Quelle: UBA, Nationales Treibhausgasinventar
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Klimapolitik | Nachhaltigkeit
| von Robert Kero

Treibhausgasemissionen und Klimaleistungen der Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Produktion findet unter freiem Himmel sowie in und mit der Natur statt. Dementsprechend sind auch die landwirtschaftsbasierten Treibhausgasemissio-nen – anders als in den übrigen Sektoren – i.d.R. nicht fossilem Ursprungs, sondern das Ergebnis natürlicher, zum Teil nicht beeinflussbarer Prozesse.

© Situationsbericht 2026/Gr23-1

Quelle: UBA, Nationales Treibhausgasinventar

Eine treibhausgasfreie Lebensmittelproduktion ist weltweit nicht möglich. Vielmehr gilt es, zu möglichst geringen Treibhausgasemissionen pro Produkteinheit, d.h. CO2-Fußabdrücken sowie in ausreichender Menge und höchster Qualität zu produzieren. In der Gunstregion Mitteleuropas ist eine intensive, effiziente und somit zugleich nachhaltige Lebensmittelproduktion nicht nur ein Schlüssel für Versorgungssicherheit und Resilienz, sondern auch ein entscheidender Beitrag zum internationalen Klimaschutz. 

Die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland sind seit Jahren Rückläufig und stets unterhalb der Vorgaben des deutschen Klimaschutzgesetzes . Trotz einer kontinuierlichen Effizienzsteigerung werden die Emissionen jedoch perspektivisch im gesamtdeutschen Verhältnis steigen, da durch die Substitution von fossilen Energieträgern andere Sektoren ihre Emissionen z.T. vollumfänglich reduzieren können. 

 

Methan (CH4)

Über die Hälfte der landwirtschaftlichen Emissionen sind Methanemissionen. Rund 80 Prozent dieser Emissionen haben ihren Ursprung in der Wiederkäuerhaltung, wo Methan als natürliches Stoffwechselprodukt entsteht. Ca. 20 Prozent der Methanemissionen entstehen während der Wirtschaftsdüngerlagerung. Anders als bei Methanemissionen fossilen Ursprungs, z.B. Erdgas, ist das landwirtschaftliche Methan Teil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufes. Methan baut sich kurzfristig, d.h. nach ca. 12 Jahren, zu Kohlenstoffdioxid und Wasser ab. Ersteres wird von Futterpflanzen über die Photosynthese aufgenommen und dient wiederrum als Futter in der Tierhaltung.

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Quellen: DBV nach Angaben des UC DAVIS CLEAR Center

Lachgas (N2O)

Rund 30 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen sind Distickstoffmonoxid (N2O), umgangssprachlich Lachgas genannt. Der Hauptteil der Lachgasemissionen entstammt landwirtschaftlich genutzten Böden, während Umbauprozessen (Nitrifikation, Denitrifikation) des Hauptnährstoffs Stickstoff. Durch dem Nährstoffbedarf angepasste Düngergaben, präzise Ausbringung und die Wahl geeigneter Stickstoffdünger erreichen Landwirte eine hohe Stickstoffeffizienz und reduzieren somit aktiv die mögliche Umsetzung von Dünger zu Lachgas. Dennoch sind wesentliche N2O-Emissionen durch externe Faktoren bestimmt, die nicht durch den Landwirt beeinflussbar sind. Dazu zählen z.B. hohe Temperaturen bei Nitrifikationsprozessen, aber auch Niederschläge nach Trockenperioden. Sauerstoffmangel in Böden, ein wesentlicher Aspekt bei Frost-Tau-Zyklen, haben wiederum erheblichen Einfluss auf Denitrifikationsvorgänge und somit Lachgasemissionen.

 

Kohlenstoffdioxid (CO2)

Kohlenstoffdioxid-Emissionen spielen bei der landwirtschaftlichen Produktion nur eine untergeordnete Rolle. Wesentliche Quelle von CO2-Emissionen ist die Kalkung landwirtschaftlicher Böden (ca. 3,5 Prozent der landw. THG-Emissionen) mit dem Ziel, Bodengesundheit zu erhöhen bzw. zu erhalten. Abseits der sektoralen Aufteilung nach dem Regelwerk des Weltklimarates (IPCC) bzw. der Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC) werden in der nationalen Berichterstattung nach dem Bundes-Klimaschutzgesetz  (KSG) auch die kraft- und brennstoffbedingten CO2-Emissionen dem landwirtschaftlichen Sektor zugerechnet. Nach der KSG-Systematik haben CO2-Emissionen einen Anteil von 17 Prozent an den gesamten landwirtschaftlichen THG-Emissionen.

 

 

Landnutzungsbasierte Treibhausgasemissionen

Neben dem landwirtschaftlichen Sektor besteht mit dem Sektor „Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft“, kurz LULUCF, ein weiterer Sektor nach dem Regelwerk der internationalen Treibhausgasberichterstattung, der eng mit der Landwirtschaft verknüpft ist. Im LULUCF-Sektor werden dem Namen entsprechend alle Einflüsse durch die Landnutzung bzw. deren Änderung, z.B. durch die Anlage und den Erhalt von Waldflächen oder durch das Entwässern von Moorstandorten, erfasst und berichtet. Anders als in den übrigen Sektoren gilt dies im LULUCF-Sektor nicht nur für Treibhausgasemissionen, sondern auch für Treibhausgassenken. Somit ist der LULUCF-Sektor der einzige Sektor der theoretisch dazu in der Lage ist, nicht vermeidbare Treibhausgasemissionen anderer Sektoren auszugleichen. Eine wesentliche Senke ist dabei der Wald, da Kohlenstoff im Holz gespeichert wird. Auch geschlagenes Holz, das einer langfristigen Nutzung zugeführt wird, wird als Kohlenstoffsenke bilanziert. Landwirtschaftliche Betriebe können über den Erhalt und die Mehrung von organischer Bodensubstanz, häufig verkürzt als „Humus“ bezeichnet, dazu beitragen, Kohlenstoffsenken aufzubauen. Auch Hecken, Agroforstsysteme und andere Elemente unserer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft sind ein Beitrag zur Kohlenstoffbindung. Landnutzungsbasierte Treibhausgasemissionen werden in der Bilanzierung innerhalb des LULUCF-Sektors den Emissionen gegenübergestellt. Wesentliche THG-Emissionen entstehen bei der Nutzung entwässerter Moorstandorte. Aber auch natürliche Moorstandorte oder Anlage von Siedlungs- und Verkehrsflächen führt zu Treibhausgasemissionen, die im LULUCF-Bereich bilanziert werden. 

© Situationsbericht 2026/Gr23-1

Quellen; UBA, Schätzung, AGEE-Stat, BLE, TI

Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz in anderen Sektoren

Nicht nur eine effiziente heimische Lebensmittelproduktion ist im weltweiten Vergleich eine Klimaschutzmaßnahme, sondern auch über andere Leistungen trägt die Landwirtschaft dazu bei, Emissionen zu reduzieren. Ein Beispiel sind emissionsmindernde Beimischungen bei Kraftstoffen. Ottokraftstoff, d.h. Benzin, enthält je nach Ausführung 5-10 Prozent Ethanol (E5 bzw. E10) welcher aus zucker- und stärkehaltigen Pflanzen gewonnen wird. Dieselkraftstoff wird i.d.R. als D7 vermarket, d.h. 7 Prozent des Kraftstoffes sind ist biobasiert, z.B. aus Rapsöl. Die erreichten THG-Minderungen durch die Substitution fossiler Kraftstoffe werden aufgrund der international gültigen Sektoreinteilung (vgl. IPCC und UNFCCC) insbesondere im Verkehrssektor abgebildet. Gleichzeitig entstehen im landwirtschaftlichen Sektor zusätzliche THG-Emissionen durch den Anbau der Öl- und Stärke bzw. Zucker liefernden Pflanzen, welche den deutlich überwiegenden Emissionsminderungen in anderen Sektoren bisher nicht offiziell gegenübergestellt werden. Weitere Beispiele sind die Stromerzeugung in Biogasanlagen und die Erzeugung von Wärme. Ersteres kommt sämtlichen Sektoren über die Einspeisung ins öffentliche Stromnetz zugute. Letzteres hilft insbesondere dem Gebäudesektor die Öl- und Erdgasnutzung zu substituieren.