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Weitere Nutztiere

Honigbienen nutzen Mensch und Natur

20.000 bis 25.000 Tonnen Honig jährlich

Gastbeitrag: Petra Friedrich, Deutscher Imkerbund e.V. (D.I.B.)
 
Fragt man Menschen, was sie über Honigbienen wissen, so fällt den meisten zuallererst ein, dass diese Honig produzieren. Von diesem werden in Deutschland jährlich 20.000 bis 25.000 Tonnen von den fleißigen Insekten hergestellt, das sind rund 20 Prozent der Gesamtverbrauchsmenge in unserem Land. Die wenigsten aber wissen, dass diese, durch uns Menschen genutzte Honigproduktion, nur einen geringen Anteil des Wertes darstellt, der die Honigbiene zum drittwichtigsten volkswirtschaftlichen Nutztier nach Rind und Schwein macht. Durch die Bestäubungsarbeit der Bienen in der Landwirtschaft, vor allem im Obst- und Gemüseanbau, in der Saatguterzeugung und im Gartenbau wird ein Wert geschaffen, der den Erlös aus Honig und Wachs um das Zehn- bis Fünfzehnfache übersteigt. Das sind allein in unserem Land jährlich ca. zwei Mrd. Euro, weltweit laut Schätzungen 70 Mrd. Aber nicht nur die Landwirtschaft sondern auch viele Natur- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Honigbienen angewiesen. Ohne Bestäubung gibt es keine Samenbildung. Sie wiederum ist Grundlage für den Fortbestand der Pflanzen. Und viele Kleinstlebewesen und Vögel sind auf diese Nahrungsquellen angewiesen. Fehlen Bienen wird dieser geschlossene ökologische Kreislauf erheblich gestört.

Honigbienen – Garant für Quantität und Qualität
Wie sähe unsere Natur und unser Speiseplan aus, wenn es keine Bienen gäbe? Die Artenvielfalt in der Landschaft würde sich dramatisch reduzieren und unsere Nahrungspalette drastisch reduziert. Die Honigbiene ist das wichtigste Bestäubungsinsekt unserer Kulturpflanzen, von denen rund 80 Prozent auf die Bestäubungsleistung von Honigbienen angewiesen sind. 75 bis 80 Prozent aller Blütenbesucher sind Honigbienen. Auf annähernd 50 qkm erstreckt sich das Sammelgebiet eines Bienenvolkes, das im Sommer aus 30.000 bis 60.000 Individuen besteht. Honigbienen sorgen nicht nur für hohe Erträge, sondern auch für qualitativ bessere Früchte. Für eine gründliche Bestäubung sind z. B. bei Kernobst 3 – 4 Bienenvölker, bei Steinobst 4 bis 5 Völker je Hektar notwendig.
Obwohl auf Bundes- oder Länderebene nicht rechtlich geregelt oder gefördert, zahlen in Deutschland in Bauern in Obstanbaugebieten Bestäubungsprämien. Auch Saatguterzeuger schließen Bestäubungsverträge mit Imkern ab, um die für die Samenerzeugung notwendige Insektenbestäubung zu sichern. Die Vermietung von Bienenvölkern zur Pollenübertragung bei Züchtungs- und Kreuzungsversuchen oder zur Erzielung eines besseren Fruchtansatzes in Gewächshäusern wird ebenfalls praktiziert und von den Gärtnern entschädigt. In großen Teilen Deutschlands erhalten Imkerinnen und Imker aber für die Bestäubungsleistung ihrer Bienen kein Entgelt – sie sind kostenlose Dienstleister für die Natur und die Allgemeinheit.

Landwirtschaft und Imkerei – heute nicht mehr selbstverständlich
Imkerei und Landwirtschaft waren und sind voneinander abhängig, haben jedoch heute eine ganz unterschiedliche Ausrichtung. Derzeit gibt es in Deutschland rund 90.000 fast ausschließlich Freizeit- und Nebenerwerbsimkereien, in denen durchschnittlich acht Bienenvölker betreut werden und die ihre Aufgabe in erster Linie in der Naturschutzleistung sehen. Die Bienenvölker konzentrieren sich aufgrund der Veränderung in der Landschaft auf weniger Standorte. Mittlerweile gibt es zu wenige Bienen in der Fläche. Aus Sicht der Bienenhaltung ist in vielen Regionen eine karge Agrarlandschaft entstanden, die Probleme für Bestäubungsinsekten mit sich bringt: Trotz aller Gegensätze, die sich scheinbar entwickelt haben, gibt es genügend Ideen und praktische Beispiele, die dafür sorgen können, dass sich die Agrarlandschaft nicht nur im Sinne der Bienen positiv entwickelt, z. B. durch Anlage von Blühflächen oder –streifen, Umbruchverbote von Grünland oder Anbau alternativer bienenfreundlicher Energiepflanzen für die Biomassegewinnung.
 
Der D.I.B. – gemeinsame Ziele – gemeinsames Handeln
Die Imkerei in Deutschland hat eine lange Tradition. Altes Wissen und moderne Forschungsmethoden ermöglichen es den deutschen Imkern, besonders hohe Erträge zu erzielen. Zum Beispiel durch die Züchtung leistungsfähiger Bienen. Der Deutsche Imkerbund e.V. (D.I.B.) vertritt als Dachorganisation seit über 100 Jahren die Interessen aller organisierten imkerinnen und Imker. Ihm sind 19 Imker-/Landesverbände und rund 3.000 Kreis- und Ortsvereine angeschlossen. Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, die Imkerei in Deutschland zu fördern. Denn die Betätigung als Imker ist nicht nur ein ausgefallenes und naturverbundenes Hobby, sondern kann auch ein lukrativer Nebenverdienst sein.

Am Anfang steht die fachgerechte Ausbildung. Denn nur mit dem nötigen Fachwissen und der praktischen Erfahrung stellt sich der Erfolg ein.
 
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