2.2 Nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden
Situationsbericht 2020/21

2.2 Nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden

Veränderte Produktionsmethoden in Feld und Stall

In den Agrarstrukturerhebungen 2010 und 2016 wurden Fragen zur Bodenbearbeitung, zur Düngung und zur Bewässerung gestellt, die Aufschluss über Trends nachhaltiger Erzeugungsweisen geben. Ergebnisse dazu aus der Landwirtschaftszählung 2020 stehen noch aus.

Schonung des Bodengefüges

Zu den wichtigen Bodeneigenschaften gehören der Boden- und Lufthaushalt, die Durchwurzelbarkeit und die Verfügbarkeit von Nährstoffen, etwa für Pflanzen. Als Faustregel gilt hierbei: Je dichter ein Boden ist, desto ungünstiger sind dessen Bodeneigenschaften. Es gibt viele Möglichkeiten, den Boden zusätzlich zu schonen und Verdichtungen vorzubeugen. So sind z.B. breite Reifen oder sogar Raupenfahrzeuge für Schlepper und Erntefahrzeuge üblich, die das Gewicht auf eine größere Fläche verteilen. Die gleiche Wirkung erzielen Reifendruckregelanlagen, mit der der Landwirt auf dem Acker per Knopfdruck den Reifendruck senken kann. Das vergrößert die Auflagefläche der Reifen und verringert den Bodendruck. In den letzten Jahren haben konservierende Bodenbearbeitungsverfahren deutlich zugenommen. 

Pflugeinsatz dominiert – ist aber rückläufig

Die Bodenbearbeitung auf dem Ackerland erfolgt zur Stoppelbearbeitung, Grundbodenbearbeitung und Saatbettbereitung. Knapp 57 Prozent des Ackerlandes wurden im Wirtschaftsjahr 2015/16 mit dem Pflug beackert. Nach den Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2010 waren es noch entsprechend 59 Prozent. Der Pflug wird auf 6,3 Millionen Hektar Ackerfläche eingesetzt und ist damit das dominierende Verfahren bei der Grundbodenbearbeitung in Deutschland.

Konservierende Bodenbearbeitung nimmt zu

39 Prozent der Ackerbaubetriebe verzichten auf ihren Ackerflächen zumindest teilweise auf das Pflügen und setzen auf die konservierende Bodenbearbeitung, z. B. mit Grubbern oder Eggen. Diese reduzierte Form der Bodenbearbeitung wird auf gut 42 Prozent der Ackerfläche angewendet. Das sind gegenüber Angaben aus der Landwirtschaftszählung 2010 fast 3 Prozentpunkte mehr. Direktsaatverfahren ohne Bodenbearbeitung sind weiterhin kaum verbreitet (0,8 Prozent der Ackerfläche). Auf 93.900 Hektar wurde die Saat 2016 direkt in den unbearbeiteten Boden eingebracht (2010 146.300 Hektar, 1,3 Prozent).

Gute fachliche Praxis bei der landwirtschaftlichen Bodennutzung

  • Jegliche Bearbeitung soll die Verbesserung oder zumindest Erhaltung der Bodenstruktur ermöglichen.
  • Bodenverdichtungen, etwa durch zu intensives Befahren oder unsachgemäße Bearbeitung, sollen generell vermieden werden.
  • Bodenabtragung und damit der Verlust von fruchtbarem Boden soll durch eine standortangepasste Nutzung vermieden werden.
  • Naturbetonte Strukturelemente der Feldflur (Hecken, Feldgehölze, Feldraine und Ackerterrassen), die zum Schutz des Bodens notwendig sind, sollen erhalten bleiben.
  • Die biologische Aktivität des Bodens soll durch entsprechende Fruchtfolgegestaltung gefördert oder zumindest erhalten werden.
  • Der standorttypische Humusgehalt des Bodens soll erhalten werden.

Quelle: BZL

Bodenbearbeitung ist auch eine Frage der Betriebsgröße

Mit zunehmender Größe der Betriebe werden weniger intensive Bearbeitungsverfahren eingesetzt. Werden beispielsweise in Betrieben bis zu einer Fläche von 30 Hektar Ackerland 83 Prozent der Flächen mit Pflug bewirtschaftet, so setzen Betriebe mit einer Fläche ab 200 Hektar Ackerland nur auf 39 Prozent ihrer Flächen den Pflug ein. 

85 Prozent des Ackerlandes im Winter mit Bodenbedeckung – Mehr Zwischenfrüchte

Von den 11,3 Millionen Hektar Ackerland waren im Winter 2015/16 59 Prozent mit Winterkulturen wie Getreide bestellt. Weitere 26 Prozent der Ackerflächen waren mit Restbewuchs der vorangegangenen Kultur, Winterzwischenfrüchten oder mit nicht umgebrochenen Ackerbaukulturen bedeckt. Nur 15 Prozent der Ackerflächen waren im Winter 2015/16 ohne Bodenbedeckung. Sechs Jahre zuvor waren es entsprechend 19 Prozent.

1,3 Prozent der Wasserversorgung entfallen auf die landwirtschaftliche Beregnung

Deutschland ist ein wasserreiches Land. Potentiell stehen jährlich 188 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Grund-, Oberflächenwasser und Quellen zur Verfügung. Davon werden nach zuletzt für 2016 vorliegenden Angaben 24,4 Milliarden Kubikmeter genutzt (12,8 Prozent). Das für landwirtschaftliche Bewässerungszwecke eingesetzte Wasser macht davon nur 0,3 Milliarden Kubikmeter oder 1,3 Prozent aus.

Nur 2,7 Prozent der LF werden bewässert

Nach den Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 wurden im Jahr 2015 rund 452.000 Hektar bewässert. Das sind 2,7 Prozent der Gesamt-LF in 15.700 Betrieben (5,7 Prozent aller Betriebe). Mit 242.000 Hektar liegen die meisten Beregnungsflächen (54 Prozent) in Niedersachsen. Mit weitem Abstand folgen Nordrhein-Westfalen (33.000 ha), Bayern (28.000 ha), Brandenburg (24.000 ha) und Rheinland-Pfalz (23.000 ha). Rund zwei Drittel der Beregnungsflächen entfallen auf Getreide und Hackfrüchte (Kartoffeln und Zuckerrüben). 77 Prozent des Beregnungswassers kommen aus dem Grundwasser, wozu auch Quellwasser und Uferfiltrat zählen. Jeweils rund 11 Prozent stammen von Oberflächengewässern (Flüsse, Seen, Teiche) bzw. von öffentlichen und privaten Versorgungsnetzen.

Tierhaltung als Ausgangspunkt einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft

Die in der Gülle und dem Mist aus der Tierhaltung enthaltenen Nährstoffe werden in einer Kreislaufwirtschaft wieder dem Boden zugeführt. Zusätzlich zu den Nährstoffen enthalten Gülle und Mist organische Substanz wie vor allem Stroh, das als Ausgangsstoff für die Humusbildung im Boden dient und für viele Bodenlebewesen eine wichtige Nahrungsgrundlage darstellt. Je mehr Stickstoff zur Deckung des Bedarfs der landwirtschaftlichen Kulturen über wirtschaftseigene Dünger, wie Gülle oder Mist, genutzt werden kann, umso weniger sind Landwirte auf den Zukauf von Mineraldüngern angewiesen.

Trend: Gülleeinsatz effizienter und umweltschonender

Nach Daten der Agrarstrukturerhebung wurden 2015 in Deutschland rund 208 Millionen Kubikmeter Gülle als Dünger ausgebracht. Gegenüber 2010 sind das 17 Millionen Kubikmeter mehr. Allerdings hat sich die Zusammensetzung dieses flüssigen Wirtschaftsdüngers erheblich geändert, verbunden mit weniger Geruchsbelästigung, mehr Ressourceneffizienz und weniger Klimagasen. Die direkt ausgebrachte Rinder- und Schweinegülle ist gegenüber 2010 mit minus 5 bzw. 15 Prozent deutlich zurückgegangen. Dagegen haben sich die flüssigen Biogasgärreste auf 63 Millionen Kubikmeter mehr als verdoppelt. Mit der Vergärung von Gülle in Biogasanlagen werden die aus der Gülle austretenden Klimagase aufgefangen und zur Energieerzeugung genutzt. Erhebliche Mengen an energieintensiv hergestelltem Mineraldünger können dadurch ersetzt werden. Auch sind die Geruchsemissionen bei der Ausbringung von Gärresten in der Regel deutlich geringer.

Einsatz fester Wirtschaftsdünger deutlich rückläufig

Unter den festen Wirtschaftsdüngern werden vor allem Festmist, aber auch Geflügeltrockenkot und feste Biogas-Gärreste eingesetzt. Von den 24,0 Millionen Tonnen festen Wirtschaftsdüngern in 2015 entfielen 88 Prozent auf Festmist, 7 Prozent auf Biogas-Gärreste und 5 Prozent auf Geflügeltrockenkot. Mit Ausnahme der Biogas-Gärreste ist der Einsatz von festen Wirtschaftsdüngern insgesamt deutlich rückläufig, gegenüber 2010 minus 15 Prozent.

71 Prozent der Gülle werden sofort oder binnen einer Stunde eingearbeitet

Gülle verursacht nach dem Ausbringen auf landwirtschaftliche Flächen u. a. Ammoniakemissionen. Diese können durch eine zügige Einarbeitung in den Boden deutlich reduziert werden. 2015 wurden rund 29 Prozent der flüssigen Wirtschaftsdünger direkt eingearbeitet. Das ist nahezu doppelt so viel wie in 2010. Weitere 42 Prozent wurden 2015 innerhalb von einer Stunde in den Boden eingearbeitet, was in etwa einer Verdopplung im Fünfjahreszeitraum entspricht. Im Gegenzug dazu halbierte sich die Menge, deren Einarbeitung länger als eine Stunde benötigte, und zwar von 65 Prozent in 2010 auf 29 Prozent in 2015. Festmist wurde nach letztem Stand (2015) zu 66 Prozent binnen vier Stunden eingearbeitet.

Große Fortschritte beim Einsatz moderner Gülleausbringungstechnik

Die eingesetzte Technik hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Während 2010 69 Prozent der flüssigen Wirtschaftsdünger mit Breitverteilern ausgebracht wurden, hat sich deren Anteil an der Ausbringung fünf Jahre später bereits auf 55 Prozent reduziert. Emissionsarme Verfahren wie Schleppschuh, Injektionstechnik und Güllegrubber, bei denen die Dünger direkt in den Boden eingebracht werden, konnten ihren Anteil gegenüber 2010 auf rund 20 Prozent in 2015 mehr als verdoppeln. Damit werden Gerüche, Emissionen und Nährstoffverluste minimiert. Der schnellen Einarbeitung stehen häufig betriebliche Zwänge entgegen. Kleinere Betriebe verfügen seltener über kostspielige Spezialtechnik und können die zeitnahe Einarbeitung des Düngers auch aus arbeitswirtschaftlichen Gründen heraus nicht immer bewerkstelligen. Viele Landwirte nutzen hierfür Dienstleistungen von Lohnunternehmen und Maschinenringen.

Stabile bis positive Trends bei der Grundwasserqualität – Örtliche Probleme

Der Nitratbericht 2020 der Bundesregierung zeigt eine leichte Verbesserung der Grundwasserqualität auf. Es gibt mehr Grundwassermessstellen mit fallenden Nitratkonzentrationen als solche mit steigenden. Die Bewertung des chemischen Zustands der Grundwasserkörper erfolgt nach strengen Kriterien der Grundwasserverordnung. Danach verfehlt ein Grundwasserkörper bereits dann einen guten chemischen Zustand, wenn an nur 20 Prozent der Messstellen einer der Schwellenwerte, u.a. Nitrat, überschritten wird. Für Nitrat wird nach dem EUA-Messnetz deutschlandweit an 17 Prozent der Messstellen der Schwellenwert überschritten. Dies führt mit der Bewertung nach Grundwasserverordnung dazu, dass 26 Prozent der Grundwasserkörper im Hinblick auf Nitrat als im schlechten chemischen Zustand eingestuft werden. Dies entspricht 29 Prozent der Fläche Deutschlands. In vielen Bundesländern werden die Einzugsgebiete der Messstellen genauer geprüft, inwieweit die Messergebnisse mit der Landbewirtschaftung erklärbar sind.

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist deutlich zurückgegangen

Sichere und qualitativ hochwertige Ernten sind ohne biologische und/oder chemische Pflanzenschutzmittel kaum möglich. Ein Verzicht auf den Einsatz dieser Mittel führt zu einer Verringerung der Lebensmittelerzeugung, zu höheren Produktionskosten sowie zu höheren Gesundheits- und Hygienerisiken. Die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln unterliegt strikten gesetzlichen Vorgaben. Das europäische und das deutsche Pflanzenschutzrecht gewährleisten, dass nur Pflanzenschutzmittel in Verkehr gebracht werden, die auf ihre Umweltwirkungen geprüft wurden. Die Mittel müssen wirksam und schädliche Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt ausgeschlossen sein. Die Umweltprüfung erfolgt im Rahmen des Zulassungsverfahrens durch das Umweltbundesamt. Der Absatz an Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist auch im Jahr 2019 weiter gesunken. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die trockenen Witterungsverhältnisse.

Welche Messnetze gibt es für die Nitratüberwachung im Grundwasser?

Für Nitrat im Grundwasser gibt es unterschiedliche Messnetze. Das EU-Nitratmessnetz wird seit dem Nitratbericht 2016 verwendet und enthält aktuell 692 Messstellen. Die Messstellendichte beträgt dabei 1,9 Messstellen je 1.000 km². Das EU-Nitratmessnetz dient der Berichterstattung an die EU-Kommission zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie. Darüber hinaus ist das Nitratmessnetz Teil des mit 1.215 Messstellen größten Messnetzes für die Berichterstattung an die EU-Umweltagentur (EUA-Messnetz). Dieses EUA-Messnetz ist am repräsentativsten für Deutschland insgesamt mit einer Messstellendichte von 3,5 Messstellen je 1.000 km². Die Messstellendichte ist aber immer noch deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Für die Ausweisung der nitratsensiblen Gebiete nach der Düngeverordnung soll über eine Verwaltungsvorschrift des Bundes bis Ende 2020 sichergestellt werden, dass mindestens eine Messstelle je 50 km² vorhanden ist. Daneben besteht ein Messnetz zur Berichterstattung nach der Wasserrahmenrichtlinie mit knapp 7.200 Messstellen. Über die Lage der Messstellen für die Nitratberichte und die Wasserrahmenrichtlinie informiert eine Online-Karte (https://www.bauernverband.de/themendossiers/umwelt-artenschutz/
themendossier/nitratmessstellen-in-deutschland).