6.3 Betriebsmittel / Futtermittel
Situationsbericht 2020/21

6.3 Betriebsmittel / Futtermittel

Betriebsmittel genauso teuer wie vor einem Jahr

Die Landwirte in Deutschland haben für Betriebsmittel und Dienstleistungen im Juli 2020 im Durchschnitt fast genauso viel gezahlt wie ein Jahr zuvor. Während Bauten und Maschinen sowie ihre Unterhaltung deutlich teurer geworden sind, kosteten Treibstoffe und Düngemittel erheblich weniger. Etwas höher als im Juli 2019 fielen die Preise für elektrischen Strom aus. Kaum verändert blieben die Einkaufspreise für Futtermittel insgesamt. Unter den Futtermitteln allerdings haben sich Ölkuchen/-schrote deutlich verteuert.

Energiepreisabhängigkeit der Landwirtschaft

Die Landwirtschaft setzt neben Strom, Treib- und Schmierstoffen weitere energieintensive Betriebsmittel wie Düngemittel ein. Die Entwicklung der Energiepreise ist für die Landwirtschaft daher von großer Bedeutung. Steigende Erdölpreise verteuern die landwirtschaftliche Produktion indirekt. Nach starkem Einbruch der Erdölpreise in März und April 2020 als Folge der weltweiten Corona-Krise haben sich die Preise für Rohöl der Sorten WTI und Brent wieder deutlich erholt und halten seit Juni 2020 ein Preisniveau von etwas über 40 US-Dollar je Barrel. Das ist allerdings in etwa ein Drittel weniger als im Durchschnitt des Jahres 2019. Analysten gehen davon aus, dass das Niveau der Erdölpreise auch im Jahr 2021 ähnlich niedrig bleiben wird. Steigende Gaspreise dürften allerdings die Stickstoffherstellung wieder verteuern.

Preise für Stickstoffdüngemittel geben nach

Die Preise für Stickstoffdünger haben sich seit Beginn des Jahres 2020 deutlich vergünstigt. Besonders niedrig waren die Preise von April bis Juli als Folge der Auswirkungen der Corona-Pandemie, die die Energiepreise und damit auch die Erdgaspreise einbrechen ließen. Infolgedessen haben sich die Herstellungskosten für Stickstoffdüngemittel verringert. Am deutschen Markt für Stickstoffdünger macht sich außerdem die weitere Verschärfung der Düngeverordnung bemerkbar. Seit Anfang 2020 haben besonders die Preise für Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung nachgegeben. Sie büßten von Januar bis Oktober 2020 rund 11 Prozent an Wert ein und lagen zuletzt bei 160 Euro je Tonne. Das sind etwa 29 Euro je Tonne weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Die Preise für granulierten Harnstoff haben im gleichen Zeitraum um etwa 3 Prozent nachgegeben. Kalkammonsalpeter hat sich seit Jahresbeginn um etwa 9 Prozent auf 181 Euro je Tonne frei Hof vergünstigt.

Auch Kali- und Phosphordünger preisgünstiger

Während die Herstellung von Stickstoffdüngemitteln von Erdgas- und damit von Energiepreisen abhängt (Haber-Bosch-Verfahren), werden Kali und Phosphor aus Lagerstätten gewonnen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie ließen allerdings auch die Preise für Phosphordünger deutlich zurückgehen. Da die Kalipreise vergleichsweise stabil sind, weisen sie nur geringe Schwankungen gegenüber dem Vorjahr auf, lagen aber im Oktober 2020 um rund 4 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Eine Preiswirkung im Frühjahr durch den Corona-Ausbruch ist nicht erkennbar. Diammonphosphat (DAP) kostete im Oktober 2020 im Bundesdurchschnitt 342 Euro je Tonne und damit zwar etwa 6 Euro je Tonne mehr als im Januar, aber 23 Euro je Tonne weniger als im Oktober 2019 und 102 Euro je Tonne weniger als vor zwei Jahren. Triple-Superphosphat (TSP) wurde im Oktober 2020 mit 284 Euro je Tonne bewertet. Das entspricht einem Rückgang von 52 Euro je Tonne gegenüber Oktober 2019 und von 84 Euro je Tonne gegenüber Oktober 2018. Der Preisdruck kommt vor allem vom Weltmarkt.

Düngemitteleinsatz leicht zurückgegangen

Der Düngemittelabsatz ist im Wirtschaftsjahr 2019/20 weiter zurückgegangen. Insgesamt wurden 4,77 Millionen Tonnen vermarktet und damit etwa 1 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders Kalk wurde von den Landwirten weniger eingesetzt. Hier ging der Absatz gegenüber dem Vorjahr um gut 5 Prozent auf 2,7 Millionen Tonnen zurück. Der Absatz von Stickstoff-, Kali- und Phosphatdüngern ist im Vergleich zu 2018/19 hingegen mehr oder minder gestiegen. Bei Phosphatdüngern wird das größte Plus von 23 Prozent auf 0,25 Millionen Tonnen verzeichnet. An Kalidüngern wurden mit 0,43 Millionen Tonnen etwa 4 Prozent mehr abgesetzt. Der Verkauf von Stickstoffdüngern stieg um 2 Prozent auf 1,37 Millionen Tonnen.

Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weiter rückläufig

Die Menge der in Deutschland in den Markt gebrachten Pflanzenschutzmittel ist in 2019 weiter zurückgegangen und erreichte damit einen neuen Tiefstand seit der Jahrhundertwende. Die verkaufte Wirkstoffmenge verringerte sich 2019 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 9 Prozent auf rund 27.000 Tonnen. Der Rückgang war dem gezielten Einsatz und auch der trockenen Wetterlage geschuldet, die den Krankheits- und Schädlingsdruck begrenzte. Der Umsatz im Direktgeschäft zwischen Industrie und Pflanzenschutzmittelhandel ist 2019 gegenüber dem Vorjahr um 7 Prozent auf 1,193 Milliarden Euro weiter zurückgegangen.

Mischfutterpreise deutlich über Vorjahr

Die Mischfutterpreise ziehen seit Oktober 2019 stetig an. Verunsicherungen am Markt, ausgelöst durch die Corona-Pandemie im Frühjahr, unterbrachen nur kurzzeitig den Aufwärtstrend. Auslöser für den Aufwärtstrend waren die festen Futtergetreidepreise und die kräftige Verteuerung der Ölschrote. Futtergetreide kostete im November 2020 11 Prozent mehr als im Vorjahr, Sojaschrot 10 Prozent. Das trieb die Mischfutterpreise im November 2020 um rund 8 Prozent über die Vorjahreslinie. Der Preiseinbruch bei Schweinen sorgt für eine erneute Verunsicherung des Marktes. Befürchtet werden spürbar sinkende Tierbestände und damit ein verringerter Absatz an Futtermitteln. Vor diesem Hintergrund könnten die Mischfutterpreise in 2021 möglicherwiese wieder nachgeben, vor allem, wenn die Ölschrotpreise schwächeln sollten.

Eiweiß hat sich 2020 deutlich verteuert

Der Futtermittelmarkt wird zu einem erheblichen Teil von den Preisentwicklungen bei den Eiweißkomponenten geprägt. Die Proteinpreise in Weizen und Ölschroten unterlagen 2020 starken Schwankungen, weisen aber durchweg eine feste Tendenz auf. Im Oktober 2020 war Protein im Futterweizen 13 Prozent und im GVO-freien Sojaschrot 12 Prozent teurer als vor einem Jahr. Für den Proteinanteil im Rapsschrot mussten Landwirte sogar 22 Prozent mehr bezahlen als im entsprechenden Vorjahresmonat. Haupttreiber für die Preise bleiben vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Im Herbst 2020 zogen die Forderungen aus Sorge um einen erneuten Lockdown und Lieferengpässe nochmals deutlich an. Möglicherweise sorgt die erwartete Rekordernte in Südamerika 2021 für Preisdruck.

Einkaufspreise für Grundfutter teils über Vorjahr, teils unter Vorjahr

Das regionale Angebot an Raufutter fällt je nach Ernteaufkommen in 2020 unterschiedlich aus. Die Preise liegen zumeist über Vorjahresniveau. Bei Stroh lagen die Einkaufspreise im November 2020 im Bundesdurchschnitt um rund 11 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresmonat. Hauptgrund dafür war die gegenüber Vorjahr kleiner ausgefallene Ernte. Bei Heu waren im Jahresvergleich etwa 1 Prozent höhere Preise zu verzeichnen. Maissilage kostete im November 2020 9 Prozent weniger als vor einem Jahr, weil mehr geerntet wurde als 2019. Grassilage hat sich ebenfalls vergünstigt, da in vielen Regionen doch noch ein vierter Schnitt eingebracht werden konnte, mit dem oftmals nicht mehr gerechnet wurde.

8,3 Millionen Hektar Fläche dienen der Futtererzeugung

Von den 11,7 Millionen Hektar Ackerland in Deutschland werden etwa 3,0 Millionen Hektar zur Futtererzeugung verwendet, wovon der allergrößte Teil auf Futtergetreide und Silomais entfällt. Dazu kommen noch 0,5 Millionen Hektar Zwischenfruchtflächen als Zusatzfutterflächen. Weitere 4,8 Millionen Hektar werden als Dauergrünland (Wiesen und Weiden) ausschließlich für Futterzwecke genutzt. Zusammen sind dies 8,3 Millionen Hektar oder 50 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) in Deutschland. Unter Berücksichtigung aller Futtermittelkomponenten kann Deutschland den Energiebedarf der Nutztiere zu 91 Prozent aus inländischer Futtermittelerzeugung (Fünfjahresdurchschnitt 2014/15 – 2018/19) decken. Der entsprechende Proteinbedarf wird zu rund 73 Prozent gedeckt.

Rund 73 Prozent der Eiweißversorgung aus heimischer Erzeugung

Für die Eiweißversorgung der Nutztiere sind in Deutschland pro Jahr 8,5 Millionen Tonnen sogenanntes verdauliches Rohprotein erforderlich (Fünfjahresdurchschnitt 2014/15 – 2018/19). 6,2 Millionen Tonnen davon decken heimisches Rau- und Grünfutter (wirtschaftseigenes Futter), wirtschaftseigenes Getreide und heimische Nebenprodukte der Rapsöl- und Bioethanolherstellung, der Lebensmittelverarbeitung sowie Körnerleguminosen ab. Der Anbau von Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen, Soja und anderen Hülsenfrüchten ist nach Einführung der Ökologischen Vorrangflächen (ÖVF) im Rahmen der GAP von 92.000 Hektar (2014) auf 223.000 Hektar (2020) um das Anderthalbfache angestiegen. Um die Rohprotein-Importe Deutschlands für Futterzwecke von jährlich etwa 2,3 Millionen Tonnen vollständig zu ersetzen, wäre allerdings ein zusätzlicher Anbau von Eiweißpflanzen auf einer Fläche von mindestens 1,8 Millionen Hektar erforderlich.