EU-Nutztierstrategie und Proteinplan: Richtung stimmt, Umsetzung entscheidet
Sabet: Praxistauglichkeit und wirtschaftliche Tragfähigkeit müssen im Mittelpunkt stehen
Die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Stefanie Sabet, bewertet die von der Europäischen Kommission vorgelegten Strategien für die europäische Nutztierhaltung und einen EU-Proteinplan grundsätzlich als wichtige Schritte hin zu mehr Resilienz, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit.
„Die Kommission gibt damit der Tierhaltung eine Perspektive und erteilt einem Abbau der europäischen Bestände und Produktion eine Absage - das ist richtig und wichtig. Doch sie kündigt auch neue Auflagen an, die Finanzierung dagegen ist nur ein Prüfauftrag – das ist die falsche Reihenfolge. Wer den Umbau der Tierhaltung will, muss ihn zuerst finanziell absichern.“
Damit die Strategie ihre Versprechen einlöst, müssen im weiteren Verfahren aus Sicht des DBV die Finanzierung verbindlich geregelt, realistische Übergangsfristen festgelegt und gleichwertige Standards für Importe rechtlich abgesichert werden. „Daran wird sich die Strategie messen lassen müssen“, so DBV-Generalsekretärin Sabet.
Auch die Proteinstrategie gehe in die richtige Richtung, müsse nun aber verbindlich werden. Notwendig seien Frühwarnsysteme, strategische Sicherheitsbestände und die Absicherung kritischer Lieferketten, gerade bei Aminosäuren, Vitaminen und hochproteinhaltigen Futtermitteln, die kurzfristig nicht substituierbar sind. Bei Import- und Rückstandsregeln brauche es zudem verlässliche, wissenschafts- und risikobasierte Vorgaben.
„Die geopolitischen Krisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, wie stark Europa bei Futter- und Betriebsmitteln von Importen abhängig ist. Das Ziel, die heimische Eiweißversorgung zu stärken, unterstützen wir ausdrücklich“, erklärt die Generalsekretärin. „Zusätzliche Eiweißpflanzen bauen die Betriebe aber nur dann in größerem Umfang an, wenn Erträge, Absatz und Wertschöpfung stimmen. Die Maßnahmen müssen deshalb auf Freiwilligkeit, Wirtschaftlichkeit und Marktnachfrage setzen.“