22.12.2025

Liebe Bäuerinnen und Bauern,

hinter uns liegt erneut ein bewegtes Jahr – politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Die geopolitischen Spannungen nehmen weiter zu, der Krieg in der Ukraine bleibt Realität und in vielen Teilen der Welt erleben wir eine wachsende Unsicherheit. Auch in Deutschland stehen wir an einem entscheidenden Punkt: Eine nach wie vor schwächelnde Wirtschaft, ein größtenteils noch ausstehender Politikwechsel und die mangelhafte Verlässlichkeit (agrar-)politischer Entscheidungen haben das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger auf eine harte Probe gestellt.

Gleichzeitig wird zunehmend spürbar, wie sehr die Wettbewerbsfähigkeit unserer Landwirtschaft gefährdet ist. Steigende Kosten, ausufernde Auflagen und fehlende Planungssicherheit belasten unsere Betriebe enorm. Doch nur mit einer starken Landwirtschaft lassen sich die großen Herausforderungen unserer Zeit meistern: Ernährungssicherheit, Klimaschutz und Klimaanpassung, Artenschutz und wirtschaftliche Stabilität. Gerade in so unsicheren Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, brauchen wir eine widerstandsfähige Landwirtschaft und lebendige ländliche Räume. Denn Ernährungssicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind essentielle Grundpfeiler unserer Demokratie. Wir können es uns nicht leisten, Landwirtschaft in andere Regionen der Welt zu verlagern oder ländliche Räume zu schwächen. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die Politik die Zeichen der Zeit erkennt und den Kurs Richtung Zukunft neu ausrichtet.

Politikwechsel darf nicht in Vergessenheit geraten
Was muss geschehen, um der Landwirtschaft in Deutschland wieder Perspektiven und Gestaltungsspielraum zu geben? Wir brauchen eine Politik, die Vertrauen schafft – durch Verlässlichkeit und ein echtes Bekenntnis zur Bedeutung der Landwirtschaft. Unsere Betriebe benötigen endlich passende Rahmenbedingungen. Dazu gehören vor allem Wettbewerbsgleichheit innerhalb der EU sowie ein wirksamer Bürokratieabbau und echte Planungssicherheit. Nur so kann die tägliche Arbeit auf den Höfen spürbar erleichtert werden und nur so können unsere Betriebe Perspektiven für Investitionen und langfristige Entscheidungen sehen.

Starker Rückhalt für unsere Branche
Gleichzeitig kommen wir diesem Ziel Stück für Stück näher. Bereits 2023/2024 haben wir mit unseren Protesten als Bauernverbandsfamilie eindrucksvoll gezeigt, was uns bewegt – und wie geschlossen wir auftreten können. Unsere Forderungen nach dem Erhalt des Agrardiesels, nach weniger Bürokratie und nach praxistauglicher Politik haben breite Unterstützung erfahren. Und unsere Proteste waren erfolgreich. Mehr als die Hälfte der Kürzungen wurde damals bereits wieder zurückgenommen. Doch wir sind drangeblieben und konnten als Bauernverband auch im zurückliegenden Jahr weitere wichtige Erfolge erzielen.  

Verbandsarbeit wirkt
Agrardiesel kommt zurück – zentrale Forderung erfüllt Nach unserem hartnäckigen Einsatz steht seit einigen Monaten fest: Ab 2026 wird die Agrardieselrückvergütung wieder vollständig eingeführt. Zusammen mit dem Erhalt der Grünen Kennzeichen ist dies ein entscheidender Durchbruch – und zeigt, wie wirksam unser gemeinsames Handeln war.

Bürokratieabbau angestoßen – Stoffstrombilanz gestrichen
Auch den Bürokratieabbau haben wir angestoßen. Wenngleich der Weg noch lang ist, machen wir Fortschritte. Ein wichtiger Schritt hierbei: Die Stoffstrombilanz wurde vollständig gestrichen – eine jahrelange Forderung unserer Betriebe und des Bauernverbandes.

Agrarstatistikgesetz reformiert
Ein bedeutender Schritt ist die Novelle des Agrarstatistikgesetzes. Mit ihr wird das Once-Only-Prinzip gestärkt und endlich Doppelmeldungen reduziert. Dennoch bleibt klar: Der Abbau überbordender Dokumentationspflichten muss weiter vorangetrieben werden - auf nationaler wie auf europäischer Ebene.

Fortschritte beim Wolf
Fortschritt gibt es auch beim Wolf und der Weidetierhaltung. Der günstige Erhaltungszustand des Wolfes wurde nach unermüdlicher Überzeugungsarbeit unserer Branche nach Brüssel gemeldet. Entscheidend ist nun, dass das Jagdgesetz so angepasst wird, dass Wölfe rechtssicher entnommen werden können - und unsere Weidetiere damit endlich besser geschützt werden.

Erfolg bei den Roten Gebieten
Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist ein Meilenstein. Jetzt muss der Bund umgehend klar regeln, wie Kulissen abgegrenzt werden. Wir fordern weiterhin Verursachergerechtigkeit und Entlastungen für Betriebe, die nachweislich gewässerschonend wirtschaften.

Langjährige, beständige Verbandsarbeit zahlt sich aus
Auch die Einführung der 90-Tage-Regelung ist eine Entlastung für einige Betriebe, ebenso wie die dauerhafte Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß ab 2026 sowie die Verlängerung der Tarifglättung.
Diese Erfolge zeigen sehr deutlich: Verbandsarbeit lohnt sich. Sie ist wirksam, sie verändert Politik – und sie macht unsere Höfe zukunftsfähig.

Agenda für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft
Dabei bleiben die Herausforderungen groß und die Politik ist mehr denn je gefragt, zügig Reformen im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit unserer Branche anzugehen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. In manchen Bereichen ist es bereits fünf nach zwölf. Die Bundesregierung muss jetzt konsequent für die dringend notwendige Entlastung unserer Betriebe sorgen. Wichtige Schritte sind beispielsweise eine steuerfreie Gewinnrücklage sowie die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln. Und insbesondere für unsere tierhaltenden Betriebe braucht es endlich einen verbindlichen Tierwohlvorrang im Bau- und Immissionsschutzrecht sowie Zugang für alle Betriebe zu einem finanziell angemessen ausgestatteten Förderprogramm für die Weiterentwicklung der Tierhaltung.

Auch in Brüssel müssen die zugesagten Reformen endlich umgesetzt werden. Ernährungssicherheit gehört wieder ins Zentrum europäischer Politik. Gleichzeitig müssen Fehlentwicklungen des Green Deal korrigiert werden: Klimaschutz und Artenschutz gelingen nur mit der Landwirtschaft – nicht gegen sie.

Verband im Wandel
Wir als Deutscher Bauernverband wollen diesen Wandel aktiv begleiten. Dazu gehört auch, junge Menschen und Unternehmerinnen noch stärker einzubinden und ihnen den Weg in die Verbandsarbeit zu erleichtern. Unsere Netzwerke wachsen, neue Perspektiven entstehen – etwa mit dem DBVnext-Netzwerk, welches wir im zurückliegenden Jahr ins Leben gerufen haben. Und auch im kommenden Jahr, dem UN-Jahr der Landwirtin, werden wir zahlreiche Akzente setzen. Denn unsere Landwirtschaft und auch der Bauernverband leben vom Miteinander der Generationen, vom gemeinsamen Engagement und vom Mut, Neues zu wagen.

Gemeinsam Zukunft gestalten
Unsere Landwirtschaft ist leistungsstark, innovativ und unverzichtbar. Ja, die Herausforderungen sind groß – aber wir haben gezeigt, dass wir gestalten können, wenn wir geschlossen auftreten. Als Bauernverband werden wir uns auch 2026 mit ganzer Kraft, klarer Stimme und verlässlicher Haltung für die Anliegen der Landwirtschaft einsetzen.

Ihnen und Ihren Familien wünsche ich ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr.
Packen wir es gemeinsam an!

Ihr Joachim Rukwied
Präsident des Deutschen Bauernverbandes