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Forst- und Jagdpolitik | BAGJE
| von Friederike Schulze Hülshorst
Themendossier

Wald und Forst

Für über 135.000 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland mit Waldfläche und damit von mehr als 50 % aller landwirtschaftlichen Betriebe stellt die forstwirtschaftliche Landnutzung zwar einen untergeordneten, aber nicht zu unterschätzenden Betriebszweig dar. Die rund 1,4 Millionen Hektar Wald, welche sich in Bewirtschaftung von Landwirten befinden, machen über ein Viertel der gesamten Fläche des Privatwaldes der Bundesrepublik aus.

Hieraus ergibt sich eine enorme Verantwortung, sowohl den wachsenden Rohstoffbedarf für Produkte wie Bau- und Brennholz zu bedienen als auch den geschätzten 2 Milliarden jährlichen Waldbesuchern in Deutschland einen Raum für Erholung und Freizeit zu bieten. Zusätzlich stehen Waldbesitzenden große Herausforderungen bevor, die der Klimawandel für den Wald und seine Pflege bringt gepaart mit einer enormen wirtschaftlichen Belastung, welche sich aus dem dringend notwendigen Waldumbau ergibt. Daher ist es wichtiger denn je, eben jene Betriebe zu unterstützen, welche es sich - teilweise seit Generationen - zur Aufgabe gemacht haben, den Fortbestand unserer Wälder zu sichern. Hierzu zählen unter anderem die Weiterführung und Ausweitung der Förderinstrumente innerhalb der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) als auch die Aufnahme von forstwirtschaftlichen Lehrinhalten in landwirtschaftliche Berufsausbildungen.

EUDR

Die EU–Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) zielt darauf ab, den Handel mit illegal geschlagenem Holz und Holzprodukten in der Europäischen Union zu verhindern. Sie verpflichtet Unternehmen, die Herkunft von Holzlieferungen lückenlos nachzuweisen und Risiken illegaler Herkunft auszuschließen. Nach derzeitigen Regelungsstand treffen diese Verpflichtungen nicht nur Waldbauern außerhalb der EU, sondern auch Wirtschaftsakteure in der Europäischen Union. Dabei entstanden in Deutschland allein in den Jahren 2017 bis 2024 täglich 62 Hektar zusätzliche Waldflächen und Gehölze, so dass in Deutschland summarisch keine Entwaldung stattfindet. Für deutsche Waldbauern bedeuten diese Verpflichtungen jedoch zusätzlichen bürokratischen Aufwand und Unsicherheiten, besonders bei kleineren Betrieben. Viele fürchten, dass die strengen Dokumentationspflichten zu erhöhten Kosten führen und die Vermarktung ihres Holzes erschweren könnten. Zudem besteht Sorge, dass traditionelle Waldbewirtschaftung und regionale Besonderheiten nicht ausreichend berücksichtigt werden, was langfristige negative Effekte auf die Wirtschaftlichkeit kleiner Forstbetriebe hat.

LULUCF

In der Klimaberichterstattung werden die laufende Speicherung und die Emissionen von Treibhausgasen bei Wald und Holzproduktspeichern dem LULUCF-Sektor zugeschrieben.

Doch während die Senkenwirkung der Wälder Europas durch die Ausweitung natürlicher Kohlenstoffspeicher in der EU erhöht werden soll, werden Anzeichen einer einsetzenden Kohlenstoffsättigung der europäischen Wälder häufig ebenso verkannt wie die Beeinträchtigung ihrer Speicherfähigkeit durch Waldstörungen wie Sturmschäden, Dürre oder Insekten- und Waldbrandkalamitäten.

Hinzu kommt, dass sich die Klimaschutzleistung der Holzverwendung durch ihre Substitutionseffekte als Teil der forstlichen Nutzung nicht direkt messen lässt, wodurch diese nur indirekt in die Klimaberichterstattung eingeht. Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik spricht in diesem Zusammenhang die klare Empfehlung aus, dass potenzielle Substitutionseffekte, die sich aus den Differenzen der Treibhausgasemissionen über den Lebensweg von funktionsgleichen Holz- und Nicht-Holzprodukten ergeben, nicht gesondert als Klimaschutzleistung betrachtet werden dürfen, sondern immer im Zusammenhang mit den Veränderungen der Kohlenstoffspeicher im Wald und im Bestand der Holzprodukte gesehen werden müssen.

Auch seitens der Europäischen Umweltagentur (EEA) wurde angemerkt, dass der LULUCF-Sektor im Jahr 2023 nur noch 198 Mio. t CO₂-Äquivalent an negativen Emissionen zur EU-Klimabilanz beisteuere, wohingegen in der LULUCF-Verordnung der Europäischen Union 310 Mio. t CO₂-Äquivalent an negativen Emissionen für das Jahr 2030 veranschlagt werden. Diese Diskrepanz allein zeigt deutlich, inwiefern der Wald droht, im Zuge dieser Diskussion in realitätsfremdem Maße überstrapaziert zu werden.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass nicht vom Forstsektor erwartet werden kann, die CO₂-Bilanzen der anderen Sektoren als Kohlenstoffsenke auszugleichen und sich dadurch in unverantwortlichem Maße selbst zu überlasten. Es bedarf vielmehr einer Überarbeitung der LULUCF-Ziele sowie einer vollständigen Darstellung aller Leistungen, mit denen der Wald zum Klimaschutz beiträgt.