5.1 Konjunkturentwicklung
Situationsbericht 2020/21

5.1 Konjunkturentwicklung

Corona-Krise prägt die Konjunkturentwicklung

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft hart. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrem Herbstgutachten für 2020 von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um gut 5 Prozent aus. In 2021 wird mit einem kräftigen Aufschwung gerechnet, allerdings unter dem Vorbehalt, dass sich die Corona-Infektionszahlen nicht unkontrolliert ausbreiten und ein erneuter Lockdown verhindert wird. Demnach erwarten die Wirtschaftsforscher für 2021 einen Zuwachs um 4,7 Prozent, gefolgt von einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 2,7 Prozent im darauffolgenden Jahr. Erst Ende 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder normal ausgelastet sein. Das größte Risiko für die Prognose bleibe der ungewisse Pandemieverlauf.

Agrarkonjunktur und gesamtwirtschaftliche Entwicklung hängen zusammen

Abgesehen von den Jahren 2015 und 2016 (Milchkrise) und der aktuellen Coronakrise zeigt sich ein weitgehender Gleichlauf der Trends in der Landwirtschaft und der Gesamtwirtschaft. Dies ergibt ein Vergleich des Konjunkturbarometer Agrar mit dem ifo Geschäftsklimaindex.

Konjunkturbarometer Agrar - Repräsentative Befragung zur wirtschaftlichen Lage und Investitionsbereitschaft

Das Investitions- und Konjunkturbarometer Agrar untersucht, wie Landwirte ihre wirtschaftliche Situation und die Rahmenbedingungen einschätzen und welche Investitionen sie planen. Dazu führt das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes, der Landwirtschaftlichen Rentenbank und des VDMA Fachverbandes Landtechnik viermal im Jahr eine repräsentative Befragung bei mindestens rund 850 Landwirten durch. In der Dezember-Erhebung gibt es entsprechend 1.500 Befragte.

Berechnung des Konjunkturbarometer-Index:

  • In den Index des Konjunkturbarometer Agrar gehen die Antworten auf zwei Fragen an die landwirtschaftlichen Betriebsleiter ein.
    • Wie ist die aktuelle wirtschaftliche Lage des Betriebes?
    • Wie sind die Zukunftserwartungen für die nächsten 2 bis 3 Jahre?
  • Zur Berechnung des Index wird jeweils der Saldo der prozentualen positiven und negativen Antworten auf die beiden oben genannten Fragen gebildet. Die beiden Salden der wirtschaftlichen Lage und der Zukunftserwartungen werden zu einem Indexwert zusammengefasst.
  • Der Indexwert 0 entspricht dem langjährigen Mittel der Jahre 2000 bis 2006.

 

Quelle: Deutscher Bauernverband

Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft rückläufig

Nach Schätzung der Wirtschaftsforschungsinstitute nimmt die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesamtwirtschaft 2020 Corona bedingt um 400.000 Personen ab. Auch die Zahl der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft nimmt in 2020 gegenüber dem Vorjahr ab, und zwar schätzungsweise um etwa 17.000 auf 582.000, und folgt damit dem Trend der letzten Jahre.

Relativ starker Anstieg bei den Nahrungsmittelpreisen

Die Inflationsrate in Deutschland, gemessen am Verbraucherpreisindex, wird in 2020 auf Grund der Mehrwertsteuerabsenkung zur Jahresmitte und niedriger Energiepreise mit plus 0,5 Prozent voraussichtlich nur leicht ansteigen. Die Preise für Nahrungsmittel steigen in 2020 mit geschätzten plus 2,3 Prozent deutlich stärker an als die allgemeine Inflationsrate.

Zurückhaltung bei den Investitionen

Ähnlich wie in der übrigen Wirtschaft dämpfen in der Landwirtschaft unsichere Rahmenbedingungen die Investitionsentwicklung. Das zeigt sich nach den Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar besonders in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.

Investitionstätigkeit der Landwirte bleibt verhalten

Laut Konjunkturbarometer Agrar vom September 2020 bleibt die Investitionstätigkeit der Landwirte eher verhalten. Nur 31 Prozent der Landwirte wollen in den folgenden sechs Monaten investieren. Das für diesen Zeitraum geplante Investitionsvolumen liegt mit 5,0 Milliarden Euro um 0,1 Milliarden Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Rückläufig sind vor allem Investitionen in Wertschöpfung schaffende und Tierwohl fördernde Ställe einschließlich Hof- und Stalltechnik. Dafür sind für den Zeitraum von Oktober 2020 bis März 2021 nur 2,3 Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen. Das sind im Jahresvergleich 0,3 Milliarden Euro weniger. Die beabsichtigten Investitionsvolumina in Maschinen und Geräte steigen dagegen an.

Schlechte Stimmungslage der deutschen Landwirte hält an

Nach den Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar für den Monat September 2020 hält die relativ schlechte wirtschaftliche Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft an. Mit 12,3 fällt der Indexwert sogar noch etwas schlechter aus als in der vorangegangen Befragung vom Juni 2020 (15,8). Ursachen sind die ungünstigen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die Auswirkungen der Schlachthofschließungen oder Teilen davon und der für den Menschen ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf den Absatzmärkten für Schweine.  
Der Indexwert des Konjunkturbarometer Agrar bildet die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ab. Während die aktuelle wirtschaftliche Lage im September 2020 gegenüber Juni 2020 spürbar schlechter bewertet wird, zeugt die Einschätzung der zukünftigen Lage unverändert von einer im Zeitvergleich nur geringen Zuversicht.

Zukunftserwartungen schlechter als die aktuelle Lage

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe im September 2020 mit 3,12 etwas weniger ungünstig beurteilt als die zukünftigen Aussichten mit einem Wert von 3,22. Während Veredlungsbetriebe eine erhebliche Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage beklagen und auch Futterbaubetriebe eine gewisse Verschlechterung ihrer Lage sehen, schätzen Ackerbaubetriebe ihre Lage auf Grund positiverer Ernteeinschätzungen etwas günstiger ein als noch im Juni 2020. Die Zukunftserwartungen sind in allen Betriebsformen wenig optimistisch. In Futterbaubetrieben setzt sich zwar der Trend zu mehr Zukunftszuversicht fort, Ackerbaubetriebe aber beurteilen die künftige wirtschaftliche Lage im September pessimistischer als noch im Juni. Die Zukunftserwartungen der Veredlungsbetriebe erreichen sogar einen bislang nicht gekannten Tiefpunkt.

Entwicklungen auf den Märkten sowie Enttäuschungen über die Agrarpolitik erklären die schlechte Stimmungslage

Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar vom September 2020 fällt die Beurteilung der Schweinepreise erheblich schlechter aus. Die Milchpreise werden etwas schlechter beurteilt als im September 2019. Günstiger werden im Jahresvergleich die Preise für Getreide, Düngemittel und Treibstoffe eingeschätzt. Die politischen Rahmenbedingungen haben weiterhin einen eher negativen Einfluss auf die Stimmungslage der Landwirte. Ein nicht mehr ganz so stark belastender negativer Einfluss geht von den Pachtpreisen aus.

Liquiditätslage kaum verändert

Die Liquidität der Betriebe hat sich seit Dezember 2019 kaum verändert. Im September 2020 gaben 15 Prozent der Betriebe an, dass ihre Liquiditätslage angespannt oder sehr angespannt ist. Besonders hoch ist dieser Anteil unter den Veredlungsbetrieben (20 Prozent) und in den Betrieben im Osten Deutschlands (27 Prozent).

Spuren der Corona-Krise in der Landwirtschaft

Die Corona-Krise hinterlässt ihre Spuren auch in der Landwirtschaft, auch wenn die unmittelbare Betroffenheit im Laufe des Jahres 2020 deutlich abgenommen hat. Nach Ergebnissen der Konjunkturbarometer vom September 2020 fühlen sich 8 Prozent der repräsentativ befragten Landwirte von der Corona-Krise in ihrem Wirken eingeschränkt (März 11 Prozent) und 18 Prozent wollen ihre geplanten Investitionen deswegen auf unbestimmte Zeit verschieben (März 26 Prozent). Nur noch 25 Prozent der Landwirte teilen die Einschätzung, dass mit der Corona-Situation die Landwirtschaft wieder einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft bekommen wird. In der Märzerhebung waren es noch 46 Prozent. 44 Prozent der Landwirte (März 47 Prozent) sind dagegen der Meinung, dass durch das Virus die Sorgen und Nöte der landwirtschaftlichen Betriebe aus dem Blick geraten könnten.

Chancen der Digitalisierung der Landwirtschaft

Nach Befragungsergebnissen im Rahmen des Konjunkturbarometer Agrar aus Juni 2020 sehen unverändert rund zwei Drittel der deutschen Landwirte in der Digitalisierung eine Chance für den eigenen Betrieb. Unter den TOP 3-Nennungen sind hohe Investitionskosten und eine unzureichende Internetversorgung die größten Hemmnisse. 53 Prozent der deutschen Landwirte sehen in „hohen Investitionskosten“ das Haupthemmnis für die Digitalisierung in der Landwirtschaft. Im September 2016 waren es noch entsprechend 65 Prozent gewesen. Gleich an zweiter Stelle wird eine unzureichende Internetversorgung als Haupthemmnis genannt (46 Prozent). Mit großem Abstand in den Nennungen folgen dann die „Sorge um die IT-Sicherheit und Datensicherheit“ (21 Prozent) sowie die „Sorge um den Verlust der Hoheit über die eigenen Daten“ (19 Prozent). Während die Sorge um die Datensicherheit und die Datenhoheit deutlich abgenommen hat, wird die unzureichende Internetversorgung häufiger als Hindernisgrund genannt. Der Netzausbau kann offensichtlich nicht Schritt halten mit den Anforderungen der Landwirte.

Nur noch 19 Prozent der Landwirte beklagen mangelnde Praxisreife der digitalen Techniken. Das ist deutlich weniger als knapp vier Jahre zuvor (27 Prozent). Digitale Kompetenzen werden allgemein immer wichtiger. Jedoch nennen die Landwirte unzureichende Kompetenzen immer weniger als Digitalisierungshemmnis. Berührungsängste gegenüber digitalen Technologien werden nur noch von 16 Prozent der Landwirte als Digitalisierungshürde gesehen. 2016 aber war es noch entsprechend ein Viertel der Landwirte.