3.3 Betriebe und Betriebsgrößen
Situationsbericht 2020/21

3.3 Betriebe und Betriebsgrößen

266.600 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland

In Deutschland gab es 2019 266.600 landwirtschaftliche Betriebe mit mehr als 5 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF), einschließlich 21.400 Betrieben mit weniger als 5 Hektar LF, die auf Grund ihrer Tierbestände oder von Spezialkulturen zu den berichtspflichtigen Betrieben gehören. Diese Betriebe bewirtschafteten 2019 rund 16,666 Millionen Hektar LF. Die durchschnittliche Flächenausstattung der landwirtschaftlichen Betriebe erreichte 2019 62,5 Hektar LF. Nach ersten Ergebnissen der amtlichen Statistik für 2020 ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um knapp 2 Prozent auf mit 262.000 Betrieben zurückgegangen.

Strukturwandel geht weiter

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm zwischen 2007 und 2019 um 55.000 auf 266.600 Betriebe ab. Das sind 17,1 Prozent weniger. Pro Jahr entspricht dies einer Abnahmerate von etwa 1,6 Prozent. Damit scheint sich der landwirtschaftliche Strukturwandel etwas verlangsamt zu haben. Denn in den Jahrzehnten zuvor lag die durchschnittliche jährliche Abnahmerate der Betriebe bei etwa 3 Prozent, was statistisch etwa alle 20 Jahre eine Halbierung der Zahl der Betriebe entspricht. Bei der augenscheinlich rückläufigen Abnahmerate ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Grenze der statistisch erfassten Betriebe auf 5 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche (LF) angehoben worden ist. Unter der Annahme, dass die Zahl der seit 2007 nicht mehr erfassten Betriebe seitdem um gut die Hälfte zurückgegangen ist, liegt die jährliche Abnahme der landwirtschaftlichen Betriebe in den letzten Jahren bei etwa 2,4 Prozent.

Wachstumsschwelle verschiebt sich nach oben

Die sogenannte Wachstumsschwelle, unterhalb derer die Zahl der Betriebe ab- und oberhalb derer die Zahl der Betriebe zunimmt, steigt kontinuierlich an. Die Zahl der Betriebe in den Größenklassen unter 100 Hektar LF nimmt ab. Die Zahl der Betriebe mit 100 Hektar und mehr hingegen nimmt zu, zwischen 2007 und 2019 bundesweit um 6.300 auf 38.100 Betriebe. Diese Betriebe bewirtschaften gut 61 Prozent der LF in Deutschland. Im Niveau der Wachstumsschwelle gibt es allerdings regional große Unterschiede. 

Regionale Unterschiede und betriebsspezifische Situationen

Bei regionaler Betrachtung wird ein Nord-Süd-Gefälle der Betriebsgrößen deutlich. Die Flächenausstattung allein lässt jedoch noch keine Aussage über die betriebliche Wettbewerbsfähigkeit zu, die auch bei geringerer Flächenausstattung etwa durch den Anbau von Sonderkulturen, besondere Vermarktungsformen bzw. durch eine intensive Tierhaltung gegeben sein kann.

Enormer Strukturwandel in der Tierhaltung

Das Statistische Bundesamt zählt im Halbjahresrhythmus die Viehbestände in Deutschland. Nach den Mai-Ergebnissen hält der starke Strukturwandel in der deutschen Nutztierhaltung auch in 2020 weiterhin an. 

Weniger Rinder, weniger Rinderhalter

Nach den Ergebnissen der Mai-Zählung 2020 lag die Zahl der in Deutschland gehaltenen Rinder bei rund 11,4 Millionen Stück. Damit ist der deutsche Rinderbestand gegenüber Mai 2019 weiter zurückgegangen (- 2,9 Prozent). Die Zahl der Rinderhalter verringerte sich auf 133.200 (- 2,1 Prozent). 

75 Prozent der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern

Der Anteil der Betriebe mit 100 und mehr Rindern liegt zwar nur bei gut 26 Prozent, sie halten aber drei Viertel aller Tiere (75 Prozent). Dabei treten deutliche regionale Unterschiede auf. Während in den östlichen Ländern der Anteil der Tiere in den Größenklassen ab 100 Rinder um die 90 Prozent liegt, werden in Süddeutschland etwa drei Fünftel der Rinder in Beständen mit 100 und mehr Rindern gehalten.

38 Prozent weniger Milchviehhalter binnen 10 Jahren

In 2020 ist die Zahl der Milchkuhhalter in Deutschland weiter stark zurückgegangen. Im Mai 2020 wurden 58.400 Milchviehhalter und damit im Jahresvergleich 4,5 Prozent weniger gezählt. Bereits in den Vorjahren war die Zahl der Milchviehhalter stark geschrumpft (- 5,6 Prozent in 2017, - 5,0 Prozent in 2018, - 4,5 Prozent in 2019). Damit hat sich die Zahl der Milchviehhalter in den vergangenen 10 Jahren um 38 Prozent verringert. Die Zahl der Milchkühe reduzierte sich gegenüber Mai 2019 um 2,4 Prozent auf 3,97 Millionen Tiere. Im 10 Jahresvergleich fällt das Tierbestandsminus mit 5,1 Prozent deutlich größer aus. 

Durchschnittlicher Bestand bei 68 Milchkühen

Durchschnittlicher Bestand bei 68 MilchkühenIm Bundesdurchschnitt hält ein Milchviehhalter 68 Milchkühe. Groß sind die regionalen Unterschiede. Die größten Herden befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Durchschnittsgrößen von 232 bzw. 235 Kühen. Relativ klein sind die durchschnittlichen Milchviehbestände in Bayern (42 Kühe), Baden-Württemberg und Hessen (jeweils 53 Kühe). 

56 Prozent der Milchkühe in Beständen mit 100 und mehr Milchkühen

In Beständen mit 100 und mehr Milchkühen – das sind fast 19 Prozent aller Milchviehhaltungen – standen im Mai 2020 rund 56 Prozent der deutschen Milchkühe. Die Anzahl der Milchviehhaltungen mit über 500 Milchkühen stieg 2020 auf 557. Deren Milchviehherden machen mit 459.200 Tieren fast 12 Prozent des deutschen Milchviehbestandes aus.

Etwas weniger Ammen- und Mutterkühe

Im Mai 2020 wurden in Deutschland 640.100 Ammen- und Mutterkühe gezählt. Damit ist der Bestand an Ammen- und Mutterkühen im Jahresvergleich um 1,9 Prozent zurückgegangen. Die Zahl ihrer Halter ist weiter leicht rückläufig (gegenüber 2019 - 0,3 Prozent). Die insgesamt 49.400 Ammen- und Mutterkuhhalter hielten zuletzt im Durchschnitt 13 Ammen- und Mutterkühe. Der Schwerpunkt dieser Art von Rinderhaltung liegt in Ostdeutschland, wo 39 Prozent aller deutschen Ammen- und Mutterkühe gehalten werden. Die meisten Ammen- und Mutterkühe werden mit rund 87.000 Tieren in Brandenburg gehalten. Der Durchschnittsbestand liegt dort bei 34 Ammen- und Mutterkühen.

Holstein-Schwarzbunt und Fleckvieh sind die dominierenden Rinderrassen

Die mit Abstand bedeutendsten Rinderrassen sind die Milchnutzungsrasse „Holstein-Schwarzbunt“ mit rund 4,54 Millionen Tieren, gefolgt von der Doppelnutzungsrasse „Fleckvieh“ mit rund 3,21 Millionen Tieren. Mit großem Abstand folgen Kreuzungstiere aus verschiedenen Fleischrinderrassen und die Milchnutzungsrasse „Holstein-Rotbunt“ mit 0,63 bzw. 0,51 Millionen Tieren. Bei der Viehzählung werden auch Büffel und Bisons erfasst. Davon gab es im Mai 2020 10.000 Tiere. Das Gesamtergebnis wird davon nicht beeinflusst.

Deutsche Schweineerzeugung weiter im Sinkflug

Nach den amtlichen Angaben der Agrarstatistik hat die Schweinehaltung in Deutschland offensichtlich ihren Zenit überschritten. Der seit 2015 bestehende Trend rückläufiger Bestände hat sich zuletzt weiter fortgesetzt. Der im Mai 2020 gezählte Bestand von 25,5 Millionen Schweinen fällt gegenüber den Boomjahren 2012 bis 2015 um fast 10 Prozent niedriger aus. Besonders stark ist der Rückgang der Sauenhaltung. Nach Befragungsergebnissen sehen die Landwirte einen wesentlichen Grund für diese starke Produktionseinschränkung in unsicheren gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Ferkelkastration, das Kupieren von Ferkelschwänzen sowie die Haltung der Sauen in Kastenständen betreffen. 

Immer weniger Schweinehalter

Zum Stichtag 3. Mai 2020 standen in deutschen Ställen rund 25,5 Millionen Schweine. Das sind gegenüber dem entsprechenden Vorjahreswert 1,8 Prozent oder 479.000 Tiere weniger. Gleichzeitig ging die Anzahl der Schweine haltenden Betriebe um 5,6 Prozent auf 20.400 Betriebe zurück. Bereits im Vorjahr schrumpfte die Zahl der Schweinehalter ebenso deutlich (- 5,7 Prozent). In der Viehzählung werden seit 2010 nur Betriebe erfasst, die mindestens 50 Schweine oder 10 Zuchtsauen halten. Seit 2010 sind die so definierten Schweinehalter um 39 Prozent oder 13.000 Betriebe zurückgegangen, während der Schweinebestand nur um 4 Prozent oder gut 1,0 Millionen Tiere niedriger ausfällt. Die Entwicklung zu größeren Beständen schreitet in der Schweinehaltung weiter voran. 79 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Schweine standen im Mai 2020 in den 8.500 Beständen mit 1.000 und mehr Schweinen. Der durchschnittliche Schweinebestand hat sich von 794 Schweinen in 2010 auf 1.249 Schweinen in 2020 erhöht (+ 57 Prozent).

Starke Schrumpfung der Sauenhaltung

Mit rund 1,776 Millionen Tieren wurden im Mai 2020 bundesweit etwas weniger Zuchtsauen gezählt als ein Jahr zuvor (- 1,6 Prozent). Die Zahl ihrer Halter ging besonders stark zurück, und zwar um rund 400 oder gut 5 Prozent auf 7.000. Seit 2010 und damit binnen 10 Jahren hat mehr als jeder zweite Sauenhalter seine Ferkelerzeugung eingestellt (- 56 Prozent). Die Zahl der gehaltenen Sauen hat sich im gleichen Zeitraum um 21 Prozent vermindert. Die Anzahl der gehaltenen Sauen pro Betrieb hat sich weiter erhöht, und zwar auf durchschnittlich 254 Tiere. 70 Prozent aller in Deutschland gehaltenen Sauen stehen in den rund 2.000 Beständen mit 250 und mehr Zuchtsauen.

Etwas weniger Schafe

Die Schafbestände werden von der amtlichen Statistik nur einmal im Jahr erfasst, und zwar im November. Im November 2019 wurden insgesamt 1,56 Millionen Schafe gezählt. Das ist ein Rückgang um 13.400 Tiere (- 0,9 Prozent) im Vergleich zum November 2018. Die Anzahl der Schafhalter ging dagegen im Jahresvergleich um gut 1 Prozent auf 9.400 zurück. Seit 2011 sind Schafhalter und Schafbestände um fast 10 bzw. gut 6 Prozent zurückgegangen. Rund 900 Betriebe halten 500 Schafe und mehr. Auf sie entfielen im November 2019 53 Prozent des Schafbestandes in Deutschland. In der jährlichen Stichtags-Viehzählung werden nur Betriebe erfasst, die mindestens 20 Schafe halten. 
Nach der Agrarstrukturerhebung dagegen werden auch Betriebe mit weniger als 20 Schafen erfasst, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Nach zuletzt vorliegenden Ergebnissen der Agrarstrukturerhebung 2016 gab es 19.600 Schafhalter mit 1,83 Millionen Schafen.
 

Treiber der Strukturentwicklung

  • Schwache Marktstellung Internationaler Wettbewerb
  • Technischer und züchterischer Fortschritt
  • Wirtschaftliche Größenvorteile
  • Gesetzlicher Regelungsdruck
  • Wachsende Kundenanforderungen
  • Kritische öffentliche Diskussion über Landwirtschaft

Quelle: Deutscher Bauernverband

Anteil viehloser Betriebe nimmt zu

Anders als bei den halbjährlichen bzw. jährlichen Viehzählungen werden in den alle drei Jahre durchgeführten Agrarstrukturerhebungen auch Betriebe mit Nutztieren erfasst, die unterhalb der statistischen Erfassungsgrenzen der Viehzählungen liegen. Das sind zum Beispiel Betriebe mit weniger als 50 Schweinen, soweit sie über andere Tierarten oder die Fläche zu den erhebungspflichtigen Betrieben gehören. Nach den zuletzt vorliegenden Ergebnissen der in 2016 durchgeführten Agrarstrukturerhebung (Stichtag 1. März 2016) wurden in 185.200 landwirtschaftlichen Betrieben Tiere gehalten. Das sind rund 67,2 Prozent aller Betriebe. In deren Ställen oder auf deren Weiden standen etwa 12,4 Millionen Rinder, 28,0 Millionen Schweine, 173,6 Millionen Stück Geflügel, 442.000 Pferde und Esel, 1,8 Millionen Schafe sowie 139.000 Ziegen. Im Vergleich zur Agrarstrukturerhebung 2007 ging die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe mit Tierhaltung relativ stark zurück, und zwar um etwa 53.200 Betriebe oder gut 22 Prozent (jährlich minus 2,8 Prozent). Der Anteil viehloser Betriebe ist deutlich angewachsen, von 27,7 Prozent in 2010 auf 30,1 Prozent in 2013 und dann auf 32,8 Prozent in 2016. Hinter diesen durchschnittlichen Entwicklungen für das Bundesgebiet stecken große regionale Unterschiede.