pro Tonne. Argumente für Preissteigerungen in der zweiten Hälfte des Wirtschaftsjahres sind derzeit nur schwer auszumachen.

Die globale Versorgungssituation ist für Weizen und Mais aufgrund der die Produktion übersteigenden Nachfrage enger als im Vorjahr, darf aber insbesondere im Falle von Weizen als komfortabel bezeichnet werden. Mit Blick auf den inländischen Markt scheinen sich in der Mühlenwirtschaft und der Mischfutterindustrie vorerst keine größeren Bedarfslücken zu zeigen, zumal sich die Futtermittelproduktion dem Risiko eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest ausgesetzt sieht.

Auch der Export konnte bisher nicht den üblichen Nachfragesog entfalten. So führte die EU-28 in den ersten 25 Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres lediglich 7,46 Millionen Tonnen Weizen aus – gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 25 Prozent. Ursächlich hierfür sind die geringeren, zur Verfügung stehenden Mengen und die starke Konkurrenz am Exportmarkt durch russische Ware. Für die zweite Hälfte des Wirtschaftsjahres bleibt somit nur die Hoffnung, dass sich das hohe Exporttempo Russlands verringert und europäische Ware an Wettbewerbsfähigkeit gewinnt.

 

Milchmarkt:

Der Milchpreis liegt zum Jahreswechsel bei ca. 35 Ct/kg. Das liegt unter dem Vorjahresniveau (38,5 Ct/kg), aber über dem langjährigen Mittel (ca. 32 bis 33 Ct/kg). Für die ersten Monate des Jahres 2019 ist jedoch mit einem Rückgang der Erzeugerpreise zu rechnen. Im Moment können sich Milchbauern und Molkereien für das Gesamtjahr 2019 über Warenterminkontrakte einen Erzeugerpreis in Höhe von ca. 33 Ct/kg absichern. Das ist die Marke, an der wir unsere Molkereien messen werden.

Die Milchanlieferung liegt im Moment 1 bis 2 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der Hitze- und Dürresommer hat hier deutliche Spuren hinterlassen: Die Futterquantität und -qualität hat unter der langanhaltenden Trockenheit gelitten. Es ist deshalb bis zum ersten Grünlandschnitt im Frühjahr 2019 nicht davon auszugehen, dass die Milchanlieferung stark steigen wird.

Als DBV unterstützen wir die Strategie der EU-Kommission zum Umgang mit den hohen Interventionsbeständen. Nach der Milchkrise lagen noch im Jahr 2017 ca. 380.000 Tonnen Magermilchpulver in den Interventionslägern. Der EU-Kommission ist es mit einer aggressiven und erfolgreichen Verkaufspolitik gelungen, diese Bestände im Jahr 2018 um deutlich mehr als 270.000 Tonnen zu reduzieren, bei gleichzeitig stabilen bis leicht steigenden Erzeugerpreisen.

 

Die Milchviehbetriebe befanden sich im Wirtschaftsjahr 2017/18 auf dem Wege der wirtschaftlichen Erholung. Die Unternehmensergebnisse der Milchbauern lagen deutlich über dem langjährigen Mittel und auch deutlich über den Ergebnissen anderer Produktionsbereiche. Das wird sich im laufenden Wirtschaftsjahr nicht wiederholen und war nach den sehr schwachen Vorjahren 2015 und 2016 auch dringend nötig.

 

Schweinefleischmarkt:

Seit Jahren kämpft der Schweinefleischmarkt mit schwierigen Verhältnissen. Die Ferkel- und Schweinepreise sind dabei großen Schwankungen unterworfen, wobei die Täler in Häufigkeit und Ausprägung zunehmen. So sind 2018 die Erzeugerpreise in der EU um 12,4 % auf 1,42 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht abgefallen. Im Vergleich zum mittleren Basispreis für Ferkel im Zeitraum von Januar 2013 bis November 2018 von 50,70 Euro gibt es Abweichungen um fast ein Drittel nach oben als auch nach unten.

Unterm Strich steht daher bei vielen Mästern und Ferkelerzeugern ein dickes Minus unter dem Jahr 2018. Die durchschnittlichen Preise für Schweine der Handelsklasse E in Deutschland liegen Schätzungen zufolge bei 20 Cent je Kilogramm weniger als im Vorjahr.

Noch härter hat es den Ferkelmarkt getroffen. Nach einem geringen Preisanstieg im Frühjahr 2018, standen die Ferkelpreise fortlaufend unter Preisdruck. Hier liegt der Jahresdurchschnitt für ein 28 Kilogramm Ferkel bei erwarteten 44,60 Euro und somit 25,2 % unter Vorjahresniveau. Der absolute Tiefpunkt wurde im Oktober, mit gerade einmal 37,50 Euro pro Ferkel verzeichnet.

 

Nach einer bis 2015 stabilen Entwicklung der Tierzahlen in Deutschland, sinken die Bestandszahlen für Schweine kontinuierlich um 1 bis 2 % pro Jahr auf nunmehr 26,9 Mio. Stück. Gleichzeitig ist auch ein Rückgang der Tierhalterzahlen um jährlich 3 bis 4 % zu verzeichnen.

Seit 2010 und damit binnen 8 Jahren hat jeder zweite Sauenhalter seine Ferkelerzeugung eingestellt.

Deutschland importiert so viele Ferkel wie kein anderes Land der Welt, wobei das diesjährige Importvolumen leicht rückläufig ist. Demnach dürften 2018 11,7 Millionen Ferkel und 3,2 Millionen Schlachtschweine nach Deutschland eingeführt worden sein.

 

Rindfleischmarkt:

Die Rindfleischproduktion in der EU hat sich im Jahr 2018 auf dem zuvor leicht eingeknickten Niveau entgegen den Erwartungen stärker als gedacht erhöht. Mit geschätzten 8,3 Mio. Tonnen produziertem Rindfleisch dürfte das Vorjahresergebnis um 2,3 % übertroffen werden.

Der Grund für das überraschende Wachstum in 2018 waren deutlich erhöhte Kuh- und Färsenschlachtungen im Zuge der Futterknappheit in weiten Teilen der EU. Der diesjährige Sommer stellte gerade die Rinderhalter vor große Herausforderungen. Neben weniger Kälbern mussten auch die Bestände abgestockt werden. Oft spürbar erhöhte Kuh- und Färsenschlachtungen waren die Folge. Dies traf besonders Deutschland, Dänemark, Irland, Frankreich, Italien, Österreich und das Vereinigte Königreich.

 

Nachdem im Verlauf des Jahres die Erzeugerpreise für Jungbullen und insbesondere Schlachtkühe aufgrund des erhöhten Aufkommens unter Druck geraten waren, steigen die Erzeugerpreise zum Jahresende wieder langsam an. So liegt der aktuelle Preis für R3 Tiere bei 3,80 Euro je Kilogramm auf Vorjahresniveau.

Bei den Schlachtkühen sind die Preisaufschläge nach dem zweimaligen deutlichen Rückgang nunmehr relativ kräftig, da die Vieheinkäufer der Schlachtereien nach langer Zeit wieder Kühe suchen. Auch bei den Jungbullen kann der stabile Bedarf nicht immer gedeckt werden, so dass moderat steigende Jungbullenpreise notiert werden.

Insgesamt ist seit Jahren ein ganz leicht ansteigender Rindfleischverzehr zu verzeichnen, der derzeit bei 10,1 kg pro Kopf notiert ist. In 2017 lag der Pro-Kopf-Verbrauch bei 10,0 kg.

 

Während im vergangenen Jahr leicht steigende Rindfleischeinfuhren nach Deutschland verzeichnet wurden, gingen diese im Jahr 2018 um 4 % zurück. Die Rückgänge sind dabei auf kleinere Liefermengen aus der EU zurückzuführen. Die Drittlandsimporte haben dagegen sogar leicht zugenommen, bei denen Argentinien nach wie vor das Hauptlieferland ist. Allerdings machen die Importe aus den Drittländern nur einen kleinen Teil der gesamten Menge aus. So stammen 86 % der Lieferungen aus Europa.