2.4 Folgen des Klimawandels
Situationsbericht 2019/20

2.4 Folgen des Klimawandels

Extreme Wetterereignisse nehmen zu

Naturkatastrophen und extreme Wetterlagen gibt es seit Menschengedenken. Fluten, Erdbeben und Dürreperioden finden schon in der Bibel Erwähnung. Deutschland ist in dieser Hinsicht ein vergleichsweise sicheres Land, wie der Weltrisikoindex der Vereinten Nationen belegt (Rang 163 von 180 bewerteten Staaten). Wetterlagen wie extreme Dürre, Hitze, Dauer- und Starkregen, Sturm, Früh-, Spät- und Kahlfrost können aber auch die deutsche Land- und Forstwirtschaft vor große Herausforderungen stellen. Angesichts des Klimawandels wird erwartet, dass derartige extreme Wetterereignisse zunehmen. Nach den bisherigen Beobachtungen ist die Intensität solcher Schadereignisse in Deutschland regional unterschiedlich und daher im Einzelfall kaum vorhersehbar. 

Höhere CO2-Konzentration fördert das Pflanzenwachstum

Der Anstieg der atmosphärischen CO2-Konzentration führt nicht nur zu einer Erderwärmung, sondern hat auch Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum auf Grund höherer Photosynthese-Leistungen. Neben dem CO2-Düngeeffekt kommt es zu einer verbesserten Wassernutzungseffizienz. 

Auch längere Vegetationszeit bringt Vorteile

Wetteraufzeichnungen für Deutschland zeigen einen ungebrochenen Trend der Erwärmung. Seit 1881 ist die Jahresmitteltemperatur nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) um 1,4 Grad Celsius angestiegen. Gleichzeitig hat die Zahl der Sommertage zugenommen und die der Frosttage abgenommen. Damit verbunden ist eine längere Vegetationszeit.

Aber Risiken durch Spätfröste wachsen

Der Temperaturanstieg führt tendenziell zu einer Verfrühung der Pflanzenentwicklung. Es kommt zu einer Verschiebung der phänologischen Jahreszeiten. Die Vegetationszeit beginnt früher. Der frühere Austrieb ist allerdings mit starken Schwankungen von Jahr zu Jahr verbunden. Durch den früheren Vegetationsbeginn wächst zugleich die Gefahr von Schadereignissen durch Spätfröste. Insbesondere Obst, Wein und andere Sonderkulturen sind betroffen.

Wärmere Winter stellen geringere Härteanforderungen an die Pflanzen

Mit dem Temperaturanstieg verbunden ist aber auch eine frühere Ernte im Herbst infolge beschleunigter Wachstumsentwicklung. Die Frostgefahr im Winter nimmt ab, die Anzahl der Frosttage und die Frosthärte gehen zurück. Pflanzen kommen auch mit einer geringeren Frosthärte zurecht. Warme Winter können aber auch teilweise zu fehlenden Vernalisationsanreizen führen. Die Vernalisation bezeichnet den Blühimpuls bei Pflanzen nach einer längeren Kälteperiode. Diese ist art- und sortenspezifisch. Der Kältereiz muss über einen längeren Zeitraum zwischen 0 und 10°C liegen.

Mehr Niederschläge, aber nicht dann, wenn die Pflanzen darauf angewiesen sind

Nicht nur bei den Temperaturen, sondern auch bei den Niederschlägen ist langfristig eine deutliche Zunahme der Jahresniederschlagsmengen zu beobachten, seit 1861 um etwa 10 Prozent bei regionalen Unterschieden. Gleichzeitig treten extreme Niederschlagsereignisse wie Starkregen häufiger auf. Der Niederschlagsanstieg wird vor allem im Winter und auch Herbst registriert, im zeitigen Frühjahr und Sommer aber gehen die Niederschlagsmengen zurück. Das führt zu geringerer Bodenfeuchte und damit zu mehr Frühjahrs- und Sommertrockenheit. Die größeren Niederschlagsmengen im Winter (Herbst) dagegen können zu Bodenerosion und verstärkter Nährstoffauswaschung führen.

Mehr Hitzestress bei Pflanzen und Tieren

Weniger Sommer-Niederschläge und höhere Verdunstung durch größere Sommerhitze und mehr Sommertage führen tendenziell zu mehr Hitzestress bei Pflanzen und Tieren. Bei Pflanzen kann dies vermehrt zu früherer Abreife, zu Notreife und Sonnenbrand, zum Beispiel bei Äpfeln, führen. Für viele Nutzpflanzen-Schädlinge werden dagegen die Überlebenschancen besser. Der Obst-, Wein- und Waldbau zum Beispiel hat zunehmend mit invasiven Arten wie der Kirschessigfliege oder dem Asiatischen Laubholzbockkäfer zu kämpfen, die in hiesigen Gefilden keine natürlichen Feinde haben. Folgeschäden durch Extremwetterlagen entstehen durch Insekten, Pilze und Bakterien (zum Beispiel Borkenkäfer im geschädigten Wald). Es gibt auch Nutzpflanzen, die mit den höheren Temperaturen und wenig Niederschlägen gut zurechtkommen. Dazu gehören zum Beispiel tiefwurzelnde Rebstöcke, wie der Weinjahrgang 2018 zeigte. 
 

Hitze ist für landwirtschaftliche Nutztiere das größte Wetterrisiko

Auch landwirtschaftliche Nutztiere können durch hohe sommerliche Temperaturen gestresst sein. Zunehmend längere Phasen mit steigenden Temperaturen wirken sich damit unmittelbar auf das Tierwohl aus. Wenn die im Stoffwechsel der Tiere erzeugte Wärme nicht abgeführt wird, steigt die Körpertemperatur. Das beeinträchtigt nicht nur die Leistungsfähigkeit der Tiere, sondern erhöht auch ihre Anfälligkeit für Krankheiten. Eine Vielzahl von Maßnahmen ist gefragt. Besonders in der Schweine- und Geflügelhaltung können Ventilatoren die natürliche Thermoregulation der Tiere unterstützen und die negativen Auswirkungen von Hitzestress reduzieren.

Starke Schwankungen von Jahr zu Jahr

Die Variabilität der Witterung nimmt tendenziell zu. Trockenperioden wechseln mit Starkregen, besonders im Sommer. Bezüglich anderer Extremwetterereignisse wie Tornados und Hagel können die Wetterforscher, was Deutschland anbelangt, keine eindeutigen Tendenzen ausmachen. Wetterforscher weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Feststellung von Wettertrends mindestens einen Beobachtungszeitraum von 40 Jahren umfassen sollte. Nicht jedes Extremwetterereignis ist somit auf den Klimawandel zurückzuführen. 

Mögliche landwirtschaftliche Anpassungsstrategien

  • Risiko streuen durch Anbaudiversifizierung
  • Züchtung trocken-, hitzetoleranter und widerstandsfähiger Pflanzen
  • Wasserhaltefähigkeit der Böden u.a. über konservierende Bodenbearbeitung steigern
  • Effiziente Be- und Entwässerungstechnik
  • Geeignete Frost- und Hagelschutztechnik
  • Klimagerechte Stallbauten
  • Versicherungslösungen

Quelle: DLG (Merkblatt 434 – Mehrgefahrenversicherungen in der Landwirtschaft)