| Pressemitteilung

Ernteauftakt 2026: Angespannte wirtschaftliche Situation trotz Durchschnittsernte

Rukwied: Hohe Kosten, niedrige Preise und immer neue Auflagen – der deutsche Ackerbau steht unter Druck

Der Deutsche Bauernverband (DBV) rechnet für 2026 mit einer insgesamt durchschnittlichen Getreideernte. Die Gesamtgetreideanbaufläche liegt mit 6,03 Millionen Hektar leicht über dem Vorjahr (5,92 Mio. ha, + 1,8 Prozent), davon rund 5,0 Millionen Hektar Wintergetreide. Entscheidend für die Ertragserwartung sind in diesem Jahr die regional sehr unterschiedliche Wasserversorgung sowie die hohen Temperaturen in der zweiten Junihälfte.

„Wir gehen von einer durchschnittlichen Ernte mit großen regionalen Unterschieden aus – der Standort entscheidet. Die Aussaatbedingungen im Herbst 2025 waren gut, das Frühjahr tendenziell zu trocken. Das uneinheitliche Witterungsbild hat sich im Mai fortgesetzt. Die Niederschlagsmengen unterschieden sich je nach Region stark. In der ersten Junihälfte herrschten gute Bedingungen, in der zweiten Junihälfte setzte die Hitze den Beständen in der Kornfüllungsphase massiv zu. Die Folgen des Klimawandels sind unmittelbar spürbar. Extremwetterlagen wie Hitze, Starkregen und Trockenperioden treten häufiger auf. Wir Landwirte stellen uns beispielsweise durch wassersparende Anbauverfahren und Diversifizierung im Anbau auf die Veränderungen ein“, so der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied.

Der Winterweizen bleibt mit rund 2,9 Millionen Hektar und einem Anteil von 48 Prozent an der Getreidefläche die bedeutendste Kultur. 

Die Wintergerste wurde bei guten Druschbedingungen bereits in Teilen geerntet; hier erwartet der DBV eine Erntemenge von rund 9,3 Millionen Tonnen und damit etwas weniger als im Vorjahr (9,5 Mio. t), da die Hektarerträge im Mittel niedriger ausfallen. Die Fläche von Winterraps legte um 4,9 Prozent auf 1,14 Millionen Hektar zu, hier wird eine durchschnittliche Ernte erwartet. Bei den Körnerleguminosen setzt sich der Aufwärtstrend fort: Die Anbaufläche von Körnererbsen wächst um 6,6 Prozent auf 147.400 Hektar, die von Ackerbohnen um 5,9 Prozent auf 70.300 Hektar und die von Sojabohnen um 17,8 Prozent auf 51.000 Hektar.

Sorge bereitet dem DBV die angespannte Lage beim Pflanzenschutz. Die Schilf-Glasflügelzikade breitet sich bundesweit weiter aus und bedroht Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse; die Handlungsmöglichkeiten der Betriebe sind eingeschränkt. „Die für 2026 erteilten Notfallzulassungen verschaffen kurzfristig Luft, sie können aber keine Dauerlösung sein. Wir brauchen Zulassungen für wirksame Pflanzenschutzmittel“, betont Rukwied.

Die wirtschaftliche Lage in den Ackerbaubetrieben bleibt trotz einer Durchschnittsernte weiter sehr angespannt. Die Erzeugerpreise liegen unter den schon niedrigen Preisen des Vorjahrs. Zugleich verharren die Betriebsmittelkosten auf hohem Niveau – der Preisindex für Betriebsmittel liegt rund 30 Prozent über dem Wert von 2020. 

„Wir haben ein echtes Margenproblem: Dauerhaft hohe Kosten treffen auf zu geringe Erlöse und auf eine sinkende Ertragssicherheit. Stimmen die Rahmenbedingungen nicht, verlieren immer mehr Betriebe die wirtschaftliche Grundlage für ihren Ackerbau – und mit ihnen schwindet Stück für Stück die Fähigkeit, die Versorgung im eigenen Land zu sichern. Wer Versorgungssicherheit will, muss die heimische Produktion wirtschaftlich ermöglichen“, so Rukwied.

Konkret fordert der DBV, die Energiekosten spürbar zu senken, Stickstoffdünger bezahlbar und verfügbar zu halten und die Liquidität der Ackerbaubetriebe gezielt und unbürokratisch zu sichern. Mittelfristig müssen die Zulassungsverfahren im Pflanzenschutz beschleunigt, das Düngerecht praxisgerecht weiterentwickelt und die Bürokratie spürbar abgebaut werden. „Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen statt immer neuer Auflagen – nur so bleibt der heimische Ackerbau wettbewerbs- und zukunftsfähig“, so Rukwied.

Die Ernteprognose des DBV basiert auf Meldungen und Ertragsschätzungen der 18 Landesbauernverbände. Aufgrund des noch ausstehenden Witterungsverlaufs können sich die Zahlen bis zum Abschluss der Ernte verändern.

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