Der Deutsche Bauernverband (DBV) warnt vor einer schleichenden Strukturkrise im ökologischen Landbau. Laut DBV-Generalsekretärin Stefanie Sabet gefährden überzogene Auflagen in der Tierhaltung und fehlende Alternativen zur Kreislaufwirtschaft die Bodenfruchtbarkeit und damit die Zukunftsfähigkeit vieler Öko-Betriebe. „Die Folgen sind bereits spürbar. Fast zehn Prozent der deutschen Öko-Milchviehbetriebe mussten 2025 ihre Zertifizierung aufgeben“, betont Sabet im Vorfeld der Öko-Messe BIOFACH, die vom 10. bis 13. Februar in Nürnberg stattfindet. Auch in Frankreich, Österreich und Dänemark ging die Öko-Milchviehhaltung binnen vier Jahren um bis zu 15 Prozent zurück. Ab 2030 drohen darüber hinaus weitere Einschnitte in der Geflügelhaltung, sollte die EU ihre Regelungen nicht anpassen.
„Das politische Ziel, den Öko-Landbau - an den Markt angepasst - auf einen Anteil von über 20 Prozent der Fläche auszuweiten, wird unter diesen Bedingungen nicht erreichbar sein”, warnt Sabet. Der DBV fordert daher eine grundlegende Kurskorrektur. Im Zentrum sollte eine flexiblere, zielorientierte Ausgestaltung der Weidepflicht stehen. Moderne Tierwohlkonzepte wie Laufhöfe in Kombination mit Außenklimaställen müssen endlich als gleichwertige Alternative anerkannt werden, wenn sie artgerechtes Verhalten ermöglichen. Darüber hinaus müssen verschiedene Wege zur Kreislaufwirtschaft möglich sein und gefördert werden. Neben der Tierhaltung gehören dazu die Biogaserzeugung und regionale Nährstoffkooperationen zwischen ökologischen und konventionellen Betrieben. Schließlich muss auch die Forschung für den Ökolandbau gestärkt werden, insbesondere für angepasste Sorten, biologischen Pflanzenschutz und effiziente Düngestrategien. „Die Kernfrage lautet dabei nicht, ob der Öko-Landbau funktionieren kann, sondern ob man ihn funktionieren lässt.“ DBV-Generalsekretärin Sabet betont weiter: „Der ökologische Landbau kann seine Versprechen halten: Artenvielfalt, Bodenschutz, geschlossene Kreisläufe. Aber das geht nur mit Pragmatismus, nicht mit starren Dogmen.“
