Zucht von Milchkühen
Faktencheck Landwirtschaft

Zucht von Milchkühen

Züchten wir nur noch „Turbokühe“?

Wie werden unsere Kühe gezüchtet?

Es gibt in Deutschland rund 4 Millionen Milchkühe; die durchschnittlich in Herden mit 67 Kühen leben. In 61.000 Milchviehbetrieben werden täglich Kühe versorgt und gemolken1. Mehr als die Hälfte der deutschen Kühe gehören zur Rasse Holstein-Friesian. Diese werden überwiegend im Norden und in der Mitte Deutschlands gehalten. Ungefähr ein Viertel aller Milchkühe sind Fleckviehkühe und zählen damit zur Doppelnutzungsrasse für die Milch- und Fleischerzeugung. Fleckviehkühe stehen vor allem in Süddeutschland. Die restlichen Kühe gehören unter anderem zu den Rassen Braunvieh, Rotvieh, Vorderwälder und Jersey². In Deutschland herrscht unter den Milchkühen eine bunte Rassenvielfalt mit unterschiedlichen Eigenschaften und Ansprüchen.

      

Welche Rolle spielt die Gesundheit der Kühe?

Das Ziel einer jeden Zucht ist, vitale Tiere zu züchten, die eine wirtschaftliche Nutztierhaltung ermöglichen. Aus diesem Grund wird bereits seit dem Jahr 1997 nicht nur auf Milchleistung und die Inhaltsstoffe der Milch gezüchtet, sondern auch Fitnessmerkmale (sog. funktionale Merkmale) werden berücksichtigt. Diese Merkmale sind heute bereits wichtiger als die eigentliche Milchleistung.

Für die besondere Berücksichtigung der Fitness bzw. Gesundheit von Milchkühen in der Zucht führte die deutsche Holsteinzucht zum April 2019 den neuen Gesundheitszuchtwert „RZGesund“ ein. Dieser eigenständige Zuchtwert beinhaltet die Merkmale Euter-, Klauen-, Stoffwechselgesundheit und Fruchtbarkeit. Er zeigt an, welche Vererber widerstandsfähige Nachkommen hervorbringen. Damit wird die Tiergesundheit in der Herde züchterisch verbessert².

 

 

    

   

Wie alt werden unsere Kühe?

Kühe der beiden Hauptrassen Holstein-Friesian und Fleckvieh gaben im Jahr 2018 im Durchschnitt rund 9.500 kg bzw. 7.900 kg Milch in der Milchleistungsprüfung. Damit hat sich die Milchleistung in den letzten zehn Jahren bei den Holstein-Kühen um rund zehn Prozent und bei den Fleckviehkühen um rund vierzehn Prozent erhöht. Im Gegenzug ist das Alter bei beiden Rassen trotz gestiegener Leistung de facto stabil geblieben4. Das ist zum Einen das Ergebnis der verstärkten Zucht auf Fitness. Zum Anderen wurde dies auch durch sorgfältiges Herdenmanagement und entsprechenden „Kuhkomfort” erreicht.

Untersuchungen von Milchviehherden aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass Milchleistung und Krankenstatus sich nicht gegenseitig bedingen müssen. Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern hat mit einem umfassenden Datensatz, weltweit einem der Genauesten, ermittelt, dass mit höherer Herdenleistung Kühe sogar länger gemolken und damit auch älter werden. Milchkühe mit einer höheren Milchleistung müssen nicht zwangsläufig öfter behandelt werden als Kühe mit einem niedrigeren Leistungsniveau. 5,6

    

    

Mit einer hohen Milchmenge pro Kuh können die Milchviehhalter nachhaltiger und damit auch umweltfreundlicher Milch gewinnen. Eine Kuh mit einer höheren Milchleistung schont die Umwelt und das Klima zum Beispiel durch geringere Methanemissionen je Liter Milch stärker als eine Kuh, die weniger Milch gibt.

Die Landwirtschaft muss sich, wie jeder andere Wirtschaftsbereich auch, stetig weiterentwickeln. Milchbauern können nicht mehr wie vor vierzig Jahren wirtschaften. Die Erkenntnisse in der Tiergesundheit und dem Herdenmanagement haben sich enorm entwickelt. Gleichzeitig ist aber auch der wirtschaftliche Druck stärker geworden. Dabei setzen die Milchviehhalter auf eine Balance zwischen Milchleistung und Tiergesundheit.

   

  

1Statistisches Bundesamt (Mai 2019)
2BRS-Jahresberichte des Bundesverbandes Rind und Schwein (2019): „Rinder- und Schweineproduktion in Deutschland“
3BRS-Bundesverbandes Rind und Schwein (2019): www.richtigzuechten.de
4ADR-Jahresberichte der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (versch. Jg.): „Rinderproduktion in Deutschland“
5Römer, A. (Landesanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern) (2012): Wie lange soll eine Kuh leben?, Vortrag, 22. Hauptversammlung LKV Sachsen-Anhalt, Cobbelsdorf
6Römer, A. (Landesanstalt für Landwirtschaft und Fischerei in Mecklenburg-Vorpommern) (2017): Vier Wege zur Erhöhung der Nutzungsdauer der Milchkuh. Vortrag, Kreisrinderzucht- und Kontrollgemeinschaft Altenburger Land, Greiz und Gera, Rüdersdorf