7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte
Situationsbericht 2021/2022

7.1 Agrarpreise und Agrarrohstoffmärkte

Wirtschaftsjahr 2020/21: Uneinheitliche Entwicklungen bei den Erzeuger- und Betriebsmittelpreisen

Während die Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte im Wirtschaftsjahr 2020/21 (Juli 2020 bis Juni 2021) um 4 Prozent zurückgegangen sind, nahmen die Betriebsmittelpreise um gut 2 Prozent zu. Dabei waren die Entwicklungen bei den einzelnen Erzeugnissen und Betriebsmitteln sehr unterschiedlich. Erheblich unter Vorjahresniveau blieben im Wirtschaftsjahr 2020/21 die Erzeugerpreise für Kartoffeln und Schweine. Aber auch die Preise für Mastgeflügel verfehlten das Vorjahresniveau deutlich. Merklich höhere Preise erzielten die Landwirte im Durchschnitt des Wirtschaftsjahres dagegen für Schafe, Obst, Getreide, Raps und Gemüse. Aber auch die Rinder- und Milchpreise lagen über dem Vorjahresniveau. Auf der Betriebsmittelseite stiegen vor allem die Preise für Futtermittel kräftig an. Überdurchschnittlich verteuert haben sich Saat- und Pflanzgut sowie für die Anschaffung und Unterhaltung von Gebäuden. Dagegen verbilligte sich der Einkauf von Energie und Schmierstoffen sowie Düngemitteln.

Wirtschaftsjahr 2021/22 beginnt mit starken Preisausschlägen

Seit Ende des Jahres 2020 haben die landwirtschaftlichen Erzeugerpreise kräftig zugelegt. Im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres 2021/22 lag das landwirtschaftliche Erzeugerpreisniveau um 12 Prozent über dem Vorjahresstand. Profitiert haben von der Preishausse fast alle Produktbereiche, bis auf Obst, Schlachtschweine und Eier, wo die Erzeugerpreise doch deutlich hinter dem entsprechenden Vorjahresstand zurückblieben. Aber auch die Betriebsmittelpreise sind zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres 2021/22 mit plus 9 Prozent stark angestiegen. Besonders haben sich Treibstoffe, Futter- und Düngemittel verteuert. Aber auch die Preise für Bauten und ihre Unterhaltung haben kräftig angezogen.

AMI-Agrarrohstoff-Index mit starker Aufwärtstendenz

Auch der Agrarrohstoff-Index der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) für die 13 wichtigsten in Deutschland erzeugten Agrarprodukte zeigte im Jahresverlauf 2021 insgesamt eine deutliche Aufwärtstendenz. Zu dieser Entwicklung haben vor allem die höheren Preise am Getreide- und Rapsmarkt beigetragen. Auch festere Tendenzen am Milchmarkt stützten diese Entwicklung. An den Fleischmärkten zeigte sich hingegen ein uneinheitliches Bild. Im November 2021 lag der AMI-Index mit 157 Punkten  (2005 = 100) deutlich über dem Stand des Vormonats (+ 4 Prozent) und erheblich über dem entsprechenden Vorjahresstand (+ 27  Prozent).

Starke Preisaufwärtstendenz bei wichtigen Agrarrohstoffen

Der FAO-Preisindex für die wichtigsten weltweit gehandelten Agrarrohstoffe zeigt seit Mai 2020 einen fast kontinuierlichen Aufwärtstrend. Mit 133,2 Punkten erreichte der Index im Oktober 2020 den höchsten Stand seit Juli 2011. Er liegt damit um 3 Prozent über dem Stand des Vormonats und um 31 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert. Fast alle Produktbereiche zeigten einen mehr oder minder kräftigen Preisauftrieb. Lediglich die internationalen Fleisch- und Zuckerpreise standen zuletzt etwas unter Druck.

Prognostiziert werden nominal steigende, aber real fallende Agrarpreise

FAO und OECD gehen in ihrer Landwirtschaftsprognose bis zum Jahr 2030 davon aus, dass ein Wachstum in der pflanzlichen Erzeugung vor allem durch steigende Erträge und in der Fleisch- und Milchproduktion sowohl über höhere Tierbestände als auch über verbesserte Tierleistungen stattfinden wird. Die globale Nachfrage nach Nahrungsmitteln dürfte in den kommenden Jahren bis 2030, auf Kalorienbasis gemessen, um 14 Prozent zulegen (1,3 Prozent pro Jahr). Davon gehen 10 Prozentpunkte auf ein Wachstum der Weltbevölkerung von 7,7 Milliarden Menschen (2018-2020) auf 8,5 Milliarden Menschen in 2030 zurück. Weiter gehen FAO und OECD in ihren Projektionen davon aus, dass das globale Agrarpreisniveau nominal ansteigen wird, aber unter Berücksichtigung der Inflation (real) sinken oder stagnieren wird.

Starker Nachfragezuwachs in aufstrebenden Volkswirtschaften

Mit steigenden Einkommen in den aufstrebenden Volkswirtschaften geht ein starker Nachfragezuwachs von Fleisch, Fisch und Geflügel, aber auch von Obst, Gemüse und Zucker einher. Um diesen decken zu können, werden steigende Mengen an Futtermitteln, insbesondere grobkörnigem Getreide und proteinhaltigen Nahrungsstoffen benötigt.

Corona-Auswirkungen auf die Welt-Konjunktur

Die Corona-Pandemie hat zu starken Auswirkungen auf die Weltwirtschaft geführt. Das weltweite Bruttosozialprodukt war in 2020 real um 3,5 Prozent eingebrochen. Die im Laufe des Jahres 2021 wieder deutlich anziehende Welt-Konjunktur verlangte nach Rohstoffen in einem Umfang, der nicht so schnell wieder bereitgestellt werden konnte. Engpässe beim Transport und in der Verarbeitung führten darüber hinaus zu Lieferschwierigkeiten, die die Verwender der Rohstoffe in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zum Teil erheblich bremsten. Staatliche Konjunkturprogramme heizten die Nachfrage zusätzlich an. Experten rechnen damit, dass sich die Rohstoffpreise allmählich wieder normalisieren. Bei Eisenerz und Stahl zum Beispiel war dies bereits mit Beginn der zweiten Jahreshälfte 2021 deutlich erkennbar. Gemeinsam ist allen Rohstoffen, dass ihr Verbrauch an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt ist. Zwischen den globalen Energie- und Nahrungsmittelpreisen besteht ein Zusammenhang, nicht nur bei Bioenergie, sondern auch durch die energieabhängige Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte.

Losgelöst von der globalen wirtschaftlichen Erholung nach Corona werden die Kohlenstoff basierten Rohstoffe wie Rohöl und Gas wegen des CO2-Emissionshandels, Kupfer wegen des starken Bedarfs zum Beispiel für Leitungen für alternative Energien und Holz als umwelt- und klimafreundliches Baumaterial in der EU und auch weltweit relativ teuer bleiben. Der in der EU 2005 eingeführte Emissionshandel deckt 40 Prozent des EU-Treibhausgasausstoßes ab. An dem System nehmen neben den Energieversorgern auch große Teile der Industrie sowie der innereuropäische Luftverkehr teil. Gehandelte Zertifikate hatten am 25. November 2021 (Redaktionsschluss) einen neuen Höchstwert von 75 Euro je Tonne CO2 erreicht.

Volatilere Agrarpreise in der EU

Seit dem Abbau der EU-Agrarpreisstützung werden die heimischen Erzeugerpreise von der Situation auf den internationalen Agrarmärkten geprägt. Infolgedessen haben sich die Preisschwankungen (Volatilitäten) an den europäischen Agrarmärkten in den letzten Jahren deutlich erhöht. Preisschwankungen an den europäischen Getreide- oder Milchmärkten zum Beispiel sind groß. Vor diesem Hintergrund gewinnen Preisabsicherungsinstrumente wie Warenterminmärkte für Anbieter und Käufer von Agrarrohstoffen an Bedeutung. Landwirte sichern sich im Vorfeld der Ernte vor allem über Vorkontrakte ab, denen Warentermingeschäfte des Handels zugrunde liegen.

Preisabsicherung durch Vorkontrakte

Bei der Vermarktung von Getreide und Raps nutzen immer mehr Landwirte Vorkontrakte zur Preisabsicherung. Nach Ergebnissen des Konjunkturbarometer Agrar gaben im März 2021 46 Prozent der Verkaufsgetreide anbauenden Landwirte an, Vorkontrakte mit Abnehmern wie Handel und Mühlen über ihre anstehende Ernte oder Teile davon abgeschlossen zu haben oder zu planen. Der entsprechende Wert für die Raps anbauenden Betriebe lag im März 2021 bei 73 Prozent.

Einfluss der Finanzmärkte auf die Agrarmärkte

Kapitalanleger suchen auch auf den Rohstoffmärkten nach rentierlichen Anlagemöglichkeiten. Begünstigt wird diese Entwicklung durch ein niedriges Zinsniveau bzw. eine lockere Geldpolitik der Notenbanken, die die Konjunktur ankurbeln soll. Wie zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, können spekulative „Blasen“ an den Terminmärkten („Preisübertreibungen“) in der Regel nur dann entstehen, wenn in den von Angebot und Nachfrage bestimmten Börsenplätzen keine ausreichende Markttransparenz gegeben ist. Bislang konnten derartige Marktverzerrungen an den Agrarterminmärkten nicht nachgewiesen werden.

Steigender Dollarkurs gibt EU-Agrarexporten Aufwind

Der globale Handel mit Agrarprodukten wird nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst. Erhebliche Bedeutung haben auch die Wechselkurse. Der internationale Agrarrohstoffhandel wird überwiegend auf US-Dollar-Basis abgewickelt. Eine Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar wirkt sich auf die deutschen Exportgeschäfte positiv aus, da die Unternehmen billiger auf dem Weltmarkt anbieten. Die Importe von Rohstoffen und Gütern verteuern sich dagegen, was sich belastend auf die Produktionskosten auswirkt. Im Laufe des Jahres 2021 hat der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verloren. Lag der Kurs Anfang im Mai 2021 bei 1,22 US-Dollar/Euro, waren es im November 2021 nur noch 1,14 US-Dollar/Euro. Damit sind Exporte in den US-Dollarraum billiger, Importe dagegen teurer geworden.

Zusammenhang zwischen Energie- und Agrarpreisen

Die Entwicklung der Getreide-, Ölsaaten- und Zuckerpreise steht in einer Wechselbeziehung zu der kaufkräftigen Nachfrage nach Nahrungsmitteln und der Nachfrage nach Bioenergie, die wiederum vor allem vom Rohölpreis abhängt. Hohe Energiepreise stützen also die Weltagrarpreise, besonders bei Getreide, anderen pflanzlichen Rohstoffen und auch bei Holz. Niedrige Energiepreise führen tendenziell zu einem Druck auf die Agrarpreise.

Der Ausbau der Bioenergie bzw. der nachwachsenden Rohstoffe bietet den Landwirten Chancen für eine alternative Vermarktung ihrer Erzeugnisse. Die Preise am Energiemarkt bilden grundsätzlich die Preisuntergrenze für landwirtschaftliche Produkte. Durch die Koppelproduktion, z. B. bei Raps für Biodiesel und für Rapsschrot-Futtermittel, wird die Anfälligkeit der Verarbeitungskette gegen Preisschwankungen gemindert.

5 Prozent der Weltackerfläche für Biokraftstoffe

Von der gesamten weltweiten Landfläche sind 1,6 Milliarden Hektar Ackerland. 5 Prozent davon oder rund 85 Millionen Hektar werden für den Anbau von Energiepflanzen wie Getreide, Ölpflanzen und Zuckerrohr/Zuckerrüben genutzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Biokraftstofferzeugung zu einem hohen Anteil pflanzliche Nebenprodukte (Getreide: circa 40 Prozent Schlempe; Raps: circa 60 Prozent Schrot) anfallen, die als Futtermittel Verwendung finden und damit die Netto-Inanspruchnahme von Flächen für Energiezwecke etwa um die Hälfte kleiner ausfallen lassen. Nach Einschätzung des Internationalen Getreiderates (IGC) werden im Wirtschaftsjahr 2021/22 gut 16 Prozent der Weltgetreideernte (ohne Reis) für die Erzeugung von Ethanol und Stärke genutzt. 46 Prozent der Weltgetreideernte werden zu Futterzwecken eingesetzt.

„Spekulation“ verantwortlich für Hunger in der Welt?

Wissenschaftliche Analysen kommen zu dem Schluss, dass „Spekulation“ nicht den oft behaupteten Einfluss auf das Preisgeschehen am Weltmarkt hat. Analysten sehen die fundamentalen Nachfrage- und Angebotstrends bei Agrarrohstoffen als entscheidend an. Hunger und Armut sind häufig Folge von schlechter Regierungsführung, Korruption, Bürgerkriegen, Wetterextremen, Klimawandelfolgen, Marktabschottung und unzureichenden Eigentums- und Nutzungsrechten. Verstärkt wird der Hunger durch die Folgen des Klimawandels. Die Agrarmärkte in den ärmeren Ländern sind oft wenig funktionsfähig. Dazu gehören vor allem schlechte Infrastrukturen und abgeschottete Märkte. So sind zum Beispiel in Afrika nur 15 Prozent des Handels innerafrikanisch. Zum Vergleich: In Europa werden 70 Prozent der Waren innerhalb der EU gehandelt.

Zahl der Hungernden stark angestiegen

Die FAO definiert Unterernährung als die Aufnahme von zu wenig Kalorien, die jeder Mensch für ein gesundes und produktives Leben benötigt. Ende 2020 litten etwa 768 Millionen Menschen unter chronischem Hunger. Das waren 188 Millionen mehr als im Vorjahr. Ursache für die starke Zunahme waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie und auch die Folgen des Klimawandels in einigen Regionen der Welt. Seit 2014 nimmt die Zahl der Hungernden zu. Nach Schätzungen der FAO hatten 2020 nahezu 2,4 Milliarden Menschen (30 Prozent der Weltbevölkerung) keinen regelmäßigen Zugang zu adäquater Ernährung. Das sind 302 Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor. Dem stehen nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation etwa 1,9 Milliarden Menschen über 18 Jahre (25 Prozent der Weltbevölkerung) gegenüber, die als übergewichtig gelten, davon 650 Millionen als fettleibig.

Hungerbekämpfung durch höhere Produktivität der Landwirtschaft

Zur Verbesserung der Welternährungssituation hält die FAO eine nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft und einen wachsenden Handel mit Agrarprodukten für notwendig. Um mehr Nahrungsmittel bei geringerem Ressourcenverbrauch zu produzieren, wird eine weitere Modernisierung und Professionalisierung der Landwirtschaft in den Entwicklungsländern gefordert. Gleichzeitig geht es darum, die massiven Nachernteverluste zu reduzieren und dabei in eine bessere Lagerhaltung zu investieren. Nicht zuletzt setzt eine erfolgreiche Landwirtschaft Bodeneigentum, Zugang zu Ausbildung, Märkten, Kapital und Betriebsmitteln ebenso voraus wie unternehmerische Freiräume und die Möglichkeit der Landwirte, sich politisch und wirtschaftlich unabhängig zu organisieren.

Weltweiter Agrarhandel kann Wasserstress mindern

Durch den globalen Handel mit Nahrungsmitteln aus landwirtschaftlicher Produktion lassen sich große Mengen Wasser einsparen. Das zeigt eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Wichtig für die Auswirkungen auf Knappheit ist danach vor allem die Herkunft des Wassers. In der deutschen Landwirtschaft wird zu 99 Prozent Regenwasser genutzt. Dagegen wird in vielen südlichen Ländern hauptsächlich auf die Bewässerung bzw. Brunnenwasser zurückgegriffen.

Europa bleibt ein global wichtiger Versorger mit Agrarrohstoffen

Der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an der Weltagrarerzeugung und am Weltagrarhandel wird nach FAO-Einschätzung künftig weiter wachsen. Für die Industrieländer wie die Länder der EU wird ebenso eine weitere, wenn auch verlangsamte Steigerung der Agrarerzeugung erwartet. Mit ihrer hohen Produktivität und Effizienz werden sie nach Prognosen der FAO weiter bedeutende Akteure im Weltagrarhandel bleiben. Nach aktuellen wissenschaftlichen Berechnungen würden in Deutschland zur Deckung des inländischen Verbrauchs im Ausland dreimal so viel Acker- und Grünlandfläche benötigt, wie hierzulande bereits bewirtschaftet werden. Das zeigt den Vorteil internationaler „Arbeitsteilung“.

Bis 2050 Produktionssteigerung um 60 Prozent

Bis zum Jahr 2050 müsste die globale Agrarproduktion gegenüber 2013 nach FAO-Angaben um 60 Prozent gesteigert werden, wenn den Anforderungen der voraussichtlich auf 9,8 Milliarden Menschen ansteigenden Weltbevölkerung und ihren wachsenden Bedürfnissen nachgekommen werden soll.

Weitere Produktivitätssteigerungen erforderlich

Da die produktiven landwirtschaftlichen Flächen kaum zunehmen werden, sind weitere Produktivitätssteigerungen erforderlich. Diese aber haben nach Analysen der FAO in den letzten Jahren deutlich nachgelassen. Gleichzeitig ist eine effizientere Nutzung der knapper werdenden Ressource Wasser angezeigt. Die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen diese Knappheit.

Experten der FAO und der OECD halten in ihrer „Outlook“-Studie aus Mitte 2021 in der Dekade bis 2030 ein globales Wachstum der Agrarproduktion von 1,4 Prozent pro Jahr für möglich. Für die Pflanzenerzeugung schätzen die Experten, dass 87 Prozent dieses Wachstums aus höheren Hektarerträgen resultieren wird. 6 Prozent Wachstum können über ein Flächenwachstum und 7 Prozent über eine Erhöhung der Bewirtschaftungsintensität der Flächen erfolgen.

Klimaforscher warnen vor „Ernten im freien Fall“

Eine internationale Forschergruppe kommt unter Verwendung neuester Klima- und Agrarmodelle zu der Erkenntnis, dass zunehmende Kohlendioxid-Konzentrationen zwar das Pflanzenwachstum im „Norden“ befördern. Weit höher aber sind die Mindererträge im „Süden“ infolge Wassermangel, Hitzeperioden, Extremwetter und Schädlingen. Mehr noch: In weiten Teilen der Welt werden Missernten bereits innerhalb der nächsten 20 Jahre deutlich spürbar sein. Am meisten überrascht hat die Wissenschaftler die Reaktion der Maispflanzen. Sie reagieren offenbar besonders empfindlich auf den Klimawandel und werden schon bald geringere Ernten einbringen. Aber auch Sojabohnen und Reis reagieren negativ auf den Klimastress. Weniger eindeutig wird die Entwicklung bei Weizen diagnostiziert.

Effiziente Nutzung der Ressource Wasser

Fast alles Wasser der Erde ist Salzwasser. Nur 2,5 Prozent oder 35 Millionen km3 sind Süßwasser. Die größte Menge davon ist unerreichbar: Drei Viertel sind als Eis und Schnee gebunden und weitere fast 24 Prozent als fossiles Grundwasser in tiefen Gesteinsschichten eingeschlossen. Nur etwa 0,3 Prozent des Süßwasservorkommens (ca. 100.000 km3) sind zugängliche erneuerbare Süßwasserressourcen in Flüssen, Feuchtgebieten, Seen, Böden und der Atmosphäre. Weltweit werden jährlich rund 4.000 km³ Frischwasser entnommen. Die Süßwasserressourcen auf der Erde sind räumlich wie zeitlich nicht gleichmäßig verteilt. In vielen Regionen der Welt ist das nutzbare Wasser schon heute limitierend für die Entwicklung der Wirtschaft, gerade auch der Landwirtschaft. Besonders verschärft sich der Wassermangel in den heutigen Trockenregionen. Weitere Regionen stehen vor der Herausforderung zunehmender Wasserknappheit. Nach Einschätzung der UNESCO sind bis zum Jahr 2050 voraussichtlich 40 Prozent der globalen Getreideproduktion von knapper werdenden Wasserreserven bedroht. Im weltweiten Mittel verbraucht die Landwirtschaft 69 Prozent der Wasservorräte aus Flüssen, Seen und Grundwasserleitern. In Deutschland ist die Lage anders, hier machen Energieversorgung, Bergbau und verarbeitendes Gewerbe 77 Prozent der Wassernutzung aus, die Landwirtschaft verbraucht nur gut 1 Prozent des Wassers.

Deutschland bei „virtuellem Wasser“ mit Standortvorteil

Der Handel mit Agrarprodukten ist indirekt auch ein Handel mit virtuellem Wasser. Das ist jenes Wasser, das während der Produktion eingesetzt wird. Der Wasserbedarf landwirtschaftlicher Produkte variiert von Region zu Region teilweise sehr stark. Um ein Kilo Getreide in Marokko anzubauen, müssen etwa 2.700 Liter Wasser aufgewendet werden. Die gleiche Menge kann in Deutschland mit nur 520 Litern Wasser erzeugt werden, wie Wissenschaftler des PIK vorrechnen. Es zeigt sich, dass nicht die Menge des verbrauchten Wassers, sondern dessen Herkunft entscheidend ist. In Indien oder im Mittleren Osten lässt sich durch den Import von Agrarprodukten Wasserknappheit verringern. In Ländern Südeuropas hingegen verstärkt der Export bei einer Reihe von Produkten den Mangel an dieser Ressource.

„Wasserstress“ nimmt zu

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung (4 Milliarden Menschen) lebt nach dem UN-Weltwasserbericht in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr von Wassermangel bedroht sind. Weltweit haben aktuell 2,2 Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen, also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung, haben keine sicheren Sanitäranlagen. Etwa vier Milliarden Menschen leben in Regionen, die in mindestens einem Monat pro Jahr von hoher Wasserknappheit betroffen sind. Nach dem aktuellen UN-Weltwasserbericht wird sich der globale „Wasserstress“ in den nächsten Jahren noch deutlich verschärfen.

Kann die Ernährung der Weltbevölkerung sichergestellt werden?

Inwieweit die Versorgung mit der globalen Nachfrage Schritt halten kann, hängt insbesondere mit dem globalen Bevölkerungswachstum zusammen. Nach Projektionen der Vereinten Nationen (UN) wird die Weltbevölkerung von derzeit 7,8 (2020) auf 9,8 Milliarden Menschen in 2050 ansteigen. Jährlich nimmt die Weltbevölkerung um mehr als 80 Millionen zu, was in etwa der Bevölkerung Deutschlands entspricht. Die globale Nachfrage wird ebenso durch eine höhere Kaufkraft und geänderte Ernährungsgewohnheiten geprägt. In den Schwellenländern ist mit einem weiter steigenden Konsum von höherwertigen Lebensmitteln wie Fleisch- und Milchprodukten sowie Obst und Gemüse zu rechnen. Hinzu kommt eine tendenziell wachsende Verwendung von Agrarrohstoffen für energetische und stoffliche Zwecke.

Bislang hielt die Getreideproduktion mit dem Bevölkerungswachstum Schritt

Die Weltgetreideproduktion (ohne Reis) ist in den letzten Jahrzehnten in etwa so stark gewachsen wie die Weltbevölkerung. Allerdings schwanken die Ernten von Jahr zu Jahr. Während sich die Anbaufläche für Weizen und Futtergetreide in den letzten 30 Jahren insgesamt nur wenig verändert hat, sind die Hektarerträge um mehr als 70 Prozent gestiegen. Pflanzenschutzmittel helfen dabei, hohe Erntemengen und -qualitäten zu erzeugen. Ohne diese landwirtschaftlichen Betriebsmittel würden die Erträge aufgrund des Befalls mit Krankheiten, Schädlingen und Unkräutern auf etwa 50 Prozent zurückgehen.