3.7 Forstwirtschaft
Situationsbericht 2020/21

3.7 Forstwirtschaft

Knapp ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald

Der Wald übernimmt wichtige Funktionen. Er reinigt die Luft, produziert Sauerstoff, sorgt für Trinkwasser und ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. Im dicht besiedelten Deutschland bietet er Raum für Erholung und Naturerlebnis. Nicht zuletzt liefert der Wald den bedeutendsten nachwachsenden Rohstoff: Holz. Er leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum. Rund 11,4 Millionen Hektar, 32 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands, sind mit Wald bedeckt. Regional schwankt der Bewaldungsanteil stark, zwischen 3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 64 Prozent im Landkreis Regen (Bayern). Seit 1990 hat die Waldfläche in Deutschland um rund 100.000 Hektar zugenommen. 47 Prozent der Wälder sind Landschaftsschutzgebiete. Nicht zum Wald zählen nach dem Bundeswaldgesetz Kurzumtriebsplantagen (KUP), Agroforstwirtschaft sowie in der Flur oder im bebauten Gebiet gelegene kleinere Flächen, die mit einzelnen Baumgruppen, Baumreihen oder mit Hecken bestockt sind oder als Baumschulen verwendet werden. 

Wald als Wirtschaftsfaktor

Als Lieferant der nachwachsenden Ressource „Holz“ wird der Wald seit jeher wirtschaftlich genutzt – sei es als Bau- und Brennmaterial oder für Möbel und Spielzeug. Die deutschen Wälder sind weit überwiegend sogenannte Wirtschaftswälder. Das dem Bundeslandwirtschaftsministerium nachgeordnete Thünen-Institut schätzt, dass demgegenüber rund 5,6 Prozent der Waldfläche nutzungsfrei sind. Der Wald bietet Einkommen für rund zwei Millionen Waldbesitzer. Rund 122.000 Unternehmen der Branche Forst und Holz beschäftigen 1,1 Millionen Menschen – hauptsächlich in den ländlichen Räumen. Die Branche erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 184 Milliarden Euro und eine Bruttowertschöpfung von 57 Milliarden Euro (1,9 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland).

Wald mit seinen vielfältigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen

Wald und die Verwendung von Holzprodukten entlasten die Atmosphäre jedes Jahr um mehr als 127 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Das entspricht 14 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen. Denn der Wald speichert Kohlenstoffdioxid im Holz und im Boden. Zu den Nutzfunktionen des Waldes gehören auch die Reinhaltung der Luft, die Leistungen zum Wasserhaushalt, zur Bodenfruchtbarkeit, zur Biodiversität, zum Landschaftsbild und zur Erholung der Bevölkerung. Zwei Drittel der Bevölkerung nutzen den Wald für Freizeit und Erholung.

Knapp die Hälfte des deutschen Waldes ist Privatwald

Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 48 Prozent Privatwald. 29 Prozent sind Staatswald der Länder. 19 Prozent gehören Körperschaften wie etwa Kommunen oder auch Berufsgenossenschaften. Vier Prozent des Waldes sind Bundeswald. Dabei bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Der Anteil des Privatwaldes reicht von 24 Prozent in Hessen bis 67 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Er überwiegt häufig in den dünner besiedelten ländlichen Regionen. Der Staatswaldanteil liegt zwischen 17 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 50 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Der Körperschaftswald hat in Rheinland-Pfalz einen Anteil von 46 Prozent, in Brandenburg etwa 7 Prozent, in Niedersachen und Sachsen-Anhalt rund 9 Prozent. 

2 Millionen Privatwaldbesitzer

Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend kleinstrukturiert, teilweise zersplittert. Die Zahl der privaten Waldeigentümer in Deutschland wird auf 2 Millionen geschätzt. Die Eigentümer kleiner Waldflächen sind oftmals wegen räumlicher Distanzen, urbaner Lebensweise oder ihrer beruflichen Tätigkeiten kaum noch mit den Erfordernissen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung vertraut. Zudem sind die finanziellen Erträge aus der Waldbewirtschaftung an den Gesamteinkünften des Eigentümers oftmals gering. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche entfällt auf Betriebe mit weniger als 20 Hektar. Nur 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben mit einer Größe über 1.000 Hektar. 

Kleinwaldbesitz mit besonderen Herausforderungen

Klein- und Kleinstprivatwaldeigentümer werden durch forstwirtschaftliche Beratung und Betreuung von staatlichen Forsteinrichtungen und privaten Forstbetriebsgemeinschaften als Selbsthilfeeinrichtungen unterstützt. In Deutschland gibt es rund 3.600 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse mit 430.000 Waldbesitzern, die zusammen ca. 3,5 Millionen Hektar Wald betreuen, um den spezifischen Nachteilen der zersplitterten Besitzstrukturen besser begegnen zu können.

Landwirte bewirtschaften 1,4 Millionen Hektar Wald

Nach Ergebnissen der zuletzt für 2016 vorliegenden Agrarstrukturerhebung entfallen auf die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland rund 1,4 Millionen Hektar Wald. Von den 5,5 Millionen Hektar Privatwald bewirtschaften die deutschen Bauern damit jeden vierten Hektar (25 Prozent). Von den 146.000 landwirtschaftlichen Betrieben mit Wald – das ist mehr als jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb – haben 27.700 mindestens 10 Hektar Wald in der Bewirtschaftung.

Große Baumartenvielfalt

Unter den über 90 Milliarden Bäumen aus der Bundeswaldinventur sind die häufigsten Baumarten Fichte (26 Prozent) und Kiefer (23 Prozent), gefolgt von Buche (16 Prozent) und Eiche (10 Prozent). Diese vier Baumarten nehmen zusammen drei Viertel (75 Prozent) der Waldfläche ein. Auf Birke, Esche, Erle, Lärche und Douglasie und Berghorn entfallen zusammen weitere 17 Prozent der Waldfläche. Insgesamt wachsen in den deutschen Wäldern 76 unterschiedliche Baumarten. Fremdländische Waldbaumarten wie Douglasie, Japanlärche, Roteiche, Robinie, Sitkafichte, Schwarzkiefer, Weymouthkiefer, Küstentanne und andere haben zusammen einen Flächenanteil von knapp 5 Prozent. Der Anbau dieser Baumarten eröffnet zusätzliche waldbauliche Alternativen zu der durch die Eiszeiten stark verminderten Zahl mitteleuropäischer Baumarten. Invasive Pflanzen, die heimische Baumarten in ihrem Wachstum behindern können, haben nach Ergebnissen der aktuellen Bundeswaldinventur nur eine geringe Bedeutung.

Immer mehr Laubbäume

Der Flächenanteil von Laubbäumen beträgt 44 Prozent, derjenige von Nadelbäumen rund 56 Prozent. Der Nadelbaumanteil, insbesondere der der Fichte, nimmt seit einigen Jahren ab, der Laub- und Mischwaldanteil nimmt dagegen zu. Dieser Waldumbau steht im Gegensatz zur Marktnachfrage nach Holz und zur Tatsache, dass die CO2-Bindung von Nadelholzarten in der Regel stärker ausgeprägt ist als bei Laubbäumen. Neben mehr Laubbäumen ist auch ein deutlicher Trend zu mehr alten und dicken Bäumen und mehr Totholz zu verzeichnen.

Vorrat weiter angestiegen

Der Holzvorrat im deutschen Wald hat einen neuen Rekord erreicht, wie Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017 zeigen. Zwischen 2012 und 2017 ist er um weitere 6 Prozent angestiegen. Mit einem Vorrat von 358 Kubikmetern pro Hektar liegt Deutschland nach der Schweiz und Österreich an der Spitze der europäischen Länder. 3,9 Milliarden Kubikmeter beträgt der Gesamtvorrat im deutschen Wald. Darin sind 1,23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden (2017). Das sind 5 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Pro Jahr wachsen etwa 117 Millionen Kubikmeter Holz nach. Etwa drei Viertel dieser Menge werden eingeschlagen oder gehen durch natürliche Ursachen verloren. Ein Viertel hat den lebenden Bestand vermehrt. Es wächst somit mehr Holz nach als geerntet wird. Die Nutzung bleibt deutlich hinter dem Zuwachs zurück. Die Wälder sind somit weiter eine Kohlenstoffsenke.

Holzeinschlag bei 68 Millionen Kubikmetern – hoher Schadholzanteil

Die heimischen Wälder litten in den vergangenen Jahren unter Trockenheit und Hitzeperioden. Schädlinge wie der Borkenkäfer können sich in bereits geschwächten Bäumen besonders schnell vermehren und dann zu einer Population anwachsen, die gefährlich für den Waldbestand werden kann. 2019 wurden mit 32 Millionen Kubikmetern fast dreimal so viel Schadholz aufgrund von Insektenschäden eingeschlagen wie im Vorjahr mit 11 Millionen Kubikmetern. Im Jahr 2017 waren es noch 6 Millionen Kubikmeter. Insgesamt betrug der Schadholzeinschlag 2019 46,2 Millionen Kubikmeter. Das sind 68 Prozent des Gesamteinschlages, der mit 68,2 Millionen Kubikmetern in 2019 vergleichsweise sehr hoch ausfiel. Der Anteil des überwiegend stofflich genutzten Holzes (Stamm- und Industrieholz) am gesamten Holzeinschlag lag 2019 bei rund 79 Prozent. Etwa 16 Prozent des Holzes waren Energieholz, das für eine direkte energetische Nutzung (privat oder gewerblich) vorgesehen ist. Rund 5 Prozent waren nicht verwertetes Derbholz, das als bereits verarbeitetes Holz im Wald verbleibt. 
 

Enorme Waldschäden

Die enormen Schäden, die Dürre, Stürme und Borkenkäfer in den Jahren 2018, 2019 und 2020 verursacht haben, schätzt die Bundesregierung auf ca. 178 Millionen Kubikmeter Schadholz; die wieder zu bewaldende Fläche wird mit einem Umfang von 285.000 Hektar angegeben (Stand August 2020). Hauptsächlich sind die Fichtenbestände betroffen. Aber auch Laubbäume weisen vielfach gravierende Schäden auf. Die Waldbesitzer sind durch die Schäden im Wald sowie die dadurch ausgelösten Verwerfungen auf dem Holzmarkt wirtschaftlich stark betroffen. Die Kalamitäten seit Herbst 2017 hatten bei Nadelstamm- und Industrieholz einen drastischen Rückgang der Holzpreise zur Folge. Die Märkte sind seitdem zu weiten Teilen von einem kaum noch absetzbaren Überangebot geprägt.

Bund und Länder stellen Hilfen über 1,5 Milliarden Euro bereit

Zusammen 800 Millionen Euro stellen Bund und Länder über die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur (GAK) über die Jahre 2020-2023 privaten und kommunalen Waldeigentümern zur Bewältigung der Waldschäden, für Wiederaufforstungen sowie zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel zur Verfügung. Zudem sind für den Wald im Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung in den Jahren 2020 und 2021 zusätzlich 700 Millionen Euro Bundesmittel vorgesehen, davon 500 Millionen Euro als flächenbezogene Waldprämie für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder.