5.3 Landwirtschaftliche Gesamtrechnung
Situationsbericht 2020/21

5.3 Landwirtschaftliche Gesamtrechnung

Produktionswert 2020 geht auf 56,0 Milliarden Euro zurück

Der Produktionswert der deutschen Landwirtschaft wird in der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) für 2020 auf 56,0 Milliarden Euro geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 2,6 Milliarden Euro oder gut 4 Prozent weniger. Gegenüber 2019 sind die Produktionswerte der pflanzlichen und der tierischen Erzeugung nahezu gleich stark zurückgegangen.

Großes Minus vor allem im Kartoffelbau und in der Schweinehaltung

Der Rückgang des Produktionswertes pflanzlicher Erzeugnisse um insgesamt 1,2 Milliarden Euro im Vergleich zu 2019 ist auf niedrigere Erzeugungswerte vor allem bei Kartoffeln, aber auch bei Futterpflanzen, Getreide, Gemüse und Zuckerrüben zurückzuführen. Positiv entwickelten sich im pflanzlichen Bereich dagegen die Produktionswerte von Ölsaaten, Obst und Wein. Der Rückgang des Produktionswertes tierischer Erzeugnisse um insgesamt 1,3 Milliarden Euro ist im Wesentlichen auf den erheblichen preisbedingten Erlösrückgang bei Schweinen zurückzuführen. Auslöser dafür waren vor allem die Corona bedingten Engpässe bei den Schlachtkapazitäten, aber auch der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in grenznahen Gebieten Brandenburgs und Sachsens. Auch bei Rindern, Milch und Geflügel verfehlten die Produktionswerte preisbedingt die entsprechenden Vorjahreswerte deutlich.

Kostenentlastungen bei den Betriebsmitteln

Die Summe aller Vorleistungen beläuft sich 2020 auf geschätzt 35,8 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr etwa 0,6 Milliarden Euro oder knapp 2 Prozent weniger. Berücksichtigt sind Entlastungen der Mehrwertsteuerabsenkung von 19 auf 16 Prozent im 2. Halbjahr 2020 bei den pauschalierenden Betrieben. Ursache für die niedrigeren Vorleistungen sind vor allem geringere Aufwendungen für Futtermittel, Energie und Düngemittel. Mehrbelastungen gibt es dagegen vor allem bei der Unterhaltung von Maschinen und Gebäuden. Die Abschreibungen nehmen weiter moderat zu.

2020 insgesamt deutlich weniger Ausgleichszahlungen

Unter die Position Ausgleichszahlungen fallen vor allem die als Betriebsprämien gewährten EU-Direktzahlungen. Diese gehen nach den EU-Haushaltsbeschlüssen 2020 weiter leicht zurück. Durch die zusätzliche Umschichtung von 75 Millionen Euro in die 2. Säule der GAP gehen den deutschen Landwirten 2020 weitere Direktzahlungsmittel verloren. Die Mittel aus dem in 2018 eingerichteten Bund-Länder-Dürrehilfeprogramm wurden im Wesentlichen in 2019 ausgezahlt. Diese knapp 300 Millionen Euro entfallen 2020. Die Corona-Soforthilfen, die auch bestimmte Landwirte in 2020 in Anspruch nehmen konnten (etwa 80 Millionen Euro), sowie die eingeführten Maßnahmen zur Förderung der Tierwohls wie die Anschaffung von Narkosegeräten (Isoflurannarkose) in der Sauenhaltung kamen 2020 zu der Position der Ausgleichszahlungen hinzu.

In 2020 deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage

Die landwirtschaftliche Nettowertschöpfung – vergleichbar mit dem Betriebseinkommen – geht im Kalenderjahr 2020 nach der vorliegenden Schätzung auf etwa 15,8 Milliarden Euro zurück. Je Arbeitskraft-Einheit (AK) errechnet sich daraus eine Nettowertschöpfung von etwa 34.400 Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 12 Prozent weniger.

Anhaltend schwache Ertragslage in 2021

Unter der Annahme durchschnittlicher Ernten dürften die sich im November 2020 abzeichnenden Entwicklungen auf den internationalen und nationalen Märkten in 2021 tendenziell zu einer insgesamt weiteren Schwächung der Ertragslage der deutschen Landwirtschaft führen. Unsicherheiten zu dieser Prognose rühren von den weiteren möglichen Auswirkungen der Corona-Krise. Fest steht bereits allerdings, dass auch bei einer erwarteten Erholung der Lage auf dem Schweinemarkt der Schweine-Produktionswert auf Grund des Basiseffektes und eines erheblichen  Abbaus der Schweinebestände weiter stark zurückgehen wird. Die Vorleistungen dürften sich dagegen kaum ändern, die Abschreibungen weiter moderat steigen. Die Position der Ausgleichszahlungen nimmt in 2021 wieder zu. Grund ist vor allem das Investitions- und Zukunftsprogramm Landwirtschaft, für das in 2021 gut 200 Millionen Euro öffentliche Mittel vorgesehen sind. 
Die Nettowertschöpfung, die der Entlohnung von Arbeit, Boden und Kapital dient, dürfte in 2021 nach der vorliegenden eher konservativen Schätzung mit 14,7 Milliarden Euro den Vorjahresstand nicht erreichen. Bei der Nettowertschöpfung je Arbeitskraft ergibt sich ein Minus von etwa 6 Prozent (Stand November 2020).