22.06.2022

Im Mittelpunkt des Ackerbauforums des Deutschen Bauernverbandes (DBV) in Rendsburg standen am 21. und 22. Juni die Themen Fruchtfolgen, Züchtung, Leguminosen und Märkte. Die Teilnehmer der Tagung diskutierten am ersten Tag intensiv über die Vor- und Nachteile breiter Fruchtfolgen. Neben vielen ackerbaulichen Vorteilen ergeben sich damit aber neue technologische Herausforderungen und nach wie vor immer noch ökonomische Nachteile. Dies wird sich erst dann ändern, wenn speziell für Leguminosen höhere Erzeugerpreise gezahlt werden.

„Viele Landwirte sind bereit, im Sinne der Nachhaltigkeit und Biodiversität mehr Fruchtarten in ihre Fruchtfolgen einzubauen“ sagte Detlef Kurreck, Ackerbaupräsident des DBV. „Solange dies jedoch nicht durch entsprechende Erzeugerpreise entgolten wird, muss durch die Politik sicherstellen, dass weite Fruchtfolgen für die Landwirte keine finanziellen Nachteile haben. Die in der GAP vorgesehen Mittel reichen dafür nicht aus.“

Einigkeit bestand auch darüber, dass Bäuerinnen und Bauern schlagspezifisch und aufgrund ihrer Erfahrungen entscheiden müssen, welche Fruchtfolgen dort möglich sind. Pauschale und flächendeckende 08/15-Lösungen wie in der neuen GAP und auch in der jüngst vorgestellten Richtlinie zum nachhaltigen Einsatz von Pflanzenschutzmittel vorgesehen sind hierfür nicht geeignet. „Auch die geplante Ausweitung von nicht zielführenden bürokratischen Belastungen ist kontraproduktiv“, so Kurreck.

Ebenso wichtig ist, dass auch die Züchtung zukünftig ihr volles Potential ausschöpfen kann. Dies wurde den Teilnehmern nicht nur im Rahmen eines Fachvortrages, sondern auch durch den Besuch des Zuchtgartens der Norddeutschen Pflanzenzucht in Hohenlieth anschaulich vor Augen geführt. Die Zuchtfortschritte der vergangenen Jahrzehnte haben nachweislich zu einer effizienteren Düngeraufnahme und zu einem reduzierten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln geführt. Gerade aus Gründen des Natur- und Umweltschutzes dürfen daher Denkblockaden bei den Züchtungsmethoden nicht weiter den Fortschritt verhindern.

Am zweiten Tag der Veranstaltung wurde angeregt darüber debattiert, welche Chancen und Risiken der Markt für Proteinpflanzen bietet. Die Teilnehmer waren sich einig, dass sich die Rahmenbedingungen noch weiterentwickeln müssen, um die Nische zu verlassen. Da jedoch zukünftig eine deutliche Nachfragesteigerung zu erwarten ist, müsse die Landwirtschaft die Chance wahrnehmen, sich den Markt für pflanzliche Nahrungsmittel zu erschließen. In der sich anschließenden Betrachtung der Marktaussichten für die kommende Ernte, der aktuellen Preislage bei den Düngemitteln und der aktuellen landwirtschaftlichen Situation in der Ukraine bestand bei den Teilnehmern Konsens darüber, dass die Krise nur in einem globalen Kraftakt bewältigt werden kann.

Zum Abschluss des diesjährigen Forums berichteten 3 Betriebe aus Schleswig-Holstein, wie sie ihre jeweiligen Betriebe für die zukünftigen Herausforderungen aufgestellt haben. Die gezeigten Beispiele waren einmal mehr ein Beweis für die große Anpassungsfähigkeit und Innovationsfreude der deutschen Bäuerinnen und Bauern.