Zwischen Milchviehstall und Schaukäserei rückte beim Auftakt des bundesweiten Wochenendes „Tag des offenen Hofes“ 2026 eine Frage in den Mittelpunkt, die weit über die Landwirtschaft hinausreicht: Wo kommen unsere Lebensmittel künftig her? Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Verbänden diskutierten beim Krabat-Hoftalk in der KRABAT-MILCHWELT im sächsischen Wittichenau über Versorgungssicherheit, Klimawandel, wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe und die Zukunft regionaler Erzeugung.
Für den Lausitzer Gastgeberbetrieb beschrieb Tobias Kockert, Betriebsleiter der Krabat Milchwelt, diesen Spagat aus eigener Erfahrung: „Viele Verbraucher wünschen sich regionale, handwerklich erzeugte Lebensmittel, wie wir sie hier herstellen. Gleichzeitig stehen wir durch schwankende Milchpreise, hohe Kosten, Bürokratie und zunehmende Wetterextreme unter Druck.“ Für ihn ist die Frage, wo unsere Lebensmittel künftig herkommen, deshalb nicht nur eine landwirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe: „Regionale Wertschöpfung braucht auch Wertschätzung. Nur wenn die Leistung der Landwirtschaft anerkannt wird, kann sie langfristig bestehen.“
Sachsens Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft, Georg-Ludwig von Breitenbuch, warb in der Diskussion dafür, die Bedeutung regionaler Erzeugung stärker in den Blick zu nehmen: „Wenn wir wissen wollen, wo unsere Lebensmittel künftig herkommen, brauchen wir einen engen Austausch mit den Agrar- und Erzeugerbetrieben vor Ort. Regionale Landwirtschaft bleibt unverzichtbar – sie ist unsere Versicherung gegen Klimarisiken und globale Unsicherheiten. Gut aufgestellte Betriebe stärken die ländlichen Räume und sichern unsere Versorgung.“
Auch aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes steht die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe im Mittelpunkt. Vizepräsident Torsten Krawczyk fordert in der angespannten Lage mehr Unterstützung für die Landwirtschaft: "Landwirtschaft ist systemrelevant – ohne wirtschaftlich tragfähige Betriebe gibt es keine Versorgungssicherheit, keine regionale Wertschöpfung und keinen starken ländlichen Raum. Unsere Betriebe stehen unter erheblichem Druck. Eigenkapitalreserven sind vielfach aufgebraucht und notwendige Liquidität wird zunehmend durch Fremdkapital ersetzt. Daher sind die Pläne zu Kappung und Degression bei der GAP ein falsches Signal und würden die ostdeutsche Landwirtschaft massiv schwächen.“
Dr. Klaus Heider, Ständiger Vertreter des Staatssekretärs und Abteilungsleiter Heimat im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, betonte die Bedeutung der Landwirtschaft für die Versorgungssicherheit: „Wichtig ist, die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft resilient und krisenfest aufzustellen. Jeder einzelne Betrieb leistet einen wichtigen Beitrag zu unserer Versorgungssicherheit. Die unverzichtbare Arbeit auf den Höfen im ganzen Land verdient Respekt und Anerkennung. Daher setzen wir uns dafür ein, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft zu sichern. Dazu gehört für uns auch, dass die GAP unsere Höfe stärkt und leistungsfähige Betriebe nicht pauschal ausbremst, wie etwa durch die Vorschläge zur Kappung. Zudem bauen wir Bürokratie konsequent ab und stehen fest an der Seite der Landwirtinnen und Landwirte."
Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, lenkte den Blick auf die Menschen hinter den Betrieben und die Zukunft der ländlichen Räume: „Die Frage, wo unsere Lebensmittel künftig herkommen, ist auch eine Frage danach, wer sie künftig erzeugt. Wir brauchen Perspektiven für junge Menschen und Familien, damit Höfe und ländliche Regionen eine Zukunft haben.“
Der Krabat-Hoftalk zeigte, wie eng die Zukunft der Lebensmittelversorgung mit den Perspektiven der landwirtschaftlichen Betriebe verbunden ist. Die Antworten auf die großen Fragen der Ernährungssicherung werden nicht allein in Ministerien oder auf internationalen Konferenzen entwickelt. Sie entstehen auf landwirtschaftlichen Betrieben wie der Krabat Milchwelt in Wittichenau. Dort, wo jeden Tag Lebensmittel erzeugt werden.
