3.6 Agrarstrukturen in der EU
Situationsbericht 2019/20

3.6 Agrarstrukturen in der EU

Bedeutung der Landwirtschaft

Der Beitrag der Land- und Forstwirtschaft zur volkswirtschaftlichen Bruttowertschöpfung lag 2018 in der EU 28 bei 1,6 Prozent. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der EU, steuert die Landwirtschaft etwa 0,9 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung bei. Deutlich höher ist dieser Anteil mit 1,8 bzw. 2,2 Prozent in Frankreich und Italien. Am größten ist der Anteil der Landwirtschaft in Rumänien und Griechenland (4,8 bzw. 4,3 Prozent), gefolgt von Ungarn (4,2 Prozent). 

Deutschland zweitgrößter Agrarproduzent in der EU

Größter Agrarproduzent der EU-28 ist Frankreich mit einem Gesamtwert der landwirtschaftlichen Produktion von 76,0 Milliarden Euro (2018). Damit erwirtschaftet Frankreich 17,4 Prozent der europäischen Agrarproduktion. Mit deutlichem Abstand folgen Italien mit einem Produktionswert von 56,7 Milliarden Euro und Deutschland mit 53,2 Milliarden Euro. Ihre Anteile an der europäischen Agrarproduktion betragen 13,0 bzw. 12,2 Prozent. 

Deutschland: Größter Milch- und Schweineproduzent der EU

Im Vergleich der europäischen Länder gehören die deutschen Landwirte bei neun wichtigen Agrarprodukten zum Spitzentrio. Bei Milch, Schweinefleisch und Kartoffeln ist Deutschland sogar der größte europäische Produzent. Bei Getreide, Raps, Zucker, Rindfleisch und Eiern produzieren die französischen Landwirte die größte Menge. Etwa ein Fünftel der gesamten europäischen Milch- und Schweineerzeugung wird von deutschen Landwirten erzeugt. Bei einer ganzen Reihe von Agrarprodukten übersteigt die Produktion zudem den Inlandsbedarf. Diese Mengen werden in andere europäische Länder oder am Weltmarkt abgesetzt. Anders bei Obst und Gemüse, wo die deutsche Erzeugung geringe Marktanteile erreicht.

Bei vielen Erzeugnissen Marktanteile gewonnen

Im Zehnjahresvergleich hat Deutschland seine Marktanteile bei wichtigen Produkten ausbauen können. Der rückläufige deutsche Anteil an der EU-Rapserzeugung steht im Zusammenhang mit dem Ausbau der Biodieselerzeugung auf Rapsbasis in anderen EU-Mitgliedstaaten.

Starker landwirtschaftlicher Strukturwandel

Im Zehnjahreszeitraum von 2008 bis 2018 sind ein Fünftel der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft weggefallen. Fast drei Viertel der landwirtschaftlichen Arbeitsplätze in der EU entfallen auf nicht entlohnte Familien-Arbeitskräfte.

Große Strukturunterschiede in der EU-Landwirtschaft

28 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in der EU werden von Frauen geführt. In Deutschland liegt dieser Anteil mit knapp 10 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Die von juristischen Personen geführten Betriebe machen EU-weit zwar nur knapp 3 Prozent aller Betriebe aus. Sie bewirtschaften aber 22 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in der EU-28. Besonders von Ländern im Süden und Osten Europas wird die Agrarstruktur von relativ kleinen Betrieben dominiert. 

Ein Drittel der Betriebsleiter in der EU ist älter als 65 Jahre

In den meisten Ländern der Europäischen Union werden die Betriebe erst relativ spät an die Nachfolgegeneration übergeben. 32 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebsleiter in der EU waren 2016 65 Jahre und älter. Nur rund 11 Prozent sind jünger als 40 Jahre. Spitzenreiter bei den Junglandwirten sind Österreich und Polen, wo etwa 22 bzw. 20 Prozent der Betriebsleiter jünger als 40 Jahre sind. Die relativ günstige Altersstruktur der Betriebsinhaber in Deutschland ist unter anderem Folge der deutschen Alterssicherung der Landwirte, die bis 2018 an die Betriebsaufgabe geknüpft war.

43 Prozent der Flächen in der EU sind Pachtflächen

Etwa 43 Prozent der Agrarflächen in der EU sind nach zuletzt für 2013 vorliegenden Angaben gepachtet. Besonders hoch sind die Pachtflächenanteile in der Slowakei und Frankreich mit nahezu 80 Prozent. Aber auch in Deutschland liegt der Pachtflächenanteil (60 Prozent, einschließlich unentgeltlich überlassener Flächen) deutlich über dem EU-Durchschnitt. In den letzten Jahren ist der Pachtflächenanteil in vielen Ländern weiter angestiegen.

Boden- und Pachtpreise ziehen EU-weit an

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in fast allen anderen EU-Ländern sind sowohl die Kauf- als auch die Pachtpreise für Landwirtschaftsflächen in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Am höchsten sind die Bodenpreise in den Niederlanden, am niedrigsten in den baltischen und einigen anderen osteuropäischen Ländern. Hinter den nationalen Durchschnittswerten stecken große regionale Unterschiede. Auch ist die statistische Vergleichbarkeit häufig nur bedingt gegeben.