Auf den rund 61.000 Höfen, auf denen in Deutschland Milchkühe gehalten werden, lebten im Mai 2019 rund 4,1 Millionen Milchkühe – rein rechnerisch kommen damit auf einen Betrieb 67 Tiere.

Die meisten von ihnen stehen in Bayern: Hier lebt ein Viertel aller deutschen Milchkühe, der Rest verteilt sich auf die gesamte Bundesrepublik. Je nach Region dominieren unterschiedliche Rassen, die verschiedene Eigenschaften und Ansprüche haben. Knapp die Hälfte der Tiere gehört zur Milchviehrasse Holstein-Friesian. Sie werden überwiegend im Norden und der Mitte Deutschlands gehalten. Fleckviehkühe machen etwa ein Drittel des Bestandes aus. Sie kommen sowohl in der Milch- als auch in der Fleischerzeugung zum Einsatz und stehen vor allem in Süddeutschland. Weitere in Deutschland verbreitete Rassen sind u. a. Rotbunte Holstein, Braunvieh, Rotbuntes Niederungsrind, Angler und Vorderwälder. Sie unterscheiden sich unter anderem in Größe und Fellfarbe, aber auch der Körperbau oder die Milchleistung können je nach Rasse variieren.

Fitness als Wirtschaftsfaktor

Foto: Alexas_Fotos/pixabay
(Foto: Alexas_Fotos/pixabay)

Im deutschlandweiten Durchschnitt bekommt eine Milchkuh etwa alle 13 Monate ein Kalb. Eine Kuh ist rund neun Monate tragend, dann kommt das Kalb zur Welt und die Kuh kann gemolken werden. Pro Jahr liefern deutsche Milchbauern auf diese Weise 32 Millionen Tonnen Milch an die Molkereien. Mit diesem Wert nimmt Deutschland unter den Mitgliedstaaten der Europäischen Union einen führenden Platz ein.

Dennoch besteht das Zuchtziel bei Milchrindern in Deutschland schon lange nicht mehr nur in einer möglichst üppigen Milchleistung. Um eine wirtschaftliche Nutztierhaltung zu ermöglichen, konzentriert sich die Zucht bereits seit zwanzig Jahren auf bestimmte Fitnessmerkmale. Im Vordergrund steht dabei das Ziel, vitale und fruchtbare Kühe zu züchten, die lange und gesund leben.

Deutsche Milchbauern setzen sich auch intensiv mit dem Thema Tierwohl auseinander – und lassen sich das Wohlergehen ihrer Kühe einiges kosten. Zahlen des Konjunkturbarometers Agrar belegen, dass Landwirte in der jüngeren Vergangenheit zwischen drei und vier Milliarden Euro pro Jahr in den Um- bzw. Neubau von Boxenlaufställen sowie moderne Stalltechnik gesteckt haben.

Der Weg zu einer solchen Modernisierung ist aber oft steinig: Teils fehlen die finanziellen Mittel, teils erschweren die räumlichen Gegebenheiten auf einem Hof den Umbau – oder die Behörden verweigern die Genehmigung für das Projekt.

Dennoch werden schon heute ungefähr drei Viertel der Milchkühe in Deutschland in Laufställen gehalten. Die Anbindehaltung, die in früheren Zeiten die Regel war, geht kontinuierlich zurück. Allein in den vergangenen fünfzehn Jahren hat sich die Zahl der Betriebe, die ihre Tiere auf diese Weise halten, bundesweit um rund 75 Prozent reduziert. Dieser Prozess wird sich fortsetzen.

„Kuhkomfort“ gibt es nicht nur auf der Weide

Unabhängig davon, wie sie gehalten werden, grasen mehr als 40 Prozent der Milchkühe in Deutschland regelmäßig auf einer Weide. Wo die betrieblichen Gegebenheiten oder die Naturräume vor Ort das nicht zulassen, bieten moderne Boxenlaufställe einen guten Ersatz für die Ausflüge an die frische Luft: Planung und Bau moderner Ställe sind inzwischen ganz darauf ausgerichtet, die Vorteile einer Weide in den Stall zu holen und die Nachteile (wie etwa die schlechtere Hygiene) draußen zu lassen. „Kuhkomfort“ ist ein gängiger Fachbegriff unter Architekten, Stallausrüstern und Milchviehhaltern.

Allerdings sind und bleiben die ökonomischen Rahmenbedingungen für Milchbauern in Deutschland schwierig: Seit der Öffnung des EU-Agrarmarktes haben die Erzeuger mit stark schwankenden Preisen zu kämpfen. Zudem belegt die Politik die Landwirte mit immer neuen Auflagen für die Produktion, wie etwa durch die aktuelle Düngeverordnung.

Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Milchviehhalter um rund ein Drittel verringert – und der Strukturwandel dürfte sich fortsetzen. Die bisher flächendeckende Milchviehhaltung dürfte sich in Zukunft wohl weiter an die sogenannten Gunststandorte im Norden und Süden Deutschlands verschieben, wo genügend Gras wächst, das sich an die Tiere verfüttern lässt.