1.3 Nahrungsmittel – Verbrauch und Preise
Situationsbericht 2019/20

1.3 Nahrungsmittel – Verbrauch und Preise

Unterdurchschnittlicher Preisanstieg bei Nahrungsmitteln in 2019

Die Inflationsrate, gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert, lag in Deutschland 2018 bei 1,8 Prozent. Das Preisniveau für Nahrungsmittel stieg mit plus 2,3 Prozent deutlich stärker an. Für 2019 wird mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent und mit einem Preisanstieg bei Nahrungsmitteln von etwa 1,0 Prozent gerechnet.

Nahrungsmittelpreise waren langfristig gesehen eine Inflationsbremse

Die Verbraucherpreise für Lebensmittel sind über viele Jahre hinweg deutlich langsamer angestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt. Im zurückliegenden Jahrzehnt allerdings stiegen die Nahrungsmittelpreise fast ausnahmslos stärker an als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. Das hat sich 2019 wieder umgekehrt. Die Entwicklung der Nahrungsmittelpreise wirkte wieder inflationsbremsend. 

Preise für Nahrungsmittel in Deutschland etwas über EU-Durchschnitt

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke waren 2018 in Deutschland 2 Prozent teurer als im EU-Durchschnitt. Besonders hochpreisig waren Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in Dänemark. Dort lagen sie in 2018 um 30 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Das Preisniveau eines vergleichbaren Warenkorbs lag in Dänemark etwa doppelt so hoch wie in Rumänien (66 Prozent des EU-Durchschnitts) oder Polen (69 Prozent).

Verbraucher geben nur einen kleinen Teil ihres Einkommens für Nahrungs- und Genussmittel aus

Die gesamten Verbraucherausgaben beliefen sich 2018 auf 1.659 Milliarden Euro. Davon entfielen 231,9 Milliarden Euro oder 14,0 Prozent auf Nahrungs- und Genussmittel. Dazu kommen rund 71,5 Milliarden Euro für Verpflegung in Gaststätten und Kantinen. Der Anteil der Ausgaben für Nahrungs- und Genussmittel an den gesamten Konsumausgaben hat sich in den letzten Jahren kaum verändert, im langjährigen Zeitvergleich ist dieser jedoch deutlich zurückgegangen. Der Grund für diesen Langfristtrend liegt in den Einkommenssteigerungen und in dem unterdurchschnittlichen Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Der höhere Lebensstandard kommt besonders in zunehmenden Ausgaben für Wohnen, Verkehr, Freizeitaktivitäten und Gesundheitspflege zum Ausdruck.

Von einem Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel erhält der Landwirt heute nur noch 21 Cent

Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländischer Herkunft lag im Jahr 2018 bei 21 Prozent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 48 Prozent mehr als doppelt so hoch. Bei Milch und  Milcherzeugnissen betrug der Anteil in 2018 34 Prozent, bei Fleisch- und Fleischwaren 22 Prozent. Am niedrigsten ist der Erlösanteil nach wie vor bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit 4 Prozent.

Getreidepreise haben geringe Auswirkungen auf den Brotpreis

Selbst landwirtschaftliche Erzeugerpreise für Backweizen von 200 Euro je Tonne stellen nur einen geringen Kostenfaktor bei der Brotherstellung dar. So entfallen bei einem Brötchen weniger als 7 Prozent des Preises auf seinen Getreideanteil. Für die Herstellung eines Brötchens benötigt der Bäcker etwa 34 Gramm Mehl. Bei einem Ausmahlungsgrad von rund 75 Prozent sind das lediglich 45 Gramm Weizen. Um den Brötchenpreis um nur einen Cent anzuheben, müsste sich der Getreidepreis verdoppeln. Schwerwiegender in der Preiskalkulation der Bäcker sind dagegen die Kosten für Energie und Arbeit.

Seit 1950 sind die Löhne um das 24-fache und die Brotpreise um das 12-fache gestiegen – die Getreidepreise sind dagegen unverändert geblieben

Von 1950 bis 2018 hat sich der Nettostundenverdienst eines Industriearbeiters auf mehr als das 24-fache erhöht. Da die Brotpreise nur um das 12-fache gestiegen sind, kann sich der Industriearbeiter für seinen Stundenlohn heute (2018) doppelt so viel Brot kaufen wie noch vor 68 Jahren. Der Weizenerzeugerpreis lag 2018 in etwa auf dem Niveau von 1950; bezogen auf das Endprodukt wie ein dunkles Mischbrot erlöst der Landwirt nur knapp 6 Prozent. Demgegenüber waren es 1950 entsprechend noch zwei Drittel des Brotpreises. Wären die Weizenpreise seit 1950 genauso stark gestiegen wie die Inflationsrate, dann könnten die Erzeuger für einen Doppelzentner (100 kg) heute (2018) etwa 91 Euro erlösen.

Unterschiedliche Verbrauchsentwicklungen bei den einzelnen Nahrungsmitteln

Der Verbrauch bei den einzelnen Nahrungsmitteln hat sich in den letzten Jahren unterschiedlich entwickelt. Steigende Verbrauchszahlen je Kopf der Bevölkerung werden bei Geflügel-, Rindfleisch, Gemüse und Eiern gemessen. Rückläufig ist dagegen der Verbrauch bei Schweinefleisch, während er bei vielen anderen Produkten von Jahr zu Jahr schwankt. Bei Fleisch ist der Unterschied zwischen dem Verzehr und dem Verbrauch pro Kopf der Bevölkerung zu beachten, denn ein erheblicher Teil der Schlachtungen kann nicht für den menschlichen Verzehr verwendet werden. 

Hopfen und Gerste praktisch ohne Einfluss auf den Bierpreis

  • Hopfen für 1 Cent

Ein Liter Bier enthält etwa 1,5 Gramm Hopfen. Bei einem Preis von rund 700 Euro für einen Doppelzentner (100 kg) erhält der Landwirt für seinen Hopfenanteil kaum mehr als 1 Cent je Liter Bier.

  • Braugerste für 4 Cent

Ein Liter Bier enthält im Schnitt etwa 215 Gramm Gerste. Bei einem Preis von rund 18 Euro für einen Doppelzentner erhält der Landwirt für seinen Gerstenanteil 4 Cent je Liter Bier.

Quellen: BBV, DBV

Selbstversorgungsgrad fällt sehr unterschiedlich aus

Bei Weizen, Kartoffeln, Zucker, Milch und Schweinefleisch liegt der deutsche Selbstversorgungsgrad deutlich über 100 Prozent. Bei Obst, Gemüse, Eiern und Schaffleisch dagegen liegt der Selbstversorgungsgrad erheblich unter der 100 Prozent-Marke. Der Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis inländischer Erzeugung zum inländischen Verbrauch darstellt, schwankt bei pflanzlichen Erzeugnissen in Abhängigkeit von Witterung und Ernte von Jahr zu Jahr relativ stark.