7.2 Agraraußenhandel
Situationsbericht 2019/20

7.2 Agraraußenhandel

EU-Außenhandel

Die EU ist nach China der zweitgrößte Exporteur der Welt

Die Europäische Union (EU-28) ist mit 513,5 Millionen Menschen (Stand Anfang 2019) nicht nur der größte Binnenmarkt, sondern auch die zweitgrößte Handelsmacht der Welt; der Anteil der EU-28 am Welthandel (bezogen auf den Export und ohne Berücksichtigung des EU-Binnenhandels) betrug 2018 15,5 Prozent. Der Anteil Chinas am Welthandel lag bei 16,9 Prozent und der Anteil der USA bei entsprechend 11,2 Prozent. Die EU-Importe hatten 2018 einen Anteil am Welthandel von 15,9 Prozent (USA 17,0 Prozent, China 13,3 Prozent). 

EU-Handelsbilanz nahezu ausgeglichen

Die Einfuhren der EU aus Drittländern sind 2018 deutlich stärker angestiegen (+ 7 Prozent) als die Ausfuhren der EU in Drittländer (+ 4 Prozent). Diese Entwicklung führte in der Außenhandelsbilanz zu einem Minus von 23 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die EU-Außenhandelsbilanz noch ein Plus von rund 24 Milliarden Euro. 

USA und China sind die wichtigsten Handelspartner der EU

Im Jahr 2018 blieben die Vereinigten Staaten (675 Mrd. Euro bzw. 17 Prozent des gesamten Warenverkehrs der EU) und China (606 Mrd. Euro bzw. 15 Prozent) die zwei wichtigsten Handelspartner der Europäischen Union, mit deutlichem Abstand zur Schweiz (500 Mrd. Euro bzw. 7 Prozent) und zu Russland (254 Mrd. Euro bzw. 6 Prozent). Bedingt durch hohe Energieeinfuhren betrug das Handelsdefizit der EU mit Russland 2018 84 Milliarden Euro. Mit China hatte die EU 2018 ein Handelsdefizit von 184 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ist damit das Defizit um 6 Milliarden Euro gewachsen. Der traditionelle EU-Handelsbilanzüberschuss mit den USA stieg 2018 um 19 auf 138 Milliarden Euro. 

Deutschland im Weltagrarhandel die Nummer drei

Sowohl bei den weltweiten Agrarexporten als auch bei den weltweiten Agrarimporten nimmt Deutschland jeweils Rang 3 und damit eine Spitzenposition ein. Von den im Jahr 2018 weltweit exportierten Agrargütern im Gesamtwert von 1.807 Milliarden US-Dollar stammten 4,5 Prozent aus Deutschland. Mehr Agrarprodukte außerhalb ihrer Grenzen vermarkteten 2018 nur die USA und die Niederlande. 
 

Brasilien mit weltweit größtem Exportüberschuss

Verrechnet man Exporte und Importe miteinander, ergibt sich für Deutschland ein Agrarhandelsdefizit von 19 Milliarden US-Dollar (2018). Damit steht Deutschland auf Platz 5 der größten Nettoimporteure von Agrarprodukten. Japan, China und das Vereinigte Königreich haben weitaus größere Nettoimporte. Der bei weitem größte Nettoexporteur ist Brasilien. Dieses Land exportierte 2018 für 71 Milliarden US-Dollar mehr Agrargüter als es importierte. Mit großem Abstand folgen in der Rangliste der weltgrößten Agrar-Nettoexporteure Argentinien und die Niederlande.
 

EU-Agrarhandelsbilanz im Plus

Auf Basis der WTO-Definition von Agrareinfuhren und -ausfuhren, die Fisch und Fischwaren nicht berücksichtigt, hat die Europäische Kommission für das Jahr 2018 einen deutlichen EU-Außenhandelsbilanzüberschuss bei Agrar- und Ernährungsgütern ermittelt. Die Einfuhren sanken 2018 gegenüber 2017 auf 116,3 Milliarden Euro (- 1,0 Prozent), die Ausfuhren blieben mit 137,5 Milliarden Euro gegenüber Vorjahr nahezu unverändert (-0,1 Prozent). Dadurch nahm das Außenhandelsplus 2018 gegenüber dem Vorjahr um 1,0 auf 21,2 Milliarden Euro leicht zu. Die EU-Agrarimporte beruhen vor allem auf beträchtlichen Einfuhren an Gemüse, Obst (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen) sowie an Futtermitteln, Ölsaaten und Ölsaatenprodukten. Hinzu kommen umfangreiche Importe an Kaffee, Tee, Fleischwaren, Tabak und Kakao. Die EU ist bedeutender Exporteur vor allem bei Getreide, Milch, Fleisch (jeweils einschließlich Verarbeitungserzeugnissen), aber auch von Bier, Wein und Spirituosen. Nach der traditionellen nationalen Warenklassifikation, bei der insbesondere auch der Handel mit Fisch und Fischwaren Berücksichtigung findet, weist die EU im Handel mit Agrarprodukten allerdings einen negativen Saldo auf, der 2018 bei 3,6 Milliarden Euro lag. 
 

EU für Entwicklungsländer ein offener Absatzmarkt

Für die Entwicklungs- und Schwellenländer ist die EU im internationalen Vergleich der offenste Absatzmarkt. Sie liefern in die EU zollfrei oder zu niedrigen Zollsätzen mehr Agrarprodukte als in die USA, Kanada, Japan, Australien und Neuseeland zusammen. Rund 69 Prozent der EU-Agrarimporte und etwa 53 Prozent der EU-Agrar-
exporte werden mit den Entwicklungs- und Schwellenländern getätigt. Ein großer Teil der Einfuhren entfällt auf Erzeugnisse, die nicht oder kaum mit EU-Produkten konkurrieren. Dazu gehören vor allem südländisches Obst und Gemüse sowie Kaffee, Kakao und Tee.

EU-Agrarhandel in 2019

Nach Ergebnissen für die ersten neun Monate des Jahres 2019 (Januar bis September) sind die Exporte der EU gegenüber dem entsprechenden Vorjahresstand um 4 Prozent und die EU-Importe um 5 Prozent angestiegen. Der darin enthaltene EU-Handel mit Agrar- und Ernährungsgütern kann sich ausfuhrseitig kräftig erholen (+ 10 Prozent gegenüber entsprechendem Vorjahresstand). Einfuhrseitig gab es einen moderaten Zuwachs (+ 3 Prozent). EU-Agrarexporte nach China sind in dem Neunmonatszeitraum von Januar bis September 2019 besonders stark gestiegen (+ 31 Prozent).
 

Außenhandel Deutschland

Deutscher Außenhandel wächst weiter

Sowohl auf der Einfuhr- als auch auf der Ausfuhrseite ist der deutsche Außenhandel 2018 weiter gewachsen. Mit einem wertmäßigen Umfang von 1.318 Milliarden Euro fielen die Ausfuhren gegenüber 2017 um gut 38 Milliarden Euro oder 3,0 Prozent höher aus. Noch stärker legten 2018 die Einfuhren zu. Sie lagen mit 1.090 Milliarden Euro um rund 58 Milliarden Euro oder 5,6 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Der positive Handelsbilanzsaldo verringerte sich gegenüber dem Vorjahr um 19 auf 228 Milliarden Euro. In 2019 zeichnet sich nur ein leichtes Wachstum des deutschen Außenhandels ab. Im Zeitraum Januar bis September 2019 legten die Ausfuhren im Jahresvergleich um 0,9 Prozent und die Einfuhren um 2,0 Prozent zu. 

Agrarhandel in 2018 nicht weiter gewachsen

Der deutsche Außenhandel mit Gütern der Land- und Ernährungswirtschaft blieb 2018 sowohl auf der Exportseite als auch auf der Importseite hinter den Vorjahresergebnissen zurück. Die Agrarausfuhren sanken um 2,3 Prozent auf 71,6 Milliarden Euro. Die Agrareinfuhren gingen um 0,5 Prozent auf 85,2 Milliarden Euro zurück. Im Ergebnis schloss die Agrarhandelsbilanz mit einem Defizit von 13,6 Milliarden Euro ab. Damit hat sich das Defizit gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Milliarden Euro vergrößert. Gemessen am deutschen Außenhandel insgesamt hatten die Agrarausfuhren 2018 einen Anteil von 5,4 Prozent und die Agrareinfuhren einen Anteil von 7,8 Prozent.

Wieder Zunahme des deutschen Agrarhandels in 2019

Nach Angaben und Schätzungen für den Zeitraum Januar bis September 2019 wächst der deutsche Handel mit Agrar- und Ernährungsgütern wieder, und zwar sowohl auf der Exportseite als auch auf der Importseite um jeweils rund 2 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die deutschen Agrarexporte dürften 2019 auf einen Wert von gut 73 Milliarden Euro ansteigen. Die Agrarimporte dürften einen Wert von knapp 87 Milliarden Euro erreichen. 

Deutscher Agrarexport steht für Ausfuhr von Qualitätsprodukten

Charakteristisch für den deutschen Agrarexport ist die Ausfuhr von hochwertigen Veredlungserzeugnissen. So sind Milch und Milcherzeugnisse, darunter vor allem Käse, sowie Fleisch und Fleischwaren, die herausragenden Produkte des deutschen Agrarexportes. Qualität und Sicherheit sind wichtige Faktoren im Export.

Deutscher Agrarhandel überwiegend mit EU-Partnerstaaten

Deutschlands wichtigste Kunden im Agrarhandel sind die EU-Länder. 78 Prozent der gesamten Agrarausfuhren gingen 2018 in EU-Partnerstaaten und 22 Prozent in Drittländer. Beim Drittlandexport sind die Schweiz, die USA, China und Saudi-Arabien die wichtigsten Abnehmer. Bei den Drittlandimporten sind Brasilien und die USA mit jeweils 2,6 Milliarden Euro Agrarimporten (2018) die mit Abstand wichtigsten Lieferanten vor China, der Schweiz (jeweils 1,6 Mrd. Euro) und der Türkei (1,4 Mrd. Euro).
 

Deutscher Agrarhandel im Aufwärtstrend

Die deutschen Agrarexporte haben sich seit 2005 fast verdoppelt. Seit der Wiedervereinigung (1991) sind sie um das 3,9-fache angestiegen. Das Wachstum der Agrarimporte verlief dagegen moderater. Der Umfang der Einfuhren hat im Vergleichszeitraum nur um das 2,5-fache zugenommen. Rund ein Drittel der Gesamtproduktion der deutschen Landwirtschaft – das sind rund 18 Milliarden Euro – wird exportiert. 2009 lag dieser Anteil noch entsprechend bei einem Viertel. In der deutschen Ernährungswirtschaft liegt der Exportanteil ebenfalls bei einem Drittel.

Deutscher Agrarhandel mit Drittländern wieder dynamischer

Besonders stark ging 2018 der Agrarhandel mit Drittländern zurück. Die Exporte dorthin gingen gegenüber dem Vorjahr um 6 Prozent, die Importe von dort um 3 Prozent zurück. Der Agrarhandel mit den EU-Partnerstaaten entwickelte sich weniger negativ. Die Ausfuhren in die Partnerstaaten verringerten sich nur um gut 1 Prozent. Die Einfuhren nahmen leicht zu. Anders sieht die Situation in 2019 aus. Im Zeitraum von Januar bis September 2019 haben die deutschen Agrarausfuhren in Drittländer stark zugenommen (+ 8 Prozent), während sie in die EU-Partnerstaaten nur leicht angestiegen sind (+ 1 Prozent). Bei den deutschen Agrareinfuhren aus Drittländern kann das Vorjahresniveau nicht gehalten werden (- 1 Prozent). Aus den EU-Partnerstaaten dagegen kommen deutlich mehr Einfuhren (+ 3 Prozent). 
 

Handel mit Entwicklungsländern: Viel Import, wenig Export

70 Prozent der deutschen Agrarimporte aus Drittländern stammen aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, insgesamt 17,3 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr - 3,4 Prozent). Importiert werden in erster Linie Kaffee, Ölsaaten sowie Obst und Südfrüchte. Die Agrarexporte in die Entwicklungs- und Schwellenländer beliefen sich dagegen 2018 auf nur 5,9 Milliarden Euro (gegenüber Vorjahr - 6,3 Prozent). Der traditionelle Einfuhrüberschuss mit den Entwicklungs- und Schwellenländern verringerte sich 2018 um 0,3 auf 11,3 Milliarden Euro.
 

Nur knapp 2 Prozent des deutschen Agrarexports gehen nach Afrika

Über 90 Prozent der deutschen Agrarexporte gehen in entwickelte Volkswirtschaften mit hohen Einkommen. Nach Afrika zum Beispiel gehen nur 1,9 Prozent der deutschen Agrarexporte im Wert von 1,4 Milliarden Euro. 

EU-Erweiterung hat deutschen Agrarhandel beflügelt

Der EU-Beitritt der elf osteuropäischen Länder sowie von Malta und Zypern hat den deutschen Agrarhandel deutlich belebt. Deutschland führte 2018 aus den EU-Beitrittsländern Agrar- und Ernährungsgüter im Wert von 10,7 Milliarden Euro ein. Entsprechend ausgeführt wurden Waren im Wert von 10,9 Milliarden Euro. Bei den Agrarimporten aus den 13 Beitrittsländern entfielen 2018 6,5 Milliarden Euro auf Polen. Deutlich niedriger fielen die deutschen Agrarexporte nach Polen aus (4,6 Milliarden Euro).

Agraraußenhandel mit Russland mit Erholungstendenzen

Nach Einführung des Import-Embargos im August 2014 sind die deutschen Agrarausfuhren nach Russland stark eingebrochen. Sie fielen in 2015 und 2016 auf ein Niveau von unter 0,9 Milliarden Euro im Jahr. 2018 konnten sich die deutschen Agrarexporte nach Russland weiter leicht erholen (+ 5 Prozent), und auch in 2019 ist ein ähnlicher Zuwachs der deutschen Agrarausfuhren auf einem weiter relativ niedrigen Niveau zu erwarten. Der Export von Milch- und Fleischprodukten sowie anderer Agrar- und Ernährungsgüter ist aber weiterhin blockiert. Die Agrarimporte aus Russland spielen eine vergleichsweise geringe Rolle. Sie nahmen 2018 zwar um 20 Prozent zu, sind aber mit 304 Millionen Euro vergleichsweise bescheiden. Nach vorliegenden Ergebnissen der ersten neun Monate in 2019 nehmen die Agrarimporte aus Russland weiter moderat zu. 
 

Agrarhandel mit den USA wächst

Im Drittlandhandel sind die USA zusammen mit Brasilien die bedeutendsten Lieferanten von Agrar- und Ernährungsgütern. Die deutschen Agrarimporte aus den USA blieben 2018 wertmäßig mit 2,64 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr unverändert. Die deutschen Agrarausfuhren in die USA gingen auf 1,89 Milliarden Euro leicht zurück (- 1,6 Prozent). Auf Basis der Angaben für die Monate Januar bis September nimmt der Agrarhandel mit den USA sowohl auf der Export- als auch auf der Importseite wieder deutlich zu (+ 8 bis 9 Prozent). 

Starke Steigerung der Agrarexporte nach China

In 2018 sind die deutschen Agrarexporte nach China um 6 Prozent zurückgegangen. Das Exportvolumen erreichte 2018 einen Wert von 1,5 Milliarden Euro. Aus Basis der Handelszahlen für die ersten neun Monate des Jahres 2019 steigen die Agrarexporte nach China stark an, und zwar um fast zwei Fünftel auf rund 2,1 Milliarden Euro. 
 

Vereinigtes Königreich ist für Deutschland ein wichtiges Absatzland für Agrargüter

Die Exporte der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft in das Vereinigte Königreich beliefen sich 2018 auf 4,7 Milliarden Euro, das entspricht einem Anteil an den gesamten Agrarexporten von fast 7 Prozent. Die Agrarexporte vom Vereinigten Königreich nach Deutschland betrugen 2018 1,5 Milliarden Euro. Mit 3,2 Milliarden ist das Vereinigte Königreich für Deutschland das Land mit dem größten Nettoagrarexport-Saldo. Nach Handelszahlen für die Monate Januar bis September 2019 sind die deutschen Agrarausfuhren in Vereinigte Königreich in etwa unverändert geblieben und die Agrareinfuhren von dort leicht angestiegen. 

Fleischwaren, Backwaren und Milchprodukte wichtige Exportgüter

Von Bedeutung ist der Agrarexport Deutschlands in das Vereinigte Königreich vor allem bei Fleischwaren (693 Mio. Euro in 2018), Backwaren (602 Mio. Euro) und Milchprodukten (540 Mio. Euro). Umgekehrt ist das Vereinigte Königreich vor allem bei Spirituosen ein bedeutender Lieferant nach Deutschland (379 Mio. Euro).

EU strebt weitere Handelsabkommen an

Die EU verhandelt derzeit mit vielen Ländern über Freihandelsabkommen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf asiatischen Ländern. Mit Japan und Kanada traten kürzlich Handelsabkommen in Kraft. Mit den Mercosur-Staaten, Vietnam, Singapur sind Abkommen ausverhandelt. Mit zwei Gruppen afrikanischer Länder wurden Partnerschaften geschlossen (bisher AKP-Vereinbarungen). Intensive Verhandlungen laufen mit Australien und Neuseeland. Eine Aktualisierung bestehender Handelsabkommen wird mit Mittelmeeranrainern (Marokko, Tunesien, Ägypten, Jordanien), Südafrika, Chile und Mexiko angestrebt.

EU-Mercosur-Abkommen

Mit Mercosur (Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay) hat die EU-Kommission Ende Juni 2019 ein Handelsabkommen geschlossen. Die EU erhofft sich vor allem mehr Exporte im Industriegüter- und Dienstleistungsbereich. Die Mercosur-Staaten sind besonders bei Nahrungsmitteln und hier bei Rind-, Schweine- und Geflügelfleisch sowie bei Zucker und Ethanol hochgradig wettbewerbsfähig. Dies sind wiederum aus Sicht der EU „sensible Produkte“, bei denen nur beschränkte Einfuhrkontingente eingeräumt werden. Die Vorgaben zur Lebensmittelsicherheit (Rückverfolgbarkeit) und Umweltstandards sind geringer als in der EU. Für Einfuhren in die EU gelten zwar die strengen Rückstandshöchstwerte. Die Standards der EU bezüglich Produktionsverfahren – etwa Tierwohl oder Antibiotikaminimierung – haben beim Handel keine Bedeutung, was Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten europäischer Landwirte bedeutet.
 

Handelsabkommen EU-Mercosur – Eckpunkte im Agrarbereich

  • Grundsätzlich: Schrittweise Absenkung bzw. Aufhebung von Zöllen, außer bei sensiblen Produkten.
  • Rindfleisch: Einfuhrquote von 99.000 Tonnen zu geringem Zollsatz von 7,5 Prozent. Die Mercosur-Staaten exportieren derzeit Rindfleisch von etwa 200.000 Tonnen pro Jahr in die EU.
  • Zucker: Zollsenkung innerhalb der bestehenden WTO-Quote über fünf Jahre auf null.
  • Bioethanol: Die EU gewährt eine Einfuhrquote von 650.000 Tonnen, zollfrei sind davon 450.000 Tonnen für die chemische Industrie, die übrige Menge für jegliche andere Verwendung einschließlich Biokraftstoffe. Hierfür soll ein Zollsatz von 6,4 bzw. 3,4 Euro je Hektoliter undenaturiertem bzw. denaturiertem Ethanol gelten.
  • Geflügelfleisch: Die EU gewährt eine zollfreie Einfuhrquote von 180.000 Tonnen pro Jahr.
  • Soja: Keine Änderungen, es gilt bereits Zollfreiheit.
  • Schweine: Für Fleisch aus Schweinehaltung ohne den Futterzusatz Ractopamin wird eine Einfuhrquote von 25.000 Tonnen mit einem Einfuhrzoll von 83 Euro je Tonne festgeschrieben. Die südamerikanische Seite hat einer vollen Öffnung für EU-Schweinefleisch zugestimmt.
  • Milchprodukte: Einfuhrquote des südamerikanischen Markts bei Käse (30.000 Tonnen), Magermilchpulver (10.000 Tonnen) sowie Säuglingsanfangsnahrung (10.000 Tonnen). Die derzeitigen Zollsätze sollen innerhalb von neun Jahren auf null gesenkt werden.
  • Schrittweiser Wegfall der südamerikanischen Einfuhrzölle u.a. bei Wein, Schokolade und Süßwaren, Spirituosen, Gebäck, Malz sowie Obst und Gemüseverarbeitungen.
  • Schutz von 357 geographisch geschützten Angaben aus der EU.

Quelle: EU-Kommission

Befolgt Brasilien Abkommen zum Klima- und Waldschutz?

Im Sommer 2019 erweckte die brasilianische Regierung Zweifel, ob sie internationale Verpflichtungen zum Erhalt der Wälder und zur Verhinderung illegaler Landnutzungsänderungen wirkungsvoll umsetzen will. Brandrodungen traten verstärkt auf. Eine Ratifizierung des Mercosur-Abkommens soll beginnen, sobald die Verhandlungstexte im Detail geklärt und übersetzt sind. Ein Zeitplan dazu steht im Herbst 2019 noch nicht fest.

Brasilien: Viel Agrarexport

Den brasilianischen Agrarexporten nach Deutschland im Umfang von 2,56 Milliarden Euro (2018) stehen kaum Importe in die Gegenrichtung gegenüber (0,19 Milliarden Euro). Wichtige Exportprodukte Brasiliens sind nach Kaffee und Soja-Futtermitteln auch Früchte, Fruchtzubereitungen und Fleisch.