3.5 Arbeitskräfte und Auszubildende
Situationsbericht 2021/22

3.5 Arbeitskräfte und Auszubildende

Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft weiter rückläufig

Nach den repräsentativen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 waren in Deutschland rund 938.000 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig. Gegenüber der Landwirtschaftszählung 2010 entspricht dies einem Rückgang von 13 Prozent. Im gleichen Zeitraum ging die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe um gut 12 Prozent zurück. Infolgedessen blieb die durchschnittliche Anzahl von 3,6 Arbeitskräften pro Betrieb gegenüber dem Jahr 2010 nahezu stabil. Dagegen hat sich die Zahl der Arbeitskräfte je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche von 6,6 Arbeitskräften im Jahr 2010 auf 5,6 Arbeitskräfte in 2020 verringert. Diese Entwicklung ist insbesondere auf die wachsenden Betriebsgrößen, die weiter voranschreitende Technisierung und die dadurch bedingten Effizienz- und Produktivitätssteigerungen zurückzuführen.

Arbeitskräfte und Erwerbstätige

Die Statistiken über die in der Landwirtschaft tätigen Personen gehen auf unterschiedliche Erhebungen zurück:

• Arbeitskräfte werden in der Agrarstrukturerhebung bzw. Landwirtschaftszählung erhoben. Diese werden nach dem Grad der Beschäftigung (Vollzeit/Teilzeit) erhoben und auch nach Arbeitskraft-Einheiten (AKE) ausgewertet.

• Erwerbstätige werden in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nach ihrer Haupterwerbstätigkeit erfasst und den Wirtschaftszweigen zugeordnet.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Arbeitskräftebesatz geht auf 2,9 AK-Einheiten je 100 Hektar zurück

Nicht alle Arbeitskräfte arbeiten in Vollzeit. Deshalb wird die Maßzahl Arbeitskräfteeinheit (AKE) berechnet, die die Teilzeitbeschäftigung auf Vollzeitäquivalente wiedergibt. Die betriebliche Arbeitsleistung belief sich 2020 auf insgesamt 485.000 AK-Einheiten. Gegenüber 2010 entspricht dies einem Rückgang von gut 11 Prozent. Üblicherweise werden Arbeitskräfteeinheiten je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche ausgewiesen, daraus ergibt sich der Arbeitskräftebesatz. Im Jahr 2020 lag der Arbeitskräftebesatz in der deutschen Landwirtschaft bei 2,9 Vollzeitäquivalenten je 100 Hektar. Zehn Jahre zuvor lag er noch entsprechend bei 3,3. Beim Einsatz von Arbeitskräften gibt es deutliche regionale Unterschiede. Die Spanne liegt zwischen einem Arbeitskräftebesatz von 1,2 je 100 Hektar in den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt und 4,7 je 100 Hektar im Sonderkultur intensiven Rheinland-Pfalz.

Knapp die Hälfte sind Familienarbeitskräfte

Die Landwirtschaft ist ein Wirtschaftsbereich, in dem die Arbeit zum größten Teil von Unternehmern und ihren Familienangehörigen geleistet wird. Von den 937.900 Arbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft waren nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 434.400 Familienarbeitskräfte (46 Prozent aller Arbeitskräfte). Hinzu kommen 228.900 ständig angestellte ständige Arbeitskräfte und rund 274.700 Saisonarbeitskräfte.

Rückgang der Familienarbeitskräfte – Anstieg der angestellten Arbeitskräfte

Während die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte zwischen 2010 und 2020 um 13 Prozent zurückging, schrumpfte die Zahl der Familienarbeitskräfte sogar um 22 Prozent. Dagegen stieg die Zahl der ständig beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer um 19 Prozent. Die von externen Dienstleistern wie Lohnunternehmen und Maschinenringe erledigten Arbeiten und die dazu benötigten Arbeitskräfte sind darin nicht enthalten. Diese externen Dienstleistungen nehmen tendenziell zu.

Beschäftigungsstruktur regional unterschiedlich

Regionale Unterschiede in den Betriebsstrukturen spiegeln sich in der Beschäftigtenstruktur wider: Auch in 2020 überwogen in den westlichen Bundesländern die in Einzelunternehmen tätigen Familienarbeitskräfte mit rund 408.600 Personen. Das sind 51 Prozent aller Arbeitskräfte in Westdeutschland. 19 Prozent der in der Landwirtschaft tätigen Personen zählten hier zu den ständig angestellten Arbeitskräften und 30 Prozent waren Saisonarbeitskräfte. In Ostdeutschland dominieren aufgrund der Vielzahl von Personengesellschaften und juristischen Personen die ständig angestellten Arbeitskräfte. Von den insgesamt 135.000 Arbeitskräften in Ostdeutschland zählten 2020 55 Prozent zu den ständig angestellten Arbeitskräften, 19 Prozent zu den Familienarbeitskräften und 26 Prozent zu den Saisonarbeitskräften.

Saisonale Beschäftigung von großer Bedeutung

Knapp ein Drittel (29 Prozent) der Arbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft sind Saisonarbeitende. Hierbei handelt es sich um Arbeitskräfte mit einem auf weniger als sechs Monate befristeten Arbeitsvertrag. Sie sind überwiegend als Erntehelferinnen und -helfer beschäftigt. Ihr Anteil schwankt zwischen 11 Prozent im Saarland und 50 Prozent in Rheinland-Pfalz. Von den in 2020 gezählten 274.700 Saisonarbeitskräften in der deutschen Landwirtschaft sind nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) etwa 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien deutlich gestiegen. Von den ausländischen Saisonarbeitskräften stammen nach Einschätzung des GFLA etwa 65 Prozent aus Rumänien, 30 Prozent aus Polen und der Rest aus anderen osteuropäischen Staaten (vorwiegend Bulgarien, Baltikum sowie Studenten aus der Ukraine).

Mehr als zwei Drittel der Arbeitskräfte in Teilzeit beschäftigt

In den landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten im Jahresdurchschnitt 29 Prozent der Beschäftigten in Vollzeit. Der hohe Anteil von 71 Prozent in Teilzeitbeschäftigung resultiert vor allem aus der hohen Zahl an befristet angestellten Saisonarbeitskräften und den Personen der Nebenerwerbsbetriebe. Von den Familienarbeitskräften waren 2020 34 Prozent mit betrieblichen Tätigkeiten vollbeschäftigt; bei den ständig angestellten Arbeitskräften waren es 55 Prozent. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt die Vollbeschäftigung deutlich an. Die Unterscheidung in Haupt- und Nebenerwerb zeigt: Während von den 227.500 Familienarbeitskräften in Nebenerwerbsbetrieben lediglich 12 Prozent vollbeschäftigt sind, liegt der entsprechende Anteil bei den 206.900 Familienarbeitskräften in Haupterwerbsbetrieben bei 58 Prozent.

Frauenanteil in der deutschen Landwirtschaft bei gut einem Drittel

Jede dritte (36 Prozent) in den landwirtschaftlichen Betrieben Deutschlands tätige Arbeitskraft war 2020 eine Frau. Zehn Jahre zuvor lag der Anteil der weiblichen Arbeitskräfte etwas höher bei 38 Prozent. Der niedrigste Frauenanteil in den Flächenländern ist mit 28 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern festzustellen. Der höchste Wert mit 38 Prozent wurde im Bundesland Nordrhein-Westfalen ermittelt. In den Einzelunternehmen liegt der Frauenanteil mit 36 Prozent im Bundesdurchschnitt. Jedoch sind in den im Haupterwerb geführten Betrieben mit 38 Prozent anteilmäßig mehr Frauen tätig als in den Nebenerwerbsbetrieben mit 32 Prozent. Während der Frauenanteil bei den Familienarbeitskräften (33 Prozent) und den ständig Beschäftigten (32 Prozent) unterdurchschnittlich ausfällt, liegt er mit 43 Prozent bei den Saisonarbeitskräften wesentlich höher. Insgesamt standen 2020 602.600 männlichen Arbeitskräften 335.400 weibliche Arbeitskräfte gegenüber.

Anteil weiblicher Führungskräfte relativ gering – Tendenz aber steigend

Landwirtschaftliche Betriebe werden überwiegend von Männern geleitet. Deutschlandweit werden 89 Prozent der 262.800 landwirtschaftlichen Betriebe von Männern geleitet. Von Frauen werden gut 28.400 Betriebe oder 11 Prozent aller Betriebe geleitet. Im Vergleich zur Landwirtschaftszählung 2010 hat sich der Anteil der leitenden Frauen um gut 2 Prozentpunkte erhöht. Brandenburg hat mit 18 Prozent den höchsten Frauenanteil an den Geschäftsführungen, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen mit jeweils 17 Prozent. Den niedrigsten Betriebsleiterinnenanteil weist Bayern mit 9 Prozent aus. Der Frauenanteil unter den Führungskräften in der deutschen Wirtschaft liegt bei gut 29 Prozent. Zu den Führungspositionen zählen Vorstände und Geschäftsführerinnen/Geschäftsführer sowie Führungskräfte in Handel, Produktion und Dienstleistungen. Der weibliche Anteil an allen Erwerbstätigen lag 2020 bei 47 Prozent.

Hoher Ausbildungsstand

67 Prozent der Geschäftsführungen oder Betriebsleitungen landwirtschaftlicher Betriebe in Deutschland verfügen über einen Bildungsabschluss im Bereich Landwirtschaft bzw. Gartenbau. Das sind 175.500 Betriebsleiter/innen. Davon hatten knapp 50 Prozent eine berufliche Lehre, eine Berufsschule oder eine einjährige Fachschule und 36 Prozent eine Fortbildung zum Meister oder eine höhere Landbauschule absolviert; knapp 14 Prozent verfügten über ein abgeschlossenes Hochschulstudium. In größeren Betrieben haben fast alle Betriebsleiter/Geschäftsführer eine abgeschlossene landwirtschaftliche Berufsausbildung. Auch in Haupterwerbsbetrieben, Personengesellschaften und juristischen Personen ist der landwirtschaftliche Ausbildungsgrad mit 85 Prozent relativ hoch. Über ausschließlich praktische landwirtschaftliche Erfahrungen verfügten bundesweit 33 Prozent der Geschäftsführungen und Betriebsleitungen. Dieser Anteil variiert zwischen 22 Prozent in Sachsen-Anhalt und 47 Prozent in Hessen. In den Nebenerwerbsbetrieben besitzen 52 Prozent der Geschäftsführungen und Betriebsleitungen ausschließlich praktische landwirtschaftliche Erfahrungen, ohne eine spezielle landwirtschaftliche Berufsausbildung abgeschlossen zu haben.

2,0 Millionen Menschen sind mit der Landwirtschaft besonders eng verbunden

Die landwirtschaftlichen Betriebe sind nicht nur Arbeitsplatz und Erwerbsquelle, sondern auch gleichzeitig Wohn- und Lebensraum. In Deutschland wirtschaften oder leben etwa 900.000 Personen als Betriebsinhaber und Familienangehörige auf den landwirtschaftlichen Betrieben. Hinzu kommen weitere 1,1 Millionen Personen, die als angestellte Arbeits-/Saisonarbeitskräfte zusammen mit ihren Familienangehörigen mit dem landwirtschaftlichen Umfeld besonders eng verbunden sind.

Gut ein Drittel der Landwirte ist älter als 55 Jahre

Von der Altersstruktur her sind die Erwerbstätigen in der Landwirtschaft im Vergleich zur übrigen Erwerbsbevölkerung deutlich älter. Während in der Landwirtschaft 36 Prozent aller Erwerbstätigen älter als 55 Jahre sind, beträgt der entsprechende Anteil in der übrigen Erwerbsbevölkerung 24 Prozent. Die Altersstruktur der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft deutet damit auf einen weiteren strukturellen Wandel hin. Im europäischen Vergleich zählen die deutschen Landwirte allerdings zu den jüngeren.

Anteil der älteren Betriebsinhaber hat deutlich zugenommen

Aber nicht nur die Altersstruktur der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft deutet auf einen weiteren strukturellen Wandel hin. Vor allem hat der Anteil der älteren Betriebsinhaber im Zeitvergleich stark zugenommen. Das zeigen Ergebnisse der Landwirtschaftszählungen 2010 und 2020. Waren 2010 32 Prozent aller Betriebsinhaber/innen 55 Jahre und älter, so ist dieser Anteil bis 2020 auf 47 Prozent angestiegen. Andererseits ist der Anteil jüngerer Betriebsinhaber (unter 45 Jahre) von 32 auf 24 Prozent zurückgegangen.

Relativ stabile Zahlen in den landwirtschaftlichen Ausbildungsberufen

Rund 32.500 junge Männer und Frauen erlernten zum Stand 31. Dezember 2020 einen „grünen“ Beruf. Das waren geringfügig mehr als im Vorjahr (+ 0,4 Prozent). Nach wie vor ist der Beruf Gärtner/in mit 13.400 Auszubildenden der mit Abstand bedeutendste unter den „grünen“ Berufen, gefolgt vom Beruf Landwirt/in mit 8.500 Personen. Das waren gegenüber Vorjahresfrist 2,4 Prozent weniger. Zu den 14 „grünen Berufen“ gehören neben dem Landwirt und dem Gärtner auch die Ausbildungsberufe Hauswirtschafterin, Winzer oder Tierwirt.

Weniger Ausbildungsverträge in der deutschen Wirtschaft, aber nicht bei den agrarwirtschaftlichen Berufen

Die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in der Gesamtwirtschaft ist in 2020 mit 1,289 Millionen gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent geringer ausgefallen. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging in dem Corona-Jahr 2020 sogar um 11,0 Prozent zurück. In den agrarwirtschaftlichen Berufen kamen dagegen mit 13.400 Abschlüssen im Jahresvergleich deutlich mehr neue Ausbildungsverträge zustande (+ 3,5 Prozent).

Nur 24 Prozent der „grünen“ Azubis sind Frauen

Von den Auszubildenden im Agrarbereich waren 2020 insgesamt 7.632 Frauen (24 Prozent). Ihr Anteil hat sich in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert. Die höchsten Frauenanteile gibt es in der ländlichen Hauswirtschaft, in den Laborantenberufen und im Beruf Pferdewirt/in. Beim Ausbildungsberuf Landwirt/in sind dagegen nur 19 Prozent Frauen. Allerdings ist die Tendenz steigend.