3.5 Arbeitskräfte, Auszubildende und Hofnachfolger
Situationsbericht 2019/20

3.5 Arbeitskräfte, Auszubildende und Hofnachfolger

Knapp die Hälfte sind Familienarbeitskräfte

Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die Arbeit zum größten Teil von Unternehmern und ihren Familienangehörigen geleistet wird. Von den 940.100 Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren nach Ergebnissen der zuletzt für 2016 vorliegenden Agrarstrukturerhebung rund 449.100 Familienarbeitskräfte (48 Prozent aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 204.600 ständig angestellte ständige Arbeitskräfte und rund 286.300 Saisonarbeitskräfte. 

Rückgang der Familienarbeitskräfte – Anstieg der angestellten Arbeitskräfte

Der langfristige Trend hin zum vermehrten Einsatz moderner Technik und die dadurch bedingten Effizienz- und Produktivitätssteigerungen haben auch Auswirkungen auf die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte. Sie ging zwischen 2010 und 2016 um fast 13 Prozent zurück. Die Zahl der Familienarbeitskräfte sank zwischen 2010 und 2016 sogar um 19 Prozent. Dagegen stieg die Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 6 Prozent. Die von externen Dienstleistern wie Lohnunternehmen und Maschinenringe erledigten Arbeiten und die dazu benötigten Arbeitskräfte sind in den Agrarstrukturerhebungen nicht abgebildet. Diese externen Dienstleistungen nehmen tendenziell zu.

Arbeitskräfte und Erwerbstätige

Die Statistiken über die in der Landwirtschaft tätigen Personen gehen auf
unterschiedliche Erhebungen zurück:

  • Arbeitskräfte werden in der Agrarstrukturerhebung bzw. Landwirtschaftszählung erhoben. Diese werden nach dem Grad der Beschäftigung (Vollzeit/Teilzeit) erhoben und auch nach Arbeitskraft-Einheiten (AKE) ausgewertet.
  • Erwerbstätige werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nach ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst und den Wirtschaftszweigen zugeordnet.

Quelle: Statistisches Bundesamt

490.100 AK-Einheiten in der deutschen Landwirtschaft

Die sogenannte Arbeitskräfte-Einheit (AK) gibt den gesamten in landwirtschaftlichen Betrieben erbrachten Arbeitseinsatz in einer Kennzahl wieder. Die betriebliche Arbeitsleistung belief sich 2016 in Deutschland auf 490.100 AK-Einheiten. Gegenüber 2010 entspricht dies einem Rückgang von gut 10 Prozent.

Beschäftigungsstruktur regional unterschiedlich

Die regionalen Unterschiede in den Betriebsstrukturen bringen auch unterschiedliche Beschäftigtenstrukturen mit sich. Im früheren Bundesgebiet überwogen 2016 die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 423.000 Personen. Das sind 53 Prozent aller Arbeitskräfte im früheren Bundesgebiet. Nur 16 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 31 Prozent waren Saisonarbeitskräfte. In den neuen Ländern dominieren aufgrund einer anderen Rechtsformstruktur die ständig angestellten Arbeitskräfte. Sie machen 54 Prozent der Arbeitskräfte aus (Familienarbeitskräfte 18 Prozent, Saisonarbeitskräfte 28 Prozent).

Anteil der Vollbeschäftigten steigt

Von den Familienarbeitskräften waren 2016 nur 36 Prozent mit betrieblichen Tätigkeiten vollbeschäftigt; bei den ständig angestellten Arbeitskräften waren es 61 Prozent. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung deutlich an. Die Unterscheidung in Haupt- und Nebenerwerb zeigt: Während von den 222.800 Familienarbeitskräften in Nebenerwerbsbetrieben lediglich 12 Prozent vollbeschäftigt sind, liegt der entsprechende Anteil bei den 226.300 Familienarbeitskräften in Haupterwerbsbetrieben bei 60 Prozent. Im Zeitverlauf ist der Anteil der in der Landwirtschaft vollbeschäftigten Personen angestiegen.

Saisonale Beschäftigung von großer Bedeutung

2016 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 286.300 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) sind davon rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien deutlich gestiegen. Von den ausländischen Saisonarbeitskräften stammen nach Einschätzung des GFLA etwa 65 Prozent aus Rumänien, 30 Prozent aus Polen und der Rest aus den anderen osteuropäischen Staaten (vorwiegend Bulgarien, Baltikum sowie Studenten aus der Ukraine).

36 Prozent aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sind weiblich

Unter Berücksichtigung der soziodemografischen Merkmale der Beschäftigten zeigt sich, dass sowohl bei den Familienarbeitskräften als auch bei den ständig angestellten Arbeitskräften knapp ein Drittel der Beschäftigten Frauen sind. Von den Saisonarbeitskräften waren 2016 allerdings 45 Prozent weiblich. Insgesamt stehen in der Landwirtschaft 599.100 männlichen Arbeitskräften 341.000 weibliche Arbeitskräfte gegenüber.
 

Anteil weiblicher Führungskräfte relativ gering

In den Führungspositionen ist das Geschlechterverhältnis noch ungleicher: Nur 26.500 oder knapp 10 Prozent der 2016 gezählten 275.400 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt. Zusammen mit Frauen, die insbesondere in den juristischen Personen führende Positionen einnehmen, dürfte der Anteil der Frauen mit Führungspositionen in der Landwirtschaft zwar etwas höher liegen, aber deutlich unter dem Durchschnitt aller Wirtschaftszweige: Der Frauenanteil unter den Führungskräften lag in Deutschland 2018 bei 29,4 Prozent, der Anteil an allen Erwerbstätigen bei 46,6 Prozent.

 

2,0 Millionen Menschen sind mit der Landwirtschaft besonders eng verbunden

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht nur Arbeitsplatz und Erwerbsquelle, sondern auch gleichzeitig Wohn- und Lebensraum. In Deutschland wirtschaften oder leben mehr als 900.000 Personen als Betriebsinhaber und Familienangehörige auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Hinzu kommen weitere 1,1 Millionen Personen, die als ständige Angestellte oder als Saisonarbeitskräfte zusammen mit ihren Familienangehörigen mit dem landwirtschaftlichen Umfeld besonders eng verbunden sind.

Gut ein Drittel der Landwirte ist älter als 55 Jahre

Von der Altersstruktur her sind die Erwerbstätigen in der Landwirtschaft im Vergleich zur übrigen Erwerbsbevölkerung deutlich älter. Während in der Landwirtschaft 36 Prozent aller Erwerbstätigen älter als 55 Jahre sind, beträgt der entsprechende Anteil in der übrigen Erwerbsbevölkerung 23 Prozent. Die Altersstruktur der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft deutet damit auf einen weiteren strukturellen Wandel hin. Im europäischen Vergleich zählen die deutschen Landwirte allerdings zu den Jüngeren.

Anteil der jüngeren Betriebsinhaber hat deutlich abgenommen

Im Zeitvergleich hat sich die Altersstruktur landwirtschaftlicher Betriebsinhaber deutlich verschlechtert. Waren 2010 32 Prozent aller Betriebsinhaber noch jünger als 45 Jahre, so ist dieser Anteil bis 2016 auf 25 Prozent zurückgegangen. Andererseits ist der Anteil älterer Betriebsinhaber (55 Jahre und älter) von 32 auf fast 40 Prozent gestiegen.

Relativ stabile Zahlen im Ausbildungsberuf Landwirt/-in

Rund 32.500 junge Männer und Frauen erlernten zum Stand 31. Dezember 2018 einen „grünen“ Beruf. Das waren gut 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach wie vor ist der Beruf Gärtner/in mit knapp 13.000 Auszubildenden der mit Abstand bedeutendste unter den „grünen“ Berufen, gefolgt vom Beruf Landwirt/in mit 8.900 Personen. Das waren gegenüber Vorjahresfrist 4,0 Prozent weniger. Zu den mittlerweile 14 „grünen Berufen“ gehören neben dem Landwirt und dem Gärtner auch die Ausbildungsberufe Hauswirtschafterin, Winzer oder Tierwirt. Zu den relativ jungen grünen Berufen zählt die 2005 eingeführte Fachkraft Agrarservice. 

Lehrlingszahlen sind in Deutschland leicht angestiegen

Anders als in der Agrarwirtschaft ist die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in der Gesamtwirtschaft in 2018 mit 1,331 Millionen gegenüber dem Vorjahr leicht angestiegen (+ 0,5 Prozent). Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge stieg an (+ 1,2 Prozent). In den agrarwirtschaftlichen Berufen dagegen kamen mit 13.200 Abschlüssen im Jahresvergleich weniger neue Ausbildungsverträge zustande (- 1,6 Prozent). 

Nur 23 Prozent der „grünen“ Azubis sind Frauen

Von den Auszubildenden im Agrarbereich waren 2018 insgesamt 7.389 Frauen (23 Prozent). Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Die höchsten Frauenanteile gibt es in der ländlichen Hauswirtschaft, in den Laborantenberufen und im Beruf Pferdewirt/in. Beim Ausbildungsberuf Landwirt/in sind dagegen nur gut 16 Prozent Frauen. Allerdings ist die Tendenz steigend. 

Hoher Ausbildungsgrad

Nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 haben 65 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. In größeren Betrieben haben fast alle Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Auch in Haupterwerbsbetrieben, Personengesellschaften und juristischen Personen ist der landwirtschaftliche Ausbildungsgrad mit 83 bis 85 Prozent relativ hoch. 

Studie – Wie steht es um die Hofnachfolge in Deutschland

Im Rahmen des Konjunkturbarometer Agrar hat die Landwirtschaftliche Rentenbank im Juni 2018 rund 800 von Familien geführte landwirtschaftliche Unternehmen zur Hofnachfolge befragen lassen. Auf die Frage „Wie oft wurde ihr Betrieb schon in der Familie an die nachfolgende Generation weitergegeben?“ gab fast die Hälfte der befragten Betriebsleiter an, mindestens bereits in der 4. Generation den Betrieb zu bewirtschaften. Im Durchschnitt wurden die Betriebe an fünf Generationen weitergegeben. Etwa die Hälfte der befragten Betriebsleiter fühlte sich der Familie/der Tradition des Hofes mehr oder minder verpflichtet, den Hof zu übernehmen, im Süden Deutschlands mehr, im Norden und insbesondere im Osten Deutschlands weniger. Die andere Hälfte der Betriebe gab an, dieses Pflichtgefühl kaum oder gar nicht zu haben.

In vielen Fällen ist die Hofnachfolge gesichert

Unter den Landwirten, die älter als 50 Jahre sind und innerhalb der nächsten 10 Jahre eine Hofübergabe planen, steht in drei von vier Fällen der Hofnachfolger bereits fest. In den Ackerbaubetrieben sowie im Osten Deutschlands ist der Hofnachfolger allerdings nur in zwei von drei Fällen bereits bekannt. Das heutige Alter des anstehenden Hofnachfolgers beträgt durchschnittlich 30 Jahre. Regionale Unterschiede oder Unterschiede nach Betriebsformen und Betriebsgrößen sind nur gering. 

Hofnachfolger sind überwiegend gut ausgebildet

28 Prozent der Hofnachfolger werden zum Zeitpunkt der Hofübergabe einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss aufweisen. Von weiteren 35 Prozent wird der Meistertitel bzw. der Abschluss zum staatlichen geprüften Landwirt/Wirtschafter/Betriebswirt erwartet. 33 Prozent der angehenden Hofnachfolger dürften zum Zeitpunkt der Hofübergabe als höchsten Abschluss zumindest eine abgeschlossene Lehre aufweisen. 

Ein Drittel der Betriebe wird im Nebenerwerb weitergeführt

Unter den Landwirten, die älter als 50 Jahre sind und innerhalb der nächsten 10 Jahre eine Hofübergabe planen, rechnen 60 Prozent damit, dass ihr Betrieb künftig weiter im Haupterwerb fortgeführt wird. 32 Prozent sehen ihren Betrieb künftig als Nebenerwerbsbetrieb. Bei den übrigen 8 Prozent ist die Frage der künftigen Betriebsform noch offen. Vergleichsweise niedrig ist der Anteil der weiter im Haupterwerb geführten Betriebe unter den Ackerbaubetrieben (45 Prozent) und im Süden Deutschlands (53 Prozent). Entsprechend höher fallen die Nebenerwerbsanteile mit 48 bzw. 38 Prozent aus. Zu berücksichtigen ist, dass sich unter den befragten Betriebsleitern etwa 5 Prozent Nebenerwerbslandwirte befinden. 

Auch außerfamiliäre Hofübergabe möglich

Unter den Landwirten, die älter als 50 Jahre sind, aber noch keinen Hofnachfolger gefunden haben, kommt in 73 Prozent der Fälle eine außerfamiliäre Hofübergabe in Frage. 27 Prozent können sich dies nicht vorstellen. Wenn kein Hofnachfolger gefunden wird, dann soll der Betrieb fast ausschließlich verpachtet werden (91 Prozent Nennungen). Als Hauptgrund für den (noch) fehlenden Hofnachfolger wird angegeben, dass die Kinder andere Interessen bzw. berufliche Möglichkeiten haben (59 Prozent).