6.3 Betriebsmittel/Futtermittel
Situationsbericht 2019/20

6.3 Betriebsmittel/Futtermittel

Betriebsmittel haben sich kräftig verteuert

Die Landwirte in Deutschland haben für Betriebsmittel und Dienstleistungen im Juli 2019 gut 6 Prozent mehr gezahlt als ein Jahr zuvor. Besonders stark sind die Düngemittelpreise gestiegen. Deutlich verteuert haben sich auch die Unterhaltungsaufwendungen für Bauten. Weiter zogen die Einkaufspreise für Maschinen und Energie an. Dagegen kosteten Saatgut und Pflanzenschutzmittel im Jahresvergleich kaum mehr. Etwas niedriger als im Juli 2018 fielen die Preise für Futtermittel und Treibstoffe aus. 

Energiepreisabhängigkeit der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen weitere energieintensive Betriebsmittel wie Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Steigende Erdölpreise verteuern die landwirtschaftliche Produktion indirekt. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich im April und Mai 2019 auf über 70 US-Dollar je Barrel. Seitdem fielen die Erdölpreise und schwankten zwischen 60 und 65 US-Dollar je Barrel (Stand Mitte November 2019). Die Rohölsorte WTI schwankte zwischen Juni und November 2019 zwischen 55 und 60 US-Dollar je Barrel. Analysten gehen davon aus, dass sich das Niveau der Erdölpreise auch im Jahr 2020 nur wenig verändern wird. 

Harnstoffpreise in Deutschland geben nach

Die Preise für Stickstoffdünger sind seit Ende 2018 bzw. Anfang 2019 deutlich zurückgegangen. Am stärksten haben die Preise für Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung nachgegeben. Im Januar 2019 kostete sie noch 222 Euro je Tonne, im Oktober wurden mit 181 Euro je Tonne rund 41 Euro je Tonne weniger verlangt. Der wachsende Angebotsdruck aus China war wesentlicher Grund für die Preisschwäche bei Stickstoffdüngern. Außerdem wurden aufgrund der Trockenheit im Frühjahr in einigen Regionen Deutschlands die Düngemittelgaben reduziert, was sich preisdämpfend auswirkte. Zudem verbreitet die neue Düngeverordnung Unsicherheit unter den Erzeugern, wodurch Marktteilnehmer mit einem geringeren Einsatz an mineralischen Düngemitteln rechnen. Während die Herstellung von Stickstoffdüngemitteln von Erdgas abhängt (Haber-Bosch-Verfahren), werden Kali und Phosphor aus Lagerstätten gewonnen. Die Kalipreise sind im Februar 2019 sprunghaft gestiegen und liegen seitdem auf einem Niveau von umgerechnet 241 Euro je Tonne. Zunehmende Kalinachfrage aus Brasilien, China und Südostasien unterstützten die Preise. Das Kaufinteresse dürfte sogar noch weiter wachsen. 
 

Phosphatpreise stark unter Druck

Die Preise für Diammonphosphat (DAP) und Triple-Superphosphat (TSP) sind seit Dezember 2018 stark zurückgegangen. Im Oktober 2019 kostete DAP 365 Euro je Tonne und damit rund 79 Euro je Tonne weniger als vor einem Jahr. Auch die Preise von TSP sind im Vorjahresvergleich um 32 auf 336 Euro je Tonne zurückgegangen. Preisdruck kommt vor allem vom Weltmarkt. 

Stickstoffeinsatz deutlich geschrumpft

Der Düngemittelabsatz ist auch im Wirtschaftsjahr 2018/19 deutlich zurückgegangen. Insgesamt wurden 4,8 Millionen Tonnen abgesetzt, im Vorjahr waren es noch 4 Prozent mehr. Besonders Stickstoffdünger wurden von den Landwirten weniger eingesetzt. Hier ging der Absatz gegenüber dem Vorjahr um gut 10 Prozent zurück. Unter den reinen Stickstoffdüngern ist der Einsatz von Harnstoff am stärksten gesunken. Bei den Stickstoff- und Phosphatdüngemitteln ist die Nachfrage nach NP-Düngermischungen sogar um fast 30 Prozent eingebrochen. Auch der Verkauf von Phosphatdünger ist um 4 Prozent gesunken und Kalk wurde ebenfalls 2 Prozent weniger abgesetzt. Ausnahme stellen die Kalidünger dar. Mit 420.000 Tonnen hat sich ihr Verkauf 2018/19 gegenüber dem vorangegangenen Wirtschaftsjahr um gut 8 Prozent erhöht.

Absatz an Pflanzenschutzmitteln stark zurückgegangen

Die Menge der in Deutschland in den Markt gebrachten Pflanzenschutzmittel ist in 2018 auf den niedrigsten Stand seit dreizehn Jahren gesunken. Der Absatz sank 2018 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 15 Prozent auf 29.600 Tonnen Wirkstoff (ohne inerte Gase). Unter den verschiedenen Pflanzenschutzmitteln sank der Absatz von Herbiziden gegenüber 2017 um 13 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2002, Fungizide wurden 12 Prozent weniger verkauft. Die vergleichsweise geringe Menge an Insektiziden und Akariziden blieb stabil. Der Umsatz im Direktgeschäft zwischen Industrie und Pflanzenschutzmittelhandel ist 2018 gegenüber dem Vorjahr um gut 7 Prozent auf 1,282 Milliarden Euro zurückgegangen.

Mischfutterpreise deutlich unter Vorjahr

Die Mischfutterpreise blieben im November 2019 weiterhin deutlich unter der Vorjahreslinie. Grund waren die verbesserte hofeigene Grundfutterversorgung und die vergleichsweise gute Versorgung mit Getreide. Zudem liegen auch die Ölschrotpreise deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Bereits seit Anfang 2019 tendierten die  Mischfutterpreise schwächer, so dass im November 2019 rund 5 bis 10 Prozent weniger gezahlt werden musste als zum Vorjahreszeitpunkt. Allerdings ist Mischfutter teurer als 2016 oder 2017. 

Eiweiß deutlich günstiger

Der Futtermittelmarkt wird zu einem erheblichen Teil von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Preise für Protein im Sojaschrot und Rapsschrot waren im Jahresverlauf 2019 deutlich rückläufig. Im November 2019 war Rapsschroteiweiß 15 Prozent und Sojaschroteiweiß 4 Prozent preisgünstiger als vor einem Jahr. Demgegenüber haben die Forderungen für Futterweizen im Oktober 2019 das Preistal durchschritten und zogen im November wieder an, so dass sich auch das Protein im Getreide verteuerte. Es bleibt aber immer noch 14 Prozent preisgünstiger als im November 2018. Grund für diese Entwicklungen sind das größere Angebot an Weizen und Soja am Weltmarkt.  

Grundfutterangebot überschaubar

Grundfutter wie Heu und Stroh sind in 2019 zwar wieder preisgünstiger zu haben als im Dürrejahr 2018, das Preisniveau liegt aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Die Preise für Maissilage erreichten im Sommer 2019 ihren Höchststand, als Hitze und Trockenheit die Aussicht auf eine gute Maisernte deutlich trübten. Um einer Futterknappheit zu entgehen, hatten viele Maisanbauer ihre Körnermaisbestände frühzeitig als Silomais gehäckselt. Im weiteren Jahresverlauf ließen sich die hohen Preise für Maissilage nicht mehr halten. Grund war eine deutlich sich verbessernde Grundfutterversorgung, weil wieder mehr Gras aus den späteren Schnitten zur Verfügung stand. Im November 2019 wurde mit knapp 40 Euro je Tonne Maissilage ab Siloplatte aber nur unwesentlich weniger gefordert als vor einem Jahr.

Das Futtermenü der Nutztiere

Das Futteraufkommen in der deutschen Landwirtschaft beträgt nach zuletzt für das Wirtschaftsjahr 2017/18 vorliegenden Angaben 86,0 Millionen Tonnen Getreideeinheiten (eine Getreideeinheit entspricht 100 Kilogramm Getreide). Es setzt sich zusammen aus 56 Prozent Grünlandaufwuchs (Gras, Grasprodukte einschließlich Silagen) und 43 Prozent aus Mischfutter und hofeigenem Getreide. 92 Prozent dieser gesamten Menge stammen aus Deutschland. Der Importanteil von vor allem Ölkuchen und -schroten (insbesondere Sojaprodukte) und kleineren Mengen von Getreide beträgt rund 8 Prozent.

8,1 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung

Von den 11,7 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 3,4 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais entfällt. Daneben werden weitere 4,7 Millionen Hektar Dauergrünland (Wiesen und Weiden) als Futterflächen genutzt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere zu 92 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung (Wirtschaftsjahr 2017/18) decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 74 Prozent gedeckt. 

Rund 74 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung

Für die Eiweißversorgung der Nutztiere sind in Deutschland pro Jahr 8,8 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich (Wirtschaftsjahr 2017/18). 6,5 Millionen Tonnen davon decken heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen. Der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen, Soja und anderen Hülsenfrüchten hat sich nach Einführung der Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) im Rahmen der GAP in 2015 auf 196.000 Hektar in 2019 in etwa verdoppelt.