3.3 Betriebe und Betriebsgrößen
Situationsbericht 2019/20

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

266.700 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

In Deutschland gab es 2018 266.700 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 21.800 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Die Betriebe bewirtschafteten 2018 rund 16,645 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2018 62,4 Hektar LF. Nach ersten Ergebnissen für 2019 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit 266.000 Betrieben nahezu unverändert geblieben.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2018 um 54.900 auf 266.700 Betriebe ab. Das sind 17,1 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von etwa 1,7 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass von den 375.000 Betrieben der Agrarstrukturerhebung 2007 etwa 53.000 Betriebe statistisch seitdem nicht mehr erfasst werden. Diese aus der Statistik herausgefallenen Betriebe repräsentieren nur etwa 1 Prozent der erfassten Produktionsgrundlagen (Fläche und Vieh). Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um gut die Hälfte zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten Jahren bei 2,5 Prozent.

Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben

Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2018 bundesweit um 5.600 auf 37.400 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften 61 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede. 

Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen

Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann. 

Enormer Strukturwandel in der Tierhaltung – Deutlich weniger Rinderhalter

Das Statistische Bundesamt zählt im Halbjahresrhythmus die Viehbestände in Deutschland. Nach den Mai-Ergebnissen hält der starke Strukturwandel in der deutschen Nutztierhaltung auch in 2019 weiterhin an. Nach den Ergebnissen der Mai-Zählung 2019 lag die Zahl der in Deutschland gehaltenen Rinder bei etwa 11,8 Millionen Stück. Damit ist der deutsche Rinderbestand gegenüber Mai 2018 weiter zurückgegangen (- 2,7 Prozent). Die Zahl der Rinderhalter verringerte sich auf 136.100 (- 3,2 Prozent). 
 

75 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern

Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei 27 Prozent, sie halten aber drei Viertel aller Tiere (75 Prozent). Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den östlichen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent liegt, werden in Süddeutschland nur etwa drei Fünftel der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten. 

Zahl der Milchviehhalter seit 2009 um 37 Prozent verringert

In 2019 ist die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter stark zurückgegangen. Im Mai 2019 wurden noch 61.100 Milchviehhalter und damit im Jahresvergleich 4,5 Prozent weniger gezählt. Bereits in den beiden Vorjahren war die Zahl der Milchviehhalter stark geschrumpft (- 5,6 Prozent in 2017, - 5,0 Prozent in 2018). Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 10 Jahren um 37 Prozent verringert. Die Zahl der Milchkühe reduzierte sich gegenüber Mai 2018 um 2,4 Prozent auf 4,07 Millionen Tiere. Im 10 Jahresvergleich ist das Tierbestandsminus von 3,3 Prozent nur wenig größer. 

Durchschnittlicher Bestand bei 67 Milchkühen

Im Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehhalter 67 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die größten Herden befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Durchschnittsgrößen von 228 bzw. 235 Kühen. Relativ klein sind die durchschnittlichen Milchviehbestände in Bayern (41 Kühe), Baden-Württemberg und Hessen (jeweils 51 Kühe). 

54 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen

In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen – das sind 18 Prozent aller Milchviehhaltungen – standen im Mai 2019 rund 54 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehhaltungen mit über 500 Milchkühen stieg 2019 auf 555. Deren Milchviehherden machen mit 455.700 Tieren gut 11 Prozent des deutschen Milchviehbestandes aus.

Ganzjährige Anbindehaltung auf dem Rückzug

Nach Daten der Landwirtschaftszählung 2010 wurden auf rund 31.500 Betrieben rund 650.000 Kühe in ganzjähriger Anbindehaltung gehalten. Das entspricht einem Anteil von rund 35 Prozent der Milchviehbetriebe und 15 Prozent aller Milchkühe. Wissenschaftler des Thünen-Instituts prognostizieren unter Berücksichtigung des Strukturwandels für das Jahr 2027 schätzungsweise 13.500 Betriebe mit rund 270.000 Milchkühen, die ganzjährig in Anbindehaltung gehalten werden.

Etwas weniger Ammen- und Mutterkühe

Im Mai 2019 wurden in Deutschland 652.600 Ammen- und Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Ammen- und Mutterkühen im Jahresvergleich um 1,6 Prozent zurückgegangen. Die Zahl ihrer Halter ist weiter leicht rückläufig (gegenüber 2018 - 0,8 Prozent). Die insgesamt 49.500 Ammen- und Mutterkuhhalter hielten zuletzt im Durchschnitt 13 Ammen- und Mutterkühe. Der Schwerpunkt dieser Art von Rinderhaltung liegt in Ostdeutschland, wo 40 Prozent aller deutschen Ammen- und Mutterkühe gehalten werden. Die meisten Ammen- und Mutterkühe werden mit rund 89.600 Tieren in Brandenburg gehalten. Der Durchschnittsbestand liegt dort bei 35 Ammen- und Mutterkühen. 

Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen

Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 4,74 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,29 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgen Kreuzungstiere aus verschiedenen Fleischrinderrassen und die Milchnutzungsrasse „Holstein-Rotbunt“ mit 0,65 bzw. 0,54 Millionen Tieren. Bei der Viehzählung werden auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2019 9.500 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.  

Deutsche Schweineerzeugung hat ihren Zenit überschritten

Nach den amtlichen Angaben der Agrarstatistik hat die Schweinehaltung in Deutschland offensichtlich ihren Zenit überschritten. Der seit 2015 bestehende Trend rückläufiger Bestände hat sich zuletzt sogar verstärkt. Der im Mai 2019 gezählte Bestand von 26,0 Millionen Schweinen fällt gegenüber den Boomjahren 2012 bis 2015 um fast 8 Prozent niedriger aus. Besonders stark ist der Rückgang der Sauenhaltung. Nach Befragungsergebnissen sehen die Landwirte einen wesentlichen Grund für diese starke Produktionseinschränkung in unsicheren gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Ferkelkastration, das Kupieren von Ferkelschwänzen sowie die Haltung der Sauen in Kastenständen betreffen. Nutznießer dieser Verunsicherung in Deutschland sind Halter im benachbarten Ausland. 

Immer weniger Schweinehalter

Zum Stichtag 3. Mai 2019 standen in deutschen Ställen rund 26,0 Millionen Schweine. Das sind gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert 3,5 Prozent oder 939.000 Tiere weniger. Gleichzeitig ging die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um 5,7 Prozent auf 21.600 Betriebe zurück. Bereits im Vorjahr schrumpfte die Zahl der Schweinehalter deutlich (- 3,8 Prozent). In der Viehzählung werden seit 2010 nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten. Seit 2010 sind die so definierten Schweinehalter um 34 Prozent zurückgegangen, während der Schweinebestand nur um 2 Prozent niedriger ausfällt. Die Entwicklung zu größeren Beständen schreitet auch in der Schweinehaltung weiter voran. 78 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine standen im Mai 2019 in den 8.700 Beständen mit 1.000 und mehr Schweinen.

Zahl der Sauenhalter stark geschrumpft

Mit rund 1,805 Millionen Tieren wurden im Mai 2019 bundesweit deutlich weniger Zuchtsauen gezählt als ein Jahr zuvor (- 2,9 Prozent). Die Zahl ihrer Halter ging besonders stark zurück, und zwar um rund 900 oder fast 9 Prozent auf 7.400. Seit 2010 und damit binnen 9 Jahren hat mehr als jeder zweite Sauenhalter seine Ferkelerzeugung eingestellt (- 53 Prozent). Die Zahl der gehaltenen Sauen hat sich im gleichen Zeitraum um 20 Prozent vermindert. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich weiter erhöht, und zwar auf durchschnittlich 244 Tiere. 70 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Sauen stehen in den rund 2.100 Beständen mit 250 und mehr Zuchtsauen.

Relativ stabile Schafbestände

Die Schafbestände werden von der amtlichen Statistik nur einmal im Jahr erfasst, und zwar im November. Im November 2018 wurden insgesamt 1,57 Millionen Schafe gezählt und damit in etwa genauso viele Tiere wie ein Jahr zuvor (- 0,6 Prozent). Die Anzahl der Schafhalter ging dagegen im Jahresvergleich um 4,0 Prozent auf 9.500 zurück. Seit 2011 sind Schafhalter und Schafbestände um knapp 9 bzw. gut 5 Prozent zurückgegangen. Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfielen im November 2018 53 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. In der jährlichen Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten. Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Nach zuletzt vorliegenden Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 gab es 19.600 Schafhalter mit 1,83 Millionen Schafen. 
 

Tierhaltung mit regional unterschiedlichen Intensitäten

Im Nordwesten und Südosten Deutschlands ist der Viehbestand in Relation zur landwirtschaftlich genutzten Fläche relativ hoch. Die neuen Bundesländer zum Beispiel dagegen kennzeichnet eine eher geringe Tierhaltungsdichte. In Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden 58 Prozent aller Schweine gehalten. Auch die Geflügelhaltung ist mit 53 Prozent des gesamten Bestandes besonders auf Niedersachsen konzentriert. Dagegen hat Bayern bei der Rinderhaltung den höchsten Anteil. Rund 26 Prozent aller Rinder stehen in Bayern. Einen hohen Anteil am Rinderbestand haben auch Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern stehen zusammen 41 Prozent aller Rinder. 

Anteil viehloser Betriebe nimmt zu

Anders als bei den halbjährlichen bzw. jährlichen Viehzählungen werden in den alle drei Jahre durchgeführten Agrarstrukturerhebungen auch Betriebe mit Nutztieren erfasst, die unterhalb der statistischen Erfassungsgrenzen der Viehzählungen liegen, und damit zum Beispiel auch Betriebe mit weniger als 50 Schweinen umfassen, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Nach den zuletzt vorliegenden Ergebnissen der in 2016 durchgeführten Agrarstrukturerhebung (Stichtag 1. März 2016) wurden in 185.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 67,2 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,0 Millionen Schweine, 173,6 Millionen Stück Geflügel, 442.000 Pferde und Esel, 1,8 Millionen Schafe sowie 139.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 53.200 Betriebe oder gut 22 Prozent (jährlich minus 2,8 Prozent). Der Anteil viehloser Betriebe ist deutlich angewachsen, von 27,7 Prozent in 2010 auf 30,1 Prozent in 2013 und dann auf 32,8 Prozent in 2016. 

67 Prozent aller Betriebe halten Vieh

Zwischen 2010 und 2016 ging die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe insgesamt um rund 8 Prozent zurück. Die sich darunter befindenden viehhaltenden Betriebe gingen nach Ergebnissen der Agrarstrukturerhebungen prozentual fast doppelt so stark zurück (- 14 Prozent). Von 216.100 in 2010 fiel die Zahl der viehhaltenden Betriebe auf 185.200 in 2016. Die Zahl der gehaltenen Rinder ist zwischen 2010 und 2016 nur leicht zurückgegangen, während die Zahl der gehaltenen Schweine etwas zugenommen hat (+ 4 Prozent). Die Zahl der Rinder haltenden Betriebe ging in diesem Vergleichszeitraum um 16 Prozent auf 121.000 zurück, die der Schweine haltenden Betriebe sogar um 33 Prozent auf 40.300. Hinter diesen durchschnittlichen Entwicklungen für das Bundesgebiet stecken große regionale Unterschiede. 

Treiber der Strukturentwicklung

  • Schwache Marktstellung – Internationaler Wettbewerb
  • Technischer und züchterischer Fortschritt
  • Wirtschaftliche Größenvorteile
  • Gesetzlicher Regelungsdruck
  • Wachsende Kundenanforderungen
  • Kritische öffentliche Diskussion über Landwirtschaft