3.7 Forstwirtschaft
Situationsbericht 2021/22

3.7 Forstwirtschaft

Knapp ein Drittel der Fläche Deutschlands ist Wald

Der Wald übernimmt wichtige Funktionen. Er reinigt die Luft, produziert Sauerstoff, sorgt für Trinkwasser und ist Heimat für viele Tier- und Pflanzenarten. Im dicht besiedelten Deutschland bietet er Raum für Erholung und Naturerlebnis. Nicht zuletzt liefert der Wald den bedeutendsten nachwachsenden Rohstoff: Holz. Er leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Beschäftigung und Wertschöpfung im ländlichen Raum. Rund 10,7 Millionen Hektar, 30 Prozent der Bodenfläche Deutschlands, sind mit Wald bedeckt. Regional schwankt der Bewaldungsanteil stark, zwischen 3 Prozent im Landkreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) und 64 Prozent im Landkreis Regen (Bayern). Seit 1990 hat die Waldfläche in Deutschland um rund 100.000 Hektar zugenommen. 47 Prozent der Wälder sind Landschaftsschutzgebiete. Nicht zum Wald zählen nach dem Bundeswaldgesetz Kurzumtriebsplantagen (KUP), Agroforstwirtschaft sowie in der Flur oder im bebauten Gebiet gelegene kleinere Flächen, die mit einzelnen Baumgruppen, Baumreihen oder mit Hecken bestockt sind oder als Baumschulen verwendet werden.

Wald als Wirtschaftsfaktor

Als Lieferant der nachwachsenden Ressource „Holz“ wird der Wald seit jeher wirtschaftlich genutzt – sei es als Bau- und Brennmaterial oder für Möbel und Spielzeug. Die deutschen Wälder sind weit überwiegend sogenannte Wirtschaftswälder. Das dem Bundeslandwirtschaftsministerium nachgeordnete Thünen-Institut schätzt, dass demgegenüber rund 5,6 Prozent der Waldfläche nutzungsfrei sind. Der Wald bietet Einkommen für rund zwei Millionen Waldbesitzer. Rund 115.200 Unternehmen der Branche Forst und Holz beschäftigen 1,0 Millionen Menschen – hauptsächlich in den ländlichen Räumen. Die Branche erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 183 Milliarden Euro und eine Bruttowertschöpfung von 57 Milliarden Euro (1,9 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung Deutschlands).

Wald mit seinen vielfältigen Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen

Wald und die Verwendung von Holzprodukten entlasten die Atmosphäre von Kohlendioxid. Denn der Wald speichert Kohlendioxid im Holz und im Boden. Zu den Nutzfunktionen des Waldes gehören auch die Reinhaltung der Luft, die Leistungen zum Wasserhaushalt, zur Bodenfruchtbarkeit, zur Biodiversität, zum Landschaftsbild und zur Erholung der Bevölkerung. Zwei Drittel der Bevölkerung nutzen den Wald für Freizeit und Erholung.

Wald global

Weltweit gibt es etwa 4 Milliarden Hektar Wald. Laut FAO sind seit dem Jahr 1990 insgesamt 420 Millionen Hektar Wald abgeholzt worden. Zwar wurden auch Gebiete aufgeforstet, wird beides gegeneinander aufgerechnet, bleibt allerdings ein Nettoverlust von 178 Millionen Hektar. Die Geschwindigkeit, mit der Waldflächen verloren gehen, hat in den letzten 30 Jahren deutlich nachgelassen. Lag die Rate in den 1990er Jahren netto noch bei 7,8 Millionen Hektar pro Jahr, sank sie zwischen 2010 und 2020 auf 4,7 Millionen Hektar pro Jahr. Positiv bemerkbar macht sich auch, dass die verbliebenen Wälder mehr Kohlenstoff speichern.

Knapp die Hälfte des deutschen Waldes ist Privatwald

48 Prozent des deutschen Waldes sind Privatwald. 29 Prozent sind Staatswald der Länder. 19 Prozent gehören Körperschaften wie etwa Kommunen oder auch Berufsgenossenschaften. Vier Prozent des Waldes sind Bundeswald. Dabei bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Der Anteil des Privatwaldes reicht von 24 Prozent in Hessen bis 67 Prozent in Nordrhein-Westfalen. Er überwiegt häufig in den dünner besiedelten ländlichen Regionen. Der Staatswaldanteil liegt zwischen 17 Prozent in Nordrhein-Westfalen und 50 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Der Körperschaftswald hat in Rheinland-Pfalz einen Anteil von 46 Prozent, in Brandenburg etwa 7 Prozent, in Niedersachen und Sachsen-Anhalt rund 9 Prozent.

2 Millionen Privatwaldbesitzer

Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend kleinstrukturiert, teilweise zersplittert. Die Zahl Die Zahl der körperschaftlichen und privaten Waldeigentümer in Deutschland wird auf rund zwei Millionen geschätzt. Die Eigentümer kleiner Waldflächen sind oftmals wegen räumlicher Distanzen, urbaner Lebensweise oder ihrer beruflichen Tätigkeiten kaum noch mit den Erfordernissen einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung vertraut. Zudem sind die finanziellen Erträge aus der Waldbewirtschaftung an den Gesamteinkünften des Eigentümers oftmals gering. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche entfällt auf Betriebe mit weniger als 20 Hektar. Nur 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben mit einer Größe über 1.000 Hektar.

Kleinwaldbesitz mit besonderen Herausforderungen

Klein- und Kleinstprivatwaldeigentümer werden durch forstwirtschaftliche Beratung und Betreuung von staatlichen Forsteinrichtungen und privaten Forstbetriebsgemeinschaften als Selbsthilfeeinrichtungen unterstützt. In Deutschland gibt es rund 3.600 forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse mit 430.000 Waldbesitzern, die zusammen ca. 3,5 Millionen Hektar Wald betreuen, um den spezifischen Nachteilen der zersplitterten Besitzstrukturen besser begegnen zu können.

Landwirte bewirtschaften 1,4 Millionen Hektar Wald

Nach Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 entfallen auf die landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland rund 1,4 Millionen Hektar Wald. Von den 5,5 Millionen Hektar Privatwald bewirtschaften die deutschen Bauern damit jeden vierten Hektar (25 Prozent). Von den 139.100 landwirtschaftlichen Betrieben mit Wald – das ist mehr als jeder zweite landwirtschaftliche Betrieb – haben 27.200 mindestens 10 Hektar Wald in der Bewirtschaftung. Rund 1.500 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften Kurzumtriebsplantagen (KUP) über insgesamt 5.700 Hektar. 2010 lagen die entsprechenden Zahlen mit 800 Betrieben und einer KUP-Fläche von 3.500 Hektar noch deutlich niedriger.

Immer mehr Laubbäume

Der Flächenanteil von Laubbäumen beträgt 44 Prozent, derjenige von Nadelbäumen rund 56 Prozent. Der Nadelbaumanteil, insbesondere der der Fichte, nimmt seit einigen Jahren ab, der Laub- und Mischwaldanteil nimmt dagegen zu. Dieser Waldumbau steht im Gegensatz zur Marktnachfrage nach Holz und zur Tatsache, dass die CO2-Bindung von Nadelholzarten in der Regel stärker ausgeprägt ist als bei Laubbäumen. Neben mehr Laubbäumen ist auch ein deutlicher Trend zu mehr alten und dicken Bäumen und mehr Totholz zu verzeichnen.

Holzvorrat angestiegen

Nach Ergebnissen der Kohlenstoffinventur 2017 liegt der Holzvorrat im deutschen Wald bei 358 Kubikmetern pro Hektar. Damit liegt Deutschland nach der Schweiz und Österreich an der Spitze der europäischen Länder. 3,9 Milliarden Kubikmeter beträgt der Gesamtvorrat im deutschen Wald. Darin sind 1,23 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gebunden (2017). Das sind 5 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Pro Jahr wachsen in normalen Jahren etwa 117 Millionen Kubikmeter Holz nach. Etwa drei Viertel dieser Menge werden eingeschlagen oder gehen durch natürliche Ursachen verloren. Ein Viertel hat den lebenden Bestand vermehrt. Es wächst somit mehr Holz nach als geerntet wird. Die Nutzung bleibt im Schnitt der Jahre deutlich hinter dem Zuwachs zurück. Die Wälder sind somit eine Kohlenstoffsenke.

Holzeinschlag bei 80 Millionen Kubikmetern – hoher Schadholzanteil

Stürme, Hitze und Schädlinge haben dem deutschen Wald schwer zugesetzt. Mit 60,1 Mio. Kubikmetern fiel 2020 fast fünfmal mehr Schadholz an als noch im Jahr 2015 (12,9 Mio. Kubikmeter). Insgesamt wurde 2020 die neue Rekordmenge von 80,4 Millionen Kubikmeter eingeschlagen. In „normalen“ Jahren liegt der Einschlag zwischen 50 und 60 Millionen Kubikmetern. Der Schadholzanteil lag 2020 bei 75 Prozent. Fast drei Viertel (72 Prozent) der insgesamt eingeschlagenen Schadholzmenge von 60,1 Mio. Kubikmetern lässt sich unmittelbar auf Insektenbefall zurückführen, 17 Prozent auf Wind und Sturm. Dabei ist zu berücksichtigen, dass durch Insektenbefall geschwächte Bäume auch anfälliger für Wind und Sturm sind. 99 Prozent des durch Insektenbefall verursachten Schadholzeinschlages entfielen 2020 auf Nadelbäume wie Fichten, Tannen und Kiefern. Mit Stand 31. Dezember 2020 schätzte das BMEL eine geschädigte Waldfläche von insgesamt 277.000 Hektar, die wieder zu bewalden ist.

Vier von fünf Bäumen weisen Schäden auf

Insektenbefall und längere Trockenperioden können bei Bäumen zu Nadel- und Blattverlusten führen. Verlichtete Kronen sind daher ein nach außen sichtbares Zeichen für Waldschäden. Der Anteil an Bäumen mit deutlichen Kronenverlichtungen stieg laut BMEL-Waldzustandserhebung auf 37 Prozent im Jahr 2020 (2015: 24 Prozent) – das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1984. Nur gut ein Fünftel der Bäume (21 Prozent) wies demnach im Jahr 2020 gar keine lichteren Kronen auf. Verschlechtert hat sich besonders der Zustand von Fichten und Buchen.

Enorme finanzielle Schäden

Die Waldbesitzer sind durch die Schäden im Wald sowie die dadurch ausgelösten Verwerfungen auf dem Holzmarkt wirtschaftlich stark betroffen. Die Kalamitäten seit Herbst 2017 hatten bei Nadelstamm- und Industrieholz einen drastischen Rückgang der Holzpreise zur Folge.

Bund und Länder stellen Hilfen über 1,5 Milliarden Euro bereit

Zusammen 800 Millionen Euro stellen Bund und Länder über die Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur (GAK) über die Jahre 2020-2023 privaten und kommunalen Waldeigentümern zur Bewältigung der Waldschäden, für Wiederaufforstungen sowie zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel zur Verfügung. Zudem sind für den Wald im Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung in den Jahren 2020 und 2021 zusätzlich 700 Millionen Euro Bundesmittel vorgesehen, davon 500 Millionen Euro als flächenbezogene Waldprämie für den Erhalt und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Die Einführung einer dauerhaften Waldklimaprämie ist in der Diskussion.