Auch wenn Deutschland den zweitgrößten Viehbestand in der EU hat, verzeichnen die nationalen Viehbestandserhebungen der letzten Jahre einen deutlichen Rückgang. So zeigt die aktuelle Viehbestandserhebung vom Mai 2024 anhaltende Rückgänge bei Milchkühen und Mastbullen sowie strukturelle Veränderungen in der Schweinehaltung. Während die Mutterkuhhaltung vorübergehend eine leichte Erholung verzeichnet, bleibt der langfristige Strukturwandel in der Landwirtschaft deutlich sichtbar.
Rinderbestand:
- Von 2014 bis 2024 sank der gesamte Rinderbestand um insgesamt 16,3 %.
- Der Gesamtrinderbestand sank im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 % auf nun insgesamt 10.626.827 Tiere.
- Noch nie in der Geschichte der Aufzeichnungen seit 1950 war der Rinderbestand so gering. Seit den 1980er Jahren, als der Höchste Stand mit 21.535.977 Tieren erreicht wurde, fand eine Halbierung der Bestände statt.
- Die Anzahl der Milchkühe fiel im letzten Jahr um 2,8 % auf 3.668.290 Tiere. Das ist der größte jährliche Bestandsabbau im Milchviehsektor in der letzten Dekade.
- Im Schnitt sind die Milchkuhbetriebe von 56 Milchkühen in 2014 auf 74 Kühe in 2024 gewachsen.
- Von 2014 bis 2024 verringerte sich die Anzahl der Mastbullen um 22,5 %.
- Der Mastbullenbestand sank im letzten Jahr um 7,8 % auf aktuell 795.106 Tiere.
- Die Mutterkuhhaltung zeigt im letzten Jahr eine leichte Erholung: Die Zahl der Betriebe stieg um 1,1 % auf 50.354, die Anzahl der Mutterkühe nahm um 0,8 % auf insgesamt 628.393 Tiere zu.
Schweinebestand:
- Von 2014 bis 2024 ging die Zahl der schweinehaltenden Betriebe um 41,8 % und die Schweinebestände um 24,6 % zurück, was auf einen erheblichen Strukturbruch hinweist.
- Im letzten Jahr sank die Zahl der schweinehaltenden Betriebe um 2,7 % auf 15.770, während der gesamte Schweinebestand um 1,1 % auf 21.174.200 Tiere anstieg.
- Diese aktuelle Stabilisierung ist aufgrund einer besonders positiven Marktlage erfolgt, die den Betrieben eine zumindest vorübergehende Perspektive gegeben hat, um insbesondere die erheblichen Verluste der letzten Jahre auszugleichen.
- Nach wie vor sind die Bestände auf einem so geringen Niveau wie zuletzt in den frühen 1950er Jahren.
- Für die Zuchtsauenhaltung erfolgte die Entwicklung grundsätzlich analog zum Gesamtschweinebestand - in den konkreten Auswirkungen allerdings deutlich dramatischer.
- Von 2014 bis 2024 gingen die sauenhaltenden Betriebe um 51,8 % zurück. Der Bestand der Zuchtsauen nahm in den letzten 10 Jahren um 32,8 % ab, bedingt durch erhebliche Auflagen und mangelnde Rentabilität in der Ferkelerzeugung.
- Die Betriebszahlen in der Zuchtsauenhaltung blieben im letzten Jahr konstant, während die Anzahl der Zuchtsauen um 1,4 % auf 1.413.900 anstieg.
- Die Gründe liegen in der o.a. beschriebenen aktuell positiv ökonomischen Lage. Ungeachtet dessen ist der Gesamtsauenbestand auf dem niedrigsten Bestand seit Jahrzehnten.