6.2 Tierische Erzeugung
Situationsbericht 2020/21

6.2 Tierische Erzeugung

Der globale Fleischmarkt wächst weiter – Geflügel rückt nach vorn

OECD und FAO prognostizieren für den Zehnjahreszeitraum von 2019 bis 2029 ein Wachstum der globalen Fleischerzeugung von knapp 13 Prozent. In der zurückliegenden Dekade waren es gut 12 Prozent. Überdurchschnittlich soll die Erzeugung von Schweinefleisch (+ 16 Prozent) ansteigen, was auf Wiederaufstockungen der Schweinebestände nach Überwindung der ASP-Krise zurückzuführen ist. Geflügel- und Schaffleischerzeugung sollen nach dieser Prognose um jeweils etwa 13 Prozent zunehmen. Die Rindfleischerzeugung dagegen soll im Betrachtungszeitraum nur um gut 7 Prozent wachsen. Spitzenreiter soll 2029 Geflügelfleisch mit einem Marktanteil von 40 Prozent an der globalen Fleischerzeugung sein, gefolgt von Schweinefleisch mit 35 Prozent. Auf Rind- und Schaffleisch werden dieser Prognose zufolge rund 21 bzw. 5 Prozent der Weltfleischerzeugung entfallen.

Weltfleischerzeugung geht auch 2020 weiter zurück

Nach Schätzungen der FAO geht die weltweite Fleischproduktion 2020 im zweiten Jahr in Folge zurück. Demnach dürfte sich die Erzeugung von Rinder-, Schaf-, Geflügel- und Schweinefleisch in 2020 auf insgesamt 337,3 Millionen Tonnen Schlachtgewicht (SG) belaufen; das wären knapp 1 Prozent weniger als 2019. Maßgeblich für diese Entwicklung ist der Rückgang der Schweinefleischerzeugung um 4 Prozent auf 105,3 Millionen Tonnen Schlachtgewicht. Grund dafür sind die Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest (ASP), vor allem in China. Die 2020er Schweinefleischproduktion in China veranschlagt die FAO auf 38,0 Millionen Tonnen; das würde im Vergleich zu 2019 ein Minus von 11 Prozent bedeuten. Bereits im Vorjahr war die Produktion um gut ein Fünftel geschrumpft. Auf das „Reich der Mitte“ entfielen 2020 trotzdem noch 37 Prozent der globalen Schweinefleischerzeugung.

Handel mit Fleisch steigt deutlich an

Auf Wachstumskurs ist vor allem die globale Geflügelfleischerzeugung. Sie nimmt nach FAO-Prognose 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2,6 Prozent zu. Die Welt-Rindfleischerzeugung ist dagegen leicht rückläufig (- 1,2 Prozent). Der globale Handel mit Fleisch steigt nach FAO-Einschätzung in 2020 um fast 4 Prozent auf rund 37,6 Millionen Tonnen an. Durch die hohe Importnachfrage Chinas nimmt besonders der Handel mit Schweinefleisch zu (+ 16 Prozent).

Globale Fleischnachfrage wächst weiter

Die Nachfrage nach Getreide und anderen traditionellen Grundnahrungsmitteln wird sich weiter hin zu tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Eiern und Milchprodukten verschieben. Nach Einschätzung der FAO aus Mitte 2020 wird der Fleischverzehr pro Kopf der Weltbevölkerung bis 2029 weiter leicht zunehmen (+ 0,5 Kilogramm pro Kopf). Vor allem in Asien und Südamerika wächst der Pro-Kopf-Verbrauch und wird dort von einem stark wachsenden Verzehr von Geflügelfleisch bestimmt.

Europäische Union: Weltweit drittgrößter Fleischerzeuger

Die EU-27 ist mit rund 44,2 Millionen Tonnen in 2020 nach China (78,7 Millionen Tonnen) und den USA (48,8 Millionen Tonnen) der weltweit drittgrößte Fleischerzeuger. Differenziert nach Fleischarten entfallen von der Welt-Erzeugung auf die EU-27 im Jahr 2020 bei Schweinefleisch rund 22 Prozent, bei Geflügel- und Rindfleisch jeweils rund 10 Prozent sowie bei Schaf- und Ziegenfleisch annähernd 4 Prozent. Deutschland, Frankreich und Spanien sind die bedeutendsten Fleischproduzenten in der EU. Der Selbstversorgungsgrad der EU-27 für Fleisch wird von der Europäischen Kommission für 2020 auf rund 116 Prozent geschätzt.

EU-Fleischerzeugung geht leicht zurück

Die erzeugte Fleischmenge in der EU ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen und hatte 2018 das bislang höchste Niveau erreicht. Nach Schätzungen der Europäischen Kommission geht die EU-Fleischerzeugung seitdem leicht zurück. Für 2020 wird ein Erzeugungsrückgang gegenüber dem Vorjahr von einem halben Prozent prognostiziert, darunter für den Rindfleischbereich von 1,5 Prozent, für den Schweinebereich von 0,6 Prozent. Für 2021 allerdings wird bei Rind- und Schweinefleisch wieder mit einem leichtem Anstieg der Erzeugung gerechnet (+ 1,0 bzw. 0,6 Prozent). Im Geflügelfleischsektor wird sowohl für 2020 als auch für 2021 ein Produktionsplus von jeweils 1,0 Prozent geschätzt. Aufgrund seines günstigen Preises und der vielseitigen Verwertbarkeit erfreut sich Geflügelfleisch steigender Nachfrage.

EU-Fleischkonsum wenig verändert

In der Europäischen Union stagniert der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch. Mit durchschnittlich 68,2 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung liegt der Verbrauch 2020 nur unwesentlich unter dem Stand des Vorjahres (- 0,4 Prozent). Für 2021 geht die Europäische Kommission von einem Verzehrplus von einem halben Kilogramm aus (+ 0,7 Prozent). Während sich die Nachfrage für Rind- und Schaffleisch 2021 mit zusammen 11,6 Kilogramm je Kopf der Bevölkerung nur knapp behaupten dürfte, könnte der Pro-Kopf-Verzehr an Geflügelfleisch auf 24,0 Kilogramm ansteigen. Nach Verbrauchsrückgängen in 2019 und 2020 wird auch bei Schweinefleisch ein leichter Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs erwartet, und zwar auf 33,1 Kilogramm (+ 1,0 Prozent).

Deutschland erzeugt weniger Fleisch

Seit 2016 geht die in Deutschland produzierte Fleischmenge zurück. Grund sind rückläufige Mengen an erzeugtem Rind- und Schweinefleisch, die durch einen leichten Ausbau der Erzeugung von Geflügelfleisch nicht kompensiert werden. Die Marktanteile der einzelnen Fleischarten haben sich in den vergangenen 20 Jahren stark verschoben. So hat der Anteil des erzeugten Geflügelfleisches von 2000 bis 2020 um fast 9 Prozentpunkte auf 22 Prozent Marktanteil zugelegt. Rindfleisch dagegen hat im gleichen Zeitraum 7 Prozent Marktanteil verloren und nimmt nur noch einen Anteil von knapp 14 Prozent an der gesamten Fleischerzeugung ein. Die wichtigste Fleischart bleibt Schweinefleisch mit 56 Prozent an der Bruttoeigenproduktion.

Globale Fleischpreise unter Druck

Während der globale Fleischpreisindex der FAO bis Dezember 2019 fast kontinuierlich anstieg, hat sich die Entwicklung in 2020 gedreht. Im Oktober 2020 lag der Fleischpreisindex mit 91 Punkten um 1 Prozent unter dem Vormonatswert und um 11 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Über alle Fleischarten hinweg kam es im Laufe des Jahres 2020 zu deutlichen Preisabschlägen. Grund für diesen Trend ist vor allem die geringere Fleischnachfrage durch die Corona bedingten Beschränkungen. Bei Schweinefleisch kommen Liefersperren infolge des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hinzu. Die Geflügelfleischpreise standen durch einen geringeren Importbedarf Chinas und Saudi-Arabiens unter Druck.

Anstieg der globalen Rindfleischerzeugung prognostiziert

Die globale Rindfleischerzeugung für 2020 wird von der AMI auf Basis von Daten der FAO und des USDA auf 71,9 Millionen Tonnen geschätzt. Gegenüber 2019 sind das 1,2 Prozent weniger. Anders dürfte die Situation in 2021 aussehen. Vor allem durch erwartete Produktionssteigerungen in Brasilien und Indien, aber auch in China und den USA wird eine um knapp 2 Prozent höhere Erzeugung erwartet. Auch die EU-Rindfleischerzeugung dürfte nach einem Rückgang in 2020 in 2021 um 1,0 Prozent steigen.

Rindfleischhandel nimmt wieder zu

Der weltweite Handel mit Rindfleisch dürfte Schätzungen zufolge 2020 gegenüber Vorjahr um fast 2 Prozent auf 11,0 Millionen Tonnen zurückgehen. Hauptgrund dafür ist ein starker Rückgang der Erzeugung in Indien und Australien. Weiter deutlich steigende Exporte Brasiliens und Indiens dürften in 2021 den globalen Außenhandel mit Rindfleisch wieder befeuern. Auch die Ausfuhren aus den USA  nehmen wieder Fahrt auf. Es wird eine Wachstumsrate des globalen Rindfleischhandels von etwa 3 Prozent prognostiziert. Weltweit spielt die EU im Handel mit Rindfleisch keine nennenswerte Rolle, vielmehr wird der Außenhandel von der Ausfuhr von Zucht- und Nutzrindern bestimmt. Die Rindfleischausfuhren aus der EU-28 fallen mit rund 438.000 Tonnen (2020) eher bescheiden aus. Die EU-Rindfleischimporte, die vor allem aus Südamerika kommen, dürften 2020 bei 282.000 Tonnen liegen.

Haupterzeuger von Rindfleisch sind Nord- und Südamerika

Die größten Produzenten für Rindfleisch sind auch weiterhin Nord- und Südamerika. Mit Abstand Marktführer sind die USA mit einem Anteil von rund einem Sechstel der weltweit erzeugten Rindfleischmenge. Zu den größten Fünf in der Rindfleischerzeugung gehören neben den USA, Brasilien und die EU auch China und Indien. Diese TOP 5 zusammen erzeugen 56 Prozent des Rindfleischs der Welt.

Preise für Rindfleisch unter Druck

Die Weltmarktpreise für Rindfleisch erreichten im November 2019 den höchsten Stand seit 5 Jahren. Auswirkungen der Corona-Pandemie und eine damit verbundene schwache Nachfrage hatten in 2020 deutlichen Druck auf die Preise ausgelöst. Im Oktober 2020 lagen die Weltmarktpreise für Rindfleisch um 1 Prozent unter dem Vormonatswert und um fast 7 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.

Rückläufige EU-Rindfleischerzeugung

Die EU-Kommission prognostiziert für 2020 und 2021 bei Rindfleisch sinkende Erzeugung und sinkenden Verbrauch. Die Corona-Pandemie verstärkt den schon länger anhaltenden rückläufigen Verbrauchstrend. Die für 2020 geschätzte Rindfleischerzeugung der EU-28 von 7,771 Millionen Tonnen liegt um 1,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Für das Jahr 2021 wird mit einem leichten Plus von etwa einem Prozent gerechnet.

Besonders starker Rückgang der deutschen Rindererzeugung

Für Deutschland wird für das Jahr 2020 von der AMI eine Rindfleischerzeugung erwartet, die mit 1,14 Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr um 2,8 Prozent niedriger ausfällt. Der Trend rückläufiger Erzeugung von Rindfleisch in Deutschland wird sich wohl auch in 2021 fortsetzen. Die AMI prognostiziert ein Produktionsminus von gut 2 Prozent.

Weniger deutsche Ausfuhren von Rindern durch Exportrestriktionen

Guter Nachfrage im Ausland erfreuten sich bisher Nutz- und Zuchtrinder aus Deutschland. 2019 und 2020 sorgten jedoch Verbringungsverbote und Handelsbeschränkungen für deutlich weniger Ausfuhren an Zucht- und Nutzrindern aus Deutschland ins Ausland. Im Zeitraum von Januar bis September 2020 wurden rund 630.000 Rinder aus Deutschland exportiert, das sind 4,5 Prozent oder 30.000 Tiere weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Das Hauptabnahmeland ist die Niederlande, in das inzwischen mehr als zwei Drittel der deutschen Ausfuhren gehen.

Rinderpreise in 2020 unter Druck – 2021 wieder festere Preise?

Das EU-Erzeugerpreisniveau bei Schlachtkühen und männlichen Rindern liegt über das gesamte Jahr 2020 gesehen etwas unter dem niedrigen Vorjahresniveau. Der Preis für deutsche R3-Jungbullen wird von der AMI für 2020 auf 3,54 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht geschätzt. Das sind 3 Cent oder 1 Prozent weniger als in 2019. Bereits im Vorjahr gab es ein Preisminus von 25 Cent bzw. 7 Prozent. Auch für Färsen und Schlachtkühe wurde deutlich weniger gezahlt. Auf Grund der Corona-Pandemie waren Schlachtungen in 2020 über einige Zeit nur eingeschränkt möglich. Von der Schließung der Gastronomie zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus ist gerade Rindfleisch stark betroffen. Für 2021 ist nach AMI-Einschätzung mit einer moderat steigenden Entwicklung der Rinder-Erzeugerpreise zu rechnen.

EU-Schaf- und -Ziegenfleischerzeugung rückläufig

Der seit 2014 stattfindende Trend einer zunehmenden Schaf- und Ziegenfleischerzeugung in der EU hat sich 2020 nicht fortgesetzt. Nach Prognosen der Europäischen Kommission geht die Erzeugung in der EU-27 in 2020 um 3,2 Prozent auf 629.000 Tonnen zurück. Für 2021 wird eine Produktionsminderung um rund 1 Prozent auf etwa 622.000 Tonnen prognostiziert. Die Entwicklungen in den einzelnen Ländern der EU sind unterschiedlich. Beim Lamm- und Ziegenfleischverbrauch wird für die EU-27 2020 ein Konsum von im Schnitt 1,3 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung sowie ein Selbstversorgungsgrad von 95 Prozent geschätzt.

Schaffleisch-Selbstversorgungsgrad in Deutschland nur bei 39 Prozent

Die deutsche Schaf- und Ziegenfleischerzeugung liegt seit 2014 fast konstant zwischen 31.000 und 32.000 Tonnen. In 2020 dürfte sich die heimische Erzeugung nach Einschätzung der AMI auf knapp 32.000 Tonnen belaufen. Im Vergleich zu Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch bleiben sowohl Schaf- als auch Ziegenfleisch wichtige Nischenbereiche. Der Selbstversorgungsgrad an Schaf- und Ziegenfleisch in Deutschland wird für 2020 auf 39 Prozent geschätzt. Entsprechend werden für das Jahr 2020 Importe von rund 52.000 Tonnen Schaf- und Ziegenfleisch erwartet. Das wichtigste Lieferland ist dabei Neuseeland, welches knapp die Hälfte der Einfuhren erbringt. Der Lammfleischverzehr in Deutschland hat einen positiven Trend. Dennoch liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr bislang nur bei 0,6 Kilogramm.

Hohe Nachfrage nach Schlachtlämmern

Während sich die Preise im Handel mit Schlachtlämmern von 2016 bis 2018 relativ stabil entwickelten, gingen sie in 2019 auf Grund günstiger ausländischer Offerten aus Irland und dem Vereinigten Königreich deutlich zurück. Anders ist die Situation in 2020. Mit 5,91 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht für schwere Lämmer dürfte im Durchschnitt des Jahres ein Erzeugerpreis erzielt werden, der um 80 Cent oder 16 Prozent über dem Vorjahresniveau liegt. Für 2021 ist mit ähnlich hohen Preisen zu rechnen.

Einbruch der globalen Schweineerzeugung

Während für 2020 eine Verringerung der globalen Schweinefleischproduktion um etwa 4 Prozent erwartet wird, gehen die Prognosen für 2021 von einer sich wieder erholenden Produktion aus. Die weltweite Erzeugung von Schweinefleisch wird für 2021 auf 110,0 Millionen Tonnen geschätzt. Das wäre gegenüber 2020 ein Plus von gut 4 Prozent. Für die Erzeugungseinbrüche in 2019 und 2020 sind verminderte Tierbestände infolge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) maßgebend. In China verringerte sich die Eigenerzeugung in 2019 um 21 Prozent und in 2020 um weitere 11 Prozent. Für 2021 wird wieder ein Anstieg der chinesischen Schweineproduktion von etwa 9 Prozent prognostiziert.

Hoher Importbedarf Chinas an Schweinefleisch

Die Produktionseinbrüche Chinas infolge ASP-Ausbreitung hatten einen deutlich steigenden Importbedarf zur Folge. Das wirkt sich besonders im Jahr 2020 mit fast einer Verdoppelung der Importe von Schweinefleisch auf 4,8 Millionen Tonnen aus. In der Prognose für 2021 wird auf Grund einer wieder ansteigenden Inlandserzeugung mit einem leichten Rückgang der Importe auf 4,5 Millionen Tonnen gerechnet. Was das Jahr 2020 anbelangt, nehmen unter den Lieferländern Spanien und die USA die Spitzenposition ein. Nach dem Auftreten der Afrikanischen Schweinepest im September 2020 ist Deutschland wegen des damit verbundenen Exportstopps für China kein Lieferland mehr.

Rasanter Anstieg der Exporte

Durch den massiv erhöhten Importbedarf, besonders Chinas, ist der Welthandel mit Schweinefleisch 2020 gegenüber Vorjahr um 16 Prozent auf 11,1 Millionen Tonnen angestiegen. Expertenschätzungen gehen für 2021 von einem nahezu unverändertem Handelsvolumen aus. Die EU-28 dürfte in 2021 mit 3,8 Millionen Tonnen vor den USA der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch bleiben. Allerdings sind das gegenüber 2020 etwa 0,1 Millionen Tonnen weniger. Grund dafür sind einerseits die Sperrung Deutschlands für den Drittlandhandel und der Rückgang der Produktion, andererseits der reduzierte Einfuhrbedarf Chinas.

EU-Erzeugung von Schweinen wenig verändert

Vor dem Hintergrund gesunkener Schweinebestände und anhaltender Corona bedingter Schlachtengpässe wird für 2020 von einem europaweiten Rückgang der Schweinefleischproduktion von knapp 1 Prozent ausgegangen. Aufgrund der höheren Schlachtgewichte geht die Fleischproduktion dabei weniger stark zurück als die Schlachtzahlen. Entgegen dem europäischen Gesamt-Trend wird in Spanien erneut eine Steigerung bei der Schweineproduktion erwartet. In 2021 wird wieder mit einem leichten Anstieg der EU-Erzeugung gerechnet.

Deutsche Schweinefleischerzeugung geht im EU-Vergleich besonders stark zurück

Die Bruttoeigenerzeugung von Schweinefleisch in Deutschland schrumpft auch 2020 weiter. Die für 2020 geschätzte Inlandserzeugung von 4,665 Millionen Tonnen bedeutet gegenüber dem Vorjahr ein Minus von gut 1 Prozent. Für 2021 rechnen Marktexperten der AMI mit einem starken Rückgang der Schweinefleischerzeugung von über 12 Prozent. Grund sind die Marktauswirkungen weiter fehlender Schlachtkapazitäten sowie des Exportstopps durch die Afrikanische Schweinepest, auf die viele Mäster und Ferkelerzeuger reagieren. Seit Mai 2020 gibt es immer wieder Corona-Fälle auf Schlachthöfen, die zu teilweise oder auch vorübergehenden Schließungen der Schlachtbetriebe führten. Höhere Anforderungen und Kosten hinsichtlich Umwelt- und Tierschutz belasten die deutsche Schweineerzeugung zusätzlich.

Export von deutschem Schweinefleisch eingeknickt

Die Ausfuhren von deutschem Schweinefleisch werden in 2020 gegenüber dem Vorjahr deutlich zurückgehen. Nach vorliegenden Zahlen von Januar bis August 2020 verringerten sich die Exporte von Schweinefleisch um 4 Prozent. Der Grund liegt hauptsächlich in den gesunkenen Lieferungen innerhalb der EU, wo in dem genannten Zeitraum 62 Prozent aller Schweinefleischexporte verblieben. Stark erhöht wurden hingegen die Ausfuhren in Drittländer insbesondere nach China. Diese Entwicklung wurde allerdings im September 2020 durch das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland jäh beendet. Damit verbunden ist seitdem ein Lieferverbot für deutsches Schweinefleisch in Drittländer. Für das Jahr 2020 insgesamt rechnet die AMI mit einem deutschen Exportminus von 8 Prozent.

Ausfuhr und Einfuhr von lebenden Schweinen

Bis Ende des Jahres 2020 dürften 10,6 Millionen Ferkel und 2,2 Millionen Schlachtschweine von außerhalb der Grenzen Deutschlands eingeführt worden sein. Die Hauptlieferanten sind die Niederlande und Dänemark. Aus Deutschland ins Ausland verkauft werden 2020 voraussichtlich nur rund 1,9 Millionen Schlachtschweine und Ferkel. Zum größten Abnehmer von deutschen Schweinen hat sich Ungarn entwickelt, gefolgt von Rumänien, Österreich und Polen auf den Plätzen 2 bis 4.

Massiver Einbruch der Erzeugerpreise

Die Schwankungen bei den Ferkel- und Schweinepreisen sind in den vergangenen Jahren größer geworden. In 2020 kam eine Reihe von Ereignissen zusammen, die zu außerordentlichen Preiseinbrüchen führten. Zunächst waren es im Frühjahr die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie und die damit verbundene Schließung der Gastronomie. Hinzu kamen Corona begründete (Teil-)Schließungen von Schlachtbetrieben. Dann war es im September das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland, verbunden mit einem Exportstopp von Schweinefleisch in Drittländer. Marktexperten der AMI gehen bis Ende 2020 von einem weiterhin sehr niedrigen Preisniveau aus. In Abhängigkeit von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen werden im Jahresverlauf 2021 jedoch wieder deutlich anziehende Preise für möglich gehalten.

Anstieg der globalen Geflügelfleischerzeugung setzt sich fort

Die globale Produktion von Geflügelfleisch steigt 2020 nach Einschätzung der FAO um 2,6 Prozent auf 137,1 Millionen Tonnen. Größter Geflügelfleischproduzent der Welt ist mittlerweile China, das versucht, den starken Rückgang seiner Schweinefleischerzeugung infolge der Afrikanischen Schweinepest (ASP) über eine deutlich größere Geflügelfleischerzeugung ein stückweit auszugleichen. Nach China mit einer Geflügelfleischerzeugung von 26,3 Millionen Tonnen (2020) folgen die USA mit 23,3 Millionen Tonnen, Brasilien mit 16,1 Millionen Tonnen und die EU-27 mit 13,8 Millionen Tonnen. Etwa 90 Prozent der Welterzeugung an Geflügelfleisch sind Hähnchen. Der Trend der zunehmenden Beliebtheit von Hähnchenfleisch aufgrund von veränderten Verzehrgewohnheiten und des relativ günstigen Preises hält weltweit an. Für 2021 rechnet das USDA mit einem Wachstum der globalen Hähnchenfleischerzeugung von gut 2 Prozent.

EU-Erzeugung leicht rückläufig

Die Geflügelmast in der EU-27 wurde in den vergangenen Jahren mehr und mehr ausgebaut. Dieser Trend setzt sich in 2020 und 2021 nicht fort. Mit einer Bruttoeigenerzeugung von 13,8 Millionen Tonnen bleibt die Erzeugung in 2020 um 0,4 Prozent hinter dem Stand des Vorjahres zurück. In der Prognose für das Jahr 2021 wird ebenfalls ein leichter Rückgang der Erzeugung erwartet. Die EU-Erzeugung von Hähnchen, die die Geflügelfleischerzeugung mit einem Anteil von 82 Prozent dominiert, dürfte 2020 mit 11,3 Millionen Tonnen das Vorjahresniveau leicht überschreiten. Treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war bislang Polen, auf das knapp ein Fünftel des in der EU produzierten Hähnchenfleisches entfällt. Gegenüber Vorjahr etwas rückläufig ist die EU-Putenerzeugung. Sie macht 14 Prozent an der EU-Erzeugung von Geflügelfleisch aus. Auf Grund hoher Zuwachsraten ist Polen zum größten Putenerzeugerland in der EU aufgestiegen, vor Deutschland, Frankreich und Italien. Die EU-Entenerzeugung, die rund 4 Prozent der EU-Geflügelfleischerzeugung ausmacht, dürfte in 2020 gegenüber Vorjahr kräftig gesunken sein (- 7,6 Prozent). Aus Frankreich kommen 46 Prozent aller in der EU erzeugten Enten.

Deutsche Geflügelerzeugung kaum verändert

Die deutsche Bruttoeigenerzeugung an Geflügelfleisch für 2020 wird nahezu unverändert zu 2019 auf 1,835 Millionen Tonnen Schlachtgewicht geschätzt. Mit 66 Prozent entfällt der mit Abstand größte Teil auf Hähnchenfleisch. Bei Hähnchen sind auch die deutlichsten Zuwachsraten zu verzeichnen. Allerdings hat sich der Ausbau der Geflügelfleischproduktion in den vergangenen Jahren verlangsamt. Gründe dafür sind die geringere Besatzdichte bei Teilnahme an der Initiative Tierwohl und die hohen Auflagen bei der Genehmigung für neue Ställe. Für 2021 wird für Deutschland mit einer geringfügig geringeren Geflügelerzeugung gerechnet.

Geflügel hat die beste Futterverwertung

Der weltweite Trend zur Erzeugung von Geflügelfleisch hängt mit der im Vergleich zur Erzeugung anderer Fleischarten relativ kostengünstigen Futterverwertung des Federviehs zusammen. Steigen die Futterkosten, ist der Trend zur Geflügelfleischerzeugung besonders stark ausgeprägt, vor allem in den Entwicklungsund Schwellenländern. In modernen Mastbetrieben ist heute etwa 1,8 Kilogramm Futter nötig, um 1 Kilogramm Hähnchenfleisch zu erzeugen.

Erzeugerpreise für Hähnchen in 2020 unter Vorjahreslinie

Während die Erzeugerpreise für Masthähnchen im Jahr 2019 relativ stark schwankten, konnte sich die preisliche Situation Anfang 2020 zunächst festigen. Daran knüpfte eine Phase leicht schwächerer Preise an. Im Durchschnitt des Jahres 2020 wird für ein 1.500 Gramm-Masthähnen ein Preis von 0,80 Euro je Kilogramm erwartet. Das sind 5 Prozent weniger als in 2019. Der Blick auf den Hähnchen- und Putenfleischmarkt in 2021 ist von vielen Unwägbarkeiten geprägt.

Welt-Eierproduktion wächst weiter

Die Welt-Eierproduktion wächst jährlich um 1 bis 2 Prozent. Nach Einschätzung von Experten wird die Hennenhaltung zur Versorgung der Weltbevölkerung mit hochwertigem tierischem Eiweiß mittel- und langfristig eine hohe Bedeutung behalten. Ein Drittel aller Eier weltweit werden in China erzeugt.

Stabile EU-Eiererzeugung

In der EU-27 wächst die Eiererzeugung kaum noch. Die EU-Bruttoeigenerzeugung an Konsumeiern wird für 2020 auf 6,364 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist etwas mehr als im Vorjahr (+ 0,5 Prozent). Für 2021 wird mit einer Eiererzeugung von 6,513 Millionen Tonnen veranschlagt (+ 2,3 Prozent). Frankreich ist der größte Konsumeierproduzent in der EU, dicht gefolgt von Deutschland, dahinter folgen Spanien, Italien und die Niederlande. Für Deutschland wird für 2020 ein Erzeugungszuwachs von 2,4 Prozent erwartet, für 2021 von 1,0 Prozent geschätzt. Der deutsche Selbstversorgungsgrad an Konsumeiern dürfte 2020 bei 72 Prozent liegen.

Die meisten Eier in Deutschland kommen aus der Bodenhaltung

Mit deutlichem Abstand ist in Deutschland die Bodenhaltung die wichtigste Haltungsform für Legehennen. Im Jahr 2020 wurden knapp 70 Prozent der Legehennen in geschlossenen Ställen gehalten. Relativ stabil mit etwa einem Zehntel ist der Anteil der Legehennen in Biohaltung. Ein stetiger leichter Ausbau ist bei den Plätzen in der Freilandhaltung zu beobachten.

Eierpreise leicht über Vorjahr

Nach einer Hochpreisphase ab August 2017 durch Stilllegungen in Folge des Fipronil-Skandals haben sich die Eierpreise seit Sommer 2018 wieder „normalisiert“. Das Erzeugerpreisniveau für Bodenhaltungseier der Klasse M wird 2020 auf 7,00 Euro je 100 Stück veranschlagt. Das sind gegenüber dem Vorjahr 25 Cent oder 3,4 Prozent weniger.

Welt-Milcherzeugung wächst weiter

Der Weltmilchmarkt wächst nach wie vor. Die Weltmilchmenge wird von der FAO für 2020 auf 860,1 Millionen Tonnen geschätzt. Das sind gegenüber 2019 1,4 Prozent mehr. Dabei gehen die Experten von steigenden Tendenzen in nahezu allen Regionen aus. Indien bleibt dabei vor der EU-27 und den USA der weltweit größte Milchproduzent. Absolut betrachtet wird 2020 in Asien das größte Wachstum erwartet, gefolgt von Europa und den USA. Nur in Südamerika wird mit einer leicht rückläufigen Tendenz der Milcherzeugung gerechnet.

Weiter leichtes Mengenwachstum in der EU

Die EU 27-Milcherzeugung wird von der Europäischen Kommission 2020 auf 154,0 Millionen Tonnen geschätzt. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 1,3 Prozent. Die EU-27 hat einen Anteil an der Welterzeugung von 18 Prozent. Für das Jahr 2021 wird die EU-Milcherzeugung Prognosen der AMI zufolge moderat um knapp 1 Prozent wachsen. In einer Langfristprojektion bis zum Jahr 2030 geht die Europäische Kommission von einer jährlich nur um 0,6 Prozent wachsenden EU-Milcherzeugung aus. Als Grund dafür werden höhere Anforderungen an eine nachhaltige und umweltschonende Produktion und damit höhere Kosten angegeben.

Welthandel mit Milchprodukten

Der Welthandel mit Milchprodukten steigt 2020 nach FAO-Angaben voraussichtlich auf 77,9 Millionen Tonnen (gegenüber Vorjahr + 1,5 Prozent). Hauptimporteure von Milchprodukten sind die Länder Asiens. Auf sie entfallen 60 Prozent der globalen Milchimporte. Die größten absoluten Importzuwächse haben 2020 China und Saudi-Arabien zu verzeichnen. Auf die EU einschließlich Vereinigtem Königreich entfallen 22,4 Millionen Tonnen der globalen Milchexporte. Die EU ist damit weltweit größter Exporteur von Milch und Milchprodukten. Ihr Exportvolumen dürfte in 2020 gegenüber Vorjahr um gut ein Prozent wachsen. Deutlich höhere Exportzuwächse weisen dagegen die USA und Argentinien auf. Die EU ist der größte Exporteur von Magermilchpulver und Käse, Neuseeland bei Vollmilchpulver und Butter.

29 Prozent des Weltmilchhandels entfallen auf die EU

Umgerechnet in Milchäquivalente entfallen 29 Prozent des Weltmilchexports (22,4 Mio. t) auf die Europäische Union einschließlich Vereinigtem Königreich. Weitere 26 Prozent (20,0 Mio. t) entfallen auf Neuseeland, 15 Prozent (11,8 Mio. t) auf die USA. Wirtschaftswachstum und geänderte Ernährungsgewohnheiten beflügeln tendenziell den internationalen Handel mit Milch und Milchprodukten.

Integration der EU in den globalen Milchmarkt schreitet voran

2020 sind gut 13 Prozent der von Bauern in der EU angelieferten Milch (umgerechnet in Milchäquivalente) in Drittländer außerhalb der EU exportiert worden. Eine tendenziell stark zunehmende Nachfrage aus den Entwicklungs- und Schwellenländern dürfte diesen Anteil in den nächsten Jahren weiter anwachsen lassen. Zunehmende Bedeutung hat in den letzten Jahren der EU-Export von Milch und Milchprodukten nach China gewonnen. Im Neunmonatszeitraum Januar bis September 2020 waren die EU-Exporte nach China gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum allerdings etwas rückläufig.

Etwas mehr Milch in Deutschland

Von Januar bis September 2020 haben die deutschen Molkereien bezogen auf den Erzeugerstandort insgesamt 0,4 Prozent mehr Milch erfasst als im Vorjahr. Für die EU-27 insgesamt ergibt sich in den ersten drei Quartalen des Jahres 2020 ein Wachstum von 1,5 Prozent.

Fast die Hälfte der Milch wird zu Käse

Der größte Teil der deutschen Milcherzeugung fließt in die Käseverarbeitung. Im Jahr 2019 wurden 47 Prozent der angelieferten Milch in die Käsereien gelenkt. Die Vermarktung von Käse hat daher einen hohen Einfluss auf die Milcherlöse. Auch die Verwertung der Milch in Form von Konsummilch oder Frischprodukten hat mit einem Anteil von 25 Prozent einen maßgeblichen Einfluss auf die Milchverwertung.

Export behauptet sich

Die deutschen Exporte von Milchprodukten haben sich in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum uneinheitlich entwickelt. Das Aushängeschild für den deutschen Export von Milchprodukten, der Käse, legte im Auslandsabsatz weiter zu. Auch Butter wurde vermehrt abgesetzt. Milchpulver und Frischprodukte blieben unter den Vorjahresmengen. Die Exporte nach China erhöhten sich in diesem Neunmonatszeitraum im Jahresvergleich in Produktgewicht um gut ein Fünftel. Das Exportwachstum kam insbesondere aus dem Bereich der abgepackten Milch.

Weltmarkt für Milchprodukte mit stabilen Preistendenzen

Der FAO-Preisindex für Milchprodukte zeigte im Oktober 2020 im fünften Monat in Folge stabile Tendenzen auf dem Weltmilchmarkt. Mit 104 erreichte der Index einen Stand, der um gut 2 Prozent über dem Vormonatswert und fast 4 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert lag. Im Oktober stiegen die Preisnotierungen für alle im Index vertretenen Milchprodukte, wobei Käse am stärksten stieg, gefolgt von Magermilchpulver, Vollmilchpulver und Butter. In der Vorschau für 2021 zeigen sich zahlreiche Unsicherheiten, die vor allem von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt sind. Inwieweit das Erzeugerpreisniveau in 2021 gehalten werden kann, ist auch angesichts der guten Versorgungslage auf der Nord- und Südhalbkugel offen.

Corona lässt Nachfrage steigen

Die Verbraucher haben im Jahr 2020 mehr Milch und Molkereiprodukte eingekauft als im Vorjahr. In den Monaten des Lockdowns fiel die Nachfrage umfangreicher aus, aber auch in der Zeit danach hielt diese Entwicklung teilweise an.
In den ersten drei Quartalen von 2020 haben die privaten Haushalte produktübergreifend mehr Milchprodukte eingekauft. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Käse und Butter aus. Die anhaltend hohe Nachfrage zeigte, dass die Corona-Pandemie auch weiterhin großen Einfluss auf das Verbraucherverhalten hatte. Der Außer-Haus-Markt erholte sich lediglich langsam und viele Verbraucher aßen nach wie vor häufiger Zuhause, was zu einer gestiegenen Nachfrage im Lebensmitteleinzelhandel führte. Die Preise für Milchprodukte legten dabei vergleichsweise moderat zu, lediglich für Konsummilch mussten die Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen. Bei Butter hingegen gab es Preisrückgänge auf der Verbraucherebene.

Corona bringt den Markt durcheinander

Nach einem stabilen Start auf teils wieder erhöhten Niveaus kam es in Deutschland durch den Ausbruch der Corona-Pandemie in 2020 an den Produktmärkten zu gewissen Preisverwerfungen. Diese waren in nahezu allen Produktbereichen zu spüren, allerdings in unterschiedlicher Intensität und zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Magermilchpulver reagierte durch seine hohe Exportorientierung und intensive Bindung an den Weltmarkt als erstes und deutlich. Dies war auch bei Butter der Fall, aber zeitlich verzögert. Käse zeigte moderatere Preisrückgänge. Bei Molkenpulver war die Nachfrage kaum verändert. Ab der Jahresmitte 2020 setzte eine Preiserholung ein. Käse und Butter erreichten dabei wieder knapp die Preisniveaus vom Jahresanfang. Bei Magermilchpulver wurde dieses hingegen nicht wieder erreicht. Molkenpulver zeigte im Jahresverlauf einen weitgehend stabilen Verlauf.

Können sich die Erzeugerpreise für Milch weiter behaupten?

Die Marktverwerfungen in Folge der Corona-Pandemie waren bei landwirtschaftlichen Erzeugerpreisen weniger deutlich zu spüren. Die Erzeugerpreise für konventionell erzeugte Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß lagen im Durchschnitt der Monate Januar bis September 2020 bei 32,2 Cent je Kilogramm. Das sind 0,9 Cent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr 2020 schätzt die AMI einen Milcherzeugerpreis von 32,9 Cent je Kilogramm. Das sind gegenüber dem Vorjahr rund 0,8 Cent oder gut 2 Prozent weniger. Der Blick auf die Preisentwicklung im Jahr 2021 ist zwar mit vielen Unsicherheiten behaftet, lässt aber wie der Weltmarkt für Milch und Milchprodukte zunächst stabile Preistendenzen erkennen, auch wenn der Weltmarkt als zunächst ausreichend versorgt gilt.

Regionale Milchpreisunterschiede

In Abhängigkeit von Molkerei und Region sind Unterschiede in der Ausprägung der Preisentwicklungen zu verzeichnen. Im September 2020 lagen die Milcherzeugerpreise in Deutschland im bundesweiten Mittel nach Schätzungen der AMI bei 32,1 Cent je Kilogramm Milch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiß. Mit 33,9 Cent je Kilogramm Milch waren die Milchpreise in Baden-Württemberg am höchsten und mit 30,7 Cent je Kilogramm in Schleswig-Holstein am niedrigsten.

Erzeugerpreise versus Verbraucherpreise

Ein Vergleich der Entwicklungen von Erzeuger- und Verbraucherpreisen zeigt, dass der Lebensmittelhandel Preisanpassungen im Einkauf tendenziell an die Verbraucher weitergibt. Allerdings erfolgt dies nach Vorgabe der Kontraktlaufzeiten, die in der Regel für Milchfrischprodukte sechs Monate umfassen. Somit folgen die Verbraucherpreise für Milch und Milchprodukte den Entwicklungen auf der Verarbeitungsstufe zumeist zeitverzögert.