3.4 Betriebs- und Rechtsformen
Situationsbericht 2021/22

3.4 Betriebs- und Rechtsformen

Einzelunternehmen dominieren

Nach Rechtsformen betrachtet dominieren die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen, die in der Regel als Familienbetriebe geführt werden. Nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 zählen 87 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe Deutschlands zu den Einzelunternehmen und 11 Prozent zu den Personengesellschaften. 2 Prozent der Betriebe gehören zur Rechtsform der juristischen Personen (GmbH, Genossenschaft, AG).

Juristische Personen besonders in den neuen Bundesländern

Vor allem durch zahlreiche neu entstandene GmbHs ist die Zahl der juristischen Personen zwischen 2010 und 2020 von rund 5.100 auf rund 5.900 angestiegen (einschließlich juristische Personen des öffentlichen Rechts). In den neuen Bundesländern ist eine vergleichsweise hohe Zahl von 3.900 Kapitalgesellschaften, eingetragenen Genossenschaften und Aktiengesellschaften tätig. Im früheren Bundesgebiet haben 2.100 Unternehmen die Rechtsform einer juristischen Person gewählt. Von den juristischen Personen werden in Deutschland rund 17 Prozent der Landwirtschaftsfläche bewirtschaftet, Tendenz insgesamt leicht abnehmend. Während der Flächenanteil der Agrargenossenschaften deutlich rückläufig ist, nimmt der Bewirtschaftungsanteil der GmbHs kräftig zu. Juristische Personen bewirtschaften im Durchschnitt über 483 Hektar.

Starker Zuwachs bei den Personengesellschaften

Die Entscheidung, weiter ganz oder teilweise von der Landwirtschaft zu leben, ist auch von der Perspektive auf eine Hofnachfolge abhängig. Dies zeigt sich unter anderem in der Zunahme von Personengesellschaften; diese Rechtsform hatten knapp elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in der Landwirtschaftszählung 2020 angegeben. Insbesondere die Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR) verzeichneten eine starke Zunahme seit 2010. Sie sind ein beliebtes Instrument für die gemeinsame Wahrnehmung der Betriebsleitung durch Eltern und Kinder, bieten aber auch außerhalb der eigenen Familie die Möglichkeit, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Von den Personengesellschaften werden mittlerweile fast 21 Prozent der LF Deutschlands bewirtschaftet. 1999 und 2010 waren es noch entsprechend 12 und 16 Prozent. Die durchschnittliche Flächenausstattung der Personengesellschaften lag 2020 bei 119 Hektar. Von der ebenfalls stark gestiegenen Zahl der GmbHs werden mittlerweile 9 Prozent der Agrarfläche Deutschlands bewirtschaftet. Im Osten Deutschlands sind es sogar entsprechend 27 Prozent. Weitere 22 Prozent der Fläche befinden sich dort in der Bewirtschaftung von Agrargenossenschaften.

Nur noch knapp zwei Drittel der Fläche von Einzelunternehmen bewirtschaftet

Die Zahl der landwirtschaftlichen Einzelunternehmen in Deutschland und ihr Anteil an allen landwirtschaftlichen Betrieben ist im Zeitvergleich deutlich zurückgegangen. Die Einzelunternehmen stellen nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 zwar 87 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe, bewirtschaften aber nur 62 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. Zehn Jahre zuvor betrug ihr Bewirtschaftungsanteil noch 66 Prozent, zwei Jahrzehnte zuvor lag ihr Anteil sogar noch bei 70 Prozent. Die durchschnittliche Flächenausstattung lag 2020 bei 45 Hektar je Betrieb – wobei die Spanne von 31 bzw. 34 Hektar in Baden-Württemberg und Bayern bis 139 Hektar in Mecklenburg-Vorpommern reicht.

Betriebswirtschaftliche Ausrichtung beschreibt die Spezialisierung eines Betriebes

Die betriebswirtschaftliche Ausrichtung benennt den Schwerpunkt der landwirtschaftlichen Produktion. Entfallen in einem Betrieb mehr als zwei Drittel des Geldwerts der landwirtschaftlichen Erzeugnisse auf einen einzelnen Produktionszweig, zählt er zu den spezialisierten Betrieben, wobei zwischen den betriebswirtschaftlichen Ausrichtungen Ackerbau, Gartenbau, Dauerkulturen, Futterbau und Veredlung unterschieden wird. Betriebe, deren Produktion sich stärker auf mehrere Produktionszweige verteilt, werden als Verbundbetriebe bezeichnet.

Futter- und Ackerbau dominieren

Die häufigste betriebswirtschaftliche Ausrichtung war nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 in Deutschland mit rund 107.100 Betrieben der Futterbau, darunter gut 44.600 Betriebe mit dem Schwerpunkt Milchviehhaltung. Es folgt der Ackerbau mit 87.700 Betrieben. Rund 23.700 Betriebe waren Gartenbau- und Dauerkulturbetriebe, hierunter fällt z. B. auch der Weinbau. Futterbau und Ackerbau sind damit die dominierenden Produktionsschwerpunkte. Sie stellen zusammen 74 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe und erwirtschaften mit 25,3 Milliarden Euro mehr als die Hälfte (55 Prozent) des gesamten Standardoutputs der deutschen Landwirtschaft (46,5 Milliarden Euro). Der Standardoutput ist dabei der durchschnittliche Geldwert der landwirtschaftlichen Bruttoerzeugung, welcher durch die monetäre Bewertung von Flächen und Tieren der Betriebe ermittelt wird. Dazu werden die durchschnittlichen Erträge der Anbaufrüchte und aus der tierischen Erzeugung mit einem Durchschnittspreis multipliziert. Der Durchschnittspreis wird aus den regionalen Erlöspreisen der letzten fünf Jahre ermittelt.

Betriebswirtschaftliche Ausrichtungen in den Bundesländern

In den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern dominieren die Futterbaubetriebe mit einem Anteil von rund 34 bzw. 53 Prozent am Standardoutput. Demgegenüber nehmen im Nordosten Deutschlands die Ackerbaubetriebe eine bedeutsame Stellung ein: Auf sie entfallen in Mecklenburg-Vorpommern rund 37 Prozent und in Sachsen-Anhalt rund 38 Prozent des landesweiten Standardoutputs. Im Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen tragen die Veredlungsbetriebe neben dem in ähnlichem Maße bedeutenden Futterbau mit rund 29 Prozent bzw. rund 30 Prozent zum jeweiligen landesweiten Standardoutput bei. Veredlungsbetriebe sind solche, die ihren Standardoutput zu mehr als zwei Dritteln aus der Zucht bzw. Mast von Schweinen und/oder Geflügel generieren. Erwartungsgemäß ist im Südwesten der Weinbau bedeutend für die wirtschaftliche Stärke der Landwirtschaft, dies wird am beachtlichen Anteil der Dauerkulturen in Rheinland-Pfalz von rund 41 Prozent des landesweiten Standardoutputs deutlich. Bezogen auf die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist die Wertschöpfung bei den Gartenbaubetrieben mit 49.900 Euro je Hektar am größten, die geringste Wertschöpfung haben die Ackerbaubetriebe mit 1.500 Euro je Hektar.

Anteil der Nebenerwerbsbetriebe steigt stark

Die landwirtschaftlichen Einzelunternehmen können nach ihrem Erwerbscharakter unterschieden werden. Aufgrund des Verhältnisses von betrieblichem Einkommen und dem Einkommen aus außerbetrieblichen Quellen erfolgt die Zuordnung: Die Haupterwerbsbetriebe beziehen mehr als 50 Prozent ihres Einkommens aus dem landwirtschaftlichen Betrieb, die Nebenerwerbsbetriebe weniger als 50 Prozent. Nach dieser Definition werden nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 mittlerweile 57 Prozent der Einzelunternehmen im Nebenerwerb und 43 Prozent im Haupterwerb geführt. 2010 lagen die Anteile noch bei jeweils 50 Prozent. In Baden-Württemberg, Hessen, Saarland und Sachsen liegt der Anteil der Einzelunternehmen im Nebenerwerb bei rund zwei Drittel. Im Vergleich zu 2010 ist der Anteil der Nebenerwerbsbetriebe in allen Bundesländern deutlich angestiegen. Diese Entwicklung geht einher mit der relativ stark abnehmenden Zahl Vieh haltender Betriebe.

Flächenausstattung sehr unterschiedlich

Der Nebenerwerb kann sowohl Übergangsstadium als auch stabile Form einzelbetrieblicher Entwicklungen sein. Die im Nebenerwerb geführten Familienbetriebe bewirtschaften gut 2,9 Millionen Hektar LF – das sind durchschnittlich 25 Hektar je Betrieb. Die im Haupterwerb geführten Betriebe bewirtschaften mit durchschnittlich 72 Hektar eine fast dreimal größere LF als die Nebenerwerbsbetriebe. Dabei haben die Haupterwerbsbetriebe der neuen Bundesländer eine höhere durchschnittliche Flächenausstattung als die Betriebe im früheren Bundesgebiet. Sie sind beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern durchschnittlich rund dreimal so groß wie im Bundesdurchschnitt (244 Hektar zu 72 Hektar).

Hofnachfolge bei vielen Familienbetrieben offen

Ist die Hofnachfolge gesichert? Das wurden bei der Landwirtschaftszählung 2020 explizit Inhaber landwirtschaftlicher Einzelunternehmen gefragt, die mindestens 55 Jahre alt waren; 2020 war das bei etwa 110.000 Betrieben der Fall. Andere Unternehmensformen, beispielsweise GbR, die Familien für den Übergabeprozess gründen, sind dabei nicht berücksichtigt. Bei gut 40.200 Betrieben, rund 37 Prozent der Einzelunternehmen, war die Hofnachfolge gesichert. Mit etwa 36 Prozent lag der Anteil bei der Erhebung im Jahr 2010 ähnlich hoch. Allerdings waren damals nur 31 Prozent der Betriebsinhaber von Einzelunternehmen 55 Jahre und älter, 2020 sind es 48 Prozent. Der Anteil der Betriebe, in denen die Nachfolge geregelt ist, variiert in den Bundesländern: In Rheinland-Pfalz und im Saarland ist es etwa ein Viertel, in Bayern und Nordrhein-Westfalen sind es über 40 Prozent. Dabei stellen Männer die große Mehrheit der künftigen Hofnachfolger dar. Etwa 18 Prozent der Betriebe werden Frauen übernehmen: Der Frauenanteil bei der Hofnachfolge ist damit seit der Landwirtschaftszählung 2010 um vier Prozentpunkte gestiegen.

Von vielen Faktoren abhängig

Die Hofnachfolge ist in Haupterwerbsbetrieben deutlich häufiger gesichert als in Nebenerwerbsbetrieben. Nur 33 Prozent der Betriebsinhaber von Nebenerwerbsbetrieben im Alter ab 55 Jahren hatten 2020 Nachfolger, bei den Haupterwerbsbetrieben waren es 41 Prozent. Im Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010 haben sich die Unterschiede zwischen Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben verringert. Damals war die Hofnachfolgefrage in den Nebenerwerbsbetrieben nur zu 29 Prozent geklärt, bei den Haupterwerbsbetrieben aber zu 43 Prozent. Die Nachfolge hängt auch von den Standortverhältnissen, der Marktnähe und der Betriebsgröße ab. So ist die Hofnachfolge offenbar eher bei größeren Betrieben geregelt. 59 Prozent der Betriebsinhaber von Einzelunternehmen mit 100 Hektar und mehr gehen von einer gesicherten Hofnachfolge aus. Die durchschnittliche Größe der Höfe mit gesicherter Nachfolge liegt bei 57 Hektar, die derjenigen mit ungesicherter Nachfolge bei 33 Hektar.

Auch die betriebliche Ausrichtung spielt eine Rolle

Unterschiede weisen die Zahlen auch im Hinblick auf die betriebswirtschaftliche Ausrichtung auf: Weniger als ein Viertel der Betriebsinhaber von Dauerkultur- und Gartenbaubetrieben im Alter von mindestens 55 Jahren gibt eine gesicherte Hofnachfolge an. Unterdurchschnittlich ist dieser Anteil mit 35 Prozent auch in den Ackerbaubetrieben. Die Futterbaubetriebe liegen mit etwa 38 Prozent geringfügig über dem Durchschnitt. Mit 53 Prozent überdurchschnittlich oft ist die Frage der Hofnachfolge dagegen in den Veredlungsbetrieben geklärt. Allerdings ist diese Zahl etwas zu relativieren: Der Befragungszeitpunkt lag vor der Corona-Pandemie und es gab damals aus Sicht der Erzeuger ein wesentlich positiveres Marktumfeld als in der Zeit danach.

Wer nachfolgt

In den Einzelunternehmen, deren über 55-jährige Betriebsinhaber die Hofnachfolge bereits gesichert haben, waren zum Zeitpunkt der Befragung 26 Prozent der Nachfolger jünger als 25 Jahre. 52 Prozent entfallen auf die Altersgruppe von 25 bis 35 Jahre; 22 Prozent sind 35 Jahre und älter. Im Vergleich zu 2010 sind die designierten Hofnachfolger damit älter geworden: Bei der damaligen Landwirtschaftszählung waren noch 29 Prozent jünger als 25 Jahre und nur 18 Prozent 35 Jahre und älter.

Bindung an den Hof

Im Rahmen des Konjunkturbarometer Agrar hat die Landwirtschaftliche Rentenbank im Jahr 2018 rund 800 von Familien geführte landwirtschaftliche Unternehmen zur Hofnachfolge befragen lassen. Auf die Frage „Wie oft wurde Ihr Betrieb schon in der Familie an die nachfolgende Generation weitergegeben?“ gab fast die Hälfte der befragten Betriebsleiter an, ihn mindestens in der vierten Generation zu bewirtschaften. Im Durchschnitt wurden die Betriebe an fünf Generationen weitergegeben. Etwa die Hälfte der Befragten fühlte sich der Familie oder der Tradition des Hofes wegen verpflichtet, den Betrieb zu übernehmen – im Süden Deutschlands mehr, im Norden und insbesondere im Osten Deutschlands weniger. Die andere Hälfte gab an, dieses Pflichtgefühl kaum oder gar nicht zu haben.

Einkommenskombination als Strategie

Laut der Landwirtschaftszählung erzielte 2020 die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Einnahmen aus landwirtschaftsnahen Tätigkeiten als Ergänzung zur Primärproduktion. Unter diesen rund 130.800 landwirtschaftlichen Betrieben waren viele mit einer oder mehreren rechtlich ausgelagerten Einkommenskombinationen. Gegenüber 2010 ist der Anteil der Betriebe mit Einkommenskombinationen stark angestiegen.

Erzeugung von erneuerbaren Energien ein besonders wichtiges Einkommensstandbein

Bei der Landwirtschaftszählung 2020 wurden zwölf zusätzliche Einkommensquellen der landwirtschaftlichen und rechtlich ausgelagerten Betriebe erfasst. Die vorherrschende – neben der eigentlichen landwirtschaftlichen Produktion – zusätzliche Einkommensquelle war die Erzeugung erneuerbarer Energien. Von den rund 130.800 landwirtschaftlichen Betrieben mit zusätzlichen Einkommensquellen gaben 47 Prozent die Erzeugung erneuerbarer Energien als weiteres betriebliches Standbein an. Darauf folgt die Forstwirtschaft mit 29 Prozent, die in engem Zusammenhang mit der Be- und Verarbeitung von Holz (11 Prozent) steht. An dritter Stelle mit 25 Prozent wird die Übernahme von Arbeiten wie Feldarbeiten für andere landwirtschaftliche Betriebe genannt. Mit etwas Abstand folgen die Verarbeitung und Direktvermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse (17 Prozent) sowie die Pensions- und Reitpferdehaltung mit 13 Prozent. Ein landwirtschaftlicher Betrieb kann mehrere zusätzliche Einkommensquellen haben.

Starker Trend zu zusätzlichen Geschäftsbereichen

In den 130.800 Betrieben mit landwirtschaftsnahen Einkommenskombinationen sind in der Landwirtschaftszählung 2020 erstmalig auch landwirtschaftsnahe Einkommenskombinationen aus rechtlich ausgelagerten Betrieben enthalten. Ohne Berücksichtigung dieser rechtlich ausgelagerten Betriebe hatten 2020 110.600 landwirtschaftliche Betriebe auf mindestens eine landwirtschaftsnahe Einkommensquelle zurückgegriffen. Das sind 42 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland. Im Jahr 2010 lag der entsprechende Anteil noch bei 33 Prozent und damit neun Prozentpunkte niedriger als im Jahr 2020. Für knapp ein Viertel dieser Betriebe stellen die landwirtschaftsnahen Aktivitäten mehr als 50 Prozent des Erwerbseinkommens. Der Produktionswert derartiger Erwerbsaktivitäten wird für 2020 auf 3,4 Milliarden Euro geschätzt.