6.2 Tierische Erzeugung
Situationsbericht 2021/2022

6.2 Tierische Erzeugung

Der globale Fleischmarkt wächst weiter – Geflügel rückt nach vorn

OECD und FAO prognostizieren für den Zehnjahreszeitraum von 2020 bis 2030 ein Wachstum der globalen Fleischerzeugung von 14 Prozent. In der zurückliegenden Dekade waren es ebenfalls 14 Prozent. Überdurchschnittlich soll die Erzeugung von Schweinefleisch (+ 18 Prozent) ansteigen, was auf Wiederaufstockungen der Schweinebestände nach Überwindung der ASP-Krise vor allem in Asien zurückzuführen ist. Geflügel- und Schaffleischerzeugung sollen nach dieser Prognose um jeweils etwa 15 Prozent zunehmen. Die Rindfleischerzeugung dagegen soll im Betrachtungszeitraum nur um 6 Prozent wachsen. Spitzenreiter soll 2030 Geflügelfleisch mit einem Marktanteil von 41 Prozent an der globalen Fleischerzeugung sein, gefolgt von Schweinefleisch mit 34 Prozent. Auf Rind- und Schaffleisch werden dieser Prognose zufolge rund 20 bzw. 5 Prozent der Weltfleischerzeugung entfallen.

Weltfleischerzeugung steigt 2021 um gut 4 Prozent an

Nach Schätzungen der FAO steigt die weltweite Fleischproduktion 2021 um 4,2 Prozent an. Demnach dürfte sich die Erzeugung von Rinder-, Schaf-, Geflügel- und Schweinefleisch in 2021 auf insgesamt 352,7 Millionen Tonnen Schlachtgewicht (SG) belaufen. Maßgeblich für diese Entwicklung ist der Anstieg der Schweinefleischerzeugung um gut 11 Prozent auf 122,0 Millionen Tonnen Schlachtgewicht. Grund dafür sind nach weitgehender Überwindung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) vor allem kräftige Wiederaufstockungen der Schweinebestände in China und anderen Ländern Südostasiens.

Handel mit Fleisch nimmt leicht zu

Auf Wachstumskurs ist weiterhin die globale Geflügelfleischerzeugung. Sie nimmt nach FAO-Prognose 2021 gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent auf 135,4 Millionen Tonnen zu. Nur unwesentlich wächst die Welt-Rindfleischerzeugung auf 71,8 Millionen Tonnen (+ 0,2 Prozent). Der globale Handel mit Fleisch steigt nach FAO-Einschätzung 2021 nur um 1,1 Prozent auf rund 42,2 Millionen Tonnen an.

Globale Fleischnachfrage wächst weiter

Die Nachfrage nach Getreide und anderen traditionellen Grundnahrungsmitteln wird sich weiter hin zu tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten verschieben. Nach Projektionen der FAO aus Mitte 2021 wird der Fleischverzehr pro Kopf der Weltbevölkerung bis 2030 weiter leicht zunehmen, und zwar jährlich um 0,3 Prozent. Vor allem in Asien wächst der Pro-Kopf-Verbrauch und wird dort von einem stark wachsenden Verzehr von Geflügelfleisch bestimmt.

Europäische Union: Weltweit drittgrößter Fleischerzeuger

Die EU-27 ist mit rund 45,0 Millionen Tonnen in 2021 nach China (83,0 Millionen Tonnen) und den USA (49,0 Millionen Tonnen) der weltweit drittgrößte Fleischerzeuger. Differenziert nach Fleischarten entfallen von der Welt-Erzeugung auf die EU-27 im Jahr 2021 bei Schweinefleisch gut 20 Prozent, bei Geflügelfleisch 10 Prozent, bei Rindfleisch 9 Prozent sowie bei Schaf- und Ziegenfleisch gut 3 Prozent. Deutschland, Frankreich und Spanien sind die bedeutendsten Fleischproduzenten in der EU. Der Selbstversorgungsgrad der EU-27 für Fleisch wird von der Europäischen Kommission für 2021 auf rund 119 Prozent geschätzt.

EU-Fleischerzeugung steigt weiter leicht an

Nach Schätzungen der Europäischen Kommission steigt die EU-Fleischerzeugung weiter leicht an. Wie in 2020 wird auch in 2021 mit einem Erzeugungsanstieg von 0,6 Prozent gerechnet. Dabei ist die Rindererzeugung weiter rückläufig (- 0,4 Prozent), während die Schweineerzeugung zunimmt (1,7 Prozent). Für 2022 wird ebenfalls mit einer weiteren leichten Zunahme der Fleischerzeugung gerechnet, getragen vor allem durch Zuwächse in der Schweine- und Geflügelfleischerzeugung.

EU-Fleischkonsum wenig verändert

In der Europäischen Union stagniert der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch. Mit durchschnittlich 67,6 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung liegt der Verbrauch 2021 knapp über dem Stand des Vorjahres (+ 0,1 Prozent). Für 2022 geht die Europäische Kommission von einem Verzehrminus von 0,3 Kilogramm aus (- 0,4 Prozent). Während sich die Nachfrage für Rind- und Schaffleisch 2022 mit zusammen 11,5 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung nur knapp behaupten dürfte, könnte der Pro-Kopf-Verzehr an Geflügelfleisch auf 23,9 Kilogramm ansteigen (+ 1,1 Prozent). Bei Schweinefleisch wird ein Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs um ein halbes Kilogramm auf 31,9 Kilogramm erwartet (- 1,3 Prozent).

Deutschland erzeugt weniger Fleisch

Seit 2016 geht die in Deutschland produzierte Fleischmenge zurück. Grund sind rückläufige Mengen an erzeugtem Rind- und Schweinefleisch, die durch einen leichten Ausbau der Erzeugung von Geflügelfleisch nicht kompensiert werden. Die Marktanteile der einzelnen Fleischarten haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verschoben. So hat der Anteil des erzeugten Geflügelfleisches von 2001 bis 2021 um 7 Prozentpunkte auf 22 Prozent Marktanteil zugelegt. Rindfleisch dagegen hat im gleichen Zeitraum gut 7 Prozent Marktanteil verloren und nimmt nur noch einen Anteil von 13 Prozent an der gesamten Fleischerzeugung ein. Die wichtigste Fleischart bleibt Schweinefleisch mit knapp 58 Prozent an der Bruttoeigenproduktion.

Globale Fleischpreise deutlich im Aufwind, Ausnahme sind die Schweinepreise

Der globale Fleischpreisindex der FAO ist seit November 2020 kräftig gestiegen. Im Oktober 2021 lag der Fleischpreisindex um 22 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Von dieser Preis-Hausse profitierten alle Fleischarten, mit Ausnahme von Schweinefleisch. Die Preise für Schweinefleisch blieben sogar hinter den Preisen von Oktober 2020 etwas zurück. Dagegen legten Rind- und Schaffleischpreise um 33 Prozent, die Geflügelfleischpreise um gut 30 Prozent zu.

Globale Rindfleischerzeugung steigt

Die globale Rindfleischerzeugung für 2021 wird von der AMI auf Basis von Daten der FAO und des USDA auf 71,8 Millionen Tonnen geschätzt. Gegenüber 2020 sind das 0,2 Prozent mehr. Etwas dynamischer dürfte die Entwicklung in 2022 verlaufen. Vor allem durch Produktionssteigerungen in Brasilien, China und Indien wird eine um knapp 1 Prozent höhere Erzeugung erwartet. Die EU-Rindfleischerzeugung dagegen dürfte weiter leicht abnehmen (- 0,2 Prozent).

Rindfleischhandel nimmt zu

Der weltweite Handel mit Rindfleisch dürfte FAO-Schätzungen zufolge 2021 gegenüber Vorjahr um 3,8 Prozent auf 12,2 Millionen Tonnen ansteigen. Hauptgrund dafür ist ein starker Anstieg der Erzeugung in Indien und den USA. Für 2022 wird eine Wachstumsrate des globalen Rindfleischhandels von etwa knapp 2 Prozent prognostiziert. Weltweit spielt die EU im Handel mit Rindfleisch keine bedeutende Rolle. Die Rindfleischausfuhren aus der EU-27 fallen mit rund 894.000 Tonnen (2021) eher bescheiden aus. Die EU-Rindfleischimporte, die vor allem aus Südamerika kommen, dürften 2021 bei 321.000 Tonnen liegen.

Haupterzeuger von Rindfleisch sind Nord- und Südamerika

Die größten Produzenten für Rindfleisch sind auch weiterhin Nord- und Südamerika. Mit Abstand Marktführer sind die USA mit einem Anteil von rund einem Sechstel der weltweit erzeugten Rindfleischmenge. Zu den größten Vier in der Rindfleischerzeugung gehören neben den USA Brasilien, China und auch die EU. Diese TOP 4 zusammen erzeugen 50 Prozent des Rindfleischs der Welt.

Preise für Rindfleisch im Aufwind

Die Weltmarktpreise für Rindfleisch sind seit August 2020 fast kontinuierlich gestiegen. Sie erreichten im Oktober 2021 einen Stand, der um 33 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert liegt. Allerdings haben sich die Rindfleischpreise im Oktober 2021 gegenüber Vormonat im Zuge einer nachlassenden Nachfrage Chinas und deutlicher Notierungsabschläge für brasilianische Ware um etwa 1 Prozent verbilligt.

Rückläufige EU-Rindfleischerzeugung

Die EU-Kommission prognostiziert für 2021 und 2022 bei Rindfleisch eine leicht sinkende Erzeugung und einen leicht sinkenden Verbrauch. Die für 2021 geschätzte Rindfleischerzeugung der EU-27 von 6,874 Millionen Tonnen liegt um 0,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Für 2022 wird mit einem ähnlichen leichten Minus gerechnet.

Starker Rückgang der deutschen Rindererzeugung

Bereits in den vergangenen Jahren verringerte sich die Erzeugung von Rindfleisch in Deutschland. In der AMI-Prognose für 2022 wird von einem weiteren Rückgang der Produktion von Rindfleisch um 5 Prozent ausgegangen. Im Außenhandel werden wegen der geringeren Produktion verminderte Ausfuhrmengen prognostiziert. Die Einfuhren dagegen dürften zumindest stabil bleiben. Für das Jahr 2021 wird ein Pro-Kopf-Verzehr von Rindfleisch von 9,9 Kilogramm erwartet. Nach AMI-Prognose für 2022 geht der Konsum von Rindfleisch leicht zurück (minus 1 Prozent).

Weniger deutsche Ausfuhren von Rindern durch Exportrestriktionen

Guter Nachfrage im Ausland erfreuten sich bisher Nutz- und Zuchtrinder aus Deutschland. Zuletzt sorgten jedoch Verbringungsverbote und Handelsbeschränkungen für deutlich weniger Ausfuhren an Zucht- und Nutzrindern aus Deutschland ins Ausland. Im Zeitraum von Januar bis August 2021 wurden rund 464.000 Rinder und Kälber aus Deutschland exportiert, das sind 8 Prozent oder 39.000 Tiere weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Hauptabnahmeland ist die Niederlande, in das inzwischen mehr als vier Fünftel der deutschen Ausfuhren gehen.

Rinderpreise festigen sich

Das EU-Erzeugerpreisniveau bei Schlachtkühen und männlichen Rindern liegt über das gesamte Jahr 2021 gesehen deutlich über dem Vorjahresniveau. Der Preis für deutsche R3-Jungbullen wird von der AMI für 2021 auf 4,01 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht geschätzt. Das sind 45 Cent oder 13 Prozent mehr als in 2020. Zumindest für die erste Hälfte des Jahres 2022 ist nach AMI-Einschätzung mit einer Stabilisierung der Rinder-Erzeugerpreise auf einem relativ hohem Niveau zu rechnen.

EU-Schaf- und -Ziegenfleischerzeugung relativ stabil

Die Europäische Kommission prognostiziert für 2021 eine Schaf- und Ziegenfleischerzeugung in der EU-27 von 635.000 Tonnen. Das sind gegenüber dem Vorjahr gut 1 Prozent mehr. Für 2021 wird eine kaum veränderte Erzeugung erwartet. Die Entwicklungen in den einzelnen Ländern der EU sind unterschiedlich. Beim Lamm- und Ziegenfleischverbrauch wird für die EU-27 2021 ein Konsum von im Schnitt 1,3 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung sowie ein Selbstversorgungsgrad von 97 Prozent geschätzt.

Schaffleisch-Selbstversorgungsgrad in Deutschland nur bei 47 Prozent

Die deutsche Schaf- und Ziegenfleischerzeugung liegt seit 2014 fast konstant zwischen 31.000 und 32.000 Tonnen. Für 2021 allerdings schätzt die AMI die heimische Erzeugung auf etwa 35.000 Tonnen. Im Vergleich zu Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch bleiben sowohl Schaf- als auch Ziegenfleisch wichtige Nischenbereiche. Der Selbstversorgungsgrad an Schaf- und Ziegenfleisch in Deutschland wird für 2021 auf 47 Prozent geschätzt. Entsprechend werden für das Jahr 2021 Importe von rund 49.000 Tonnen Schaf- und Ziegenfleisch erwartet. Das wichtigste Lieferland ist dabei Neuseeland, welches knapp die Hälfte der Einfuhren erbringt. Der Lammfleischverzehr in Deutschland hat einen positiven Trend. Dennoch liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr bislang nur bei 0,6 Kilogramm.

Hohe Nachfrage nach Schlachtlämmern

Die Preise für Schlachtlämmer waren in der Vergangenheit von 2016 bis 2018 auf einem relativ stabilen Niveau. Nach einem leichten Rückgang im Jahr 2019 zogen die Preise 2020 deutlich an. In 2021 legten die Erzeugerpreise wegen der knappen Verfügbarkeit von Schlachtlämmern weiter kräftig zu. Im Jahresdurchschnitt für 2021 rechnet die AMI mit einem Preis von 7,34 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (im Jahresvergleich plus 24 Prozent). Schaffleisch erfreut sich auch am Weltmarkt einer intensiven Nachfrage.

Anstieg der globalen Schweineerzeugung

Während für 2021 eine Steigerung der globalen Schweinefleischproduktion um gut 11 Prozent erwartet wird, gehen die Prognosen für 2022 von einer um etwa 2 Prozent rückläufigen Produktion aus. Grund für die relativ starke Produktionssteigerung in 2021 ist vor allem die Erholung vom ASP-bedingten Produktionsrückgang in China und auch anderen asiatischen Ländern wie z. B. Vietnam.

Weiter hoher Importbedarf Chinas an Schweinefleisch

Mit der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) war die Erzeugung von Schweinefleisch in China in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. Nachdem noch 2018 jährlich mehr als 54 Millionen Tonnen Schweinefleisch im Land der Mitte erzeugt wurden, erreichte die Produktion 2020 mit rund 36 Millionen Tonnen ihren Tiefststand. Schätzungen für 2021 gehen von einer deutlichen Steigerung auf 46 Millionen Tonnen aus. Für 2022 wird eine Erzeugung von unter 44 Millionen Tonnen prognostiziert. Der Importbedarf dürfte damit weiter auf einem relativ hohen Niveau von 4,5 bis 5,0 Millionen Tonnen bleiben. Unter den Lieferländern nehmen Spanien und die USA weiterhin die Spitzenposition ein. Nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest im September 2020 ist Deutschland wegen des damit verbundenen Exportstopps für China kein Lieferland mehr.

Hohe Exporte

FAO-Expertenschätzungen gehen für 2021 von einem nahezu unveränderten globalen Handelsvolumen von 12,9 Millionen Tonnen aus. Davon entfallen 5,3 Millionen Tonnen auf die EU-27 und 3,3 Millionen Tonnen auf die USA. Die EU-27 dürfte auch in 2022 mit 5,4 Millionen Tonnen vor den USA der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch bleiben. Das sind gegenüber 2021 etwa 0,1 Millionen Tonnen mehr.

Kein weiteres Wachstum der EU-Schweineerzeugung

Die Europäische Kommission schätzt die Schweinefleischerzeugung der EU-27 für 2021 auf 23,7 Millionen Tonnen. Das sind gegenüber dem Vorjahr knapp 2 Prozent mehr. Darunter befinden sich EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Irland, die ihre Bestände in 2021 weiter deutlich aufgestockt haben ebenso Länder wie Deutschland, die Niederlande, Polen und Rumänien, die ihre Schweinebestände kräftig reduziert haben. In 2022 wird mit keinem weiteren Anstieg der EU-Erzeugung gerechnet.

Deutsche Schweinefleischerzeugung geht besonders stark zurück

Die Bruttoeigenerzeugung von Schweinefleisch in Deutschland schrumpft auch 2021 weiter. Die für 2021 geschätzte Inlandserzeugung liegt bei 4,703 Millionen Tonnen. Das ist gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 0,9 Prozent. Für 2022 rechnen Marktexperten der AMI mit einem weiteren starken Rückgang der Schweinefleischerzeugung von über 8 Prozent. Grund ist die durch niedrige Preise gekennzeichnete Marktsituation, auf die viele Mäster und Ferkelerzeuger reagieren.

Export von deutschem Schweinefleisch rückläufig

Die Ausfuhren von deutschem Schweinefleisch gehen in 2021 gegenüber dem Vorjahr weiter zurück. Nach vorliegenden Zahlen für Januar bis September 2021 verringerten sich die Exporte von Schweinefleisch um 6 Prozent. Der Grund liegt hauptsächlich in den gesunkenen Lieferungen außerhalb der EU. Die Lieferungen in die EU-Partnerstaaten sind dagegen stark angestiegen.

Ausfuhr und Einfuhr von lebenden Schweinen

Bis Ende des Jahres 2021 dürften 9,8 Millionen Ferkel und 1,1 Millionen Schlachtschweine von außerhalb der Grenzen Deutschlands eingeführt worden sein. Das ist erheblich weniger als im Vorjahr. Die Hauptlieferanten sind Dänemark und die Niederlande. Die durch Corona eingeschränkten Schlachtkapazitäten und die schwächere Nachfrage nach Schweinefleisch führten bereits in 2020 zu einem starken Rückgang des Importbedarfs. Aus Deutschland ins Ausland verkauft werden 2021 voraussichtlich nur rund 1,6 Millionen Schlachtschweine und Ferkel. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr. Zu den größten Abnehmern von deutschen Schweinen zählen Österreich, Polen und Ungarn.

Massiver Einbruch der Erzeugerpreise

Die Schwankungen bei den Ferkel- und Schweinepreisen sind in den vergangenen Jahren größer geworden. In 2020 kam eine Reihe von Ereignissen zusammen, die zu außerordentlichen Preiseinbrüchen führten. Zunächst waren es im Frühjahr die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und die damit verbundene Schließung der Gastronomie. Hinzu kamen Corona begründete (Teil-)Schließungen von Schlachtbetrieben. Dann war es im September das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland, verbunden mit einem Exportstopp von Schweinefleisch in Drittländer. Diese Ereignisse wirken im Jahr 2021 nach. Der daraus resultierende Marktdruck führt nach Einschätzungen der AMI im Jahresdurchschnitt 2021 zu einem Preisniveau für Schlachtschweine (Klasse E), das um gut 14 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresstand liegt. Bei Ferkeln wird sogar ein Preisminus von etwa 31 Prozent geschätzt. In Abhängigkeit von der weiteren Marktentwicklung werden jedoch im weiteren Jahresverlauf und Anfang 2022 wieder deutlich anziehende Preise für möglich gehalten.

Anstieg der globalen Geflügelfleischerzeugung setzt sich fort

Die globale Produktion von Geflügelfleisch steigt 2021 nach Einschätzung der FAO um 1,1 Prozent auf 135,4 Millionen Tonnen. Größter Geflügelfleischproduzent der Welt ist mittlerweile China, das versucht, den starken Rückgang seiner Schweinefleischerzeugung infolge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) unter anderem über eine deutlich größere Geflügelfleischerzeugung ein stückweit auszugleichen. China ist mit einer Geflügelfleischerzeugung von 22,8 Millionen Tonnen (2021) der zweitgrößte Geflügelfleischerzeuger der Welt. Nur die USA produzieren mit 23,2 Millionen Tonnen noch mehr Geflügelfleisch. Es folgen Brasilien mit 14,9 Millionen Tonnen und die EU-27 mit 13,6 Millionen Tonnen. Etwa 90 Prozent der Welterzeugung an Geflügelfleisch sind Hähnchen. Der Trend der zunehmenden Beliebtheit von Hähnchenfleisch aufgrund von veränderten Verzehrgewohnheiten und des relativ günstigen Preises hält weltweit an. Für 2022 rechnet das USDA mit einem Wachstum der globalen Hähnchenfleischerzeugung von knapp 2 Prozent.

EU-Erzeugung rückläufig

Die Geflügelmast in der EU-27 wurde in den vergangenen Jahren mehr und mehr ausgebaut. Dieser Trend setzte sich in 2021 allerdings nicht fort. Die EU-Erzeugung von Hähnchen, die die Geflügelfleischerzeugung mit einem Anteil von 82 Prozent dominiert, dürfte 2021 mit 11,1 Millionen Tonnen das Vorjahresniveau um 2,8 Prozent unterschreiten. Der Rückgang der Erzeugung in vielen Produktionsländern ist auch auf die Corona-Epidemie zurückzuführen. Der Bedarf an Geflügelfleisch im Außer-Haus-Verbrauch fiel in etlichen Mitgliedsländern zeitweise gering aus. Insbesondere exportorientierte Länder hatten Absatzprobleme. Die EU-Putenerzeugung ging in 2021 ebenfalls deutlich zurück       (- 5,5 Prozent). Sie macht mit knapp 1,9 Millionen Tonnen 14 Prozent an der EU-Erzeugung von Geflügelfleisch aus. Auf die EU-Entenerzeugung entfallen rund 4 Prozent der EU-Geflügelfleischerzeugung. Nach Einschätzung der MEG wird sich die Geflügelfleischerzeugung in 2022 nicht wesentlich erholen können.

Auch deutsche Geflügelerzeugung rückläufig

Die deutsche Bruttoeigenerzeugung an Geflügelfleisch wird für 2021 auf 1,783 Millionen Tonnen Schlachtgewicht geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 19.000 Tonnen oder 1,0 Prozent weniger. Mit etwa 77 Prozent entfällt der mit Abstand größte Teil auf Hähnchenfleisch. Während die Erzeugung von Hähnchenfleisch 2021 gegenüber Vorjahr unverändert geblieben sein dürfte, ist die Putenfleischerzeugung dagegen deutlich zurückgegangen. Für 2022 wird für Deutschland mit einer kaum veränderten Geflügelerzeugung gerechnet.

Geflügel hat die beste Futterverwertung

Der weltweite Trend zur Erzeugung von Geflügelfleisch hängt mit der im Vergleich zur Erzeugung anderer Fleischarten relativ kostengünstigen Futterverwertung des Federviehs zusammen. Steigen die Futterkosten, ist der Trend zur Geflügelfleischerzeugung besonders stark ausgeprägt, vor allem in den Entwicklungs-und Schwellenländern. In modernen Mastbetrieben ist heute etwa 1,8 Kilogramm Futter nötig, um

1 Kilogramm Hähnchenfleisch zu erzeugen.

Erzeugerpreise für Hähnchen in 2021 über Vorjahreslinie

Nach tendenziell rückläufigen Erzeugerpreisen für Masthähnchen in 2019 und 2020 konnte sich die preisliche Situation seit Anfang 2021 deutlich erholen. Für den Durchschnitt des Jahres 2021 erwarten Experten der MEG für Deutschland einen Erzeugerpreis für Masthähnchen (1.500 g) von rund 0,87 Euro je Kilogramm. Das sind gegenüber 2020 knapp 9 Prozent mehr. Der Blick auf den Hähnchen- und Putenfleischmarkt in 2022 ist von vielen Unwägbarkeiten geprägt.

Welt-Eierproduktion wächst weiter

Die Welt-Eierproduktion wächst jährlich um 1 bis 2 Prozent. Nach Einschätzung von Experten wird die Hennenhaltung zur Versorgung der Weltbevölkerung mit hochwertigem tierischem Eiweiß mittel- und langfristig eine hohe Bedeutung behalten. Ein Drittel aller Eier weltweit werden in China erzeugt.

Steigende EU-Eiererzeugung

Die EU-Bruttoeigenerzeugung an Konsumeiern wird für 2021 auf 6,485 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 1,8 Prozent mehr. Frankreich ist der größte Konsumeierproduzent in der EU, dicht gefolgt von Deutschland, dahinter folgen Spanien, Italien und die Niederlande. Der Anstieg der deutschlandweiten Produktion von Konsumeiern setzte sich auch 2021 weiter fort. Nach plus 1,3 Prozent in 2021 wird in 2022 ein marginaler Zuwachs der Eiererzeugung prognostiziert. Der deutsche Selbstversorgungsgrad an Konsumeiern wird für 2021 auf 73 Prozent geschätzt.

Die meisten Eier in Deutschland kommen aus der Bodenhaltung

Mit deutlichem Abstand ist in Deutschland die Bodenhaltung die wichtigste Haltungsform für Legehennen. Im Jahr 2021 wurden 63 Prozent der Legehennen in Bodenhaltung gehalten. Weitere 19 Prozent der Hennen entfielen auf die Freilandhaltung. Auf rund 13 Prozent ist der Anteil der Legehennen in Bio-Haltung gestiegen. Ein stetiger leichter Abbau ist bei den Plätzen in der Kleingruppenhaltung zu beobachten.

Eierpreise unter Vorjahr

Das Erzeugerpreisniveau für Bodenhaltungseier der Klasse M wird 2021 auf 6,70 Euro je 100 Stück veranschlagt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 22 Cent oder 3,2 Prozent weniger.

Welt-Milcherzeugung wächst weiter

Der Weltmilchmarkt wächst weiter. Die Weltmilchmenge wird von der FAO für 2021 auf 928,1 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind gegenüber 2020 1,5 Prozent mehr. Dabei gehen die Experten von steigenden Tendenzen in allen Regionen der Welt aus, besonders aber in Asien und Nordamerika. Indien bleibt dabei vor der EU-27 und den USA der weltweit größte Milchproduzent.

Weiter leichtes Mengenwachstum in der EU

Die EU 27-Milcherzeugung wird von der Europäischen Kommission 2021 auf 155,4 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr von 0,4 Prozent. Die EU-27 hat einen Anteil an der Welterzeugung von 18 Prozent. Für das Jahr 2022 prognostiziert die AMI eine weitere leicht zunehmende EU-Milcherzeugung (+ 0,6 Prozent).

Welthandel mit Milchprodukten

Der Welthandel mit Milchprodukten steigt 2021 nach FAO-Angaben voraussichtlich auf 89,6 Millionen Tonnen (gegenüber Vorjahr + 4,2 Prozent). Hauptimporteure von Milchprodukten sind die Länder Asiens. Auf sie entfallen 60 Prozent der globalen Milchimporte. Den mit Abstand größten Importzuwachs verzeichnet China. In Milchäquivalenten gemessen sind das gegenüber 2020 4,9 Millionen Tonnen oder 29 Prozent mehr. Auf der Exportseite ist die EU-27 mit 26,2 Millionen Tonnen der weltweit größte Exporteur von Milch und Milchprodukten. Ihr Exportwachstum wird für 2021 auf 0,3 Millionen Tonnen oder 1,3 Prozent geschätzt.

29 Prozent des Weltmilchhandels entfallen auf die EU

Umgerechnet in Milchäquivalente entfallen 29 Prozent des Weltmilchexports (26,2 Mio. t) auf die Europäische Union. Weitere 23 Prozent (20,9 Mio. t) entfallen auf Neuseeland, 15 Prozent (13,8 Mio. t) auf die USA. Wirtschaftswachstum und geänderte Ernährungsgewohnheiten beflügeln tendenziell den internationalen Handel mit Milch und Milchprodukten.

Integration der EU in den globalen Milchmarkt schreitet voran

2021 sind auf Grund der Nachfrage aus den Entwicklungs- und Schwellenländern gut 16 Prozent der von Bauern in der EU erzeugten Milch (umgerechnet in Milchäquivalente) in Drittländer außerhalb der EU exportiert worden. Zunehmende Bedeutung hat in den letzten Jahren der EU-Export von Milch und Milchprodukten nach China gewonnen. Im Neunmonatszeitraum Januar bis September 2021 waren die EU-Exporte nach China gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen.

Etwas weniger Milch in Deutschland

Von Januar bis September 2021 haben die deutschen Molkereien bezogen auf den Erzeugerstandort 1,3 Prozent weniger Milch erfasst als im Vorjahr. Für die EU-27 insgesamt ergibt sich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2021 allerdings ein leichtes Wachstum von etwa einem halben Prozent. Die Milchanlieferung in der EU hat sich bis September 2021 recht nah an der Vorjahreslinie bewegt.

Fast die Hälfte der Milch wird zu Käse

Der größte Teil der deutschen Milcherzeugung fließt in die Käseverarbeitung. Im Jahr 2019 wurden 47 Prozent der angelieferten Milch in die Käsereien gelenkt. Die Vermarktung von Käse hat daher einen hohen Einfluss auf die Milcherlöse. Auch die Verwertung der Milch in Form von Konsummilch und Frischprodukten oder von Butter hat mit Anteilen von jeweils 25 Prozent  einen maßgeblichen Einfluss auf die Milchverwertung.

Uneinheitliche Entwicklung beim Export

Die deutschen Exporte von Milchprodukten haben sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2021 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum uneinheitlich entwickelt. Während die Exporte von Käse, Molkenpulver sowie Vollmilchpulver zulegten, konnten die Vorjahresmengen bei Magermilchpulver sowie Butter nicht erreicht werden. Das Aushängeschild für den deutschen Export von Milchprodukten ist der Käse.

Weltmarkt für Milchprodukte mit stabilen Preistendenzen

Der FAO-Preisindex für Milchprodukte auf dem Weltmilchmarkt zeigte auch im Oktober 2021 stabile Tendenzen. Mit 121 erreichte der Index einen Stand, der um gut 2 Prozent über dem Vormonatswert und fast 16 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert lag. Angesichts einer lebhaften globalen Importnachfrage legten im Oktober insbesondere die internationalen Preisnotierungen für Milchpulver und Butter zu.

Corona-Effekte

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen veränderten das Konsumverhalten der Verbraucher im Jahr 2020 kräftig. Statt Kantine oder Restaurant hieß es besonders während der Lockdowns für viele Haushalte „Ran an den Herd“. So mussten deutlich mehr Molkereiprodukte und andere Lebensmittel als zuvor für den Verzehr zu Hause eingekauft werden. Im zweiten Jahr der Pandemie ist der Corona-Effekt bereits wieder abgearbeitet. Bis auf Käse hat in den ersten drei Quartalen 2021 keine Warengruppe so hohe Einkaufsmengen wie im Jahr zuvor verzeichnen können.

Knappes Angebot führt zu festen Preisen bei Milchprodukten

Die Preise für Milchprodukte wie Butter, Käse und Milchpulver sind in Deutschland in den ersten 10 Monaten des Jahres 2021 produktübergreifend gestiegen. Ausschlaggebend hierfür war vor allem das begrenzte Angebot. Lediglich in den Sommermonaten kam es zu einer leichten Preisdelle auf Grund der ferienbedingt ruhigeren Nachfrage. In der zweiten Jahreshälfte spitzte sich die Angebotssituation vor dem Hintergrund der abnehmenden Rohstoffverfügbarkeit produktübergreifend zu, was den Preisanstieg beflügelte.

Weitere Festigung der Erzeugerpreise für Milch

Die Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß lagen im Durchschnitt der Monate Januar bis Oktober 2021 bei 34,6 Cent je Kilogramm. Das sind 2,4 Cent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2021 schätzt die AMI einen Milcherzeugerpreis von 36,0 Cent je Kilogramm. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund 3,2 Cent oder fast 10 Prozent mehr. Der Blick auf die Preisentwicklung im Jahr 2022 ist zwar mit vielen Unsicherheiten behaftet, lässt aber zumindest für das erste Quartal 2020 weiterhin feste Preistendenzen erwarten. Das zeigt auch ein Blick auf den Weltmarkt für Milch und Milchprodukte.

Regionale Milchpreisunterschiede

In Abhängigkeit von Molkerei und Region sind Unterschiede in der Ausprägung der Preisentwicklungen zu verzeichnen. Im September 2021 lagen die Milcherzeugerpreise in Deutschland im bundesweiten Mittel nach Feststellungen der AMI bei 36,4 Cent je Kilogramm Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Mit 37,1 Cent je Kilogramm Milch waren die Milchpreise in Bayern am höchsten und mit 35,6 Cent je Kilogramm in Nordrhein-Westfalen am niedrigsten.

Erzeugerpreise versus Verbraucherpreise

Ein Vergleich der Entwicklungen von Erzeuger- und Verbraucherpreisen zeigt, dass der Lebensmittelhandel Preisanpassungen im Einkauf tendenziell an die Verbraucher weitergibt. Allerdings erfolgt dies nach Vorgabe der Kontraktlaufzeiten, die in der Regel für Milchfrischeprodukte sechs Monate umfassen. Somit folgen die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte den Entwicklungen auf der Verarbeitungsstufe zumeist zeitverzögert.