6.1 Pflanzliche Erzeugung
Situationsbericht 2019/20

6.1 Pflanzliche Erzeugung

Globale Versorgungslage bei Getreide kaum verändert

Mit 2,658 Milliarden Tonnen übertrifft die globale Getreideernte einschließlich Reis in 2019 das Vorjahresergebnis um 29 Millionen Tonnen (+ 1,1 Prozent). Aber auch Außenhandel und Verbrauch steigen. Bis Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 dürften die Weltgetreidebestände nur marginal schrumpfen, so dass die globale Versorgungslage unverändert bleibt. 

EU nach Russland zweitgrößter Weizenlieferant

Auch wenn nicht so stark wie in den Vorjahren, so dominieren die USA weiter den globalen Handel mit Getreide. In der Saison 2019/20 dürfte der Marktanteil von US-Getreide am Welthandel etwa knapp ein Fünftel betragen, von US-Grob- und Futtergetreide sogar gut ein Viertel. Dabei spielt Mais eine maßgebliche Rolle. Die EU wiederum bleibt ein wichtiger Akteur am globalen Weizenmarkt, und zwar vor allem bei qualitativ hochwertigem Brotweizen. Die Weizen-Ausfuhren der EU dürften im Wirtschaftsjahr 2019/20 mit geschätzten 29 Millionen Tonnen gegenüber dem dürrebedingten schwachen Vorjahr wieder deutlich höher ausfallen. Der weltweit wichtigste Weizenlieferant dürfte im Wirtschaftsjahr 2019/20 wieder Russland mit geschätzten 35 Millionen Tonnen sein. Es folgen die EU mit 29 Millionen Tonnen und dann erst die USA mit geschätzten 26 Millionen Tonnen. 

Weltweite Weizenvorräte können den Bedarf von viereinhalb Monaten abdecken

Das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) schätzt die weltweite Weizenernte 2019/20 auf 766 Millionen Tonnen - das sind 34 Millionen Tonnen mehr als im Vorjahr. Damit steigt die Erzeugung stärker als der Verbrauch, der für das Wirtschaftsjahr 2019/20 auf 755 Millionen Tonnen geschätzt wird. Entsprechend werden die weltweiten Lagervorräte bei Weizen bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 auf 288 Millionen Tonnen ansteigen. Rein rechnerisch deckt diese Weizenmenge den Bedarf von etwa viereinhalb Monaten bzw. 139 Tagen.

Rückgang der Bestände an Grob- und Futtergetreide

Auf dem Weltmarkt für Futter- und Grobgetreide ist in 2019/20 mit einem weiteren deutlichen Bestandsabbau zu rechnen. Nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) steht der Erzeugung von 1.395 Millionen Tonnen Futtergetreide voraussichtlich ein Verbrauch von 1.415 Millionen Tonnen gegenüber. Gegen Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 werden Futter- und Grobgetreidebestände von weltweit 327 Millionen Tonnen erwartet. Das wären im Jahresvergleich 21 Millionen Tonnen weniger.

 

Durchschnittliche EU-Getreideernte

Die EU-Getreideernte 2019 wird nach Schätzung der Europäischen Kommission von Ende Oktober 2019 auf 318,4 Millionen Tonnen veranschlagt. Das sind zwar gegenüber dem niedrigen Vorjahresergebnis 25,7 Millionen Tonnen oder 8,8 Prozent mehr, aber kaum mehr als im langjährigen Durchschnitt. Die höheren Erntemengen sind auf eine gestiegene Anbaufläche (+ 2,8 Prozent) und höhere Hektarerträge (+ 5,8 Prozent) zurückzuführen. Die EU-Lagerbestände an Getreide dürften nach Schätzung der EU-Kommission bis Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 um 20 Prozent auf 56 Millionen Tonnen anwachsen. 
 

Mäßige deutsche Getreideernte

Nach dem Dürrejahr 2018 zeichneten sich auch für die Ernte 2019 keine guten Vegetationsbedingungen ab. Es war in einigen Teilen Deutschlands erneut zu trocken, so dass im Bundesdurchschnitt nur mäßige Erträge erzielt werden konnten. Das vorläufige Ernteergebnis liegt einschließlich Körnermais bei 44,4 Millionen Tonnen. Es liegt damit zwar um 17 Prozent über dem niedrigen Vorjahresergebnis, blieb aber im langjährigen Mittel unterdurchschnittlich (- 4 Prozent gegenüber Durchschnitt der Jahre 2013-2018). Regional gesehen ist die Ertragsentwicklung wegen unterschiedlicher Witterungsbedingungen nicht einheitlich.

Deutsche Getreideausfuhren in 2018/19 rückläufig

Nach einer ausgeglichenen Außenhandelsbilanz im Wirtschaftsjahr 2017/18 entwickelten sich die Getreideeinfuhren und die Getreideausfuhren Deutschlands im Wirtschaftsjahr 2018/19 gegenläufig. Die Exporte sind stark zurückgegangen und die Importe kräftig gestiegen. Mit der relativ kleinen Ernte 2018 stand deutlich weniger Getreide für Exportzwecke zur Verfügung. Im laufenden Wirtschaftsjahr 2019/20 dürfte sich der Export von Weizen wieder erholen, vielleicht sogar auf die knapp 9 Millionen Tonnen des Vorvorjahres wieder ansteigen. Gleichzeitig bleiben die Maisimporte hoch, denn das Angebot aus dem Ausland ist reichlich und preisgünstig. 

Relativ stabile Weltmarktpreise für Getreide

Die internationalen Getreidepreise dürften nach Einschätzung der FAO im Wirtschaftsjahr 2019/20 relativ stabil bleiben. Der FAO-Getreidepreisindex lag im Oktober 2019 um gut 4 Prozent über dem Wert von September und um 1 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Grund für den Preisanstieg im Oktober waren vor allem niedrigere Ernteerwartungen bei Weizen in Australien und Argentinien. Der FAO-Getreidepreisindex wird gebildet auf Basis der Exportpreise für Weizen, Mais und Reis an den wichtigsten globalen Handelsplätzen. 

Mittelfristig mit weiteren moderaten Preissteigerungen zu rechnen

FAO und OECD rechnen für den Zeitraum bis 2028 mit nominal moderat steigenden Getreidepreisen. Annahmen dabei sind ein verhaltenes weiteres Bevölkerungswachstum, begrenzte Anbauflächen und verringerte Produktivitätsfortschritte. Es werden weiterhin große Preisausschläge (Volatilitäten) erwartet. Da sich makroökonomische Rahmenbedingungen wie die Entwicklung des Ölpreises ändern und globale Extremwetterereignisse und Handelskonflikte kaum abschätzbar sind, stellen die Projektionen von FAO und OECD, wie sich die Märkte entwickeln können, eher eine grobe Richtschnur dar.

Mit stabilen Getreidepreisen in das Jahr 2020?

Im Wirtschaftsjahr 2019/20 bestehen nach den bereits erfolgten guten Ausfuhrergebnissen Exporthoffnungen, die für stabile Getreidepreise sorgen können. Mitte November 2019 lag das Preisniveau für Brotweizen mit 15,84 Euro je Dezitonne zwar um rund 16 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresstand, aber um 6 Prozent über dem Stand von Mitte September 2019. Die Erzeugerpreise für Futtergerste lagen mit 14,64 Euro je Dezitonne sogar um 22 Prozent unter dem Vorjahresstand, und ebenfalls um 6 Prozent über den Stand von Mitte September. Anders als auf dem Weltmarkt hatten die Auswirkungen der Sommerdürre 2018 die heimischen Preise aus Sorge um eine ausreichende Versorgung in die Höhe getrieben. Umso stärker fällt daher der Rückgang der Getreidepreise in 2019 auf das nahezu unverändert gebliebene Weltmarktniveau aus.

Für erste Jahreshälfte 2020 zunächst keine Preisabschwächung in Aussicht

Orientierung für den deutschen und europäischen Getreidemarkt geben vor allem die Preise an der Euronext-Börse in Paris. Diese zeigten sich im November 2019 auf den vorderen Terminen bis März 2020 relativ stabil. Gut laufende Exporte stützen die Erwartungen an stabile Getreidepreise

Die Getreidepreise haben kaum Auswirkungen auf den Brotpreis

Während die Entwicklung der Erzeugerpreise für Brotweizen im Zeitverlauf durch ein starkes Auf und Ab gekennzeichnet ist, sind die Verbraucherpreise für Brot und Gebäck relativ stabil geblieben. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass der Rohstoffanteil an den Verbraucherpreisen für Brot und Backwaren nur bei etwa drei bis sechs Prozent liegt. Wie Berechnungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) zeigen, bleiben die Verbraucherpreise für Brot von der Entwicklung der Erzeugerpreise für Weizen unbeeindruckt. 

Globale Ölsaatenerzeugung deutlich zurückgegangen

Die weltweite Produktion der sieben wichtigsten Ölsaaten dürfte im Wirtschaftsjahr 2019/20 mit geschätzten 571,3 Millionen Tonnen deutlich zurückgehen. Gegenüber dem Vorjahr wären das 25 Millionen Tonnen oder gut 4 Prozent weniger. Die mit Abstand wichtigste Ölsaat bleibt 2019/20 die Sojabohne mit 336,6 Millionen Tonnen, gefolgt von Raps mit 68,5 Millionen Tonnen, Sonnenblumen mit 51,2 Millionen Tonnen, Baumwollsaat mit 44,6 Millionen Tonnen und Erdnüssen mit 44,5 Millionen Tonnen.

Brasilien, USA und Argentinien dominieren den Sojaanbau

Sojabohnen werden hauptsächlich in Form von Schrot zu Tierfutter verarbeitet. Sie zeichnen sich durch einen hohen Eiweißgehalt aus, der mit 40 Prozent mehr als doppelt so hoch ist wie beim Raps. Zudem enthalten Sojabohnen rund 20 Prozent Öl. Der weltgrößte Erzeuger von Sojabohnen ist in 2019/20 Brasilien mit geschätzten 123,0 Millionen Tonnen, gefolgt von den USA mit 96,6 Millionen Tonnen und Argentinien mit 53,0 Millionen Tonnen. Hauptimporteur von Sojabohnen ist China mit 85,0 Millionen Tonnen, mit weitem Abstand gefolgt von der EU mit 15,2 Millionen Tonnen. Die für das Wirtschaftsjahr 2019/20 geschätzte Welt-Sojabohnenernte liegt bei 336,6 Millionen Tonnen. Das sind gegenüber dem Vorjahr 21,6 Millionen Tonnen oder 6,0 Prozent weniger. Maßgebend für diese Entwicklung sind erheblich niedrigere Erntemengen in den USA, aber auch in Indien. 

Palm- und Sojaöl beherrschen den Pflanzenölmarkt

Der weltweite Pflanzenölmarkt wird vom Palmöl dominiert. Im Wirtschaftsjahr 2019/20 macht die Palmölerzeugung mit etwa 75,8 Millionen Tonnen knapp 37 Prozent der globalen Pflanzenölerzeugung von insgesamt 206,5 Millionen Tonnen aus. Die Palmfrucht liefert im Schnitt einen Pflanzenölertrag von 3,3 Tonnen je Hektar im Plantagenanbau. Bei Raps sind es 1,4 Tonnen je Hektar und bei Sonnenblumen entsprechend 1,1 Tonnen. Die größten Palmölproduzenten der Welt sind Indonesien und Malaysia mit zusammen 84 Prozent Marktanteil. Sojaöl nimmt mit einer Weltproduktion von 56,8 Millionen Tonnen und einem Anteil von gut 27 Prozent an der Gesamtproduktion die zweite Stelle bei den pflanzlichen Ölen ein. Es folgen Raps- und Sonnenblumenöl mit 27,2 Millionen Tonnen (13 Prozent) und 19,8 Millionen Tonnen (10 Prozent).

China hat weniger Sojabohnen zugekauft

Chinas Sojabohnenimporte und der Verbrauch von Sojaschrot im Land sind im Wirtschaftsjahr 2018/19 aufgrund der Handelsspannungen zwischen den Vereinigten Staaten und China und des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest deutlich zurückgegangen. Die Ölsaatenerzeugung Chinas dürfte angesichts staatlicher Anbauanreize auf rund 61 Millionen Tonnen leicht ansteigen.

Pflanzenölmarkt mit dynamischer Entwicklung

Die Erzeugung der weltweit neun wichtigsten pflanzlichen Öle (aus Sojabohnen, Raps, Sonnenblumen, Baumwoll- und Erdnusssaat sowie Palm und Palmkerne, Kokos und Oliven) dürfte im Wirtschaftsjahr 2019/20 auf 206,5 Millionen Tonnen steigen. Dies sind 3,2 Millionen Tonnen oder knapp 2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Ausschlaggebend für das deutliche Mengenplus ist vor allem eine größere Palmöl-, aber auch Sojaölerzeugung. Etwas stärker dürfte die globale Nachfrage mit plus 4,4 Millionen Tonnen wachsen. Angebot und Nachfrage zeigen bereits seit Jahren eine starke dynamische Entwicklung. Pflanzenöl wird zu einem hohen Anteil im Nahrungsmittelbereich eingesetzt. Etwa ein Fünftel geht in die oleochemische Industrie oder wird zur Herstellung von Biodiesel verwendet. 

Kleine EU-Rapsernte auf Grund starker Anbaueinschränkungen

Die Herbstaussaat 2018 verlief in weiten Teilen der EU unter ungünstigen Bedingungen. Nach dem Hitzesommer 2018 war die Bodenfeuchte gering und behinderte so die Aussaat und das Auflaufen des Winterrapses. Das führte dazu, dass Erzeuger entweder gar nicht aussäten oder aber bereits bestellte Flächen wieder umbrechen mussten. Hinzu kam die Unzufriedenheit der Erzeuger mit dem Preisverlauf in 2018 und das EU-weite Neonicotinoid-Verbot. Beides schränkte die Attraktivität des Rapsanbaus ein, so dass die EU-Rapsanbaufläche in 2019 um 1,3 Millionen Hektar auf 5,6 Millionen Hektar zurückging (- 19 Prozent). Die EU-Rapserzeugung ging in der Folge um 3,2 auf 16,8 Millionen Tonnen zurück (- 16 Prozent). Die EU-Ölsaatenerzeugung insgesamt brachte 2019 eine Erntemenge von 29,7 Millionen Tonnen (- 9 Prozent). In der EU-Ölsaatenerzeugung spielen neben dem Raps die Sonnenblumen mit 9,9 Millionen Tonnen und die Sojabohnen mit 2,8 Millionen Tonnen eine bedeutende Rolle.

Erheblich kleinere Rapsernte in Deutschland

Nach Ergebnissen der amtlichen Statistik sind in Deutschland 2019 nur rund 2,8 Millionen Tonnen Winterraps geerntet worden. Das sind gegenüber dem dürrebedingten schwachen Vorjahresergebnis 830.000 t oder 23 Prozent weniger. Der Anbauflächenrückgang lag bei 30 Prozent. In fast allen Bundesländern sind deutliche Ernterückgänge zu verzeichnen. Nur in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein fiel die Ernte größer als im Vorjahr aus, da kräftige Ertragssteigerungen die Flächenrückgänge mehr als ausglichen. Schätzungen gehen davon aus, dass die Rapsanbaufläche zur Ernte 2020 mit rund 880.000 Hektar relativ niedrig bleiben wird (gegenüber Vorjahr + 3 Prozent). 

Raps füllt Teller, Trog und Tank

In 2018 wurden in Deutschland 3,7 Millionen Tonnen Raps geerntet. Rein rechnerisch entstehen daraus in deutschen Ölmühlen etwa 1,5 Millionen Tonnen Rapsöl und rund 2,2 Millionen Tonnen Rapskuchen und -extraktionsschrote. Jährlich gehen etwa 500.000 Tonnen des Öls in die menschliche Ernährung. Rapsspeiseöl ist seit Jahren das meistverwendete Pflanzenöl in den Haushalten. Mit den übrigen 1,0 Millionen Tonnen Öl können ca. 1,1 Millionen Pkw ein Jahr lang betrieben werden. Gleichzeitig kann auf den Import von 1,3 Millionen Tonnen Import-Sojaschrot aus Übersee verzichtet werden. Das entspricht etwa 0,5 Millionen Hektar Sojaanbaufläche, die nicht „importiert“ werden.
Quelle: UFOP

Bei Ölsaaten und -schroten weiter hohe Netto-Importe

An Ölsaaten und -schroten führte Deutschland im Wirtschaftsjahr 2018/19 rund 14,2 Millionen Tonnen ein und rund 3,6 Millionen Tonnen aus. Importiert wurden vor allem Raps (5,8 Mio. t), Sojabohnen (3,6 Mio. t) und Sojaschrot (2,3 Mio. t). In beachtlichen Mengen exportiert wurden Sojaschrot (1,6 Mio. t) und Rapsschrot (1,5 Mio. t). 

Enger werdende Versorgung auf den globalen Märkten für pflanzliche Öle

Der FAO-Preisindex für pflanzliche Öle ist seit Juni 2019 kontinuierlich gestiegen und erreichte im Oktober 2019 einen Stand, der um fast 3 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresstand lag. Ursache für den leichten Aufwärtstrend sind bei Palmöl Produktionsrückgänge in Südostasien und lebhafte Exporte in Richtung Indien und China. Bei Sojaöl machte sich die stark geschrumpfte Anbaufläche in den USA bemerkbar. Starkregenfälle und Überschwemmungen verzögerten hier die Aussaat, ließen die Anbaufläche schrumpfen und die Ertragserwartungen sinken. In der EU steht einer relativ kleinen Rapsernte eine rege Nachfrage nach Rapsmethylester (Biodiesel) gegenüber. Für den weiteren Verlauf des Wirtschaftsjahres 2019/20 deutet die Versorgungslage mit Palm-, Soja- und Rapsöl auf stabile Notierungen für Ölsaaten und pflanzliche Öle hin.  

Stabile Rapspreise in Aussicht

Rapsöl ist gesucht und erntebedingt knapp. Seit März 2019 zeigen die Erzeugerpreise für Raps in Deutschland fast kontinuierlich nach oben. Sie stabilisierten sich im Oktober 2019 bei etwa 365 bis 370 Euro je Tonne. Das sind knapp 3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im internationalen Handel orientiert sich die Preisfindung in erster Linie an den Sojakursen. Der europäische und deutsche Markt für Rapssaaten richtet sich dagegen mehr an den Notierungen der Euronext Paris aus. Nach Stand Anfang November 2019 ist auf Basis der Börsennotierungen der Euronext Paris für das erste Halbjahr 2020 mit eher stabilen Rapserzeugerpreisen zu rechnen. 

Mehr Hülsenfrüchte geerntet

Die EU-Hülsenfruchtanbaufläche für Futtererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen ist mit 2,56 Millionen Hektar gegenüber Vorjahr nur geringfügig (- 1,4 Prozent) eingeschränkt worden. Das Ernteergebnis wird auf Grund wieder deutlich erholter Hektarerträge auf 5,0 Millionen Tonnen geschätzt, gegenüber Vorjahr plus 10 Prozent. In Deutschland ist der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen mit zusammen 174.000 Hektar gegenüber 2018 nahezu unverändert geblieben. Innerhalb der Gruppe der Hülsenfrüchte gab es starke Verschiebungen. Während der Anbau von Erbsen und Sojabohnen zulegen konnte, gingen die Flächen bei Ackerbohnen und Süßlupinen deutlich zurück. Der Anbau von Sojabohnen in 2019 hatte einen Umfang von 29.000 Hektar. Gegenüber dem trockenheitsbedingten niedrigen Vorjahresergebnis fiel die Erntemenge an Hülsenfrüchten mit 501.000 Tonnen in 2019 um 14 Prozent höher aus. 
 

Globale Zuckerbestände etwas kleiner

Die Weltzuckererzeugung wird vom USDA für das Wirtschaftsjahr 2019/20 auf 174,1 Millionen Tonnen Zucker geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahresergebnis 5,8 Millionen Tonnen oder gut 3 Prozent weniger. Ursache ist vor allem ein starker Produktionsrückgang in Indien, das nach Brasilien der größte Zuckererzeuger der Welt ist. Anders als in den beiden Vorjahren übertrifft der Verbrauch die Erzeugung. Ende des Wirtschaftsjahres 2019/20 dürften die Welt-Zuckerbestände um 5,5 Millionen Tonnen oder 10 Prozent geschrumpft sein. 

Festigung der Zuckerpreise auf niedrigem Niveau

Die Entwicklung der globalen Zuckerkurse bestimmt auch den EU-Preisverlauf. Am Weltmarkt sind die Zuckerpreise seit Herbst 2016 um über 40 Prozent gefallen. Das zeigt der FAO-Preisindex für Zucker. Die global reichliche Versorgung hat die Preise unter Druck gesetzt. Das gilt ganz besonders für das Jahr 2018. Im Laufe des Jahres 2019 zeigten die globalen Zuckerpreise Tendenzen der Festigung auf einem relativ niedrigen Niveau. Im Oktober 2019 lag der FAO-Index für Zucker um 6 Prozent über dem Vormonatswert und um 2 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Die weitere Erholung der Preise am Welt-Zuckermarkt wird vor allem getragen von der Annahme, dass die niedrigen Preise zu einer Einschränkung des Anbaus von Zuckerrohr und -rüben führen. Indirekt dürften auch steigende Rohölpreise die Zuckernotierungen stützen, indem Zucker vermehrt für die Bioethanol-Erzeugung eingesetzt wird. Der Anteil des Rübenzuckers an der weltweiten Erzeugung liegt bei rund einem Fünftel.

Zucker mit Handelskontingenten

Zum 1. Oktober 2017 ist die EU-Zuckermarktordnung ausgelaufen. Aussaat und Anbau 2017 erfolgen seitdem auch in der EU unter den Bedingungen des internationalen Wettbewerbs, ohne Quoten und ohne Mindestpreise. In der Konsequenz kann jeder so viel Zucker produzieren und erstmals auch exportieren, wie er will. Der Import wurde gelockert. So wurde die Einfuhrquote für Drittländer in die EU seit 2014 durch bilaterale Handelsabkommen auf mehr als 700.000 Tonnen fast verdreifacht. Zugleich ist der Import zu einem ermäßigten Zollsatz unter der sogenannten CXL-Quote auf annähernd 800.000 Tonnen gestiegen.

Kaum veränderte EU-Zuckererzeugung

Der EU-Zuckerrübenanbau ist 2019 gegenüber dem Vorjahr um fast 5 Prozent auf 1,545 Millionen Hektar eingeschränkt worden. Die EU-Zuckererzeugung wird im Wirtschaftsjahr 2019/20 von der Europäischen Kommission auf 17,5 Millionen Tonnen geschätzt. Das wären gegenüber dem Vorjahr 0,1 Millionen Tonnen oder 1 Prozent weniger. Die Europäische Union ist der weltweit größte Produzent von Rübenzucker und Hauptimporteur von Rohrzucker für die Raffination. In der EU werden ungefähr 50 Prozent der Welt-Rübenzuckerproduktion erzeugt.

Weltmarktmarktpreise beeinflussen die EU-Zuckerproduktion

Der derzeit niedrige Weltmarktpreis drückt den Zuckerpreis auf dem EU-Binnenmarkt und belastet die Wettbewerbsposition der EU-Zuckerrübenerzeuger. Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Zuckerproduktion gegenüber der Isoglukose-Erzeugung wird stark durch die Entwicklung der Weltmarktpreise von Getreide beeinflusst. Steigende Weltmarktpreise für Getreide und Raps können andererseits die Flächenkonkurrenz mit der Zuckerrübe verschärfen.

Deutsche Zuckererzeugung mengenmäßig wie im Vorjahr

Die deutsche Zuckererzeugung aus Rüben fällt in der Zuckerrübenkampagne 2019/20 nach vorläufigen Ergebnissen der Wirtschaftlichen Vereinigung Zucker (WVZ) mit 4,2 Millionen Tonnen etwa genauso groß aus wie in der Vorjahres-Kampagne 2018/19. Der Rückgang der Anbaufläche um etwa 4 Prozent wird durch höhere Erträge ausgeglichen. Im Dürrejahr 2018 waren die Erträge deutlich gesunken, 2019 fallen sie wieder höher, aber auf Grund unzureichender Wasserversorgung immer noch unterdurchschnittlich aus. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2019 auf 414.000 Hektar Zuckerrüben angebaut, von denen 376.000 Hektar der Zuckererzeugung dienen.

Wenig Kartoffeln – hohe Preise

Nach dem vorläufigen Ergebnis der amtlichen Statistik liegt die deutsche Kartoffelernte des Jahres 2019 bei 10,4 Millionen Tonnen. Im vorangegangenen Jahr hatte das Ergebnis auf Grund der starken Trockenheit des Sommers 2018 nur bei rund 8,9 Millionen Tonnen gelegen. Ursache für das um 17 Prozent höhere Ernteergebnis in 2019 sind vor allem eine um 10 Prozent auf 276.000 Hektar ausgedehnte Anbaufläche, aber auch höhere Kartoffelerträge (+ 7 Prozent). 
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in den anderen EU-Mitgliedstaaten, insbesondere in Frankreich, führten die hohen Kartoffelpreise im Wirtschaftsjahr 2018/19 zu einer deutlichen Anbauausdehnung. Die EU-Kartoffelernte 2019 wird auf 57,0 Millionen Tonnen geschätzt, was gegenüber dem niedrigen Vorjahresergebnis ein Ernteplus von 8 Prozent bedeutet. Die Erzeugerpreise erreichen in 2019/20 zwar nicht mehr die Höchststände aus dem Vorjahr, liegen aber immer noch vergleichsweise hoch. Festkochende Ware zum Beispiel erzielte in Bundesdurchschnitt im November 2019 einen Erzeugerpreis frei Erfassungshandel von rund 22 Euro je Dezitonne. 
 

Vermarktungsspanne ist größer geworden

Der Zusammenhang zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen ist bei Speisekartoffeln relativ eng. Sinkende bzw. steigende Erzeugerpreise gehen mit sinkenden bzw. steigenden Verbraucherpreisen einher, allerdings nicht in gleichem Ausmaß. 

Deutlich niedrigere Apfelernten

Nach der Rekordmenge im Jahr 2018 geht die EU-Apfelernte 2019 auf geschätzte 10,6 Millionen Tonnen zurück (- 20 Prozent). Den Ausschlag gaben die Frühjahrsfröste in den östlichen Mitgliedsländern mit Schwerpunkt Polen. Der Westen der EU schätzt mit Abstrichen für Deutschland ein durchschnittliches Volumen. Die deutsche Apfelernte 2019 reicht mit 950.000 Tonnen nicht an die hohe Menge des Vorjahres heran (- 13 Prozent). Späte Niederschläge haben das Fruchtgrößenwachstum noch einmal befördert und die Folgen des heißen und trockenen Sommers gemildert. Die EU-Birnenernte 2019 wird auf 2,047 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 14 Prozent weniger. Größte Birnenerzeugerländer in der Europäischen Union sind Italien mit 511.000 Tonnen vor den Niederlanden mit 379.000 Tonnen, Belgien mit 331.000 Tonnen und Spanien mit 311.000 Tonnen. Für Deutschland wird eine Birnenernte von 37.000 Tonnen geschätzt. Im Vergleich zum Ernteergebnis 2018 wäre dies ein Minus um 22 Prozent. 
 

Auch übrige Obsternte bleibt hinter dem Vorjahr zurück

Nachdem die Obsternte in Deutschland 2018 knapp an einem Rekord vorbeigeschrammt ist, dürfte sie 2019 mit rund 1,28 Millionen Tonnen etwa 12 Prozent kleiner ausfallen. Während Äpfel zum Teil noch von späten Niederschlägen profitieren konnten, wurden frühe Obstarten wie Zwetschen und Kirschen von der Hitze und Trockenheit getroffen, so dass die Fruchtgrößen oft klein blieben. Bei den Erdbeeren gab es regional frostbedingte Ausfälle. Dagegen dürften bei Strauchbeeren etwas größere Mengen als im Vorjahr geerntet worden sein. 

2019: Kleinere Obsternte – höhere Preise

Die deutschen Obst-Erzeugermärkte verkauften im Jahr 2018 nur 501.000 Tonnen Obst, dies ist die kleinste Menge der letzten 20 Jahre. Allerdings wurde die schwache Absatzmenge bis in den Sommer 2018 hinein durch deutlich höhere Erzeugerpreise kompensiert. Im Herbst sorgte die große Kernobsternte dann aber für deutlich niedrigere Preise, die sich bis in den Sommer 2019 fortsetzten. In der Summe lag der Umsatzerlös der Erzeugermärkte 2018 bei durchschnittlichen 367 Millionen Euro. In 2019 ist die Situation von geringeren Obstmengen und tendenziell anziehenden Preisen geprägt. Die AMI schätzt die Umsatzerlöse der Erzeugerorganisationen für 2019 auf 385 Millionen Euro. Das sind 5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Anbau von Freilandgemüse deutlich ausgedehnt

Nachdem die Anbaufläche von Gemüse in Deutschland in 2018 erstmals seit mehreren Jahren nicht weiter ausgeweitet wurde, zeigen Angaben für das Jahr 2019 einen recht deutlichen Anstieg, der eine  Reaktion auf die witterungsbedingt einschränkten Erträge im Jahr 2018 sein dürfte. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Bodennutzungserhebung des Statistischen Bundesamtes beläuft sich die Anbaufläche von Freilandgemüse in Deutschland in 2019 auf 126.000 Hektar (2018: 124.500 Hektar). Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg von gut 1 Prozent. Zu den flächenmäßig wichtigsten Kulturen gehören Spargel, Möhren und Zwiebeln. Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen sind nach wie vor die Bundesländer mit der größten Freilandgemüsefläche. In Gewächshäusern wird in Deutschland auf rund 1.320 Hektar Gemüse angebaut. Die wichtigste Kultur ist die Tomate, gefolgt von Gurke und Feldsalat. 

Gemüseernte 2019 deutlich über Vorjahresstand

Die deutsche Freiland-Gemüseernte liegt nach Schätzungen der AMI 2019 bei 3,58 Millionen Tonnen. Gegenüber der Vorjahresernte von 3,25 Millionen Tonnen sind das 10 Prozent mehr. Zum Zuwachs trugen die größeren Flächen, aber noch mehr die Ertragsanstiege gegenüber dem Dürrejahr 2018 bei. Absolut gesehen ist das Ertragsniveau des Jahres 2019 auf Grund unzureichender Niederschläge eher unterdurchschnittlich. Von den späten Regenfällen in der Vegetationsperiode 2019 profitierten z.B. die Zwiebeln nicht mehr. Auch bei Möhren fallen die Erträge eher unterdurchschnittlich aus, während die Kopfkohlernte wohl hoch ausfallen dürfte. Mit 22.600 Hektar (2019) ist der im Ertrag stehende Spargel die flächenstärkste Gemüsekultur, gefolgt von Speisezwiebeln und Möhren mit 11.400 bzw. 12.500 Hektar. Flächeneinschränkungen, niedrige Temperaturen im Mai und die Trockenheit im Sommer des Vorjahres führten dazu, dass in Deutschland 2019 mit geschätzten 122.000 Tonnen weniger Spargel geerntet wurde als im Vorjahr. Die Rekordernte des Vorjahres wurde um gut 8 Prozent verfehlt. 
 

Erlöse aus dem Verkauf von Gemüse nahezu unverändert

Die Absatzmengen der deutschen Erzeugermärkte für Gemüse dürften 2019 leicht auf 900.000 Tonnen ansteigen (gegenüber Vorjahr + 2 Prozent). Bei etwas unter Druck stehenden Preisen wird mit einem gegenüber dem Vorjahr nahezu unveränderten Umsatzvolumen von 830 Millionen Euro gerechnet. Da der Anteil der über Erzeugermärkte abgesetzten Mengen bei den großen Freilandkulturen wie Kopfkohl, Möhren und Zwiebeln gering ist, schlägt der dort zu beobachtende deutliche Preisrückgang nicht so stark auf die Umsätze der Erzeugermärkte durch. 

Deutschland unter den TOP 10-Weinländern

Auf Grund ungünstiger klimatischer Bedingungen in wichtigen Anbauländern fällt das globale Weinaufkommen in 2019 deutlich kleiner aus als in 2018. Die Welt-Weinerzeugung wird auf 263 Millionen Hektoliter geschätzt. Das wären 30 Millionen Hektoliter oder 10 Prozent weniger als in 2018. Das EU-Aufkommen wird für 2019 auf 156 Millionen Hektoliter geschätzt, was gegenüber 2018 27 Millionen Hektoliter oder 15 Prozent weniger wären. Auch in 2019 führen Italien (46,6 Mio. Hektoliter) und Frankreich (41,9 Mio. Hektoliter) die Rangliste der weltweit wichtigsten Weinerzeugerländer an, vor Spanien (34,3 Mio. Hektoliter). Auf Platz 4 folgen die USA mit 23,6 Millionen Hektolitern. Deutschland liegt 2019 mit 8,7 Millionen Hektolitern auf Platz 9 der Weltrangliste.

Traubenernte 2019: Kleine Menge, sehr gute Qualitäten

Die deutsche Weinmosternte 2019 wird auf 8,67 Millionen Hektoliter geschätzt. Das sind gegenüber der sehr guten Lese 2019 gut 16 Prozent weniger. Ursache für die starken Mindererträge waren Trockenheit und extreme Hitze im Vegetationsverlauf, aber auch Sonnenbrandschäden sowie regional begrenzte Frost- und Hagelschäden. Die Qualität des neuen Jahrgangs wird von den Erzeugern mehrheitlich als sehr gut beurteilt. 

Wein und Weinbau in Deutschland

Deutschland beheimatet die nördlichsten zusammenhängenden Weinbaugebiete der Welt. Die gesamte im Ertrag stehende Rebfläche lag 2019 bei 100.200 Hektar. Rund zwei Drittel davon befinden sich in Rheinland-Pfalz. Die meisten der etwa 17.000 Winzer – 7.500 davon im Nebenerwerb – sind in 156 Winzergenossenschaften zusammengeschlossen. Die USA sind das wichtigste Exportland für deutschen Wein. Befürchtet werden erhebliche Einbußen durch US-Strafzölle im Streit um Air-bus-Subventionen.

Überdurchschnittliche Hopfenernte

In Deutschland werden auf rund 20.400 Hektar Hopfen angebaut. Etwa 83 Prozent davon liegen in Bayern (Hallertau). Etwa ein Drittel der weltweiten Hopfenanbaufläche von über 60.000 Hektar entfällt auf Deutschland. Die Erzeugnisse der fast 1.200 Hopfenbetriebe in Deutschland werden in über 100 Länder exportiert. Die Wachstumsbedingungen für den Hopfen waren in 2019 wegen unzureichender Niederschläge nicht optimal. Dennoch fällt die 2019er Hopfenernte mit geschätzten 45.800 Tonnen gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent höher aus. Zu diesem Ernteplus hat auch eine Ausdehnung der Hopfenanbaufläche um etwa 2 Prozent beigetragen.