Der Weg zu einem praxistauglichen Bestandsmanagement
Nach mehr als zwei Jahrzehnten wachsender Wolfspopulationen hat die Diskussion um den Umgang mit dem Wolf 2025/2026 einen Wendepunkt erreicht. Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland gilt für Naturschutzverbände als Erfolg, stellt Weidetierhalter und Landnutzer jedoch vor zunehmende Herausforderungen. In vielen Regionen häufen sich Übergriffe auf Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde und Gehegewild – eine Folge der stark gestiegenen Bestandszahlen des Wolfes und der fehlenden natürlichen Feinde.
Vor allem im ländlichen Raum wächst deshalb der Druck, praktikable Lösungen für die Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung zu finden, die über den Herdenschutz hinaus gehen. Denn die Ausbreitung des Wolfes darf weder den Hochwasserschutz an Deichen beeinträchtigen noch den Erhalt von für den Naturschutz gewünschten Grünlandflächen oder die Zukunft der gesellschaftlich gewünschten Weidetierhaltung gefährden. Die bisherigen politischen Regelungen reichten jedoch lange nicht aus, um die Zielkonflikte zwischen Artenschutz, öffentlicher Sicherheit und Landwirtschaft zu lösen.
Die langjährige Kritik des Deutschen Bauernverbandes sowie der Weidetierhalter an der bisherigen Wolfspolitik hat schließlich dazu geführt, dass die politischen Entscheidungsträger in Deutschland und der EU 2025/2026 entscheidende Schritte eingeleitet haben, um ein aktives und praxistaugliches Wolfsmanagement zu ermöglichen.
Europa ebnet den Weg: Herabstufung des Schutzstatus
Mit der Änderung der Berner Konvention am 7. März 2025 wurde der internationale Schutzstatus des Wolfes herabgestuft – ein längst überfälliger Schritt angesichts der exponentiell steigenden Wolfszahlen in Europa mit über 20.000 Wölfen. Es folgte die Entscheidung von Rat und Parlament der EU, den Wolf in der FFH-Richtlinie von Anhang IV („streng geschützt“) in Anhang V („geschützt“) zu überführen. Dadurch erhalten die Mitgliedstaaten größere Handlungsspielräume beim Bestandsmanagement.
Nationale Ebene: Günstiger Erhaltungszustand bestätigt
Voraussetzung für eine Regulierung in Deutschland war die nationale Festlegung des günstigen Erhaltungszustands. Nachdem das Bundesumweltministerium (BMUKN) lange einen „unbekannten bzw. ungünstigen Zustand“ gemeldet hatte, erfolgte am 13. Oktober 2025 die Bestätigung des günstigen Erhaltungszustandes sowohl für die atlantische als auch die kontinentale Population. Damit ist klar: Der Wolf ist in Deutschland nicht mehr streng geschützt und ohnehin war der Wolf in seiner Population mit den Nachbarländern nicht mehr gefährdet.
Diese Feststellung eröffnete den Weg zur Umsetzung des Koalitionsvertrags – insbesondere zur Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz (BJagdG).
Gesetzentwurf zur Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht
Im November 2025 legte das BMLEH Referentenentwurf vor. Kernpunkte des Entwurfs:
- vollständige Überführung der Regelungen zum Wolf in dasBJagdG
- weitgehende Streichung der Passagen zum Wolf aus dem Bundesnaturschutzgesetz
- Einführung von revierübergreifenden Managementplänen, in denen die Vereinbarkeit der Jagd mit der Aufrechterhaltung des günstigen Eerhaltungszustandes gewährleistet wird,
- Schaffung klar definierter Weideschutzgebiete, in denen die Ausbreitung des Wolfes verhindert werden soll
- verbindliche Maßnahmen zur Entnahme von Schadwölfen.
Der DBV bezeichnete den Gesetzentwurf als „überfälligen Schritt zum Schutz der Weidetierhaltung“, fordert aber Nachbesserungen – u. a. eine bundesweit jederzeit mögliche Problemwolfentnahme, eine Entnahmequote von 40 % des Jahreszuwachses sowie eine erweiterte Weidegebiete-Definition.
Monitoring zeigt zunehmende Belastung der Weidetierhaltung
Die DBBW veröffentlichte am 11. November 2025 die Daten des Wolfsmonitorings 2024/25. Die Zahlen:
- 276 Territorien (219 Rudel, 43 Paare, 14 Einzeltiere)
- mind. 1.636 Wölfe
- 163 Totfunde
- 4.300 Nutztiere wurden 2024 gerissen
- 23,4 Mio. € Kosten für Prävention, 780.000 € für Ausgleich
Zum einen sind die Daten regelmäßig veraltet und unterschätzen den tatsächlichen Bestand. Zum anderen spiegeln nach Ansicht des DBV stagnierende Bestandszahlen nicht die tatsächliche Populationsentwicklung wider, sondern die Grenzen des Monitorings. Der Verband fordert daher eine Reform der Erfassungsmethoden – „Regulierung statt Romantisierung“.
Schäden bleiben hoch – Weidetierhaltung stark belastet
Trotz eines Rückgangs der dokumentierten Schäden bleibt die Belastung enorm:
- 2023: 5.727 gerissene Nutztiere
- 2024: 4.300 gerissene Nutztiere
- 91 % der Schäden betreffen Schafe und Ziegen
Die Diskrepanz zwischen Präventions- und Entschädigungsausgaben zeigt deutlich, wo die finanzielle Last liegt.
Fazit: Zukunft der Weidetierhaltung hängt an einem praxistauglichen Wolfsmanagement
Für den DBV ist klar: Nur ein rechtssicheres und praktikables Wolfsmanagement kann eine tragfähige Koexistenz ermöglichen. Die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht muss deshalb entschlossen und ohne Verwässerung umgesetzt werden.
Wolfspolitik am Wendepunkt:
Nach Jahren steigender Wolfsbestände hat die Politik 2025/2026 entscheidende Schritte eingeleitet. Die Absenkung des Schutzstatus und die Feststellung des günstigen Erhaltungszustands eröffnen erstmals echte Spielräume für ein aktives und praxistaugliches Wolfsmanagement. Der Deutsche Bauernverband fordert: Jetzt braucht es ein Gesetz, das Weidetierhaltung schützt, klare Regeln schafft und Verantwortung übernimmt.