2.3 Klimaschutz
Situationsbericht 2020/21

2.3 Klimaschutz

Besondere Rolle der Landwirtschaft

Das Pariser Klimaschutzabkommen 2015 hat der Ernährungssicherung und Beendigung des Hungers eine „fundamentale Priorität“ zuerkannt. Klimaschutz und eine Anpassung an den Klimawandel sollen so erfolgen, dass die Lebensmittelproduktion nicht gefährdet wird. Dies auch vor dem Hintergrund, dass eine treibhausgasfreie Produktion von Lebensmitteln nicht möglich ist, da die Landwirtschaft mit natürlichen Prozessen wie Verdauung und Nährstoffversorgung arbeitet. Möglich ist eine Effizienzsteigerung. 2019 stammten 8,5 Prozent der deutschen Gesamtemissionen an Treibhausgasen aus der Landwirtschaft. 

Klimaschutz mit Landwirtschaft und Bioenergie

Durch den Einsatz von Bioenergie für Strom, Wärme und Kraftstoffe wurden 2019 rund 66 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden. Damit entspricht diese Vermeidungsleistung für andere Sektoren etwa 96 Prozent der Emissionen, die die Landwirtschaft selbst verursacht.

Landnutzungsänderungen und Kohlenstoffsenke

Die Nutzung von Böden als Acker oder Grünland sowie Umwandlungen von Acker- in Grünland oder umgekehrt führen zu Veränderungen des Gehalts an Bodenkohlenstoff. Damit werden Treibhausgase, hauptsächlich Kohlenstoffdioxid, fixiert oder freigesetzt. Ebenso tragen Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung zu Veränderungen im Kohlenstoffhaushalt bei und sind damit klimawirksam. Die Treibhausgasemissionen in diesen Bereichen werden als „Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forst“ erfasst und unter der international gebräuchlichen Bezeichnung LULUCF (Land Use, Land Use Change and Forestry) abgekürzt. 

Landwirtschaft: Methan und Lachgas in der Diskussion

Die Treibhausgasemissionen der deutschen Landwirtschaft von 68 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent bestehen zum größten Teil aus den Klimagasen Methan (CH4) und Lachgas (N2O) und nur zu einem kleinen Teil aus Kohlenstoffdioxid (CO2). Methan wird beispielsweise von Wiederkäuern bei der Verdauung produziert und Lachgas entsteht durch die Umsetzung von Stickstoffverbindungen im Boden. In der Bilanzierung von Treibhausgasen wird die Klimawirkung von Methan (CH4) mit dem 25-fachen und die von Lachgas (N2O) mit dem 298-fachen von CO2  ausgewiesen. Methan wird in der Atmosphäre mit Sauerstoff zu CO2 und Wasser abgebaut. Die Halbwertszeit von Methan in der Atmosphäre beträgt nach neueren Forschungen nur 12 Jahre und ist damit geringer als bisher angenommen. Wenn Wiederkäuer den Aufwuchs von Grünland nutzen, ist der CO2-Kreislauf mittelfristig geschlossen. Bleibt der Ausstoß von Methangasen aus der Tierhaltung konstant, löst dies keinen zusätzlichen Treibhausgaseffekt aus.

Klimabuchhaltung nach dem „Quellprinzip“

Vorleistungen für die Landwirtschaft wie die Düngemittel- und Pflanzenschutzmittelproduktion sowie alle nachgelagerten Bereiche wie zum Beispiel die Milch- und Fleischverarbeitung werden in der offiziellen Treibhausgasberichterstattung nicht bei der Landwirtschaft, sondern bei der Industrie oder dem verarbeitenden Gewerbe bilanziert. Die Treibhausgasminderungen, die die Land- und Forstwirtschaft durch Bioenergie erbringt, werden nicht der Land- und Forstwirtschaft, sondern dem Energie- und Verkehrssektor gutgeschrieben.

Neue Zuordnung der energetischen Emissionen aus der Landwirtschaft

Im deutschen Klimaschutzgesetz werden 6,0 Millionen Tonnen CO2-Emissionen aus Brenn- und Treibstoffen direkt dem Sektor Landwirtschaft zugeordnet (bisher Verkehr und Gebäude). Durch diese geänderte Statistik erklärt sich der höhere Anteil der Landwirtschaft an den Gesamtemissionen von 8,5 Prozent (ohne Energie entsprechend 7,7 Prozent).

Emissionen seit 1990 um 24 Prozent gesunken

Seit 1990 – dem Bezugsjahr des ersten Klimaschutzabkommens, des Kyoto-Protokolls – hat die deutsche Landwirtschaft die Treibhausgasemissionen bereits von rund 89,9 Mio. t CO2-Äquivalent auf 68,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent in 2019 gesenkt. Dies entspricht einer Reduzierung der Emissionen um 24 Prozent. In 2019 sind die landwirtschaftlichen Emissionen im Vergleich zum Vorjahr um gut 2 Prozent zurückgegangen.

Klimaeffiziente Landwirtschaft

Geringere Tierbestände verbunden mit Effizienzsteigerungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung haben dazu geführt, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt und gleichzeitig die Produktion gesteigert werden konnte. Die Landwirtschaft produziert heute mehr und belastet das Klima dabei deutlich weniger als noch 1990. 

Landwirtschaft im weltweiten Vergleich

Auch im internationalen Vergleich ist die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland besonders klimaschonend. Bei der Produktion von einem Liter Milch zum Beispiel werden durch die Entstehung von Methan in Deutschland ca. 1,1 kg CO2-Äquivalente freigesetzt. Das liegt deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 2,4 kg und ist weit entfernt von den Emissionswerten Afrikas und Asiens mit 7,5 beziehungsweise 3,5 kg CO2-Äquivalent je Liter Milch.

Ernährung taugt nur eingeschränkt zum Klimaschutz

Die Ernährung ist lebensnotwendig. Sie kann im Gegensatz zum Verkehr oder täglichen Konsum an Gebrauchsgegenständen nicht aufgegeben werden. Allerdings kann die Klimaeffizienz von Ernährung weiter verbessert werden. Etwa 15 Prozent der Klimaemissionen der Verbraucher gehen in Deutschland auf die Ernährung zurück. Oft wird das Potenzial der Ernährung für den Klimaschutz überschätzt, ebenso wie eine mögliche Umstellung von Ernährungsgewohnheiten. Die energiebedingten Emissionen übersteigen die Emissionen der Ernährung (inklusive Lebensmitteltransport) bei weitem.

Deutschland mit Klimaschutzgesetz 2030

Mit dem Klimaschutzgesetz werden verbindliche Ziele zur Minderung der Treibhausgasemissionen bis 2030 gesetzt. Ergänzend wurde im Herbst 2019 ein umfangreiches Förderpaket sowie die Einführung eines nationalen Emissionshandelssystems für Brenn- und Treibstoffe beschlossen. Aus den Einnahmen des Emissionshandels und aus Steuermitteln werden umfangreiche Fördermaßnahmen für den Klimaschutz finanziert, darunter auch für die Land- und Forstwirtschaft. Für den Agrar- und Forstsektor werden jährlich etwa 180 bis 215 Millionen Euro aus dem Energie- und Klimafonds bereitgestellt. Hinzu kommen weitere Haushaltsmittel in Höhe von jährlich 140 bis 170 Millionen Euro vor allem für die Forstwirtschaft.