Die Rindfleischerzeugung in Deutschland ist in besonderer Weise und durch eine breit gefächerte Betriebsstruktur gekennzeichnet. Neben zahlreichen Nebenerwerbs- und Gemischtbetrieben, existieren spezialisierte, oftmals auch größere Aufzucht- und Mastbetriebe. Die Fleischrinderhaltung zeichnet sich zudem durch eine große genetische Vielfalt und unterschiedlichste Haltungsverfahren aus. In der Mutterkuhhaltung werden zahlreiche Rassen genutzt, ergänzt durch Gebrauchskreuzungen (Beef-on-Dairy) und Rotationskreuzungen. Der allergrößte Teil der Kälber stammt aus der Milchviehhaltung. Diese Fragmentierung führt zu einer heterogenen Produktionslandschaft, die einerseits auf Betriebsebene große Flexibilität bietet, andererseits die Umsetzung effizienter Strukturen erschwert.

Im November 2025 lag der Bestand an Rindern auf dem niedrigsten Stand der vergangenen 20 Jahre und die Analyse der Bestandsentwicklung der letzten fünf Jahre zeigt einen Rückgang der Rinderzahlen, insbesondere bei Mastbullen mit -5 %, obwohl eine zuletzt gute Wirtschaftlichkeit in der Mast zu verzeichnen war.

Die Entwicklung wirft Fragen zur Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Binnenmarkt und im internationalen Handel auf, zumal die heimische Produktion unter dem Druck globaler Preisentwicklungen und steigender Tierwohlanforderungen steht. Gleichzeitig bleibt der Erhalt der Selbstversorgung mit Rindfleisch unter 5-D-Bedingungen ein strategisches Ziel, um Wertschöpfung und Transparenz in der gesamten Kette sicherzustellen.

Die Perspektiven für Kälber- und Rindermast, Fresseraufzucht sowie Mutterkuhhaltung sind eng mit den politischen Rahmenbedingungen verknüpft. Die geplante Verschärfung der EU-Tierschutzgesetzgebung sowie stetig geforderte politische und gesellschaftliche Anforderungen an Tierwohlleistungen stellen die Betriebe vor zusätzliche Unsicherheiten und Anpassungsherausforderungen.

Vor diesem Hintergrund ist das Bestehen klarer und langfristiger europäischer Rahmenbedingungen unabdingbar. Im internationalen Vergleich haben unsere Ställe ein sehr hohes Tierwohlniveau. Erforderlich sind Planungssicherheit für bestehende Ställe, Investitionen in tiergerechte und emissionsarme Stallkonzepte, der Abbau bürokratischer Hemmnisse durch vereinfachte Genehmigungs- und Förderverfahren und die Unterstützung zukunftsfähiger Betriebsstrukturen, die ökonomische Tragfähigkeit mit gesellschaftlich akzeptierten Produktionsmethoden verbinden. Nur durch ein konsistentes Gesamtkonzept, das Tierwohl, Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit gleichermaßen berücksichtigt, kann die Mastrinderhaltung in Deutschland ihre Rolle als Garant für hochwertige Rindfleischerzeugung und Ernährungssicherheit auch unter den Bedingungen des europäischen und globalen Wettbewerbs behaupten.

Zielformulierung
Der Deutsche Bauernverband steht für eine Ernährungsstrategie, die auf Ernährungssouveränität und regionaler Wertschöpfung basiert und sieht tierische Eiweiße als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. Aus dem bundesweiten Grünlandanteil von etwa 30 % ergibt sich eine Vorzüglichkeit der Rinderhaltung – regional jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Von der Geburt, über die Aufzucht, Mast, Schlachtung und Zerlegung bzw. Verarbeitung des Rindfleischs sollten alle Produktionsschritte der Wertschöpfungskette im Inland stattfinden. Die im Folgenden benannten drei Ziele sollen im Zeitraum von 10 bis 15 Jahren erreicht werden.

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