1.5 Lebensmittelhandel und Verbrauchertrends
Situationsbericht 2019/20

1.5 Lebensmittelhandel und Verbrauchertrends

Marktmacht des Lebensmittelhandels ist groß

Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) in Deutschland ist der größte Absatzkanal für die deutschen Lebensmittelhersteller. Er erzielte 2018 einen Umsatz einschließlich Non Food von 248,0 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 2,8 Prozent mehr. Der darin enthaltene Food-Bereich stieg um 2,5 Prozent auf 205,7 Milliarden Euro. Die Unternehmenskonzentration ist hoch, die fünf größten Unternehmen – Edeka, Rewe, Schwarz-Gruppe, Aldi und Metro – vereinen dabei gut 75 Prozent Marktanteil auf sich. Ihnen gegenüber stehen über 6.100 überwiegend kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller. Durch diese ungleich verteilten Verhandlungspositionen entstehen unter den Lebensmittelherstellern ein harter Qualitäts- und Preiswettbewerb und damit ein intensiver Wettbewerb um die Listenplätze der Handelsunternehmen.

Konzentration des Handels nimmt weiter zu

Die mit Abstand größte deutsche Handelskette ist die Edeka-Gruppe mit einem Umsatzanteil von 23,7 Prozent (2018). Danach folgen die Rewe-Gruppe mit 17,8 Prozent, die Schwarz-Gruppe (Lidl) mit 16,2 Prozent und die Aldi-Gruppe mit 12,2 Prozent. Die deutschen Konsumenten werden heute (2018) von 37.600 Filialen des Lebensmitteleinzelhandels täglich mit frischen Lebensmitteln und Getränken versorgt. Zehn Jahre zuvor (2008) waren es noch entsprechend 50.000 Geschäfte. Binnen 10 Jahren ist die Anzahl der Lebensmittelgeschäfte damit um 25 Prozent zurückgegangen.
Für das Jahr 2019 erwarten die Lebensmittelhändler ein Umsatzwachstum (einschließlich Non Food) von 6,4 Milliarden Euro gegenüber Vorjahr. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 2,6 Prozent. Allein Edeka, Rewe, Schwarz und Aldi werden laut Prognose mit durchschnittlich 3,4 Prozent wachsen, was insgesamt einen Umsatzanstieg von rund 6,2 Milliarden Euro ausmacht.
 

Discounter und Vollsortimenter im Wettbewerb

Im internationalen Vergleich ist der Marktanteil der Discounter in Deutschland mit 43,4 Prozent weiterhin sehr hoch. Während Vollsortimenter wie Edeka und Rewe verstärkt auf flexible Angebote (Aktionsgeschäft), Eigenmarken und offensive Marketingstrategien setzen, versuchen Discounter wie Aldi und Lidl mehr Markenartikel und Frischeprodukte in die Regale zu nehmen. Um sich am Markt zu profilieren, werden zunehmend Produktprogramme eingeführt, bei denen Nachhaltigkeitsaspekte im Vordergrund stehen.

Convenience als größter Innovationstreiber

Das Lebensmittelangebot in Deutschland umfasst mehr als 170.000 Produkte. Gut 40.000 neue Produkte erweitern jährlich das Angebot und lassen auch neue Marktsegmente entstehen. Nur gut 13.000 davon behaupten sich über zwei Jahre hinaus, der Rest weicht neuen Trends. Fertigprodukte, im Englischen Convenience Produkte genannt, liegen dabei auf Platz eins der wichtigsten Innovationstreiber. 83,5 Prozent der weltweiten Produktneuheiten in 2018 beanspruchen dieses Qualitätsmerkmal für sich. Platz 2 und 3 der Innovationstreiber werden von den Attributen gesunde und durch Nachhaltigkeit motivierte Ernährung eingenommen. Dabei kombinieren Produktneuheiten heute in der Regel mehr als nur eines dieser Attribute.

Produktneuheiten setzen auch auf Gesundheit und Nachhaltigkeit

Fertigprodukte nehmen dem Verbraucher Küchenarbeit wie Schneiden, Würzen oder Erwärmen ab oder sind zum Teil sofort verzehrbar. Fertigprodukte unterscheiden sich nach der Art der Haltbarmachung (z.B. Gefrieren, Konservieren oder Verpacken) oder auch nach der Fertigungsstufe (z.B. küchenfertig, garfertig oder verzehrfertig). Heute kennt der Markt verschiedene Sortimente an Fertigprodukten, die verschiedene Haltbarmachungen und Fertigungsstufen miteinander kombinieren, angefangen bei den Tiefkühlprodukten, Konserven und Fixprodukten, über das rasch wachsende Segment an Kühlkost (engl. Chilled Food), bis hin zu den komplett vorbereiteten Mahlzeiten, die per Lieferdienst auch an die Haustür gebracht werden.

Wertewandel Richtung flexible Lebensstile

80 bis 90 Prozent aller in Deutschland konsumierten Lebensmittel sind Fertigprodukte. Während Versorgungssicherheit und lange Haltbarkeit die Ursprungsideen von Fertigprodukten waren, stehen heute die Arbeitsverringerung im Haushalt, schnelle und einfache Nahrungszubereitung sowie die Anpassung an einen flexiblen Lebensstil im Vordergrund. Soziodemografische Trends wie die steigende Anzahl an 1 Personen-Haushalten oder eine höhere Erwerbstätigenquote befördern diese Entwicklung. Hinzu kommt ein Wertewandel, der zu einer höheren Freizeitorientierung und einem Rückgang von festen Mahlzeitstrukturen führt. Auch mehr Flexibilität im Berufsleben sorgt für eine Abkehr von traditionellen Ernährungsmustern. 82 Prozent der Menschen in Deutschland sehen in Fertigprodukten eine große Erleichterung im Alltag.

Wachsender Außer-Haus-Markt

Die Verbraucher haben heute einen beachtlichen Anteil ihrer Ernährung auf den Außer-Haus-Markt verlagert. Ernährung findet nicht mehr nur zu Hause, sondern mittlerweile überall statt. Gerade bei den Erwerbstätigen entfallen immer mehr Mahlzeiten auf den Konsum außer Haus. Gut jeder dritte Verbraucher frühstückt nicht mehr zu Hause und jeder zweite nimmt auch das Mittagessen nicht mehr zu Hause ein. Damit kommt Fertigprodukten eine wichtige Rolle als Alltagsbegleiter zu. Fertigprodukte, die sofort oder „on-the-go“ verzehrt werden können, erleben immer mehr Zuspruch. Snacks dienen dem Verbraucher immer mehr als schnelle Zwischenmahlzeit bei Zeitmangel oder kleinem Hunger.

Unterwegs Essen und Trinken

Der Außer-Haus-Markt ist in Deutschland nach dem Lebensmitteleinzelhandel der zweitwichtigste Absatzkanal. 2018 wurde beim Außer-Haus-Markt ein Umsatz von 80,6 Milliarden Euro erzielt (ohne Verpflegung im Gesundheitssektor). Gegenüber dem Vorjahr sind das 2,8 Prozent mehr. Dieser Markt umfasst im Wesentlichen vier Teilbereiche: Die klassische Bediengastronomie in Gaststätten, Restaurants und Hotels (31,3 Milliarden Euro), Imbisse und Schnellrestaurants (26,0 Milliarden Euro), die Erlebnisgastronomie (14,0 Milliarden Euro) sowie die Arbeits- und Ausbildungsplatzverpflegung (7,7 Milliarden Euro).

Weiter steigendes Gesundheitsbewusstsein

Der Trend zu einem größeren Gesundheitsbewusstsein hält an. Gut 93 Prozent der Verbraucher legen heute laut eigener Aussage ganz oder zumindest teilweise Wert auf eine gesunde Ernährung, auch wenn diese mehr kostet. Für die Mehrheit der Verbraucher spielt für eine gesunde Ernährung dabei auch eine ausgewogene Energiebilanz eine Rolle. Gut 78 Prozent der Verbraucher geben an, beim Essen ganz oder teilweise auf die Kalorien zu achten.
Relativ groß erweist sich dabei aber nach einer BVE-GfK-Untersuchung aus 2017 die Unwissenheit der Verbraucher zum Thema gesunde Ernährung. 54 Prozent geben an, sich nicht auszukennen.
 

Die fünf Fertigungsstufen

Stufe 1
küchenfertig

Beispiele für küchenfertige Lebensmittel sind geputztes Gemüse oder zerlegtes Fleisch, die vor dem Garen noch vorbereitet (gewürzt, portioniert, paniert) werden müssen.


Stufe 2
garfertig

Lebensmittel der Stufe 2 können ohne Vorbereitung gegart werden. Dazu zählen Teigwaren wie Spaghetti, Tiefkühlgemüse oder paniertes, gewürztes Fleisch.


Stufe 3
aufbereitfertig

Aufbereitfertige Produkte wie Instantsuppen oder Puddingpulver können durch Mischen mit weiteren Lebensmitteln oder durch Würzen zu fertigen Speisen zubereitet werden.


Stufe 4
regenerierfertig

Regenerierfähige Gerichte oder einzelne Menü-Komponenten werden durch Aufwärmen verzehrfähig. Populäre Vertreter sind Ein-Komponenten-Mahlzeiten wie Eintöpfe oder Nudel-Fertigprodukte, als kühl gelagerte Menüs zum Erhitzen in der Mikrowelle oder Tiefkühl-Fertigprodukte wie z.B. Tiefkühlpizza.


Stufe 5
verzehrfähig

Produkte der Stufe 5 sind zum sofortigen Verzehr geeignet. Beispiele dafür sind fertige Salate, Sushi aus dem Kühlregal, Smoothies oder Obstkonserven

Nachhaltigkeit von Nahrungsmitteln wird zunehmend hinterfragt

Das gestiegene Bedürfnis, etwas „Gutes“ für sich selbst und seine ökologische und soziale Umwelt zu tun, zeigt sich beim Lebensmitteleinkauf und Essverhalten. Sei es durch die Produktauswahl, einen reduzierten Mengenkonsum oder auch eine höhere Zahlungsbereitschaft: Gut ein Viertel der deutschen Konsumenten konsumiert auf diese Weise Lebensmittel. 

Ansprüche an Lebensmittel werden immer vielfältiger

Proteinreiche, vegetarische, vegane, amerikanische oder mit Superfoods angereicherte Lebensmittel (Funktional Food) sind die Trendprodukte der letzten Jahre. Aber auch Produkte mit besonderen Merkmalen wie regional, nachhaltig, Fair Trade und Bio sind am Markt ständig verfügbar. Auf alle ernährungsphysiologischen Eigenschaften von glutenfrei, laktosefrei, kalorienarm bis eiweiß- oder ballaststoffreich wird Rücksicht genommen. Die Produktauswahl wächst. Zu jedem Produkt bzw. Fertigprodukt gibt es eine vermehrte Zahl von Alternativen. Gleichzeitig können sich die Konsumenten auf Grund von Digitalisierungsfortschritten einfacher im Markt orientieren, schneller bezahlen oder personalisierter einkaufen.

Veggie-Trend

Nach dem BMEL-Ernährungsreport von Anfang 2019 ernähren sich sechs Prozent der Bundesbürger vegetarisch. Weitere gut 1 Prozent der Bürger sind Veganer. Der Umsatz mit vegetarischen und veganen Lebensmitteln wird für 2019 auf gut 1,2 Milliarden Euro geschätzt, Tendenz steigend. Neuere umfassende wissenschaftliche Studien zweifeln vermeintliche Gesundheitsnachteile des Fleischverzehrs an und belegen, dass die Klimaauswirkungen aus der Erzeugung von rotem Fleisch wie Rindfleisch erheblich überschätzt werden. Methan hat eine deutlich geringere Klimarelevanz als bislang kalkuliert. Der Umsatz von Fleischersatzprodukten in Deutschland lag im ersten Halbjahr 2019 bei rund 12.500 Tonnen.

Gentechnikfrei

Mit dem „Ohne Gentechnik“-Siegel versehene Produkte werden immer häufiger vermarktet. Mittlerweile tragen mehr als 14.000 Lebensmittel in Deutschland diese Kennzeichnung. Darunter rund 5.400 Milchprodukte, 4.100 Geflügelfleischwaren und fast 2.200 Eiererzeugnisse. Tierische Erzeugnisse wie Eier, Fleisch- oder Milchprodukte dürfen das Siegel nur tragen, wenn die hierfür gehaltenen Tiere nicht mit gentechnisch veränderten Futtermitteln ernährt wurden. Produkte mit „Ohne Gentechnik“-Siegel haben 2018 einen Gesamt-Jahresumsatz von 7,7 Milliarden Euro erzielt. Für 2019 wird von Experten des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik ein Umsatz von 8,5 Milliarden Euro erwartet, davon entfällt der größte Teil auf Milch und Milcherzeugnisse.

Verbraucher wollen frische Produkte

„Viel Natur und möglichst frisch“, über alle Generationen hinweg machen diese Charakteristika Lebensmittel für den Verbraucher authentisch. In den letzten Jahren ist die Frische-Orientierung der deutschen Haushalte stark gestiegen. Fast jeder zweite Verbraucher bevorzugt Lebensmittel aus dem Frischesortiment statt Konserven.

Geschmack und Gesundheit haben beim Essen den höchsten Stellenwert

Der Geschmack ist und bleibt das wichtigste Qualitätsmerkmal eines Lebensmittels aus Sicht der Verbraucher. Nach dem BMEL-Ernährungsreport 2019 legen 99 Prozent der gut 1.000 vom Forsa-Institut repräsentativ befragten Bundesbürger beim Essen Wert auf den Geschmack. Gleichzeitig ist 91 Prozent der Befragten gesundes Essen wichtig. Weiter wird auf abwechslungsreiche Ernährung geachtet: 71 Prozent essen täglich Obst und Gemüse. 64 Prozent nehmen täglich Milchprodukte wie Joghurt und Käse zu sich. Fleisch und Fleischwaren kommen bei 28 Prozent jeden Tag auf den Tisch, im Westen Deutschlands sind es 26 Prozent, im Osten Deutschlands 43 Prozent. Insgesamt bezeichnen sich 63 Prozent der Deutschen als Fleischesser, weitere 31 Prozent als gelegentliche Fleischesser (Flexitarier). Vegetarisch ernähren sich sechs Prozent. Veganer sind 1 Prozent. Neben Geschmack und Gesundheit kommt es bei 48 Prozent der Befragten beim Essen auf eine einfache Zubereitung an. Es folgen die Kriterien Kalorien (36 Prozent) und Preis (32 Prozent). 

Potenziale für Lebensmittel aus der Region

Nach Ergebnissen einer repräsentativen Forsa-Befragung aus 2018 legen mehr als drei Viertel der deutschen Verbraucher (78 Prozent) Wert darauf, dass ihre Lebensmittel aus ihrer Region stammen. Bundesweit gibt es nahezu unzählige Marken, Qualitätszeichen und Siegel, die Regionalität betonen. Allerdings sind Bezeichnungen wie „aus der Region“ und „heimisch“ nicht geschützt. Die Anbieter von regionalen Erzeugnissen können selbst bestimmen, wie groß ihre Region ist. Auch wird der Begriff „regional“ in der Bevölkerung unterschiedlich interpretiert. Dies reicht von einem Umkreis von 10 bis 50 km, über das Bundesland bis hin zu Deutschland. Mit regionalen Lebensmitteln verbinden Verbraucher Geschmack, Qualität und Frische, aber auch Heimat, einen engeren Bezug zum Lebensmittel, kurze Transportwege und Unterstützung der regionalen Wirtschaft. Regionale Ware wird im Vergleich zu anderen Lebensmitteln als frischer (77 Prozent) wahrgenommen. Bei Bio-Ware haben nur 29 Prozent der Verbraucher in Deutschland diesen Eindruck. Die meisten regionalen Produkte werden im Lebensmitteleinzelhandel gekauft. Eier, Gemüse, Obst, Fleisch und Milchprodukte sind die TOP-Fünf der im Umland erzeugten Waren, auf die Verbraucher besonders gerne zugreifen. Verschiedene Studien belegen, dass die „Potentiale von Regionalität“ noch nicht ausgeschöpft sind.

Trend zu digitalem Shopping auch bei Lebensmitteln

Der Trend zur online-Bestellung von Nahrungsmitteln setzt sich fort. Mit rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz oder 0,7 Prozent am gesamten Lebensmittelhandel (2018) ist das noch ein relativ kleiner Markt, allerdings mit hohen Zuwachsraten von jährlich über 20 Prozent in den letzten fünf Jahren. Überwiegend werden Süßwaren, Fertiggerichte, Konserven und spezielle Lebensmittel im Web gekauft. Fleisch- und Wurstwaren, Milchprodukte sowie Obst und Gemüse rangieren hingegen unten auf der Online-Einkaufsliste. Auch werden Lebensmittel aus der landwirtschaftlichen Direktvermarktung über das Internet vermarktet. Am gesamten Online-Handel macht der Handel mit Lebensmitteln 2,1 Prozent aus. 

Wachsende Bedeutung der Direktvermarktung

Die Direktvermarktung von Lebensmitteln steht wie kein anderer Vertriebsweg für den Verkauf von regionalen Produkten. Zielgruppe sind Verbraucher, die wissen möchten, woher ihre Lebensmittel kommen und dazu den direkten Kontakt zum Erzeuger suchen. Regionale Lebensmittel werden häufig mit hoher Qualität, Frische und mit etwas höheren Preisen in Verbindung gebracht. Die landwirtschaftliche Direktvermarktung hat sich mit rund 2,6 Milliarden Euro Jahresumsatz in den letzten Jahren in etwa behauptet. Der Verkauf über das Internet bietet weitere Absatzpotentiale, während die Vermarktung auf den mittlerweile nur noch 3.300 Wochenmärkten rückläufig ist. Auch in der Gastronomie hält der Trend nach mehr regionalen Angeboten an.

Regionalfenster

Das vom BMEL 2014 eingeführte „Regionalfenster“ soll eine zuverlässige und transparente Kennzeichnung beim Einkauf von regionalen Lebensmitteln schaffen. Mittlerweile sind über 4.200 Produkte (Stand Juli 2019) mit dem „Regionalfenster“ gekennzeichnet, mit weiter steigender Tendenz. 

Labels und Gütesiegel sollen Vertrauen schaffen

Um Verbraucher am Point-of-Sale zu informieren, wird oft auf Labels und Gütesiegel zurückgegriffen. Sie sollen dabei helfen, Informationen bereitzustellen, die nicht beim bloßen Betrachten des Produktes erkennbar sind, wie zum Beispiel das Haltungssystem der Tiere bei Kauf von Fleischwaren. Das zentrale Ziel dieses oft gesellschaftspolitisch motivierten „Signaling“ ist es, den Verbrauchern eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung zu ermöglichen.

Tierhaltungsfragen haben hohen Stellenwert

Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben auf den Lebensmittelverpackungen haben für die Verbraucher eine hohe Bedeutung: Nach Ergebnissen einer im November 2018 durchgeführten Forsa-Umfrage sind insbesondere die Angaben zu den Inhalts- und Zusatzstoffen (84 Prozent), zur Herkunft (80 Prozent) und zum Mindesthaltbarkeitsdatum (79 Prozent) „wichtig“ oder „sehr wichtig“. Darüber hinaus haben die Befragten ein hohes Interesse an Informationen, die freiwillig auf den Verpackungen zu finden sind: An erster Stelle steht der Wunsch zu wissen, wie bei Produkten tierischen Ursprungs die Tiere gehalten wurden – für 86 Prozent der Verbraucher ist dies „wichtig“ oder „sehr wichtig“.

Hofladen auf einem Quadratmeter

Unter Beachtung der Lebensmittelhygiene und anderer Vorschriften haben in Deutschland bislang etwa 630 Landwirte in Automaten investiert, um vorallem Milch und Milchprodukte, aber auch andere hofeigene oder regionale Produkte direkt dem Verbraucher anzubieten. Die Automaten stehen oft auf den Höfen, daher sehen die Käufer, wo ihre Lebensmittel erzeugt werden. Die Produkte kosten zwar mehr als bei den Discounterketten, aber das Erleben und Wahrnehmen des landwirtschaftlichen Umfelds ist gratis. Für Landwirte ist der Automat in vielen Fällen der Einstieg in eine umfassendere Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte.

Die vier Stufen der einheitlichen „Haltungsform“-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels (LEH)

Stufe 4: Premium
Mit dem grünen Label der Stufe 4 wird z. B. Biofleisch gekennzeichnet, das die Anforderungen an die europäische Öko-Verordnung und ihre Richtlinien erfüllt. Aber auch Fleisch aus anderen Programmen kann so gekennzeichnet werden, wenn die entsprechenden Mindestanforderungen eingehalten werden.


Stufe 3: Außenklima
Mit dem orangefarbenen Label der Stufe 3 wird Fleisch gekennzeichnet, das von Tieren stammt, die mehr Platz im Stall und Außenklimakontakt haben.


Stufe 2: Stallhaltung Plus
Mit dem blauen Label der Stufe 2 wird Fleisch gekennzeichnet, das aus einer Haltung stammt, die über die gesetzlichen Standards hinausgeht – darunter fällt auch das Fleisch aus Betrieben der Initiative Tierwohl. Das bedeutet, Tiere haben mindestens zehn Prozent mehr Platz im Stall als gesetzlich vorgeschrieben und es steht ihnen zusätzliches Beschäftigungsmaterial zur Verfügung.


Stufe 1: Stallhaltung
Fleisch von Tieren, das mit dem roten Label der Stufe 1 gekennzeichnet ist, kommt aus Tierhaltung, die dem gesetzlichen Standard entspricht. Bei Schweinen, Hähnchen und Puten ist eine Zulassung im QS-System erforderlich. Bei Jungbullen und Schlachtkühen ist das ab 2020 der Fall.
 

Einheitliche „Haltungsform“-Kennzeichnung des Lebensmitteleinzelhandels

Um am Fleischregal schnell die richtige Entscheidung treffen zu können, haben die größten Lebensmittelhändler in Deutschland seit dem 1. April 2019 eine einheitliche „Haltungsform“-Kennzeichnung eingeführt. Die Lebensmittelkennzeichnung auf Fleischprodukten ist bei fast allen Händlern zu finden – ob im Supermarkt oder beim Discounter. Die einheitliche „Haltungsform“-Kennzeichnung unterscheidet vier Stufen, siehe Kasten.

Initiative Tierwohl mit wachsender Marktdurchdringung

Die Initiative Tierwohl (ITW) wird laut einer Forsa-Umfrage aus Mitte 2019 bei deutschen Verbrauchern immer bekannter. So finden 94 Prozent der Verbraucher das Konzept der ITW gut oder sehr gut und 28 Prozent nehmen das ITW-Produktsiegel auf Verpackungen bewusst wahr. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Steigerung von 9 Prozentpunkten. Mit Stand September 2019 nehmen an der ITW 4.200 Schweine und 2.500 Geflügel haltende Betriebe teil. Damit werden 65 Prozent der erzeugten Hähnchen/Puten und 21 Prozent der erzeugten Mastschweine in Deutschland nach den Vorgaben der Initiative Tierwohl gehalten. An der ITW beteiligen sich des Weiteren 130 Schlachtbetriebe und 9 Unternehmensgruppen des Lebensmitteleinzelhandels. Tierhalter, die an der Initiative Tierwohl teilnehmen, müssen bestimmte Tierwohlkriterien umsetzen. Diese liegen alle über den gesetzlichen Standards. Für die Umsetzung der Maßnahmen erhält der Landwirt ein bestimmtes vom Lebensmittelhandel finanziertes Tierwohlentgelt, mit dem der entstehende Mehraufwand kompensiert werden soll.

Top oder Flop für neues staatliches Tierwohlsiegel?

Auf freiwilliger Basis soll im Laufe des Jahres 2020 ein staatliches Tierwohllabel in den Handel kommen, das sich von den Tiersiegeln des Lebensmitteleinzelhandels u.a. darin unterscheidet, dass die erste gekennzeichnete Stufe schon deutlich über den gesetzlichen Mindeststandards liegt. Auch soll es nicht nur die Haltung, sondern das ganze Leben eines Tieres einschließlich Aufzucht, Transport und Schlachtung betrachten.

Informationen aus der Wissenschaft haben einen hohen Stellenwert

Nach einer breit angelegten repräsentativen Untersuchung der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) aus April 2019 genießen bei Lebensmittelinformationen Wissenschaftler das höchste Vertrauen. 82 Prozent der Bürger in der EU und 79 Prozent der Bürger in Deutschland vertrauen der Wissenschaft. Es folgen Verbraucherorganisationen und Bauern. Für die Studie waren EU-weit rund 27.700 Menschen befragt worden, darunter gut 1.500 in Deutschland.

Einkauf von Lebensmitteln ist Vertrauenssache

Bei der Frage aber nach der alltäglichen Nutzung von Informationsquellen über Lebensmittel steht für drei Viertel der Befragten (78 Prozent) aus einer Forsa-Umfrage aus November 2018 das persönliche Gespräch mit Freunden oder innerhalb der Familie dar. 70 Prozent informieren sich anhand der Angaben der Hersteller auf den Lebensmittelverpackungen oder in der Werbung. Auf Informationsangebote des Staates oder unabhängige Institutionen greift knapp die Hälfte der Befragten (44 Prozent) zurück.