2.3 Klimaschutz
Situationsbericht 2019/20

2.3 Klimaschutz

Besondere Rolle der Landwirtschaft

Das Pariser Klimaschutzabkommen 2015 hat der Ernährungssicherung und Beendigung des Hungers eine „fundamentale Priorität“ zuerkannt. Das Abkommen sieht vor, dass Klimaschutz und eine Anpassung an den Klimawandel so erfolgen, dass die Lebensmittelerzeugung gesichert bleibt. Eine treibhausgasfreie Erzeugung von Lebensmitteln ist nicht möglich, da die Landwirtschaft mit natürlichen Prozessen wie Verdauung und Nährstoffversorgung arbeitet. Möglich ist eine Effizienzsteigerung. 2018 stammten 7 Prozent der deutschen Gesamtemissionen an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft. Dieser Anteil ist geringer als im Durchschnitt der EU (10 Prozent).

Klimaschutz mit Landwirtschaft und Bioenergie

Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe wurden 2018 rund 65 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Diese Vermeidungsleistung, die anderen Sektoren angerechnet wird, ist etwas höher als die Emissionen, die die gesamte Landwirtschaft verursacht.

Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffsenke

Die Nutzung von Böden als Acker oder Grünland sowie Umwandlungen von Acker- in Grünland oder umgekehrt führen zu Veränderungen des Gehalts an Bodenkohlenstoff. Damit werden Treibhausgase, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid, fixiert oder freigesetzt. Ebenso tragen Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung zu Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt bei und sind damit klimawirksam. Diese Treibhausgasemissionen werden als „Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst“ erfasst und unter der international gebräuchlichen Bezeichnung LULUCF (Land Use, Land Use Change and Forestry) verbucht. 

Landwirtschaft: Methan und Lachgas als wichtigste Klimagase

Die Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft von 64 Millionen Tonnen CO2 -Äquivalent (2018) bestehen zum größten Teil aus den Klimagasen Methan (CH4 ) und Lachgas (N2 O) und nur zu einem kleinen Teil aus Kohlenstoffdioxid (CO2 ). Methan wird beispielsweise von Wiederkäuern bei der Verdauung produziert und Lachgas entsteht durch die Umsetzung von Stickstoffverbindungen im Boden. In der Bilanzierung von Treibhausgasen wird die Klimawirkung von Methan (CH4 ) als 25-faches und die von Lachgas (N2 O) als 298-faches von CO2 bilanziert und in der Einheit „CO2 -Äquivalent“ angegeben. Forschungen kommen zu dem Ergebnis, dass Methan in der Atmosphäre schneller abgebaut wird als bisher angenommen. Bleibt der Ausstoß von Methangasen konstant, löst dies keinen zusätzlichen Treibhausgaseffekt aus. Eine Senkung der Methanemissionen z.B. durch eine nachhaltige Intensivierung der Milchviehhaltung könnte sogar stabilisierend auf das Klima wirken.

Klimabuchhaltung nach dem „Quellprinzip“

Vorleistungen für die Landwirtschaft wie die Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelproduktion sowie alle nachgelagerten Bereiche wie zum Beispiel die Milch- und Fleischverarbeitung werden in der offiziellen Treibhausgasberichterstattung nicht bei der Landwirtschaft, sondern bei der Industrie oder dem verarbeitenden Gewerbe bilanziert. Die Treibhausgasminderungen, die die Land- und Forstwirtschaft durch Bioenergie erbringt, werden nicht der Land- und Forstwirtschaft, sondern dem Energie- und Verkehrssektor gutgeschrieben.

5 Milliarden Tonnen Kohlenstoffvorrat im Boden

Nach der Bodenzustandserhebung 2011-18 ergibt sich für die landwirtschaftlichen Nutzflächen in Deutschland ein Vorrat an Bodenkohlenstoff von etwa 2.400 Millionen Tonnen. Zusammen mit dem Wald ergibt sich ein Kohlenstoffvorrat von geschätzt 5.000 Millionen Tonnen (einschl. der Waldvegetation). Zum Vergleich: Die jährlichen fossilen CO2-Emissionen entsprechen 210 Millionen Tonnen Kohlenstoff.

Humus – über 100 Tonnen organischer Kohlenstoff je Hektar

Die Bodenzustandserhebung zeigt, dass die Oberböden von Acker- und Grünland (0 bis 30 cm) kohlenstoffreicher sind als die Unterböden bis 100 cm Tiefe. Es ergeben sich bei den mineralischen Böden durchschnittliche organische Kohlenstoffvorräte von 96 Tonnen je Hektar Ackerfläche und 135 Tonnen je Hektar Dauergrünland. Auf Moorstandorten (rund 6 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche) sind die Kohlenstoffvorräte mit 507 Tonnen je Hektar um ein Mehrfaches höher.

Emissionen seit 1990 um 20 Prozent gesunken

Seit 1990 – dem Bezugsjahr des ersten Klimaschutzabkommens, des Kyoto-Protokolls – hat die deutsche Landwirtschaft die Treibhausgasemissionen bereits von rund 79,2 Mio. t CO2-Äquivalent auf 63,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent in 2018 gesenkt. Dies entspricht einer Reduzierung der Emissionen um 20 Prozent. 

Klimaeffiziente Landwirtschaft

Geringere Tierbestände und Effizienzsteigerungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung haben dazu geführt, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt und gleichzeitig die Produktion gesteigert werden konnte. Die Landwirtschaft produziert heute mehr und belastet das Klima dabei deutlich weniger als noch 1990. Während die Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft gesunken sind, konnte die Bruttobodenproduktion, gemessen in Getreideeinheiten, gesteigert werden. 

Landwirtschaft im weltweiten Vergleich

Auch im internationalen Vergleich ist die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland besonders klimaschonend. Bei der Produktion von einem Liter Milch zum Beispiel werden durch die Entstehung von Methan in Deutschland ca. 1,1 kg CO2-Äquivalente freigesetzt. Das liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 2,4 kg und ist weit entfernt von den Emissionswerten Afrikas und Asiens mit 7,5 beziehungsweise 3,5 kg CO2-Äquivalent je Liter Milch.

Ernährung taugt nur eingeschränkt zum Klimaschutz

Die Ernährung ist lebensnotwendig. Sie kann im Gegensatz zum Verkehr oder täglichen Konsum an Gebrauchsgegenständen nicht aufgegeben werden. Allerdings kann die Klimaeffizienz von Ernährung weiter verbessert werden. Treibhausgasoptimierungen im Verkehr oder im Energiebereich sind für den Klimaschutz bedeutender. Die Emissionen aus der Mobilität übersteigen die der Ernährung (inklusive Lebensmitteltransport) bei weitem. 

Klimaschutzprogramm 2030 – Maßnahmen in den Bereichen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Landnutzung

  • Senkung der Stickstoffemissionen
  • Methanminderung durch Güllenutzung in Biogasanlagen
  • Emissionsminderung in der Tierhaltung
  • Ausbau des Ökolandbaus
  • Erhöhung der Energieeffizienz
  • Humuserhalt und Humusaufbau im Ackerland
  • Erhalt von Dauergrünland
  • Schutz von Moorböden
  • Erhalt und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder und Holzverwendung
  • Vermeidung von Lebensmittelabfällen
  • Gemeinsame Agrarpolitik

Quelle: Bundesregierung

Deutschland mit Klimaschutzprogramm 2030

Im Herbst 2019 haben Bundesregierung und Bundestag ein umfangreiches Gesetzes- und Förderungspaket zum Klimaschutz beschlossen. Wichtigste Elemente sind gesetzlich verbindliche Emissionsziele für die einzelnen Sektoren und ein nationales Emissionshandelssystem für Treib- und Brennstoffe. Aus den Einnahmen des Emissionshandels und aus Steuermitteln werden umfangreiche Fördermaßnahmen für den Klimaschutz finanziert, darunter auch für die Land- und Forstwirtschaft. Für den Agrar- und Forstsektor werden bis 2023 etwa 1,3 Milliarden Euro Bundesmittel bereitgestellt.