6.3 Betriebsmittel / Futtermittel
Situationsbericht 2021/2022

6.3 Betriebsmittel / Futtermittel

Betriebsmittel erheblich teurer als vor einem Jahr

Die Landwirte in Deutschland haben für Betriebsmittel und Dienstleistungen im Juli 2021 im Durchschnitt 9,3 Prozent mehr gezahlt als ein Jahr zuvor. Erheblich teurer sind Futter-, Düngemittel sowie Energie und Schmierstoffe geworden. Sie verteuerten sich binnen eines Jahres um 16 bis 20 Prozent. Bauten und Maschinen sowie ihre Unterhaltung kosteten zwischen 4 und 7 Prozent mehr.

Energiepreisabhängigkeit der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen weitere energieintensive Betriebsmittel wie Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Steigende Erdölpreise verteuern die landwirtschaftliche Produktion ebenso wie die seit Beginn 2021 eingeführte CO2-Abgabe. Nach starkem Einbruch der Erdölpreise in März und April 2020 als Folge der weltweiten Corona-Krise haben sich die Preise für Rohöl der Sorten WTI und Brent wieder deutlich erholt. Der Jahresdurchschnittspreis für 2020 betrug gut 42 US-Dollar je Barrel. Die sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie wieder erholende Weltwirtschaft ließ die Energiepreise in 2021 weiter stark steigen. Im Oktober 2021 überschritten die Rohöl-Future-Kontrakte wieder die 80-Dollar-Marke. In den Industrieländern wurde die Wirtschaft auch durch Lieferkettenprobleme und massive Engpässe in den Containerhäfen regelrecht ausgebremst. Die Preise schnellten hoch, die Erdgas- und Kohlekontrakte dabei noch am steilsten. Für Rohöl kamen Anfang November 2021 sogar die 85 US-Dollar je Barrel der Marke Brent in Reichweite.

„Preisexplosion“ bei Düngemitteln

Getrieben von weltweit hoher Nachfrage und der enormen Verteuerung von Energieträgern sind die Preise für Düngemittel im Laufe des Jahres 2021 regelrecht explodiert. Der extreme Anstieg der Düngemittelpreise hat auch diverse andere Gründe. Hohe Preise für Getreide- und Ölsaaten haben in einigen Regionen der Welt die Nachfrage nach Düngemitteln stark gesteigert. Die Frachtpreise in der Seefahrt sind deutlich gestiegen, zudem ist das Angebot knapp. Ein Hurrikan im September hatte wichtige Produktionsanlagen an der US-Golfküste zerstört. Andernorts sorgten Brände und technische Probleme für Produktionsausfälle. China hat Engpässe in der Energieversorgung und drosselt die Exporte von Harnstoff und Phosphordüngern. Die Kosten für die Herstellung von Stickstoffdüngern hängen ganz wesentlich von den Gaspreisen ab. Die globalen Gaspreise schossen im Laufe des Jahres 2021 in die Höhe, nachdem viele Industrienationen nach der erzwungenen Corona-Pause wieder durchstarteten. Insbesondere die boomende Nachfrage in Asien und knapp gefüllte Gasspeicher in Europa trieben die Forderungen nach oben. Das führte dazu, dass Stickstoffproduzenten ihre Produktion aus Gründen einer unzureichenden Rentabilität zum Teil massiv zurückgefahren haben.

Die Harnstoffpreise in Deutschland erreichten im Oktober 2021 die Marke von 765 Euro je Tonne frei Hof für Standardware. Das waren 52 Prozent mehr als noch im Vormonat und markiert einen Preisplus gegenüber Vorjahr von durchschnittlich 164 Prozent. AHL legte sogar auf Jahressicht auf 538 Euro je Tonne um 236 Prozent zu. Kalkammonsalpeter (KAS) verteuerte sich um 222 Prozent auf 583 Euro je Tonne.

Auch Kali- und Phosphordünger extrem teuer geworden

Während die Herstellung von Stickstoffdüngemitteln von Erdgas- und damit von Energiepreisen abhängt (Haber-Bosch-Verfahren), werden Kali und Phosphor aus Lagerstätten gewonnen. Aber auch diese Nährstoffe haben sich zusammen mit der geringen Verfügbarkeit, der verteuerten und knappen Transportkapazitäten sowie der regen Nachfrage am Weltmarkt aufgrund wachsender Anbauflächen stark verteuert. Diammonphosphat frei Hof zum Beispiel wurde im Oktober 2021 mit 647 Euro je Tonne bewertet, was fast doppelt so viel war wie noch im Oktober 2020 (338 Euro je Tonne). Marktexperten gehen davon aus, dass Angebot und Nachfrage wieder stärker ins Lot kommen und die Düngemittelpreise wieder deutlich sinken werden, sobald die Preisspitze bei Erdgas überschritten ist.

Einsatz von Stickstoff- und Phosphatdüngern in 2021 stark zurückgegangen

Der Düngemittelabsatz in Deutschland hat sich im Wirtschaftsjahr 2020/21 kaum verändert. Insgesamt wurden 4,73 Millionen Tonnen vermarktet und damit mit plus 0,5 Prozent kaum mehr als im Vorjahr. Besonders Kalk wurde von den Landwirten umfangreicher eingesetzt. Hier erhöhte sich der Absatz gegenüber Vorjahr um knapp 6 Prozent auf 2,8 Millionen Tonnen. Die Verkaufsmenge von Stickstoffdüngern ist indes 2020/21 geschrumpft, und zwar um knapp 8 Prozent auf 1,27 Millionen Tonnen. Einen noch deutlicheren Rückgang verzeichnen die Phosphatdünger, die ein Minus von 22 Prozent aufweisen. Die 192.200 Tonnen Phosphatdünger markieren das geringste Volumen seit 2008/09. An Kalidüngern wurden mit 446.400 Tonnen etwa 6 Prozent mehr als 2019/20 abgesetzt.

Trockenheit begrenzte Fungizid-Bedarf in 2020

Der Pflanzenschutzmittelabsatz in Deutschland stieg 2020 marginal um 0,4 Prozent auf 27.600 Tonnen Wirkstoff an. Dabei verzeichneten die meisten Wirkstoffgruppen ein Plus, außer Fungizide, die aufgrund der trockenen Anbaubedingungen nicht im üblichen Maße notwendig waren. Fungizide wurden gegenüber Vorjahr 9 Prozent weniger eingesetzt. Demgegenüber stieg der Herbizid-Absatz um 5 Prozent. Dabei wurde der geringere Einsatz von Getreideherbiziden aufgrund der geschrumpften Wintergetreidefläche durch Mehrverbrauch auf der größeren Mais- und Rapsfläche mehr als kompensiert. Gleiches gilt für den Verbrauch an Insektiziden, der allerdings um 14 Prozent zugenommen hat. Ebenfalls zugenommen hat der Einsatz von sonstigen Pflanzenschutzmitteln. Vor allem Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren oder Schnecken mussten häufiger angewendet werden, während Wachstumsregulatoren im Getreide aufgrund der Trockenheit seltener zum Einsatz kamen.

Mischfutterpreise 20 Prozent teurer als im Vorjahr

Die Mischfutterpreise sind seit dem Herbst 2020 kräftig angezogen. Sie erreichten im November 2021 neue Höchststände mit einem Plus von 4 bis 6 Prozent zum Vormonatsniveau. Gegenüber Vorjahr bedeutet das ein Anstieg von rund 20 Prozent, was vor allem für den Veredlungssektor bei gleichzeitig sinkenden Erlösen eine prekäre Kosten-Nutzen-Situation zur Folge hat.

Noch nie war Eiweiß aus Pflanzen so teuer

Der Futtermittelmarkt wird zu einem erheblichen Teil von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Wie die Preise bei Getreide und Ölsaaten insgesamt sind auch die Proteinpreise in Weizen und Ölschroten im Laufe des Jahres 2021 kräftig angestiegen. Gründe dafür sind die weltweit gute Nachfrage nach diesen Proteinträgern sowie die Sorge vor Lieferengpässen wegen der extrem verteuerten Energieträger Öl und Gas und den limitierten Frachtkapazitäten. Zusätzlich begrenzten die teils unbefriedigenden Ernten, so an GVO-freiem Soja in Brasilien, die Verfügbarkeit und verteuerten zusätzlich. Die Proteinpreise für Rapsschrot sind mit Stand Oktober 2021 mit einem Plus von 17 Prozent gegenüber Vorjahr noch am konkurrenzfähigsten, während für Weizeneiweiß mit einem Plus von 34 Prozent oder für gentechnikfreies Sojaschrot mit einem Plus von 48 Prozent deutlich tiefer in die Tasche gegriffen werden musste.

Einkaufspreise für Grundfutter deutlich unter Vorjahr

Das Erntejahr 2021 ist geprägt von reichlichen Raufutteraufkommen. Die Silomaisernte erreichte 2021 trotz etwas geringerer Anbaufläche mit 101 Millionen Tonnen einen neuen Rekordwert. Das sind gegenüber dem Vorjahr 7 Prozent mehr. Das spiegelt sich auch in den Preisen wider, die deutlich unter die Vorjahreslinie gerutscht sind. So kostet Maissilage im Bundesdurchschnitt 10 Prozent weniger als im Vorjahr. Bei Grassilage ist der Preisabstand zum Vorjahr noch größer. Das Angebot an Heu ist ebenfalls reichlich und von zumeist guter Qualität, während Stroh weniger angefallen ist. Daher verzeichneten die Preise im November 2021 bei Stroh im Vergleich zum Vorjahr nur ein Minus von 5 Prozent, während für Heu sogar 16 Prozent weniger gezahlt wurde.

10,2 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung

Von der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland dienen nach komplexen Auswertungen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) etwa 10,2 Millionen Hektar oder 61 Prozent der Futtererzeugung, wovon der allergrößte Teil auf Grünfutter, Futtergetreide und Silomais entfällt. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten konnte Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere im Wirtschaftsjahr 2019/20 zu 90 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 70 Prozent gedeckt.

Rund 70 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung

Für die Eiweißversorgung der Nutztiere waren in Deutschland im Wirtschaftsjahr 2019/20 8,0 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich. 5,6 Millionen Tonnen davon deckten heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen ab. 2,4 Millionen Tonnen oder 30 Prozent des verfütterten Rohproteins wurden aus dem Ausland eingeführt. Der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen, Soja und anderen Hülsenfrüchten ist nach Einführung der Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) im Rahmen der GAP in Deutschland von 92.000 Hektar (2014) auf 245.000 Hektar (2021) um das 2,7-fache angestiegen. Um die Rohprotein-Importe Deutschlands für Futterzwecke von jährlich etwa 2,4 Millionen Tonnen vollständig zu ersetzen, wäre allerdings ein zusätzlicher Anbau von Eiweißpflanzen auf einer Fläche von mindestens 1,9 Millionen Hektar erforderlich. 67 Prozent des nach Deutschland eingeführten Soja sind gentechnikfrei und zertifiziert als aus „entwaldungsfreiem“ Anbau.