6.2  Tierische Erzeugung
Situationsbericht 2019/20

6.2 Tierische Erzeugung

Der globale Fleischmarkt wächst weiter – Geflügel vorn

OECD und FAO prognostizieren für den Zehnjahreszeitraum von 2018 bis 2028 ein Wachstum der globalen Fleischerzeugung von gut 11 Prozent. In der zurückliegenden Dekade waren es 19 Prozent. Überdurchschnittlich bis 2028 sollen dieser Prognose zufolge die Erzeugung von Rindfleisch (+ 12 Prozent), Schaffleisch (+ 13 Prozent) und Geflügelfleisch (+ 15 Prozent) ansteigen. Die Schweinefleischerzeugung soll dagegen nur um gut 7 Prozent zunehmen. Spitzenreiter ist 2028 Geflügelfleisch mit einem Marktanteil von knapp 39 Prozent an der globalen Fleischerzeugung, gefolgt von Schweinefleisch mit gut 35 Prozent. Auf Rind- und Schaffleisch werden rund 21 bzw. 5 Prozent der Weltfleischerzeugung entfallen.

Weltfleischerzeugung nimmt 2019 leicht ab

Nach Schätzungen der FAO geht die weltweite Fleischproduktion 2019 zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten zurück. Demnach dürfte sich die Erzeugung von Rinder-, Schaf-, Geflügel- und Schweinefleisch in 2019 auf insgesamt 335,2 Millionen Tonnen Schlachtgewicht (SG) belaufen; das wäre 1 Prozent weniger als 2018. Maßgeblich für diese Entwicklung ist die Schweinefleischerzeugung, die auf Grund der massiven Dezimierung vor allem der chinesischen Schweinebestände wegen der dort grassierenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) um 8,5 Prozent auf 110,5 Millionen Tonnen Schlachtgewicht sinken soll. Die 2019er Schweinefleischproduktion in China veranschlagt die FAO auf 55,2 Millionen Tonnen; das würde im Vergleich zu 2018 ein Minus von fast 20 Prozent bedeuten. Auf das „Reich der Mitte“ entfielen 2018 noch fast 46 Prozent der globalen Schweinefleischerzeugung.

Handel mit Fleisch steigt stark an

Auf Wachstumskurs dagegen ist vor allem die globale Geflügelfleischerzeugung. Sie dürfte 2019 gegenüber dem Vorjahr stark zunehmen, und zwar um 4,7 Prozent. Die Welt-Rind- und Schaffleischerzeugung nehmen weiter moderat zu (1,3 bzw. 0,8 Prozent). Der globale Handel mit Fleisch steigt nach FAO-Einschätzung in 2019 um fast 7 Prozent auf rund 36 Millionen Tonnen. Durch die hohe Importnachfrage Chinas nimmt besonders der Handel mit Schweinefleisch zu (+ 12 Prozent).
 

Globale Fleischnachfrage wächst

Die Nachfrage nach Getreide und anderen traditionellen Grundnahrungsmitteln wird sich weiter hin zu tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten verschieben. Für die Industriestaaten wird ein Fleischverzehr von 68 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung geschätzt. Deutlich niedriger, aber mit Aufwärtstrend, ist der Verzehr in den Entwicklungs- und Schwellenländern mit 27 Kilogramm pro Kopf. Nach aktueller Einschätzung der FAO wird der Fleischverzehr pro Kopf in Asien und Südamerika bis 2028 besonders kräftig steigen, und zwar um etwa 1,5 Kilogramm (+ 5 Prozent). Aber auch in Nordamerika und Europa wird von einem weiter wachsenden Pro-Kopf-Verbrauch ausgegangen (+ 2 bzw. + 3 Prozent). Außer bei Schweinefleisch wird der weltweite Pro-Kopf-Verzehr bei allen Fleischarten deutlich zunehmen, besonders bei Geflügelfleisch.

Europäische Union: Weltweit zweitgrößter Fleischerzeuger

Die EU ist mit rund 49,0 Millionen Tonnen nach China (2019: 80,0 Millionen Tonnen) der weltweit zweitgrößte Fleischerzeuger. Drittgrößter Fleischerzeuger sind die USA mit 48,1 Millionen Tonnen. Differenziert nach Fleischarten entfallen von der Welt-Erzeugung auf die EU im Jahr 2019 bei Schweinefleisch rund 22 Prozent, bei Geflügelfleisch gut 12 Prozent, bei Rindfleisch rund 11 Prozent sowie bei Schaf- und Ziegenfleisch annähernd 6 Prozent. Deutschland, Frankreich und Spanien sind die bedeutendsten Fleischproduzenten in der EU. Der Selbstversorgungsgrad der EU für Fleisch wird von der Europäischen Kommission für 2019 auf rund 109 Prozent geschätzt.

EU-Fleischerzeugung steigt leicht

Die EU-Fleischerzeugung steigt 2019 gegenüber Vorjahr nach Schätzung der Europäischen Kommission um 0,9 Prozent auf 49,0 Millionen Tonnen. Während die Erzeugung von Rindfleisch zurückgeht (- 0,9 Prozent), wächst die Erzeugung von Geflügel- (+ 2,5 Prozent) sowie Schaf- und Ziegenfleisch (+ 2,0 Prozent) moderat. Die Schweinefleischerzeugung bleibt im Jahresvergleich nahezu unverändert. 

Anstieg der EU-Fleischproduktion auch in 2020

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission für das Jahr 2020 dürfte die EU-Fleischerzeugung weiter leicht wachsen (+ 1,1 Prozent). Für den Schweinefleisch- und den Geflügelfleischsektor wird jeweils ein Plus von 1,5 Prozent erwartet. Dagegen dürfte die Erzeugung von Schaf- und Ziegenfleisch (- 1,0 Prozent) sowie von Rindfleisch rückläufig sein (- 0,7 Prozent). 

EU-Fleischkonsum wenig verändert

In der Europäischen Union (EU) stagniert der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch. Mit durchschnittlich 69,8 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung liegt der Verbrauch 2019 nur unwesentlich unter dem Stand des Vorjahres (- 0,5 Prozent). Auch für 2020 geht die Europäische Kommission allenfalls von einer geringen Veränderung des Pro-Kopf-Verzehrs aus. Während sich die Nachfrage für Rind- und Schaffleisch 2020 mit zusammen 12,5 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung behaupten dürfte, könnte der Pro-Kopf-Verzehr an Geflügelfleisch auf 25,6 Kilogramm leicht zunehmen und bei Schweinefleisch auf 31,6 Kilogramm leicht abnehmen. 

Deutschland erzeugt weniger Fleisch

Seit 2016 geht die in Deutschland produzierte Fleischmenge zurück. Grund sind rückläufige Mengen an erzeugtem Rind- und Schweinefleisch, die durch einen leichten Ausbau der Erzeugung von Geflügelfleisch nicht kompensiert werden. Die Marktanteile der einzelnen Fleischarten haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verschoben. So hat der Anteil des erzeugten Geflügelfleisches von 1999 bis 2019 um 9 Prozentpunkte auf 22 Prozent Marktanteil zugelegt. Rindfleisch dagegen hat im gleichen Zeitraum 8 Prozent Marktanteil verloren und nimmt nur einen Anteil von 14 Prozent an der gesamten Fleischerzeugung ein. Die wichtigste Fleischart bleibt jedoch Schweinefleisch mit 56 Prozent an der Bruttoeigenproduktion.

Globale Fleischpreise steigen deutlich

Seit Anfang des Jahres 2019 sind die globalen Fleischpreise deutlich angestiegen. Der FAO-Fleischpreisindex erreichte mit 183 Punkten im Oktober 2019 den höchsten Stand seit 2015. Über alle Fleischarten hinweg kam es im Laufe des Jahres zu deutlichen Preisanstiegen. Als Ursache wird in erster Linie die Afrikanische Schweinepest in China und Südostasien genannt. Neben den direkten Auswirkungen auf den Schlachtschweinemarkt gewinnen alternative Proteinquellen zunehmend an Bedeutung. So steigen die globale Nachfrage nach Rind und Geflügel und damit auch die Preise dieser Fleischarten deutlich. China zum Beispiel hat in den ersten neun Monaten 2019 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum 48 Prozent mehr für Geflügelimporte ausgegeben und Mitte November 2019 das mit der seinerzeitigen Vogelgrippe begründete Geflügelimport-Embargo gegen Geflügelfleisch aus den USA aufgehoben.

Globale Rindfleischerzeugung legt leicht zu

Die globale Rindfleischerzeugung für 2019 wird von der AMI auf Basis von Daten der FAO und des USDA auf 71,6 Millionen Tonnen geschätzt. Gegenüber 2018 sind das 0,7 Prozent mehr. Ähnlich leicht zunehmen dürfte die Erzeugung auch in 2020. Treibende Kräfte hinter den Produktionssteigerungen sind die USA, Brasilien und Argentinien. Gerade Brasilien profitiert dabei in hohem Maße von den Exportmöglichkeiten nach China. Auch die weiterhin wachsende heimische Nachfrage wirkt stützend. Deutliche Produktionsrückgänge werden dagegen in Australien erwartet. Hier hat die langanhaltende Dürre zu einer starken Reduzierung der Bestände geführt, die sich in 2020 in der Produktion bemerkbar machen wird. Auch viele Rindererzeuger in der EU hatten in 2018, aber auch in 2019 trockenheitsbedingt mit einem knappen Futterangebot zu kämpfen. Die EU-Rindfleischerzeugung dürfte in 2019 und 2020 jeweils um 1 bis 2 Prozent zurückgehen.

Rindfleischhandel nimmt deutlich zu

Der weltweite Handel mit Rindfleisch dürfte Prognosen zufolge in 2019 und 2020 jeweils um gut 4 Prozent auf 11 bis 12 Millionen Tonnen ansteigen. Beachtliche Wachstumsraten auf der Exportseite werden für Brasilien, Argentinien und Kanada geschätzt. Weltweit spielt die EU im Handel nur eine kleine Rolle. Die Rindfleischausfuhren aus der EU fallen mit rund 475.000 Tonnen (2019) eher bescheiden aus. Eine stark steigende Importnachfrage wird vor allem aus China verzeichnet. 

Haupterzeuger von Rindfleisch sind Nord- und Südamerika

Die größten Produzenten für Rindfleisch sind auch weiterhin Nord- und Südamerika. Mit Abstand Marktführer sind die USA mit einem Anteil von rund einem Sechstel der weltweit erzeugten Rindfleischmenge. Zu den größten Fünf in der Rindfleischerzeugung gehören neben den USA, Brasilien, Argentinien auch China und Indien. Die TOP 5 zusammen erzeugen über die Hälfte des Rindfleisches der Welt. Die globalen Produktionssteigerungen haben zuletzt etwas an Schwung verloren.

Preise am Weltmarkt für Rindfleisch deutlich gestiegen

Die vor allem in China grassierende Afrikanische Schweinepest hat sich auch auf den globalen Rindfleischmärkten bemerkbar gemacht. Seit Anfang 2019 sind die Preise für Rindfleisch als Alternative zu Schweinefleisch kräftig gestiegen. 

Rückläufige EU-Rindfleischerzeugung

Die Rindfleischproduktion in der Europäischen Union hat 2019 das relativ hohe Niveau des Vorjahres nicht halten können. Die geschätzte Rindfleischerzeugung von 7,910 Millionen Tonnen liegt um 1,2 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Für das Jahr 2020 wird ein noch größeres Minus erwartet (- 1,6 Prozent). Bei den Schätzungen für das Jahr 2020 sind die Entwicklungen für Polen und die Niederlande auffällig. Während die polnische Rinderhaltung insbesondere durch eine deutliche Ausdehnung der Kuhbestände, weniger Kälberexporten und mehr Kälberimporten voraussichtlich stetig wächst, ist in den Niederlanden das Gegenteil der Fall. Dort werden aufgrund einzelbetrieblicher Phosphat-Quoten die Rinderbestände weiter kräftig abgebaut. 

Deutsche Rindererzeugung leicht angestiegen

Für Deutschland wird für das Jahr 2019 mit einer eher stabilen Produktion von Rindfleisch gerechnet, obwohl sich der Rinderbestand weiter rückläufig entwickelt hat. Längerfristig allerdings wird sich der Trend der rückläufigen Erzeugung von Rindfleisch in Deutschland wohl fortsetzen.

Weniger deutsche Ausfuhren von Rindern durch Exportrestriktionen

Guter Nachfrage im Ausland erfreuten sich bisher Nutz- und Zuchtrinder aus Deutschland. Im Jahr 2019 sorgten Verbringungsverbote und Handelsbeschränkungen für deutlich weniger Ausfuhren an Zucht- und Nutzrindern aus Deutschland ins Ausland. Im Zeitraum von Januar bis September 2019 wurden rund 660.000 Rinder aus Deutschland exportiert, das sind 13 Prozent oder 95.000 Tiere weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Hauptabnahmeland ist die Niederlande, in das fast zwei Drittel der deutschen Ausfuhren gehen. 

Rinderpreise in 2019 unter Druck

Das EU-Erzeugerpreisniveau bei Schlachtkühen und männlichen Rindern liegt über das gesamte Jahr 2019 gesehen mehr oder weniger unter dem Vorjahresniveau. Für das Jahr 2020 dagegen werden wieder eher stabile Kurse erwartet. Große Verunsicherung über die weitere Preis- und Marktentwicklung gibt es in Irland und im Vereinigten Königreich in Verbindung mit dem nahenden Brexit. 

2020 wieder stabilere Preise?

Der Preis für deutsche R3-Jungbullen wird von der AMI für 2019 auf 3,64 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht geschätzt. Das sind 20 Cent oder gut 5 Prozent weniger als in 2018. Auch für Färsen und Schlachtkühe wurde deutlich weniger gezahlt. Für 2020 ist nach AMI-Einschätzung mit einer moderat steigenden Entwicklung der Rinder-Erzeugerpreise zu rechnen.  

EU-Schaf- und Ziegenfleischerzeugung weiter im Aufwind

Der seit 2014 stattfindende Trend zur Steigerung der Schaf- und Ziegenfleischerzeugung in der EU setzt sich fort. Nach Prognosen der Europäischen Kommission steigt die Erzeugung in 2019 um 2,0 Prozent auf 969.000 Tonnen. Für 2020 allerdings wird eine Produktionsminderung um 1,0 Prozent auf etwa 960.000 Tonnen prognostiziert. Die Entwicklungen in den einzelnen Ländern der EU sind unterschiedlich. Der größte Erzeuger bleibt unangefochten und mit deutlichem Abstand das Vereinigte Königreich mit einem Anteil von knapp einem Drittel an der gesamten EU-Schaf- und Ziegenfleischerzeugung. Beim Lammfleischverbrauch wird für die EU 2019 ein Konsum von im Schnitt 1,7 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung sowie ein Selbstversorgungsgrad von 95 Prozent geschätzt.

Schaffleisch-Selbstversorgungsgrad in Deutschland nur bei 41 Prozent

Zwischen 2011 und 2014 ist die deutsche Schaf- und Ziegenfleischerzeugung um fast 11.000 auf etwa 32.000 Tonnen auf Grund rückläufiger Bestandszahlen stark zurückgegangen. Seitdem ist die Erzeugung nahezu unverändert geblieben. In 2019 dürfte sich die heimische Erzeugung nach Einschätzung der AMI auf 32.000 Tonnen belaufen. Im Vergleich zu Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch bleiben sowohl Schaf- als auch Ziegenfleisch ein wichtiger Nischenbereich. Der Selbstversorgungsgrad an Schaf- und Ziegenfleisch in Deutschland wird für 2019 auf 41 Prozent geschätzt. Entsprechend führte Deutschland auch 2019 wieder rund 50.000 Tonnen Schaf- und Ziegenfleisch ein. Das wichtigste Lieferland ist dabei Neuseeland, welches knapp die Hälfte der Einfuhren erbringt. Der Lammfleischverzehr in Deutschland hat einen positiven Trend. Dennoch liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr bislang nur bei 0,6 Kilogramm.

Absatz von Schlachtlämmern unter Preisdruck

In den Jahren 2017 und 2018 waren die Nachfrage häufig stetig und die Preise stabil bis steigend. Neben Ostern sind auch islamische Feiertage wie das Opferfest Nachfragehöhepunkte im Jahresverlauf. Im Jahr 2019 standen die Preise vermehrt durch günstige ausländische Offerten aus Irland und dem Vereinigten Königreich unter Druck. Die Erzeugerpreise für deutsches Lammfleisch dürften im Durchschnitt des Jahres 2019 einen Preis je Kilogramm Schlachtgewicht für schwere Lämmer von 5,10 Euro erreichen. Das sind gegenüber dem Vorjahr 34 Cent oder gut 6 Prozent weniger. Für 2020 ist weiter mit etwas unter Druck stehenden Preisen zu rechnen. 

Einbruch der globalen Schweineerzeugung

Während für 2019 eine Verringerung der globalen Schweinefleischproduktion um etwa 4 Prozent erwartet wird, gehen die Prognosen für 2020 von noch massiveren Produktionsausfällen aus. Die weltweite Erzeugung von Schweinefleisch wird für 2020 auf 103,8 Millionen Tonnen geschätzt. Das wäre gegenüber 2019 ein Minus von gut 10 Prozent. Maßgebend für diesen starken Erzeugungseinbruch sind die großen Verluste durch die um sich greifende Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Allein in China wird in 2020 eine Verringerung der Eigenerzeugung um 25 Prozent erwartet. 

Stark wachsender Importbedarf Chinas an Schweinefleisch

In China wird Schweinefleisch immer knapper. Durch das sich weiter ausbreitende Afrikanische Schweinepestvirus (ASP-Virus) kommt es zu starken Einbrüchen bei der einheimischen Produktion. Ein Ende ist nicht in Sicht. Das US-Landwirtschaftsministerium geht in seiner Prognose von November 2019 davon aus, dass der chinesische Schweinebestand infolge der ASP Ende 2020 nur noch 275 Millionen Tiere umfassen wird. Das wäre ein Rückgang von fast 170 Millionen Schweinen gegenüber 2017, dem letzten Jahr ohne ASP. Die Produktionseinbrüche haben einen deutlich steigenden Importbedarf zur Folge. In den Prognosen für das Jahr 2020 wird eine weitere erhebliche Steigerung der Importe erwartet. Was das Jahr 2019 anbelangt, nimmt Deutschland unter den Lieferländern vor Spanien und den USA die Spitzenposition ein. 

Rasanter Anstieg der Exporte erwartet

Durch den massiv erhöhten Importbedarf, besonders in China, wird der Außenhandel stark angekurbelt. Expertenschätzungen zufolge steigen die globalen Schweinefleischexporte in 2019 um gut 8 Prozent und in 2020 voraussichtlich um gut 10 Prozent. Ein Plus von 10 Prozent bei den Exporten entspricht rund 950.000 Tonnen oder umgerechnet fast 10 Millionen Schlachtschweinen. Davon profitiert auch die EU stark. Spanien und Deutschland sind die wichtigsten Ausfuhrländer von Schweinefleisch in Europa. Die EU insgesamt dürfte in 2020 wie auch schon 2019 der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch bleiben. Danach folgen die USA an zweiter Stelle. Die EU-Schweinefleischausfuhr nach China betrug in den ersten drei Quartalen 2019 1,55 Millionen Tonnen. Das sind gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum 547.000 Tonnen oder 55 Prozent mehr. Damit hatten die Lieferungen nach China einen Anteil von 46 Prozent an den EU-Gesamtausfuhren. Die Gesamtausfuhren der EU an Schweinefleisch beliefen sich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 auf 3,37 Millionen Tonnen und übertrafen damit das Vorjahresniveau um 470.000 Tonnen oder gut 16 Prozent.

EU-Erzeugung von Schweinefleisch dürfte 2020 leicht ansteigen

Nach einer Stagnation der EU-Erzeugung in 2019 gehen Marktexperten für 2020 von einer leicht steigenden Erzeugung von Schweinefleisch in der Europäischen Union aus. Allerdings begrenzen die schwache Nachfrage in der EU sowie Umweltvorschriften eine Ausweitung der Erzeugung. Ein deutlicheres Plus in der Produktion wird dagegen in den USA und auch in Brasilien mit Zuwachsraten von 4 bzw. 5 Prozent erwartet. Dort wurden die Tierbestände erneut weiter ausgebaut. Zusätzlich führt die lebhaftere Exportnachfrage zu Impulsen für weitere Investitionen in die Produktion in den USA. 

Deutsche Schweinefleischerzeugung dagegen weiter rückläufig

Die Bruttoeigenerzeugung von Schweinefleisch in Deutschland schrumpft auch 2019 weiter. Die für 2019 geschätzte Inlandserzeugung von 4,714 Millionen Tonnen bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Minus von gut 2 Prozent. Für 2020 rechnen Marktexperten der AMI mit einer weiter verringerten deutschen Schweineerzeugung (- 2 bis - 3 Prozent). Höhere Anforderungen und Kosten hinsichtlich Umwelt- und Tierschutz belasten die deutsche Schweineerzeugung. Die Gefahr der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest von Ost- nach Mitteleuropa wird besonders in Deutschland mit großer Sorge gesehen.

Export von deutschem Schweinefleisch hat sich behauptet

Deutschlands Exporte an Schweinefleisch werden 2019 auf etwa 2,5 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind fast 2 Prozent mehr als in 2018. China ist unter den Drittländern der Hauptabnehmer für deutsches Schweinefleisch. 70 Prozent des gesamten exportierten deutschen Schweinefleisches allerdings finden ihr Ziel innerhalb der EU. In Europa sind Italien und die Niederlande die größten Abnehmer. Die deutschen Importe an Schweinefleisch werden in 2019 auf 1,2 Millionen Tonnen geschätzt. Der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch liegt bei 120 Prozent (2019).

Ausfuhr und Einfuhr von lebenden Schweinen

Bis Ende des Jahres 2019 dürften 11,7 Millionen Ferkel und 3,2 Millionen Schlachtschweine von außerhalb der Grenzen Deutschlands eingeführt worden sein. Die Hauptlieferanten sind die Niederlande und Dänemark. Aus Deutschland ins Ausland verkauft werden 2019 voraussichtlich nur rund 2,7 Millionen Schlachtschweine und Ferkel. Zum größten Abnehmer von deutschen Schweinen hat sich Rumänien entwickelt, gefolgt von Ungarn, Österreich und Polen auf den Plätzen 2 bis 4. 

Hohes Plus bei den Erzeugerpreisen

Die rege Nachfrage nach Schweinefleisch aus China und anderen von der ASP betroffenen Ländern Asiens hinterlässt auch in der EU im Allgemeinen und in Deutschland im Besonderen Spuren. Das gerade in der 2. Jahreshälfte 2019 knappe Angebot führte zu Preisen, die erheblich über dem entsprechenden Vorjahresstand lagen. Ende November erreichte die VEZG-Preisempfehlung mit 2,00 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht der Handelsklasse E einen neuen Rekordwert. Im Vorjahr lag das mittlere Jahres-Preisniveau bei entsprechend 1,43 Euro. Auf das gesamte Jahr 2019 bezogen gehen Schätzungen der AMI im Jahresdurchschnitt von 1,75 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht der Handelsklasse E aus. Damit würde das Niveau des Vorjahres um 32 Cent je Kilogramm oder 22 Prozent überschritten. Auch die Preise für Ferkel liegen in 2019 deutlich über dem Niveau der Vorjahre. Zumindest für das 1. Halbjahr 2020 ist weiter mit festen Erzeugerpreisen zu rechnen. Für das gesamte Jahr 2020 gehen Prognosen der AMI von einem Preisniveau in Deutschland aus, das zwischen 1,90 und 2,20 Euro je Kilogramm liegt. Die Prognosen für das Jahr 2020 werden von den Unsicherheiten der Marktentwicklung in China und der Gefahr der weiteren Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest in Westeuropa überlagert.
 

Starker Anstieg der globalen Geflügelfleischerzeugung

Die globale Produktion von Geflügelfleisch steigt 2019 nach Einschätzung der FAO um 4,7 Prozent auf 130,5 Millionen Tonnen. Über die Hälfte des Produktionszuwachses (56 Prozent) von 5,9 Millionen Tonnen entfallen auf China. In China wird der Ausbau der Geflügelhaltung besonders stark vorangetrieben, da bei Schweinefleisch durch die Afrikanische Schweinepest starke Produktionsausfälle entstehen. Zum globalen Mengenwachstum haben dann auch die USA, die EU und Brasilien wesentlich beigetragen, gefolgt von Argentinien, Mexiko und der Ukraine. Größte Geflügelfleischproduzenten der Welt sind die USA mit 22,9 Millionen Tonnen, China mit 22,3 Millionen Tonnen, die EU-28 mit 15,6 Millionen Tonnen sowie Brasilien mit 14,2 Millionen Tonnen. Etwa 79 Prozent der Welterzeugung an Geflügelfleisch sind Hähnchen. Der Trend der zunehmenden Beliebtheit von Hähnchenfleisch aufgrund von veränderten Verzehrgewohnheiten und des relativ günstigen Preises hält weltweit an. Für 2020 wird ein ähnlich starkes Wachstum der globalen Geflügelfleischerzeugung erwartet wie in 2019.

Auch in der EU weiterer Produktionszuwachs

Die Bruttoeigenerzeugung von Geflügelfleisch in der EU beträgt nach Schätzungen der Europäischen Kommission in 2019 15,6 Millionen Tonnen. Das sind 2,5 Prozent mehr als in 2018. Für 2020 deutet sich eine etwas schwächere Zunahme der EU-Geflügelfleischerzeugung an (+ 1,5 Prozent). Die EU-Erzeugung von Hähnchen, die die Geflügelfleischerzeugung mit einem Anteil von 81 Prozent dominiert, dürfte 2019 um 3,4 Prozent auf 13,5 Millionen Tonnen zunehmen. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung ist dabei Polen, auf das mittlerweile rund ein Sechstel des in der EU produzierten Hähnchenfleisches entfällt. Gegenüber Vorjahr fast unverändert ist die Putenerzeugung. Sie macht knapp 14 Prozent an der EU-Erzeugung von Geflügelfleisch aus. Auf Grund hoher Zuwachsraten ist Polen zum größten Putenerzeugerland in der EU aufgestiegen, vor Deutschland, Frankreich und Italien. Die EU-Entenerzeugung, die rund 3 Prozent der EU-Geflügelfleischerzeugung ausmacht, dürfte in 2019 weiter kräftig steigen, nachdem die Vogelgrippe 2017 vor allem in Frankreich und Ungarn zu einer starken Produktionseinschränkung geführt hatte. Aus Frankreich kommen gut zwei Fünftel aller in der EU erzeugten Enten.

Deutsche Geflügelerzeugung nur mit leichtem Zuwachs

Die deutsche Geflügelfleischerzeugung steigt 2019 mit voraussichtlich 1,834 Millionen Tonnen gegenüber Vorjahr leicht an (+ 0,9 Prozent). Ein großer Teil des Geflügels wird nach den Richtlinien der Initiative Tierwohl gehalten. Dadurch werden die Ställe weniger stark belegt. Das dennoch kleine Wachstum reicht aus, um den Selbstversorgungsgrad wieder knapp über die Marke von 100 Prozent zu heben. Auf Hähnchen entfallen 2019 73 Prozent der deutschen Geflügelfleischerzeugung, auf Puten 22 Prozent und auf Enten knapp 3 Prozent. Für 2020 wird für Deutschland mit einer weiter moderat steigenden Geflügelerzeugung gerechnet.

Geflügel hat die beste Futterverwertung

Der weltweite Trend zur Erzeugung von Geflügelfleisch hängt mit der im Vergleich zur Erzeugung anderer Fleischarten relativ kostengünstigen Futterverwertung des Federviehs zusammen. Steigen die Futterkosten, ist der Trend zur Geflügelfleischerzeugung besonders stark ausgeprägt, vor allem in den Entwicklungsund Schwellenländern. In modernen Mastbetrieben ist heute etwa 1,8 Kilogramm Futter nötig, um 1 Kilogramm Hähnchenfleisch zu erzeugen.

Erzeugerpreise für Hähnchen 2019 unter Vorjahreslinie

Die Erzeugerpreise für Masthähnchen schwankten im Jahr 2019 ungewöhnlich stark. Nachdem die Preise in der ersten Jahreshälfte merklich anzogen, standen sie ab September stärker unter Druck. Die Hähnchenhalter müssen dementsprechend mit einem Preis auskommen, der etwas unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Konnte für ein Masthähnchen mit 1.500 Gramm 2018 noch ein Durchschnittspreis von 0,87 Euro je Kilogramm erlöst werden, liegt dieser 2019 bei voraussichtlich rund 0,84 Euro je Kilogramm (- 3,4 Prozent). Anders sieht die Preisentwicklung bei Puten aus. Die Erzeugerpreise zogen im Laufe des Jahres deutlich an. Puten (18,5 kg Hähne) erzielen im Jahresdurchschnitt 2019 voraussichtlich 130,2 Euro je 100 Kilogramm Lebendgewicht. Gegenüber dem Vorjahr sind das 4,4 Prozent mehr. Für 2020 wird bei Hähnchen- und Putenfleisch mit keinen gravierenden Änderungen der Erzeugerpreise gerechnet.

Welt-Eierproduktion wächst weiter

Die Welt-Eierproduktion wächst jährlich um 1 bis 2 Prozent. Nach Einschätzung von Experten wird die Hennenhaltung zur Versorgung der Weltbevölkerung mit hochwertigem tierischem Eiweiß mittel- und langfristig eine hohe Bedeutung behalten. Ein Drittel aller Eier auf der Welt werden in China erzeugt.

EU-Eiererzeugung mit moderaten Zuwächsen

In der EU setzt sich das moderate Wachstum der Eiererzeugung fort. Die EU-Bruttoeigenerzeugung an Konsumeiern wird für 2019 auf 7,07 Millionen Tonnen geschätzt. Gegenüber dem Vorjahr sind das 2,4 Prozent mehr. Nachdem die Produktion zwischen 2015 und 2017 nur noch moderat gestiegen war, setzt sich der Trend der zunehmenden Produktionsmengen aus 2018 weiter fort. Für 2020 wird mit einem ähnlich moderaten Wachstum der Eiererzeugung gerechnet. Frankreich ist der größte Konsumeierproduzent in der EU. Zweitgrößter Erzeuger ist Deutschland, gefolgt von Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Für Deutschland werden für 2019 und 2020 leichte Erzeugungszuwächse von jeweils etwa einem Prozent erwartet. Der deutsche Selbstversorgungsgrad an Konsumeiern wird für 2019 auf 71 Prozent geschätzt.
 

Die meisten Eier in Deutschland kommen aus der Bodenhaltung

Die mit Abstand meisten Legehennen sind in Bodenhaltung-Systemen untergebracht. So sind im Jahr 2019 rund 62 Prozent der Plätze für deutsche Legehennen der Bodenhaltung zuzuordnen. Nach einem zwischenzeitlichen Einbruch der Freilandhaltung im Jahr 2017 sind inzwischen wieder fast 19 Prozent der Legehennen dort zu finden. Gut 11 Prozent aller Legehennen fallen 2019 in die Kategorie Bio. Biohaltung und Freilandhaltung hatten unter den Haltungsformen zuletzt das größte Wachstum. 

Eierpreise unter Vorjahr

Nach einer Hochpreisphase ab August 2017 durch Stilllegungen in Folge des Fipronil-Skandals haben sich die Eierpreise seit Sommer 2018 wieder „normalisiert“. Auch für 2019 ist von einem mittleren Preisniveau auszugehen. Bis einschließlich Oktober erlösten 100 Eier der Klasse M im Mittel 7,07 Euro. Damit wird zwar ein niedrigerer Durchschnittspreis als im Vorjahr erzielt, in den Sommermonaten lagen die Preise aber zumeist rund 1 Euro über dem Niveau von 2018. Gegen Jahresende 2019 werden zudem üblicherweise noch einmal etwas höhere Preise erwartet. Der durchschnittliche Eierpreis in der Gewichtsklasse M, Bodenhaltung, wird für Jahr 2019 in Deutschland auf 7,17 Euro je 100 Eier geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 98 Cent oder 12 Prozent weniger. 

Welt-Milcherzeugung wächst weiter

Der Weltmilchmarkt ist nach wie vor ein stark wachsender Markt. Die Weltmilchmenge wird von der FAO für 2019 auf 852,0 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind gegenüber 2018 1,4 Prozent mehr. Dabei gehen die Experten von steigenden Tendenzen in nahezu allen Regionen aus. Indien bleibt dabei vor der EU und den USA der weltweit größte Milchproduzent. Absolut betrachtet wird 2019 in Asien das deutlichste Wachstum erwartet, gefolgt von Europa. In Mittel-, Südamerika und Ozeanien wird mit insgesamt rückläufigen Tendenzen gerechnet. 

Nur leichtes Mengenwachstum in der EU

Die EU-Erzeugung wird 2019 auf 167,3 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 0,4 Prozent. Grund für den vergleichsweise geringen Zuwachs sind die Auswirkungen von Sommertrockenheit in 2018 aber auch in 2019 in einigen Regionen Europas. Die EU hat einen Anteil an der Welterzeugung von knapp 20 Prozent. Für das Jahr 2020 wird die EU-Milcherzeugung Prognosen der AMI zufolge moderat um knapp 1 Prozent wachsen.

Welthandel mit Milchprodukten

Der Welthandel mit Milchprodukten wächst 2019 voraussichtlich auf 76,2 Millionen Tonnen (gegenüber Vorjahr + 0,8 Prozent) an. Hauptimporteure von Milchprodukten sind die Länder Asiens. Auf sie entfallen 60 Prozent der globalen Milchimporte. Die größten Importzuwächse haben 2019 Russland, China, Indonesien, die Philippinen und Japan zu verzeichnen. Auf die EU entfallen 21,2 Millionen Tonnen der globalen Milchexporte. Die EU ist damit weltweit größter Exporteur von Milch und Milchprodukten. Ihr Exportvolumen dürfte in 2019 gegenüber Vorjahr um knapp 4 Prozent wachsen.  Hohe Exportzuwächse weist in 2019 auch Neuseeland auf.

28 Prozent des Weltmilchhandels entfallen auf die EU

Umgerechnet in Milchäquivalente entfallen gut 28 Prozent des Weltexports (21,2 Mio. t) auf die Europäische Union. Weitere 27 Prozent (20,4 Mio. t) entfallen auf Neuseeland, 14 Prozent (10,7 Mio. t) auf die USA. Wirtschaftswachstum und geänderte Ernährungsgewohnheiten beflügeln tendenziell den internationalen Handel mit Milch und Milchprodukten. 

Integration der EU in den globalen Milchmarkt schreitet voran

2019 sind knapp 13 Prozent der von europäischen Bauern angelieferten Milch (umgerechnet in Milchäquivalente) in Drittländer außerhalb der EU exportiert worden. Eine tendenziell stark zunehmende Nachfrage aus den Entwicklungs- und Schwellenländern dürfte diesen Anteil in den nächsten Jahren weiter anwachsen lassen. Zunehmend Bedeutung hat der EU-Export von Milch und Milchprodukten nach China. Im Neunmonatszeitraum Januar bis September 2019 stiegen die EU-Exporte nach China gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um rund 10 Prozent an.

Weniger Milch in Deutschland

Von Januar bis September 2019 haben die deutschen Molkereien bezogen auf den Erzeugerstandort insgesamt 0,4 Prozent weniger Milch erfasst als im Vorjahr. Für die EU-28 insgesamt ergibt sich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 dagegen ein Wachstum von 0,4 Prozent.

Käse bestimmt fast zur Hälfte die Milchverwertung

Der größte Teil der deutschen Milcherzeugung fließt in die Käseverarbeitung. Im Jahr 2018 wurden 45 Prozent der angelieferten Milch in die Käsereien gelenkt. Die Vermarktung von Käse hat daher einen hohen Einfluss auf die Milcherlöse. Auch die Verwertung der Milch in Form von Konsummilch oder Frischprodukten hat mit einem Anteil von 25 Prozent einen maßgeblichen Einfluss auf die Milchverwertung. 

Export behauptet sich

Die deutschen Exporte von Milchprodukten haben in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum leicht zugenommen. Aushängeschild für den deutschen Export von Milchprodukten sind Käse und Frischmilchprodukte. Die Exporte nach China erhöhten sich in diesem Neunmonatszeitraum im Jahresvergleich um 53 Prozent. Das Exportwachstum war produktübergreifend.

Weltmarkt für Milchprodukte mit eher stabilen Preistendenzen

Der FAO-Preisindex für Milchprodukte erreichte im Oktober 2019 einen Stand, der zwar um knapp 1 Prozent unter dem Vormonat, aber um fast 6 Prozent über dem Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats lag. Die zuletzt schwächeren Tendenzen bei Käse sind vor allem auf ein erhöhtes Angebot aus Neuseeland zurückzuführen. Die gesteigerte Nachfrage aus dem asiatischen Raum führte im Oktober 2019 zu etwas höheren Notierungen bei Mager- und Vollmilchpulver. Butterpreise stabilisierten sich im Oktober erstmals seit vier Monaten. Insgesamt wird die Entwicklung des globalen Milchpreisniveaus von der weiteren Entwicklung von Angebot und Nachfrage abhängen. Experten sehen Voraussetzungen für eine mindestens stabile Preisentwicklung, sofern neue oder eskalierende Handelskonflikte nicht in die Quere kommen. 

Können sich die Milchpreise weiter behaupten?

Die Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß lagen im Durchschnitt der Monate Januar bis September 2019 bei 33,1 Cent je Kilogramm. Das sind 0,3 Cent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2019 schätzt die AMI einen Milcherzeugerpreis von 33,6 bis 33,7 Cent je Kilogramm. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund 0,7 Cent oder 2 Prozent weniger. Der Blick auf die Preisentwicklung im Jahr 2020 ist zwar mit vielen Unsicherheiten behaftet, lässt aber wie der Weltmarkt für Milch und Milchprodukte zunächst stabile bis festere Preistendenzen erkennen.

Regionale Milchpreisunterschiede

In Abhängigkeit von Molkerei und Region sind allerdings auch Unterschiede in der Ausprägung der Preisentwicklungen zu verzeichnen. Im September 2019 lagen die Milcherzeugerpreise in Deutschland im bundesweiten Mittel nach Schätzungen der AMI bei 32,6 Cent je Kilogramm Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Mit 34,5 Cent je Kilogramm Milch waren die Milchpreise in Baden-Württemberg am höchsten und mit 31,4 Cent je Kilogramm in Mecklenburg-Vorpommern am niedrigsten.

Erzeugerpreise versus Verbraucherpreise

Ein Vergleich der Entwicklungen von Erzeuger- und Verbraucherpreisen zeigt, dass der Lebensmittelhandel Preisanpassungen im Einkauf tendenziell an die Verbraucher weitergibt. Allerdings erfolgt dies nach Vorgabe der Kontraktlaufzeiten, die in der Regel für Milchfrischprodukte sechs Monate umfassen. Somit folgen die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte den Entwicklungen auf der Verbraucherstufe zumeist zeitverzögert.