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Einleitung

Vorwort

 
Mit dem Wirtschaftsjahr 2013/14 ist eine dreijährige Phase relativ stabiler Erlöse und Einkommen in der Landwirtschaft zu Ende gegangen. Daher wollen wir mit diesem Situationsbericht insbesondere die Aussichten für die Agrarmärkte in 2015 darstellen. Bereits die Buchführungsergebnisse 2013/14 geben die aktuelle Lage im Herbst 2014 nicht mehr wieder.
 
Die Erntemengen vieler landwirtschaftlicher Kulturen waren 2014 in Deutschland, Europa und auch weltweit überdurchschnittlich. Diese gute Versorgungslage führte im Umfeld einer global abgeschwächten Konjunktur zur Nervosität an den Agrarmärkten und schließlich zu einer Talfahrt vieler Erzeugerpreise. Das Russland-Embargo hat diese Entwicklung verstärkt. Laut Konjunkturbarometer Agrar vom Herbst 2014 erwarten die Landwirte, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in einem Ausmaß wie zuletzt 2008 verschlechtert.
 
Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2013/14 erzielten die landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetriebe ein Unternehmensergebnis von 67.300 Euro je Betrieb bzw. 46.400 Euro je Familien-Arbeitskraft. Das waren sechs Prozent mehr als im Wirtschaftsjahr 2012/13. Im laufenden Wirtschaftsjahr 2014/15 werden die landwirtschaftlichen Einkommen deutlich sinken. Dies betrifft vor allem die Tierhaltung, aber auch viele Bereiche der pflanzlichen Erzeugung.
 
Die aktuelle Marktschwäche ist aber keine Marktstrukturkrise. Denn die fundamentalen positiven Agrartrends bleiben bestehen. Zu den Taktgebern gehören Schwellenländer wie China, Indien und andere Teile der Welt, in denen eine kaufkräftige Mittelschicht heranwächst. Die dort entstehende Nachfrage nach sicheren und hochwertigen Lebensmitteln bietet teilweise schon heute bessere Wertschöpfungsmöglichkeiten als die Vermarktung im heimischen Niedrigpreissegment. Daher sollten die Bundesregierung und die EU-Kommission ihre Aktivitäten intensivieren, um einen besseren Marktzugang in diese Länder zu schaffen. Auch die Verhandlungen bei der WTO, mit den USA und mit anderen Handelspartnern sollten mit dem Ziel geführt werden, neue Chancen im Agrarexport zu eröffnen. Dabei müssen die hohen EU-Standards in der Lebensmittelsicherheit und im Umweltschutz erhalten bleiben.

Wegen der ausgeprägten Volatilität an den Agrarmärkten ist auch weiterhin ein Sicherheitsnetz, wie beispielsweise die Intervention in Krisensituationen, unerlässlich. Der eingeschlagene Weg der Marktorientierung stellt die Branche immer wieder vor Herausforderungen. Dennoch hat die Vergangenheit deutlich gezeigt, dass eine staatliche Verwaltung von Mengen und Märkten weder den Strukturwandel aufhält noch vor niedrigen Erzeugerpreisen schützt. Entscheidend ist, dass wir die Chancen in den vorhandenen Märkten nutzen.

Grundsätzlich hängt die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Landwirts im Besonderen auch von den Produktionskosten ab. Die Einführung des Mindestlohns, die geplante Novellierung der Düngeverordnung und höhere Standards in der Tierhaltung werden die Produktionskosten erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Betriebe verschlechtern.
 
Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft in international offenen Märkten muss gewahrt bleiben. Höhere Auflagen und Standards müssen am Markt erwirtschaftet werden. Mit der Beteiligung an der „Initiative Tierwohl“ setzt der DBV darauf, die von den Landwirten erbrachten höheren Tierhaltungsstandards über den Markt honorieren zu lassen. Die Landwirtschaft will damit auch eine Brücke zu den Verbrauchern schlagen, welche laut Marktumfragen ein wachsendes Interesse an regional erzeugten Produkten zeigen.
 
In der Gemeinsamen Agrarpolitik ist der Rahmen bis 2020 gesetzt, doch die Reform überzeugt in der Sache nicht. Die Gemeinsamkeit der EU-Agrarpolitik wird ausgehöhlt und die neuen Regelungen zum „Greening“ sowie zum „Aktiven Landwirt“ schaffen ein enges bürokratisches Korsett. Mit dem politischen Ziel, Landwirte für zusätzliche Umweltleistungen und Ressourceneffizienz zu honorieren, hat dieses „Greening“ nur wenig zu tun. Entbürokratisierung bleibt gerade in der Gemeinsamen Agrarpolitik eine Daueraufgabe.
 
Der vorliegende Situationsbericht 2014/15 erscheint im neuen Layout. Wie bisher bietet er eine Fülle von Trends und Fakten rund um die Land- und Agrarwirtschaft. Vertieft analysiert werden in diesem Jahr die internationalen Agrarmärkte, die GAP-Reform und der Boden als grundlegende Ressource der Landwirtschaft. Die Buchführungsergebnisse landwirtschaftlicher Betriebe wurden in enger Zusammenarbeit mit der LAND-DATA GmbH ausgewertet. Die AMI Agrarmarkt Informations-Gesellschaft hat umfangreiche Marktdaten bereitgestellt.
 
Allen Beteiligten, die am Situationsbericht mitgewirkt haben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.



Joachim Rukwied
Präsident des Deutschen Bauernverbandes