Schweinehaltung in der Krise – Welche Zukunftswege gibt es?
Veredelungstag des Deutschen Bauernverbandes in Essenbach, Bayern
Anlässlich des DBV-Veredlungstags 2026 in Essenbach (Bayern) fordert der Deutsche Bauernverband in Anwesenheit von über 500 Landwirtinnen und Landwirten schnelle Hilfen und verlässliche Rahmenbedingungen für die Schweinehaltung in Deutschland. Die Preise befinden sich seit Monaten auf einem ruinösen Niveau. Der europäische Markt ist übersättigt und wichtige Absatzwege im Export sind durch zunehmende Konkurrenz im Exportgeschäft oder Handelshemmnisse, wie etwa die Afrikanische Schweinepest, versperrt.
„Die deutsche Schweinehaltung steht an einem kritischen Wendepunkt. Unsere Betriebe machen mit jedem verkauften Schwein Verluste und viele haben ihre Reserven längst aufgebraucht“, erklärt Hubertus Beringmeier, Veredlungspräsident und Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Schwein. „Wenn die Politik jetzt nicht handelt, verlieren wir nicht nur Betriebe, sondern ganze regionale Wertschöpfungsketten. Die Schweinehalter brauchen kurzfristig Liquidität und mittelfristig und langfristig Bedingungen, mit denen sie im europäischen Wettbewerb bestehen können.“
Konkret fordert der DBV, dass die nationalen Fristen für den Umbau von Deck- und Abferkelzentrum verschoben werden und an das EU-Recht angepasst werden müssen. „Für die fast 1000 Anträge, die beim Bundesprogramm Umbau Tierhaltung eingereicht wurden, braucht es eine verlässliche Finanzierung, die auch über 2028 hinaus abgerufen werden kann“, fordert die Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes, Stefanie Sabet. Zudem brauche es ein nationales Sonderprogramm Sauenhaltung. „Die Krise in der Schweinehaltung steht exemplarisch für die Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe: steigende Kosten, sinkende Erzeugerpreise, wachsender Liquiditätsdruck.“ Der DBV hat in einem Forderungspapier klare Vorschläge auf den Tisch gelegt, die schnell wirken würden. Jetzt sei die Bundesregierung am Zug. „Wer Versorgungssicherheit und regionale Erzeugung will, muss den Betrieben Luft zum Atmen lassen“, so Generalsekretärin Sabet.
Auch Siegfried Jäger, Tierhaltungspräsident des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), unterstreicht die Dringlichkeit von Sofortmaßnahmen für die Tierhalter: „Bayerns Schweinehalter sind Familienbetriebe, die für regionale Erzeugung stehen und auch in Zukunft die Verbraucher mit heimischem Schweinfleisch versorgen möchten. Im Schraubstock zwischen dramatisch gefallenen Erzeugerpreisen und stark gestiegenen Kosten ist die Existenz vieler Ferkelerzeuger und Schweinmäster akut bedroht.“
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer war zum Veredelungstag live aus Berlin zugeschaltet. Er sei sich der schwierigen Lage in der Schweinehaltung bewusst und wisse, wie groß die Sorgen seien. Er appellierte an die Verantwortung der nachgelagerten Bereiche in der Kette und betonte, 5xD müsse entsprechend honoriert werden. Der Minister hob die Liquiditätshilfen der Bundesregierung hervor. Beim Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung (BUT) stehe er im Wort und wolle alle Anträge auch finanzieren.
Hintergrund
Der Schlachtschweinepreis liegt aktuell bei 1,40 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht (VEZG, Stand 21.10.2026), Ferkel erlösen 28 Euro je Stück. Marktanalysten erwarten eine spürbare Erholung frühestens 2027. Der Strukturwandel verschärft sich: Zum 3. Mai 2026 gab es in Deutschland noch 14.700 schweinehaltende Betriebe, 40 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Der Schweinebestand sank im gleichen Zeitraum um 22,5 Prozent auf rund 21,0 Millionen Tiere. Das Bundesprogramm Umbau Tierhaltung ist Ende August 2026 ausgelaufen. Es wurden 956 Anträge mit einem Fördervolumen von rund 800 Mio. Euro eingereicht. 634 davon allein im Jahr 2026.