5.3  Landwirtschaftliche Gesamtrechnung
Situationsbericht 2021/2022

5.3 Landwirtschaftliche Gesamtrechnung

Produktionswert 2021 steigt auf über 60 Milliarden Euro

Der Produktionswert der deutschen Landwirtschaft wird in der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) für 2021 auf 60,5 Milliarden Euro geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 2,9 Milliarden Euro oder 5 Prozent mehr. Gegenüber 2020 ist vor allem der Produktionswert der pflanzlichen Erzeugung gestiegen.

Unterschiedliche Entwicklungen bei den einzelnen land- wirtschaftlichen Produkten

Der starke Anstieg des Produktionswertes bei den pflanzlichen Erzeugnissen ist vornehmlich Erzeugerpreis-bedingt. Das gilt für fast alle Produkte. Ausnahmen sind neben den Kartoffeln die Futterpflanzen, wo reichliche Ernten die Preise drückten und zu deutlich niedrigeren Erzeugungswerten führten. Uneinheitlich ist die Entwicklung in der tierischen Erzeugung. Deutlich höheren Produktionswerten bei Rind-, Schaf-, Geflügelfleisch und Milch stehen erhebliche Verluste in der Schweinehaltung gegenüber, die im Wesentlichen in den Aus- und Folgewirkungen der Corona-Krise begründet sind. Auch Eier konnten das Vorjahresniveau wertmäßig nicht halten. Unter dem Strich steigt der Produktionswert tierischer Erzeugnisse 2021 gegenüber dem Vorjahr nur leicht an.

Starke Zunahme der Kosten

Die Summe aller Vorleistungen beläuft sich 2021 auf geschätzt 39,3 Milliarden Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr etwa 2,3 Milliarden Euro oder gut 6 Prozent mehr. Ursache für die starke Steigerung der Vorleistungen sind vor allem erheblich höhere Aufwendungen für Futtermittel, Energie und Düngemittel. Deutliche Mehrbelastungen gibt es auch bei der Unterhaltung von Maschinen und Gebäuden. Die Abschreibungen nehmen weiter moderat zu. Vor allem das Investitions- und Zukunftsprogramm Landwirtschaft (IuZ) und die Corona-Überbrückungshilfen haben in 2021 zu einer Erhöhung der Position der Ausgleichszahlungen geführt, wozu vor allem die als Betriebsprämien gewährten EU-Direktzahlungen gehören.

In 2021 leichte Verbesserung der wirtschaftlichen Lage

Die landwirtschaftliche Nettowertschöpfung – vergleichbar mit dem Betriebseinkommen – steigt im Kalenderjahr 2021 nach der vorliegenden Schätzung auf etwa 16,8 Milliarden Euro. Je Arbeitskraft-Einheit (AK) errechnet sich daraus eine Nettowertschöpfung von etwa 36.100 Euro. Das sind gegenüber dem Vorjahr 4 Prozent mehr. Das Minus aus dem Vorjahr von über 10 Prozent wird damit nicht aufgefangen.

Unsichere wirtschaftliche Entwicklung in 2022

Unter der Annahme durchschnittlicher Ernten und sich weiter festigender Erzeugerpreise dürften die sich im November 2021 abzeichnenden Entwicklungen auf den internationalen und nationalen Märkten in 2022 zu einer insgesamt weiteren Stärkung der Ertragslage der deutschen Landwirtschaft führen. Große Unsicherheiten zu dieser Prognose berühren die beiden Fragen, wie nachhaltig die Aufwärtsentwicklung auf den      Agrarmärkten ist und wie stark Kostensteigerungen bei Futtermitteln, Energie und Düngemitteln diesen positiven Ertragsentwicklungen entgegenwirken. Die Position der Ausgleichszahlungen dürfte sich in 2022 kaum ändern. Höheren Leistungen im Rahmen des Investitions- und Zukunftsprogramms Landwirtschaft (IuZ) und dem vorgesehenen „Erschwernisausgleich Pflanzenschutz“ in der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) stehen geringere Mittel im Bereich der Landwirtschaftlichen Unfallversicherung und bei den EU-Direktzahlungen gegenüber. Beim „Erschwernisausgleich Pflanzenschutz“ geht es in definierten Gebieten um den Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, der für die Landwirte mit erheblichen Mindererträgen verbunden ist.

Vorsichtiger Optimismus für 2022

Die Nettowertschöpfung, die der Entlohnung von Arbeit, Boden und Kapital dient, dürfte in 2022 nach der vorliegenden eher konservativen und mit vielen Unwägbarkeiten behafteten Schätzung mit 17,0 Milliarden Euro den Vorjahresstand leicht übertreffen. Bei der Nettowertschöpfung je Arbeitskraft ergibt sich ein kleines Plus von etwa 2 Prozent (Stand November 2021).