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HumusKlimaNetz
| von Jeanette Stresow

Modell- und Demonstrationsvorhaben HumusKlimaNetz

Humuserhalt und Humusaufbau in Ackerböden: Warum das jetzt zählt.

Das HumusKlimaNetz ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben zum Humusaufbau in Ackerböden. Bis zunächst Ende 2027 werden auf bundesweit 150 konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben Maßnahmen zum Humusaufbau und -erhalt als Beitrag zu Klimaschutz und Klimaanpassung erprobt und das daraus gewonnene Wissen in die breite landwirtschaftliche Praxis getragen. Das Vorhaben ist ein gemeinsames Projekt vom Deutscher Bauernverband (DBV) und Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), mit wissenschaftlicher Begleitforschung durch das Thünen-Institut. Die Förderung des Projektes erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat. Projektträgerin ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe.

© HumusKlimaNetz

Kernaspekte

  • Humus speichert große Mengen Kohlenstoff und ist ein zentraler Bestandteil des Klimaschutzprogramms 2030 für Klimaschutz und Klimaanpassung.
  • Landwirtschaftliche Böden in Deutschland enthalten rund 2,5 Mrd. Tonnen Kohlenstoff in Form von Humus, das entspricht 48 % der Kohlenstoffvorräte in Deutschland.
  • Einzelne ackerbauliche Maßnahmen können darüber entscheiden, ob Böden Kohlenstoff binden oder freisetzen.
  • Ein Netzwerk von deutschlandweit 150 Betrieben erprobt diese Maßnahmen und teilt seine Erkenntnisse gezielt mit der landwirtschaftlichen Praxis sowie der breiten Öffentlichkeit.
  • Die Ergebnisse fließen in Empfehlungen für Agrar- und Klimapolitik ein.

 

Warum Humus für Klima und Landwirtschaft so wichtig ist

Humus ist die organische Substanz im Boden, die aus Pflanzenresten durch mikrobielle Prozesse entsteht. Er verbessert Bodenstruktur, Wasserhaltevermögen und Nährstoffversorgung. Gleichzeitig ist Humus ein bedeutender Kohlenstoffspeicher: Laut Bodenzustandserhebung Landwirtschaft lagern in deutschen Ackerböden rund 2,5 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – mehr als doppelt so viel wie in allen Wäldern des Landes. Damit ist klar: Humuserhalt und -aufbau sind ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz und stärken zugleich die Widerstandsfähigkeit der Böden zur nachhaltigen Ernährungssicherung in Deutschland.

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Wissen aus der Praxis – für die Praxis

Ein Kern des Projekts ist der systematische Wissenstransfer. 150 ökologisch und konventionell wirtschaftende Projektbetriebe testen Maßnahmen unter realen Bedingungen und teilen ihre Erfahrungen im Netzwerk. Dieses Wissen wird aufbereitet, über Betriebsgrenzen hinaus vermittelt und für die breite landwirtschaftliche Praxis zugänglich gemacht. Zentrale Projektformate sind dabei die internen HumusClubs der Betriebsgruppen und öffentliche Feldtage in allen Projektregionen. Damit entsteht ein lebendiges System: Betriebe profitieren voneinander, neue Erkenntnisse werden ausgetauscht, und erfolgreiche Ansätze können schnell flächendeckend umgesetzt werden. Die gewonnenen Daten zu Wirkung und Kosten werden wissenschaftlich ausgewertet und bilden zudem eine Grundlage für politische Entscheidungen.

© HumusKlimaNetz

Welche Maßnahmen den Humusaufbau fördern

Auf rund 3.600 Hektar setzen 150 teilnehmende landwirtschaftliche Betriebe mehr als 2.400 Maßnahmen (Stand Dezember 2025) zum Humusaufbau und -erhalt um. Hinzu kommen über 100 Demoflächen, auf denen innovative Praktiken, wie der Einsatz von Pflanzenkohle oder der Anbau alternativer Hauptkulturen, erprobt werden.

Die im Rahmen des HumusKlimaNetz erstellten Maßnahmen-Steckbriefe zeigen auf, für welche Maßnahmen eine Humus- und Klimawirkung wissenschaftlich belegt ist. Diese werden durch die Projektbetriebe in der Praxis angewendet und auf ihre Praktikabilität erprobt.

Zwischenfrüchte und Untersaaten: Sie überbrücken Brachzeiten, reduzieren Emissionen, liefern zusätzliche Biomasse, reduzieren Nährstoffauswaschung und schützen so den Boden. Optimierte Artenmischungen, Saattermine und Technik können die Wirkung verstärken.

Fruchtfolgen: Durch die Auswahl humusmehrender Kulturen – etwa mehrjähriger Pflanzen oder Körnermais – kann der Humusgehalt steigen. Humuszehrende Kulturen wie Silomais, Kartoffeln oder Zuckerrüben werden reduziert. Besonders wirksam sind mehrjährige Kulturen, da sie viel Wurzelbiomasse einbringen und den Boden schonen.

Mehrjährige humusmehrende Kulturen: Kleegras, Miscanthus, Durchwachsene Silphie oder Wildpflanzenmischungen bilden große Wurzelsysteme und bieten neben Klimaschutzleistungen auch andere Vorteile wie Erosionsschutz und eine erhöhte Nährstoffverfügbarkeit. Zudem sind sie geeignete Futtermittel und Energieträger für die Biogasanlage als Alternative zu Silomais.

Agroforstsysteme: Die Kombination von Gehölzen und Ackerbau speichert Kohlenstoff in Holz und Wurzeln. Dadurch wird das Mikroklima positiv beeinflusst, vor Erosion geschützt und die Biodiversität positiv beeinflusst. Unterschiedliche Nutzungskonzepte erwirtschaften zusätzliche Einnahmen als Energieträger, Wertholz oder Ernteprodukte (Früchte/Nüsse) und erhöhen gleichzeitig die Biodiversität.

Kurzumtriebsplantagen: Schnellwachsende Gehölze wie Pappeln oder Weiden speichern Kohlenstoff über 20–30 Jahre. Danach sinken Erträge, sodass oft eine Rückwandlung in Ackerland stattfindet oder eine Neuanlage nötig wird. Besonders geeignet sind schwer bewirtschaftbare, erosionsgefährdete oder randständige Flächen.

Hecken: Sie speichern dauerhaft Kohlenstoff und fördern Biodiversität. Da sie zu Landschaftselementen werden, dürfen sie nicht entfernt werden. Der gespeicherte Kohlenstoff liegt überwiegend in Gehölzen, weniger im Ackerboden selbst.

Blühstreifen: Sie fördern Biodiversität und können Humus aufbauen, wenn ausreichend Biomasse entsteht. Zwischen Artenvielfalt und Biomasse sind jedoch oft Kompromisse nötig.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie entsteht Humus? Durch Photosynthese gelangt Kohlenstoff in Pflanzen, deren Wurzeln und Erntereste in den Boden gelangen. Mikroorganismen wandeln diese in leicht und schwer zersetzbare Formen von Kohlenstoffverbindungen – den Humus – um.

Kann jeder Betrieb Humus aufbauen? Grundsätzlich ja. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von Standort, Fruchtfolge und Betriebszielen ab.

Wie schnell wirkt Humusaufbau? Humus entsteht langsam. Erste Effekte können nach wenigen Jahren sichtbar werden, stabile Veränderungen benötigen längere Zeiträume.

Ist Humusaufbau immer klimawirksam? Nur wenn mehr Kohlenstoff eingelagert als freigesetzt wird. Neben weiteren externen Faktoren kann insbesondere die Bewirtschaftung entscheidend sein, ob der Boden Senke oder Quelle ist. Bei der Bewertung sind auch Verlagerungseffekte durch Maßnahmen zu berücksichtigen (z.B. Erhöhung anderer Treibhausgase oder Verlagerung von einer Fläche zur anderen).

Unsere Einordnung

Humusaufbau ist ein zentraler Baustein für Klimaschutz und eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Die im Projekt erprobten Maßnahmen zeigen, dass viele Betriebe bereits wertvolle Erfahrungen gesammelt haben, systematische Daten zu Wirkung und Kosten werden aktuell in der Begleitforschung ausgewertet. Besonders wichtig ist der Wissenstransfer: Nur wenn erfolgreiche Ansätze breit geteilt und praxisnah vermittelt werden, können sie in der Fläche Wirkung entfalten. Das HumusKlimaNetz schafft dafür eine starke Grundlage. Die Kombination verschiedener Maßnahmen – angepasst an Standort und Betriebsstruktur – bietet großes Potenzial für Klimaschutz, Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Langfristige politische Rahmenbedingungen sind entscheidend, damit Betriebe in humusfördernde Maßnahmen investieren können. Die Projektergebnisse liefern dafür belastbare Impulse.